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Hygieneforscher Prof. Spica: „Ein absolutes Nullrisiko gibt es nicht“

Wissenschaftler im Interview
12.05.2020 Kategorie: Verband

Viele sportaffine Menschen freuen sich in diesen Tagen über die Lockerung der Beschränkungen, die angesichts der Coronavirus-Pandemie beschlossen wurden. Bei der Rückkehr in den vereinsbasierten Sport wird gerade viel über das Risiko einer Virusübertragung in Sportzentren, Fitnessstudios und auch in Schwimmbädern diskutiert. Der DSV-Partner Myrtha Pools baut seit 60 Jahren Schwimmbecken, in denen eine angemessen schnelle Wasserumwälzung und einheitliche Verteilung der Reinigungsmittel zu jeder Zeit garantiert ist. Um eine Nutzung der Schwimmbäder während der Pandemie zu unterstützen, hat Roberto Colletto, der CEO von Myrtha Pools, eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Für diese Studie führt Vincenzo Romano Spica, Professor für Hygiene an der Universität „Foro Italico“ in Rom, nun Labortests durch, um die Reaktion des Coronavirus auf die verschiedenen chemischen Eigenschaften des Wassers in einem Pool herauszufinden. Um so noch besser zu klären, wie Schwimmen ohne jegliches Risiko einer Erkrankung an Covid-19 möglich wird. „Wir hoffen, dass die Studienergebnisse bald vorliegen und den zuständigen Behörden bei der Festlegung der Parameter helfen, die Schwimmhallen auch während dieser Pandemie zu einer sicheren Umgebung für die Gesundheit machen“, erklärte Colletto. Professor Spica forscht schon lange zum Gesundheits- und Hygienemanagement von Schwimm- und Spa-Einrichtungen, beriet als international angesehener Experte auch schon die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Herr Professor, Covid-19 infiziert die Welt und stoppt Sportaktivitäten, auch in den Schwimmbädern. Kann Schwimmen überhaupt eine konkrete Gefahr darstellen?

Professor Spica: Coronaviren sind, wie andere als Parainfluenza bezeichnete saisonale Viren und Formen, sehr ansteckend und leicht von Mensch zu Mensch in verschiedenen Umgebungen u?bertragbar. Schwimmba?der sind daher nur einer der vielen Bereiche, in denen sich SARS-CoV-2 ausbreiten kann, aber sie stellen keine besondere Gefahr dar, zumindest nach aktuellen epidemiologischen Daten. Wahrscheinlich ist, dass Schwimmbäder, wenn allgemeine Präventionsmaßnahmen eingehalten werden, sogar zu den sichersten und kontrollierbarsten Einrichtungen gehören. Es ist jedoch notwendig, dass wir zwischen sportmotorischer bzw. rehabilitativer Nutzung von Spiel- und Freizeitbecken unterscheiden, da Letztere mehr in den Bereich der Strand- bzw. Erlebnisbäder fallen. In der Tat ist es schwieriger, an einem offenen Strand oder in einem Becken, in dem ältere Menschen und Kinder frei und ohne Regeln spielen, die Kontrolle der Abstandsregeln oder die Einhaltung strenger Vorschriften zu gewährleisten. Es sollte bei diesen Einrichtungen auf eine erhebliche Reduzierung der Epidemie gewartet werden, bevor sie sicher wieder in Betrieb genommen werden, und in jedem Fall immer unter Einhaltung festgelegter Regeln.

Können Sie bitte mal beschreiben, wie man sich im Schwimmbecken anstecken kann mit dem Coronavirus?

Prof. Spica: Das Virus wird über die Luft von Mensch zu Mensch übertragen. Dies könnte theo- retisch auch im Becken zwischen sich in der Nähe befindlichen Schwimmern geschehen, in Umkleidekabinen oder in jeder anderen  Umgebung - unter diesem Gesichtspunkt zählt immer die Distanz zwischen einzelnen Individuen. Unter allen Sportarten war es jedoch bereits vor der Pande- mie schwer vorstellbar, dass gerade eine Person mit Covid-19 Symptomen beschließt, ins Wasser zu gehen. Welche Mutter - selbst die unverantwortlichste oder mangelhaft über Coronavirus informierte - würde ihr Kind mit Erkältung, Husten oder Fieber in ein Schwimmbecken schicken? Und welcher Trainer ließe dieses Kind mit den anderen Kindern schwimmen? Und welcher Athlet würde mit Husten und Fieber trainieren, auf die Gefahr hin, seine Situation zu verschlimmern und alle nachfolgenden Trainingseinheiten zu verpassen? Kurz gesagt, die Regeln des gesunden Menschenverstandes waren in der Regel bereits weit unter den Nutzern und Betreibern von Schwimmbädern verbreitet (vielleicht weniger in Turnhallen oder auf Spielplätzen), aber gerade jetzt sollten diese Regeln bewusster wahrgenommen, erhöht und sogar zur Pflicht werden. Es bedarf einfacher Vorschriften und einer angemessenen Schulung der Betreuer, um sie durchzusetzen. Keine Regeln funktionieren jedoch ohne das Mitwirken der Nutzer.

Das Wasser an sich stellt also keine Gefahr dar?

Prof. Spica: Es ist sinnvoll, Folgendes einmal klarzustellen: Wenn wir das Wasser eines gut besuchten Schwimmbades betrachten, und keiner der Nutzer dabei krank oder Träger von Sars-Cov2 war, dann kann dieses Wasser auch niemals eine ernsthafte Gefahr bei Covid-19 darstellen, weder für die Schwimmer, noch für diejenigen, die dieses Wasser anschließend nutzen. Daher wird die Kontrolle der Nutzer und deren Aufklärung zur Hygiene im Schwimmbecken zu einem weiteren Grundprinzip der Prävention. Es stimmt, Wasser kann ein Transportmittel für verschiedene Krankheiten sein, aber der Fortschritt der Wissenschaften und die Einhaltung technischer, anlagenbezogener und regulatorischer Anforderungen haben dieses Risiko praktisch vernachlässigbar und akzeptierbar gemacht. Jetzt müssen wir dieses Wissen an das Coronavirus anpassen. Das ist Teamarbeit zwischen Wissenschaftlern, Gesundheitsbehörden, der Welt des Sports und der Industrie gefragt. In der Tat ist eine gemeinsame Anstrengung der Industrie auch notwendig, um Covid-19 in Schwimmbädern und anderen öffentlichen Orten zu bekämpfen - durch innovative Produkte zur Luft- und Wasseraufbereitung und für die Hygiene von Oberflächen und Räumlichkeiten. Nach allem, was wir im Moment über dieses neue und seltsame Virus wissen, ist die grundlegende Übertragungsart über die Luft und nicht über das Wasser, das u.a. behandelt werden und eine antimikrobielle Wirkung im Becken haben muss, wie es Gesetz und WHO- Leitlinien vorschreiben.

Aber kann man testen, um zu sehen, ob sich das Virus im Wasser befindet?

Prof. Spica: Im Prinzip ja, aber die Suche nach Viren in Schwimmbadgewässern ist aufgrund technischer Aspekte ein komplexes Thema. Im Augenblick ist es daher vor allem notwendig, die Hinweise der Gesundheitsbehörden gewissenhaft einzuhalten, sowohl für die Beckenwasseraufbereitung als auch für die Methoden zur Überprüfung ihrer Wirksamkeit. Zusammenfassend ist es wichtig, noch vorsichtiger zu sein, damit keine biologischen Flüssigkeiten in das Wasser gelangen.

Wenn das Beckenwasser mit Chlor oder anderen Produkten desinfiziert ist, garantiert das absolute Sicherheit?

Prof. Spica: Zu einem anderen Zeitpunkt hätte ich ja gesagt, heute muss ich sagen:  Ja, aber. Denn es ist richtig, dass verschiedene Desinfektionsmittel, einschließlich Chlor, auch auch auf Viren wirken. Aber es ist auch wahr, dass dieses Coronavirus noch wenig bekannt ist und uns bereits unangenehm überraschte. Ohne epidemiologischer Beweise und spezielle experimentel-le Studien müssen wir daher sehr vorsichtig bleiben. Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Covid-19 durch die Benutzung von Schwimmbädern auf den Menschen übertragen werden kann. SARS-CoV2 könnte jedoch in Speichel oder anderen biologischen Flüssigkeiten vorhanden sein, die das Wasser sogar nur in Spuren kontaminieren. Wir müs- sen daher noch die tatsächliche Fähigkeit dieses Virus überprüfen, ob es unter Chlor bei verschiedenen Bedingungen des Wassers im Becken überlebt. In der Vergangenheit wurden Schwimmbadepidemien aufgrund verschiedener viraler und nicht-viraler mikrobieller Wirkstoffe hauptsächlich mit einer schlechten Wasseraufbereitung und den Hygienebedingun- gen des Systems in Verbindung gebracht. Es könnte jedoch sein, dass eine Person mit besonders intensiver Freisetzung von Mikroben auch das bestgeführte Schwimmbecken belasten könnte. Obwohl die Ergebnisse spezifischer Studien über Schwimmbäder und Covid-19 noch nicht verfügbar sind, kann die Wissenschaft einige weitere Hinweise liefern, indem sie sich Theorien aus früheren Forschungen ausleiht. Insbesondere wissen wir, dass auch andere menschliche oder tierische Coronaviren empfindlich auf die Desinfektion mit Chlorprodukten reagieren, und das verheißt für die Kontrolle des neuen Coronavirus im Schwimmbecken Gutes. Daher könnte Schwimmbadwasser, das die optimalen Anforderungen der geltenden Vorschriften bereits erfüllt, wahrscheinlich als „geschützter Bereich“, angesehen werden. Kurzfristig wären jedoch neue Daten und Experimente erforderlich, um angesichts der Herausforderungen, die das neue Coronavirus mit sich bringt, dazu wissenschaftlich fundierte Beweise zu finden.

Und was ist mit der Luft in Schwimmbädern?

Prof. Spica: Luft ist der Hauptübertragungsweg des Coronavirus. In Freibädern und Außenbereichen gibt es einen hohen Verdünnungs- und Sauerstoffanreicherungsfaktor und oft auch die Anwesenheit von Sonnenstrahlen, die über die UV-Komponente zur antimikrobiellen Wirkung beitragen können. In diesem Umfeld ist soziale Distanzierung die wichtigste Vorsichtsmaßnahme. In Hallenbädern - wie bei jeder Innenumgebung - muss der Luftaustausch so optimal wie möglich sein und das Rückführungssystem ausreichend ge- wartet werden. Es gibt Filter und andere Abluftreinigungssysteme, aber sie haben im Laufe der Zeit nur noch eine geringe Restwirkung, so dass das Problem weiterhin besteht, im We- sentlichen aufgrund der Anwesenheit von möglichen Virusträgern unter Benutzern, Besuchern oder Anlagenbetreibern Jede Maßnahme, die den Austausch von frischer, sauberer Luft begünstigt, kann zur Verdünnung und Beseitigung sowohl von Mikroorganismen als auch von flüchtigen chemischen Rückständen beitragen, hat jedoch Einfluss auf die Kosten, z. B. im durch höhere Betriebskosten oder bei Installation neuer An- lagen. Sowohl auf den Tribünen als auch im Becken müssen in jedem Falle Ansammlungen verhindert und Bedingungen zur sozialen Distanzierung geschaffen werden. Nach WHO-Angaben mindestens 1 m  Entfernung, wenn möglich sogar mehr, zumindest während der ersten Phase der Wiedereröffnung. Die Kapazität von Räumlichkeiten und Becken muss daher streng eingehalten werden, von den Zuschauertribünen bis zu den Umkleidekabinen, über die Verkehrswege bis zum Becken-rand. Die Schwimmbadbranche hat schon immer Regeln zur Vermeidung von Überlastungen gehabt, jetzt müssen diese perfektioniert, geteilt und in Zusammenarbeit mit Nutzern und Betreibern durchgesetzt werden. Die Wirksamkeit und Angemessenheit dieser Maßnahmen wird jedoch von der tatsächlichen Verbreitung des Virus in der Bevölkerung abhängen und kann im Laufe der Zeit angepasst werden. Mit anderen Worten, Vorsicht ist notwendig, allerdings gibt es ein absolutes Nullrisiko nicht. Darum muss die Prävention in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis und einem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlichen und vernünftigerweise akzeptablen Risiken stehen.

Sollten die Schwimmbäder demnach geöffnet werden oder nicht?

Prof. Spica: Alles hängt von dem Sicherheitsniveau ab, das die Regierungen organisieren werden. Sobald die Durchführung von zertifizierten Tests zur Ermittlung des Nichtvorhandenseins eines Coronavirus auch bei Ausbleiben von Symptomen möglich ist, bräuchte man nicht alle als möglicherweise krank oder Träger des Virus zu betrachten und es könnte ein Maß für das tatsächliche Risiko in dieser Bevölkerung auf lokaler Ebene ermittelt werden. Andererseits, glauben Sie, dass es auf unbestimmte Zeit möglich sein wird, dass alle in Ihren Wohnungen bleiben und alle Aktivitäten gestoppt werden? Das können wir uns nicht erlauben. Weder aus wirtschaftlichen oder sozialen noch aus gesundheitlichen Gründen. Vergessen wir nicht, dass man auch vor dieser Pandemie (und leider auch während und wahrscheinlich auch danach) an anderen Krankheiten starb, wie z.B. durch Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Neoplasien. Dazu die Erkrankungen, die alle hauptsächlich auf den Risikofaktor Bewegungsmangel zurückzuführen sind (wenn auch zusammen mit ernährungsbedingten und anderen Erkrankungen wie Rauchen und Alkoholmissbrauch). Körperliche Aktivität, auch im Wasser,  ist ein sehr wichtiger Schutzfaktor für die Gesundheit der Bevölkerung, unabhängig von den wirtschaftlichen Bedürfnissen von Spitzensportlern oder der Welt des Amateursports, die ebenfalls von grundlegender Bedeutung sind und unter größter Aufmerksamkeit respektiert werden müssen. Ja, auch aus epidemiologischer und gesundheitlicher Sicht ist es notwendig, wieder in Bewegung zu kommen, Sport zu treiben und vor allem, dies im Schwimmbecken sicher zu tun. Dies erfordert Bewusstsein und Vorsicht, aber dies wird der wahre Sieg über Covid-19 sein. Daher ein Ja zu Schwimmbädern.

Das gesamte Interview und den Flyer von Myrtha Pools finden hier.