Name

Christel Schulz

Geburtsdatum

04.04.1940

Geburtsort

Rathenow

Größe

164 cm

Verein

SG Einheit Rathenow

Trainer

trainiert sich selbst

Beruf

Elektro-Installateurin, Sportlehrerin

Aktiv seit

1951

 

 

Zur Person

Christel Schulz (AK 70, SG Einheit Rathenow) gehört zu den erfolgreichsten Mastersschwimmerinnen überhaupt - nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Am 16. September 2011 wurde die vielfache Welt- und Europameisterin als erste deutsche Frau in die „International Masters Swimming Hall of Fame“ berufen. Nach Richard Reinstädtler aus Düsseldorf (2005) und Karl Hauter aus Pirmasens (2009) ist die Brandenburgerin damit die dritte Deutsche, die den hohen globalen Ehrenruf aus Fort Lauderdale (USA) erhielt.

Seit 1990 ist die ehemalige Spitzenschwimmerin aus der DDR als Mastersschwimmerin aktiv. Nach der Maueröffnung hörte sie zum ersten Mal davon, dass es Masterssport gibt und nahm das Training wieder auf. 1996, damals in der Altersklasse 55, schwamm sie ihren ersten Weltrekord über 50 Meter Freistil. Bei ihrer ersten Masters-Weltmeisterschaft 1996 in Sheffield holte sie zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen. Es folgten die WM in München 2000 mit zwei Gold, einer Silber und zwei Bronze, die WM in Christchurch 2002 mit drei Gold und zwei Bronze, die WM in Riccione 2004 mit drei Gold, einer Silber und einer Bronzemedaille, die WM in Stanford 2006 mit fünf Gold, die WM in Perth 2008 ebenfalls mit fünfmal Gold und zuletzt die WM in Göteborg 2010 mit weiteren fünf Goldmedaillen.

Bis heute errang Christel Schulz in ihrer Masterskarriere 23 Weltmeistertitel und 35 Weltrekorde (23 auf der langen und 12 auf der kurzen Bahn) in den Altersklassen 55, 60, 65 und 70. Außerdem hat sie an sieben Europameisterschaften teilgenommen und dabei 25 Titel und 103 Europarekorde erreicht.

Die passionierte Schwimmerin trainiert seit Jahren regelmäßig zweimal in der Woche. Wenn sie sich auf Wettkämpfe vorbereitet, legt sie dreimal die Woche 3000 Meter zurück. Vor Europa- und Weltmeisterschaften nimmt sie an Lehrgängen teil oder fährt ins persönliche Trainingslager, „was sich immer positiv ausgewirkt hat.“, wie sie betont. Sie macht wenig Krafttraining. Wenn, mit 1,5 kg Hanteln. Theraband, Lockerungs- und Dehnungsübungen gehören zu ihren wöchentlichen Aufgaben. Sie unternimmt gern Radtouren. Nur das Skaten hat sie eingestellt, „weil es sich nicht gut auswirkte.“

Unglaublich aber wahr ist, dass Christel Schulz seit Jahren alleine und nach eigenen Trainingsplänen im öffentlichen Badverkehr trainiert. Sie geht meistens am Mittag schwimmen, „weil dann weniger Betrieb ist und die Leine vom Schulschwimmen noch drin ist.“

Ihre Wurzeln hat die Masters-Ausnahmeathletin in Rathenow, das liegt in Brandenburg an der Havel, von Wald und Seen umgeben, nur 90 Kilometer von Berlin entfernt. Hier wurde Christel unter ihrem Mädchenname Steffin am 4. April 1940 als Jüngste von drei Kindern eines Elektromeisters geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 flüchtete ihre Mutter mit den Kindern in das benachbarte Dorf Hohennauen in das Elternhaus des Vaters. Am Hohennauener See lernte Christel, unterstützt von ihren Geschwistern, mit fünf Jahren schwimmen. Als ihr Vater ein Jahr später aus der amerikanischen Gefangenschaft zurückkehrte, zog die Familie wieder nach Rathenow, wo Christel eingeschult wurde.

1949 wurde Deutschland geteilt. Bei den Schulmeisterschaften weckte Christels Schwimmtalent die Aufmerksamkeit der Lehrer, und sie wurde im Schwimmverein der Betriebssportgemeinschaft Einheit Rathenow aufgenommen. Dort lernte sie alle Schwimmarten und verbesserte ihre Leistungen mit rasender Geschwindigkeit, obwohl sie nur im Sommer im Freibad in der Havel trainieren konnte.

Zwei Jahre später bekam sie vom Schwimmverband der DDR erstmalig die Chance sich bei einem Jugendländerkampf gegen Rumänien zu bewähren. Insgesamt 10 Jahre, von 1954 bis 1963, war sie Mitglied der Nationalmannschaft der DDR. In der Zeit nahm sie an 45 internationalen Wettkämpfen teil, darunter Länderkämpfe in Bukarest, Budapest, Warschau, Moskau, Prag, Birmingham und Peking. Sie war bei den Weltfestspielen in Warschau (1955) und Moskau (1957) dabei, außerdem bei den Europameisterschaften in Budapest (1958) und Leipzig (1962) sowie bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne und 1960 in Rom.

In den Jahren 1955 bis 1960 war Christel Steffin unangefochtene DDR-Meisterin und deutsche Rekordhalterin über 100 Meter Freistil. Im Laufe ihrer Karriere stellte sie über 100 Meter Freistil sieben DDR-Rekorde auf. Ihren größten Erfolg feierte sie bei den Olympischen Spielen in Rom. Hinter USA und Australien errang sie mit der gesamtdeutschen Mannschaft über 4 x 100 Meter Freistil eine Bronzemedaille. Neben Christel gehörten mit Heidi Pechstein und Gisela Weiß drei Schwimmerinnen aus der DDR zur deutschen Staffel, Schlussschwimmerin war Ursel Brunner aus der Bundesrepublik.

1961 wurde in Berlin die Mauer gebaut. Das bedeutete für Christel Steffin „keine Auslandsstarts!“, da ihre Geschwister in Westdeutschland lebten. Sie wurde im DDR-Schwimmsport nicht mehr gefördert, ihre Leistungen gingen zurück, bis sie 1963 die aktive Schwimmlaufbahn beendete.

Neben dem Schwimmsport hatte Christel die Schulzeit und auch eine Lehre als Elektro-Installateurin abgeschlossen. 12 Jahre lang arbeitete sie im Elektrogeschäft ihrer Eltern. 1965 heiratete sie den Sportlehrer Hans-Jürgen Schulz. 1966 und 1968 wurden die Söhne Michael, heute Diplomingenieur und Andreas, heute Arzt, geboren. Neben der Versorgung der Familie legte sie eine Prüfung als Schwimmmeisterin ab und arbeitete zwei Jahre in dem Beruf. Dann folgte ein 5-jähriges Fernstudium als Sportlehrerin. 28 Jahre lang arbeitete Christel Schulz als Schwimmlehrerin.

 „Meine ganze Liebe gehört dem Schwimmsport, der Familie und der Heimat“, sagt die sympathische Masters-Topathletin. „ Ich schwimme aus Freude und Leidenschaft und hätte nie gedacht, dass man auch im Alter so viel erreichen kann.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie solange wie möglich an Wettkämpfen teilnehmen und ihren aktiven, gesunden Lebensstil aufrecht erhalten kann. Was Christel Schulz besonders schätzt: „Durch den Masterssport lernt man mit Gleichgesinnten die Welt kennen. Immer wieder werden neue Kontakte geknüpft. Es macht Spaß, bringt Freude und erhält jung. Der Masterssport ist wie eine zweite Familie.“

 

Bild: Michael Prüfert

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