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Im Gedenken an Ursula Klinger

70. Geburtstag
24.01.2018 Kategorie: Wasserspringen, Verband

Ursula Klinger (Foto Hans Alt Küpers / Swim & More)

Ursula Klinger war eine Überfigur - auch wenn sie diesen Ausdruck als maßlos übertrieben empfunden hätte. Wahrscheinlich prägte niemand vor oder nach ihr die Sportart Wasserspringen in Deutschland mehr als sie, niemand lebte die Sportart intensiver als sie. Ihre herausragenden Verdienste für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) vor allem in den Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands sind unvergessen. Heute wäre Ursula Klinger 70 Jahre alt geworden.

Als Bundestrainerin Wasserspringen stieß die Aachenerin 1978 zum DSV, nachdem sie bereits in den Jahren zuvor eine sehr erfolgreiche Laufbahn als Vereinstrainerin beim SV Neptun Aachen hingelegt hatte. Ab 1991 übernahm sie den Posten als Chef-Bundestrainerin - für den DSV und das deutsche Wasserspringen ein riesiger Glücksfall, wie sich herausstellen sollte:

Handeln und Wirken

Erst mit Ursula Klinger an der Spitze entwickelten sich die Wasserspringer im DSV zu den verlässlichen Medaillensammlern, die sie noch heute sind. Natürlich war es nicht der Verdienst von ihr alleine. Ohne ein starkes Team aus hochmotivierten Trainern und Sportlern, die gemeinsam an einem Strang ziehen, wären die Erfolge nicht möglich gewesen. Aber die Chef-Bundestrainerin war diejenige, die im Wasserspringen dafür sorgte, dass es ein perfekt funktionierendes Team gab, das gemeinsam in die richtige Richtung zog.

Der Aufstieg des DSV zu einem der führenden Verbände in der Welt begann 1991 bei der WM in Perth (Australien). Im Jahr darauf wurde in Barcelona (Spanien) die zwei Olympiaden anhaltende Medaillen-Durststrecke beendet. Auch in den folgenden Jahren blieben die DSV-Springer in der Erfolgsspur. Für ihre Weggefährten und Mitstreiter im Verband wie z.B. Monika Dietrich und Lutz Buschkow steht außer Frage, dass der Aufstieg der DSV-Springer untrennbar mit dem Namen Ursula Klinger verbunden ist.

Buschkow, der zunächst als Bundestrainer Nachwuchs unter Ursula Klinger arbeitete und 2002 ihren Chef-Bundestrainer-Posten übernahm, empfindet noch heute tiefste Bewunderung für seine Vorgängerin: „Ulla war immer eine vermittelnde Bundestrainerin mit viel internationaler Fachkompetenz. Sie war national und auch international eine sehr angesehen Person, nicht nur aufgrund ihrer sportlichen Erfolge, sondern auch aufgrund ihrer Persönlichkeit. Sie war unglaublich engagiert!“

Einmal darauf angesprochen kommt Buschkow ins Schwärmen: „Sie war für mich in vielen Bereichen ein Vorbild! Ihr diplomatisches Geschick war einzigartig. In intensiven Diskussionen mit dem DSB oder dem BMI hat sie für uns Wasserspringer immer sehr viel herausgeholt. Gerade für eine Randsportart wie das Wasserspringen, das zwar immer für Medaillen gut war, aber eben nicht so in dem Ausmaß wie vielleicht die Schwimmer, war diese Fähigkeit Gold wert.“

Auch ihren respektvollen Umgang mit Mitmenschen bewundert Buschkow noch heute: „Sie erkannte besondere Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter, lenkte und führte sie sehr gut. Zu uns Trainerkollegen und auch zu den Sportlern hatte sie immer ein sehr gutes, kameradschaftliches und ehrliches Verhältnis, genauso mit den Trainerkollegen im Ausland, mit denen sie intensive Kommunikation betrieb, aus der z.B. gemeinsame Lehrgänge mit den Italienern entstanden. Zudem lag ihr das Wasserspringen nicht nur in Aachen, sondern auch an den anderen Bundesstützpunkten sehr am Herzen.“

Bereits 1976 stand Ursula Klinger für den DSV als Trainerin in der Olympiamannschaft und war anschließend mit Ausnahme der Spiele in Moskau 1980 bei allen weiteren Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften vertreten. Aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz und als Würdigung ihrer erfolgreichen Arbeit im Wasserspringen wurde sie 1999 vom DSB in den Beirat der Bundestrainer berufen.

2002 wechselte sie innerhalb des DSV in den Posten der Leistungssportdirektorin Wasserspringen, den sie bis zu ihrem Ausscheiden 2004 ausübte. Im ehrenamtlichen Bereich blieb sie weiterhin dem Springsport erhalten und gehörte seit den Weltmeisterschaften 2005 in Montreal dem Spring-Komitee des Welt-Schwimm-Verbandes FINA an.

Ost und West - nicht im Wasserspringen!

Die Wiedervereinigung Deutschlands führte 1990 zusammen, was zusammen gehört. Gleichzeitig stellte sie das ganze Land auch vor enorme Herausforderungen in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen und Institutionen.

Der deutsche Spitzensport markierte hier keine Ausnahme. In sehr vielen Sportarten und Verbänden verliefen die Zusammenführungen zweier Leistungssportsysteme, die sich in ihrer Struktur und Philosophie stark voneinander unterschieden, alles andere als reibungslos. Viel zu oft herrschte in den Köpfen entscheidender Funktionäre, Trainer und auch Sportler ein ausgeprägtes „Ost -West-Denken“ vor - immer zum Nachteil der jeweiligen Sportart.

„Im Wasserspringen war das anders!“ Erinnert sich Lutz Buschkow: „Als Chef-Bundestrainerin hat Ulla den mehrjährigen Prozess der Zusammenführung entscheidend gelenkt. Ihrem diplomatischen Geschick ist es zu verdanken, dass nach der Wende im Wasserspringen vergleichsweise viele Trainerstellen erhalten blieben und auch das Zusammenwachsen zwischen Ost- und Westtrainer harmonischer ablief als in vielen anderen Sportarten.“

Monika Dietrich, die nach wie vor in Rostock als Bundesstützpunkttrainerin arbeitet und zu Ursula Klinger ein sehr freundschaftliches Verhältnis hatte, bestätigt dies: „Ulla war eine der wenigen, die nach der Wende in ihrer Sportart eine wirkliche Wiedervereinigung hinbekommen haben. Sie hat es geschafft, dass es im Wasserspringen keine Rolle gespielt hat, ob jemand aus dem Osten oder Westen war. Sie hat auf diesen Prozess des Zusammenfindens sehr viel Wert gelegt, hat dafür gesorgt, dass er menschlich, würdevoll und in gegenseitiger Achtung im Interesse des Sports vonstattenging. Sie hat niemanden bevorzugt oder benachteiligt und wusste immer zu schätzen, was sie als Westdeutsche an ihren ostdeutschen Trainerinnen und Trainern hatte. Diese Größe hatten leider nicht alle zu dieser Zeit. Umso mehr habe ich sie schon damals dafür bewundert.“

Auch der damalige Vorsitzende der Fachsparte Wasserspringen im DSV, Walter Alt, würdigte seinerzeit neben den fachlichen Qualitäten von Ursula Klinger vor allem deren „Verdienste im zwischenmenschlichen Bereich“. Die sportlichen Erfolge der DSV-Springer nach der deutschen Wiedervereinigung liegen, so Alt, gerade auch darin begründet. Alt: “Die Springer und deren Trainer aus Ost und West haben von Anfang an unter dem Einfluss und Mitwirken von Ursula Klinger ein Team gebildet und den gemeinsamen Erfolg gesucht. Gerade mit ihrem Takt- und Fingerspitzengefühl hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die Vereinigung nicht nur erfolgreich im sportfachlichen sondern auch im Umgang miteinander positiv verlaufen ist.“

Im Oktober 2000 wurde Ursula Klinger vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz für ihre „respektvolle und erfolgreiche Zusammenführung der Sparten Wasserspringen in den beiden deutschen Schwimm-Verbänden nach der Wiedervereinigung“ verliehen.

Der Mensch Ulla Klinger

„Ihre Eltern, ihr Mann, alle in ihrer Familie waren mit Wasserspringen infiziert, haben sich eingebracht und in Aachen unter schwierigen Bedingungen den Stützpunkt aufgebaut. Da steckte so viel Herzblut drin. Wasserspringen war ihr Leben und ihre Arbeit zugleich“, beschreibt Lutz Buschkow das Umfeld von Ursula Klinger.

„Ulla war sehr hilfsbereit, freundlich, großzügig und zuvorkommend, was vielleicht hier und da mal von einem ausgenutzt wurde. Sie war auch immer ein wenig chaotisch und unsortiert, aber sie war ein Genie darin, das Chaos zu beherrschen. Ich würde Ulla auch als immer bodenständig, bescheiden und respektvoll gegenüber ihren Mitmenschen beschreiben. Sie nahm sich nie zu wichtig und hatte auch kein Problem damit z.B. Trainerkollegen um Rat zu fragen. Trotz ihrer einfühlsamen Art war sie aber auch eine starke Frau in einer schwierigen Führungsposition, in der sie sich immer zu behaupten wusste“, erinnert sich Monika Dietrich an ihre Freundin, mit der sie sich auf Wettkampfreisen häufig das Zimmer teilte.

„Ulla liebte Literatur und hatte immer eine Lebensweisheit parat, wie z.B. „Mache das, was dir guttut und dir wichtig ist, und wenn du jemanden damit hilfst, erwarte nicht, dass er dir dafür dankbar ist.“ Diesen Spruch habe ich für mich verinnerlicht“, gesteht Dietrich. „Und ich denke, er ist sehr typisch für Ulla und erklärt sehr gut, warum sie das Wasserspringen so intensiv gelebt hat und leben konnte. Sie hat sich um alles und jeden gesorgt. Nur um sich selbst hat sie sich viel zu wenig gekümmert. Vielleicht hätte es ihr gut getan, wenn sie sich diesbezüglich geändert hätte, spätestens als sie krank wurde. Aber sie konnte nicht anders, sie konnte nicht abgeben, selbst vom Krankenbett aus wollte sie noch all ihre Aufgaben erledigen.“

Ursula Klinger erkrankte 2003 an Leukämie, am 4. September 2006 erlag sie nach langem Kampf ihrer schweren Krankheit.

 

(LE)

 

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