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Finnia Wunram gibt ihren Abschied vom Leistungssport bekannt

Freiwasserschwimmen
16.10.2021 Kategorie: Verband, Freiwasser

©picture-alliance/Ronny Hartmann

Die Trainingsgruppe von Olympiasieger Florian Wellbrock beim SC Magdeburg erfährt nach dem Abgang von Franziska Hentke (32) weiteren Aderlass, denn nun verkündete auch Finnia Wunram offiziell ihr Karriereende. „Es ist an der Zeit für mich, dem Leistungssport goodbye zu sagen und neue Herausforderungen anzunehmen“, schrieb die 25-Jährige am Samstag auf ihrem Instagram-Account. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio habe sie sich ihren sportlichen Traum unlängst erfüllen können, in Japans Hitze (Kommentar Wunram damals: „Badewannenmäßig“) war die Freiwasserschwimmerin Zehnte über die 10km geworden. Zuvor hatte sie bei Welt- und Europameisterschaften sogar Silber- und Bronzemedaillen gewonnen und war auch mehrfach deutsche Meisterin gewesen. Als schönsten Moment ihrer Karriere beschreibt Wunram die Weltmeisterschaften 2019 in Gwangju (KOR). „Dort hatte ich mir über die 10km das Olympiaticket gesichert, war dann Zweite über 25km geworden und durfte zudem auch live miterleben, wie Florian und Rob (ihre Vereinskollegen Wellbrock und Muffels, Anm. d. Red.) Gold und Bronze gewannen, das war einfach eine perfekte Woche“, erinnert sich Wunram.

Der Weg nach oben war mit harter Arbeit verbunden, bis zu 4.000km im Jahr legte Finnia Wunram im Wasser zurück. Das erforderte viel Willen und Disziplin. Und trotzdem schrieb sie nun zum Abschied: „Mich dem Leistungssport zu verschreiben, war eine meiner besten Entscheidungen. Ich möchte keine Sekunde missen. Weil ich Erfahrungen sammeln durfte, neue Kulturen und Menschen kennenlernte, Orte und Länder bereiste, die sich sonst vielleicht nie gesehen hätte. Wasser ist Leben, es war auch meins.“

Ein großes Dankeschön ging natürlich an ihren Trainer Bernd Berkhahn, der sie seit 16 Jahren nicht nur begleitet und trainiert hatte, „sondern immer an mich geglaubt und unterstützt hat“. Ihm war sie 2012 von Elmshorn nach Magdeburg gefolgt, mit Norbert Warnatzsch kam dort noch ein weiterer wichtiger Unterstützer hinzu. „Beiden habe ich enorm viel zu verdanken“, schrieb Wunram in ihrem Abschieds-Post. „Genauso wichtig waren meine Familie, meine Freunde, meine Trainingsgruppen, meine Vereine, der Verband, die Bundeswehr und die Deutsche Sporthilfe. Ohne sie wäre mein Traum vielleicht nie wahr geworden. Dafür sage ich heute danke, danke, danke.“

Bei Bundestrainer Bernd Berkhahn weckt der Abschied auch besondere Gefühle: „Mir ihrer Akribie, ihrem Fleiß und einer maximalen Zielorientierung ist Finnia Wunram ein Vorbild für den deutschen Schwimmsport“, sagte der 50-Jährige. Mit ihren körperlichen Voraussetzungen war sie nämlich nicht prädestiniert für eine international so erfolgreiche Karriere, aber sie hat ihre Möglichkeiten trotzdem für eine herausragende Karriere genutzt. Berkhahn: „Finnia nutzte ihre besonderen technischen Fähigkeiten und arbeitete hart. Fast nie hat sie im Training gefehlt, nur wenn es wirklich überhaupt nicht mehr ging.“

Künftig will sich Finnia Wunram beruflich der Innenarchitektur und Raumgestaltung widmen, inzwischen ist sie zu ihrem Freund in die Nähe von Bremen umgezogen. Doch trotz dieser Distanz es ist ihr wichtig zu betonen: „Ich möchte mich weiterentwickeln. Trotzdem bleibe ich dem Sport auch künftig verbunden. Denn gerade Schwimmen, bei dem man viel mit sich alleine ist, körperlich und mental an seine Grenzen stößt, hat mich eines gelehrt: Du erreichst deine Ziele, wenn du an dich glaubst und du Leute hast, die dir vertrauen.“