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Deutsche Meisterschaften 2020 in Berlin werden abgesagt

Schwimmen
16.10.2020 Kategorie: Schwimmen, Verband

©Jo Kleindl

Nach Monaten voller Beschränkungen sollten die Deutschen Meisterschaften Schwimmen in Berlin (29. Oktober - 01. November) als Zeichen des Aufbruchs und Rückkehr zur Normalität für die Aktiven und ihre Vereine dienen, doch die Titelkämpfe werden nun erneut durch Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie verhindert. Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) muss die ursprünglich sogar schon für Ende April angesetzten Titelkämpfe für dieses Jahr nun endgültig absagen angesichts der pandemischen Entwicklungen in Deutschland und in der deutschen Hauptstadt, die wegen stark steigender Fallzahlen zum Risikogebiet erklärt wurde. 

„Der Schutz der Gesundheit stand bei der Umsetzung aller sportlichen Aktivitäten im Schwimmsport in der Coronavirus-Krise stets im absoluten Mittelpunkt unserer Überlegungen. Angesichts der aktuellen Entwicklungen mit deutschlandweit rasant steigenden Infektionszahlen, den damit verbundenen Unsicherheiten und den eindringlichen Appellen der Bundesregierung sehen wir uns veranlasst, die DM2020 abzusagen“, führte Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen aus.
„Wir und unsere Partner müssen uns in dieser Ausnahmesituation solidarisch zeigen und die eigenen Interessen zum Wohl des Schwimmsports und der Gemeinschaft hintenanstellen. Dennoch werden wir auch weiterhin mit der notwendigen Sorgfalt und Expertise in den kommenden Monaten Lösungen entwickeln und uns dafür einsetzen, dass der Schwimmsport in all seinen Ausprägungen die Krise überdauern kann", erklärte DSV-Vizepräsident und Taskforce-Mitglied Uwe Brinkmann

In der vom DSV bereits kurz nach Beginn der Pandemie eingesetzten Taskforce hatte insbesondere der Mediziner Prof. Dr. Alexander Beck seine Bedenken ausführlich artikuliert: „Aus medizinischer Fürsorge ist es trotz des vom DSV erarbeiteten und gut durchdachten Hygienekonzeptes nicht möglich, die Wettkämpfe in Berlin mit vertretbarem gesundheitlichen Risiko für alle Teilnehmer*innen durchzuführen“, erklärte Beck. Diese Einschätzung teilen auch weitere vom DSV konsultierte Expert*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen der Medizin. „Niemand kennt aktuell die möglichen langfristigen gesundheitlichen Schäden, die eine Covid-19-Infektion für den menschlichen Körper haben kann, vor allem bei Spitzenathlet*innen, bei denen das höchste Leistungsniveau im Weltvergleich zwingend notwendig ist“, betonte Beck.

Die allgemeine Verunsicherung und Vorsicht spiegelte sich auch in den Meldezahlen und einer Vielzahl von Absagen der ehrenamtlichen Helfer*innen für den nationalen Saisonhöhepunkt wider. Obwohl Ausschreibung und Hygienekonzept den jeweils 30 schnellsten Schwimmer*innen in allen 28 olympischen Einzeldisziplinen einen Start zugestanden hätte, war bis zum Meldeschluss am Donnerstag ein deutlich reduziertes Teilnehmerfeld angekündigt, das auch nicht annähernd den Zahlen der Vorjahre entsprochen hätte. „Auch unter diesen Umständen ist der Charakter einer Deutschen Meisterschaft, bei der die besten Sportler*innen des DSV an den Start gehen sollten, nicht mehr gewährleistet", so Kurschilgen.

Viele Verantwortliche im Schwimmsport schätzten das Risiko derzeit als zu groß ein. So hatte der SC Wiesbaden bereits seinen DM-Verzicht in den Medien angekündigt. „Wir wollen uns dem Risiko nicht aussetzen und damit auch die Wiesbadener Bevölkerung ein Stück weit schützen. Alle Schwimmer haben auch Familie und Eltern“, hatte SC-Cheftrainer Oliver Grossmann im „Wiesbadener Kurier“ erklärt.

Topstar Florian Wellbrock zeigte Verständnis für die Entscheidung:„Natürlich sind Wettkämpfe für mich die Grundlage überhaupt und dienen inbesondere meiner Motivation. Ich hatte mich auch sehr auf die DM nächste Woche gefreut, dort an den Start zu gehen. Gerade nach dem Trainingslager in Südtirol hatte ich gute Werte und recht schnelle Zeiten im Training. Das hätte ich auch gerne im Wettkampf gezeigt. Aber angesichts der aktuellen Unsicherheiten ist mir Vorsicht definitiv lieber als Nachsicht, denn eine Ansteckung könnte mehr kosten als meinen Olympiatraum", sagte der Doppel-Weltmeister, der ja auch keinen ISL-Start in Erwägung gezogen hatte. "Dass bei den Tests vor dem Start der ISL gerade Covid-19-Infektionen bei mehreren namhaften Schwimmern wie Pellegrini oder Milak nachgewiesen wurden, stimmt mich nachdenklich. Denn niemand weiß bislang genau, welchen Einfluss das auf die künftige Leistungsfähigkeit hat. Wenn die Lunge dadurch künftig nur ein Prozent weniger leistet, gefährdet das die Karriere. Dann erst mal lieber nur Wettkämpfe im kleineren Rahmen an den Bundesstützpunkten.“

Auch Isabel Gose kann ddas DSV-Vorgehen verstehen: „Ich bin wirklich traurig, dass die Veranstaltung abgesagt wurde, aber wenn ich durch eine Wettkampfreise krank werden würde, wäre mir ja auch nicht geholfen. Gerade wenn man sieht, wie die Infektionszahlen nach oben schnellen, ist das mit Sicherheit die richtige Entscheidung.“

 

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