DSV bei Bundestagsanhörung: Jedes Jahr verlassen 500.000 Kinder die Grundschulen, ohne sicher schwimmen zu können – Deutschland kann diese Zahl bis 2035 auf null bringen
- 14.01.2026
„500.000 Kinder verlassen in jedem Jahr die deutschen Grundschulen, ohne sicher schwimmen zu können. Der Besuch im Schwimmbad oder der Tag am See sind für viele Kinder heutzutage schlichtweg lebensgefährlich“, sagte der Präsident des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) David Profit am Mittwoch bei einer Anhörung im Ausschuss für Sport und Ehrenamt des Deutschen Bundestages. Er forderte, dass jetzt gehandelt wird, damit 2036 in der vierten Klasse jedes Kind sicher schwimmen kann.
Für viele Jahrzehnte waren Schwimmbäder Orte, an denen Kinder ganz selbstverständlich Zeit verbracht haben – generationenübergreifend, unabhängig von Herkunft oder Einkommen. „Erinnern Sie sich an Sommertage im Freibad? An den Beckenrand, an die Wasserrutsche, das Drei-Meter-Brett, an Pommes mit Chlorgeruch in der Luft? In meiner Generation war das Normalität. Für viele Kinder heute ist es das nicht mehr“, so Profit.
Kern der DSV-Vorschläge sind eine Kompetenzzentrum und eine gemeinsame Kommission
Der DSV schlug deshalb konkrete Maßnahmen vor, um wieder 100 Prozent der Grundschulkinder zu sicheren Schwimmer*innen zu machen. Kern der DSV-Vorschläge sind ein Kompetenzzentrum und eine gemeinsame Kommission von Bund, Ländern, Kommunen, DSV, DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) und der Bäderallianz. Hier sollen bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, der Rahmen für die Schwimmlehrer*innenausbildung und eine bessere Koordination der vorhandenen Angebote entstehen.
Weiterer zentraler Baustein ist eine moderne, öffentlich nutzbare Plattform, die Ausbildungswege, Schwimmkurse und verlässliche Informationen bündelt. Sie soll Orientierung schaffen, Qualität sichtbar machen und Akteure vor Ort konkret unterstützen.
Schulen, Vereine und Schwimmschulen können das ambitionierte Ziel nur erreichen, wenn alle staatlichen Ebenen, DSV und DLRG eng kooperieren. „Wir dürfen Schwimmenlernen nicht länger voraussetzen, wir müssen es wieder organisieren“, erklärte Jan Pommer, Vorstandsvorsitzender des DSV.
Immer weniger Kindern lernen Schwimmen in der Schule
Insbesondere die Rolle der Schulen muss gestärkt werden. Von 100 Kindern, die schwimmen können, lernen aktuell nur 25 im Schulunterricht schwimmen. Das zeigt eine neue repräsentative Studie des DSV in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI), deren vollständige Erkenntnisse in Kürze veröffentlicht werden. Der Großteil lernt bei Vereinen, in Bädern oder bei privaten Anbietern – mit sehr unterschiedlichen Qualitätsstandards und stark abhängig vom Wohnort und vom sozialen Umfeld der Familie.
Für Jan Pommer bedarf es hier einer guten Unterstützung: „Es braucht einen gemeinsamen Rahmen, der die Schule entlastet und Vereine, Kommunen und weitere Lernorte verbindet. Nicht punktuelle Projekte, sondern ein System, das dauerhaft trägt.“
„In der Praxis scheitert Schwimmenlernen selten am Willen, sondern an fehlender Abstimmung“, bekräftigt auch Uwe Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Schwimmjugend. „Eltern finden Angebote nicht, Schulen sind überlastet, Vereine kämpfen mit Personal. Ein verlässlicher Rahmen würde sofort Wirkung entfalten – vor allem für Kinder.“
Deutscher Schwimmbadplan als Leitlinie
Der DSV dankte den Abgeordneten für die Bereitstellung von 20 Millionen Euro, um Strukturen für das Schwimmenlernen bundesweit voranzubringen. Ferner schlug der Verband dem Sportausschuss und der Bundesregierung auch vor, den Deutschen Schwimmbadplan als Leitlinie für die nächsten 15 Jahre zu beschließen. Der bestehende Sanierungsstau liegt in Milliardenhöhe und bleibt eine dauerhafte Aufgabe von Ländern und Kommunen. Auch das ist für den DSV eine Aufgabe für das Schwimmenlernen. „Die 20 Millionen Euro für die Schwimmausbildung werden für die Menschen am wirksamsten, wenn sanierte Bäder zum Schwimmen bereitstehen “, so DSV-Vorstand Jan Pommer.
Der DSV ist als Verband sowohl für das Schwimmenlernen als auch für den Spitzensport bis hin zu den Olympischen Spielen verantwortlich. Als zentrales Leitthema seiner Arbeit betrachtet er dabei insbesondere die Förderung des Schwimmenlernens und des Schwimmunterrichts als unverzichtbare Grundlage von Sicherheit und gesellschaftlicher Teilhabe – von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter. Mit belastbaren Daten, konkreten Lösungsvorschlägen und der Zusammenarbeit mit Partnern aus Politik, Bildung und Infrastruktur will der Verband dazu beitragen, dass Schwimmen in Deutschland wieder verlässlich erlernt wird – für alle Kinder.
Untrennbar damit verbunden ist für den DSV die Infrastrukturfrage. Schwimmenlernen scheitert dort, wo Wasserfläche fehlt. Der DSV arbeitet deshalb als wichtiger Teil der Bäderallianz mit anderen Verbänden zusammen und unterstützt den Deutschen Schwimmbadplan als langfristige Grundlage für Sanierung, Neubau und eine zukunftsfähige Bäderlandschaft.
Die beim Sportausschuss eingereichte Handreichung des DSV steht hier als Download zur Verfügung.










