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Neunmal Gold plus Silber: Linda Roth stellt den DJM-Rekord ein
Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Schwimmen (DJM) in Berlin konnten sich in diesem Jahr Linda Roth (SV Cannstatt/Jahrgang 2008) mit neun Siegen und Jannis Kube (Wasserfreunde Spandau 04/Jahrgang 2011) mit insgesamt acht Erfolgen die meisten Goldmedaillen erkämpfen. Aber auch Johannes Liebmann (SC Magdeburg/Jahrgang 2007), Laura Sophie Kohlmann (SG Essen/Jahrgang 2009), Emma Antonia Schaal (Berliner TSC/Jahrgang 2010) und Hannah Sabine Schmitt (SC Wiesbaden/Jahrgang 2010) mit je fünfmal Gold brachten es in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) auf beeindruckende Medaillensammlungen. Schon im Vorjahr war Roth bei der DJM fünfmal erfolgreich gewesen, hatte damals aber noch im Schatten von Alina Baievych (TB 1888 Erlangen/Jahrgang 2009) gestanden, die 2023 mit neunmal Gold (und einmal Silber) die Siegesserie von Theresa Michalak aus dem Jahr 2006 egalisierte. In diesem Jahr nun zeigte Roth mit der gleichen Bilanz nachdrücklich, warum sie zu den größten Zukunftshoffnungen gezählt wird. Beim siebten Streich über 100m Schmetterling war sie am Schlusstag mit ihrer neuen Bestzeit (1:00,09 Minuten) auch deutlich schneller als Baievych (1:01,13), die aufgrund von Schulterproblemen diesmal allerdings nur ein reduziertes Programm absolvieren konnte und dabei auf zwei Erfolge kam. Außerdem triumphierte Roth zum Abschluss am Sonntag noch über 50m Freistil und 100m Rücken. >> Zu den Ergebnissen Dass aus dem vollen Training heraus dabei fast durchweg Bestzeiten dabei erzielt wurden, lässt nicht nur Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes auf eine erfolgreiche Europameisterschaft der Junior*innen im Juli in Vilnius (LTU) hoffen. "Es stimmt mich froh, dass Linda die Belastungen so gut verkraftet und hier für die JEM schon einmal alles geübt hat.” Roth selbst sagte über ihre Rekordausbeute: “Das bedeutet mir sehr viel. Heute war ein sehr harter Tag. Ich habe gehofft, drei Goldmedaillen zu holen, aber ich hatte am Ende echt zu kämpfen, um dieses Ziel zu erreichen.” Zu den so erfolgreichen vergangenen fünf Tagen meinte sie: “Der schönste Titel war auf jeden Fall auf 200 Meter Lagen mit dem Jahrgangsrekord. Ich bin das aus dem Training heraus geschwommen und hätte nicht gedacht, dass ich eine 2:13 schwimmen kann. Ich bin aber mit allen Titeln sehr zufrieden. Heute Abend fahre ich nach Hause und freue mich, morgen den ganzen Tag freizuhaben, keine Schule, kein Training. Ich werde erstmal komplett relaxen und meinen Körper durchatmen lassen.” Michael Raje mit zwei Siegen binnen 30 Minuten Auch andere aus dem JEM-Team wussten in der Hauptstadt am Sonntag wieder zu überzeugen. Über 1500m Freistil unterboten Marian Plöger (VfL Sindelfinden/2006) und Julia Ackermann (SC Chemnitz/2007) direkt nach dem Höhentraining ihre Qualifikationsleistungen – beide komplettierten damit das Triple mit Siegen auf allen drei langen Freistilstrecken. Auch Michael Raje (SSG Saar Max Ritter/2006) glänzte über 100m Schmetterling mit neuer Bestzeit (53,58 Sekunden), nur eine halbe Stunde später siegte er zudem über 50m Freistil ebenfalls mit neuer Bestzeit (22,93). “Die 100 Meter Schmetterling haben mich mehr überrascht. Die 50 Kraul waren vier Hundertstel unter der Bestzeit, Schmett fast eine Sekunde. Damit habe ich selbst nicht gerechnet.” Für ihn waren es die letzten Jahrgangsmeisterschaften. “Mit der DJM geht jetzt eine Ära zu Ende. Die ganzen Jahre hat mich das hier immer geprägt, es war eine gute Übung für die höheren Wettkämpfe. Ich finde es ein bisschen schade, aber es ist auch schön, in die offene Klasse zu gehen und zu zeigen, was man kann.” Sogar für einen neuen Jahrgangsrekord bei den 15-Jährigen – es war insgesamt der siebte bei dieser DJM – sorgte im Freistilsprint Larus Thiel (SG Bayer/Jahrgang 2009). Erst vor drei Wochen war er schon einmal eine Bestmarke geschwommen, die er sich damals aber noch mit Maximilian Oswald teilen musste, nun darf er sich alleiniger Rekordhalter nennen. “Es ist einfach ein mega geiles Gefühl, solche Rekorde zu schwimmen, vor allem hier in Berlin. Ich habe da echt einiges für getan und an meiner Schultermobilität und meiner Ausdauer gearbeitet. Ich bin mega happy”, jubelte er. Es war sein vierter Titel in diesem Jahr, genauso viele holten auch Alice Hennig (2011/SV Halle/Saale), Klara Sophie Beierling (Berliner Wasserratten/2007), Lise Seidel (SC Chemnitz/2006), Julia Ackermann (SC Chemnitz/2007), Daniel Olenberg (2007/VfL Osnabrück), Felix Brandner (TSV Altenfurt Nürnberg/2008) und Theodor Büscher (2011/SG Essen), der mit insgesamt zehn Medaillen ebenfalls für eine Rekordbilanz sorgte. Erfolgreichster männlicher Titelsammler wurde aber Jannis Kube, der am Schlusstag über 100m Schmetterling, 50m Freistil und 100m Rücken ebenfalls gleich dreifach triumphierte. “Alles hat gebrannt. Es ist aber einfach diese Motivation, achtmal Gold mitzunehmen, die einen antreibt”, sagte Kube. Betonte aber auch, dass diese Leistungen kein Zufall waren: “Wichtig sind im Training natürlich auch die Ausdauerstrecken, sonst würde ich sowas nicht hinkriegen.” Natürlich konnten sich nicht für alle DJM-Teilnehmer*innen die Träume von Medaillen und neuen Bestzeiten erfüllen, ihnen gab Bundestrainer Gooßes zum Abschluss der Veranstaltung noch einen wertvollen Tipp mit auf den Weg. „Geduld spielt eine wichtige Rolle“, betonte er und verwies auf den Werdegang von Olympiastarter Melvin Imoudu, der ebenfalls lange brauchte, um sich erstmals für internationale Topereignisse zu qualifizieren. „Wer hier noch nicht ganz vorne dabei ist, muss dranbleiben. Wir brauchen viele Sportler*innen, die Leistungsdichte war in diesem Jahr nicht ganz so hoch. Wir hoffen, dass viele dabeibleiben und künftig mit Bestleistungen dann den Durchbruch schaffen. Wir wollen den langfristigen Aufbau haben.“ Eine Aussage, die sich in diesem Jahr übrigens auch die letztjährige Seriensiegerin Alina Baievych zu Herzen nimmt. Auch ein Start bei den Europameisterschaften der offenen Klasse wäre für sie schon möglich gewesen, doch sie entschied sie bewusst für die Nachwuchs-EM: „Ich habe mit meinen Trainern gesprochen und es ergibt mehr Sinn, wenn ich mich auf einen Wettkampf konzentriere, anstatt EM und JEM zu schwimmen. Damit ich einen guten Wettkampf habe und nicht zwei weniger gute.“ Die SSG Leipzig triumphiert erstmals in der Team Challenge Einen durchweg gelungenen Auftritt legten bei diesen Deutschen Jahrgangsmeisterschaften die Aktiven der SSG Leipzig hin. Mit 549 Punkten sicherte sich der Verein aus Sachsen damit erstmals den Sieg in der „Team Challenge powered by Aquafeel“ vor den Titelverteidiger*innen der SG Essen (434) und dem SC Magdeburg (415). Auch dank der Erfolge von Linda Roth und Jannis Kube schafften es dahinter auch der SV Cannstatt (330) und die Wasserfreunde Spandau 04 (314) unter die Top Fünf. Bei der Team-Challenge sammelte jede*r Finalteilnehmer*in automatisch Punkte für ihren oder seinen Verein. Mit Unterstützung von Aquafeel als Premium-Pool-Partner des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) und exklusivem Ausstatter für Oberbekleidung der DSV-Teams wurden am Sonntag dann die erfolgreichsten Teams der DJM mit Prämien im Gesamtwert von 5.900 Euro belohnt. Alle DJM-Sieger*innen des fünften Tages: 1500m Freistil weiblich: 2011: Julia Franziska Kaul (SG Frankfurt) 18:01,42 2010: Renée Geihe (STV Limbach-Oberfrohna) 17:46,51 2009: Sydney Savannah Ferch (SG Dortmund) 16:59,15 2008: Annika Dewdney (TB 1888 Erlangen) 17:18,04 2007: Julia Ackermann (SC Chemnitz von 1892) 16:37,44 2006: Marian Plöger (VfL Sindelfingen) 16:37,44 100m Schmetterling weiblich: 2011: Mila Mauermann (SWV TuR Dresden) 1:05,65 2010: Emma Antonia Schaal (Berliner TSC) 1:01,98 2009: Alina Baievych (TB 1888 Erlangen) 1:01,13 2008: Linda Roth (SV Cannstatt) 1:00,09 2007: Leni von Bonin (Dresdner SC 1898) & Klara Sophie Beierling (SG Berliner Wasserratten) 1:02,89 2006: Seike Schlump (SC Magdeburg) 1:01,87 100m Schmetterling männlich: 2011: Jannis Kube (Wasserfreunde Spandau 04) 1:00,16 2010: Elias Himmelsbach (SSG Leipzig) 1:00,30 2009: Larus Thiel (Deutscher Schwimm-Verband) 56,02 2008: Felix Brandner (TSV Altenfurt-Nürnberg) 55,46 2007: Daniel Olenberg (VfL Osnabrück) 54,86 2006: Michael Raje (SSG Saar Max Ritter) 53,58
50m Freistil weiblich: 2011: Amelie Rieß (SC Delphin Ingolstadt) 27,49 2010: Lara Anna Vandenhirtz (Aachener SV 06) 26,73 2009: Nana Hemaa Boateng Sekyere (Hamburger SC) 26,55 2008: Linda Roth (SV Cannstatt) 25,74 2007: Klara Sophie Beierling (SG Berliner Wasserratten) 26,01 2006: Selina Müller (SSG Leipzig) 26,19
50m Freistil männlich: 2011: Jannis Kube (Wasserfreunde Spandau 04) 25,01 2010: Nils Woddow (SG Ruhr) 24,66 2009: Larus Thiel (SG Bayer) 23,17 2008: Felix Brandner (TSV Altenfurt-Nürnberg) 23,46 2007: Niclas Keilmann (DSW 1912 Darmstadt) 23,45 2006: Michael Raje (SSG Saar Max Ritter) 22,93 ? 100m Rücken weiblich: 2011: Anja Schaumburger (SSG Saar Max Ritter) 1:07,11 2010: Emma Antonia Schaal (Berliner TSC) 1:05,73 2009: Laura Sophie Kohlmann (SG Essen) 1:03,98 2008: Linda Roth (SV Cannstatt) 1:01,91 2007: Mila Wazner (SGR Karlsruhe) 1:04,29 2006: Lise Seidel (SC Chemnitz von 1892) 1:01,76 ? 100m Rücken männlich: 2011: Jannis Kube (Wasserfreunde Spandau 04) 59,91 2010: Anass Lahrach (SV Cannstatt) 59,20 2009: Jonas Levin Reuther (WSG Jena-Lobeda) 59,52 2008: David Cicero (SC Regensburg) 55,71 2007: Finn-Jonah Neuwirth (SG Berliner Wasserratten) 57,77 2006: Vincent Passek (Berliner TSC) 55,75
DSV-Aktivensprecher Götz vom Bundestag zum Dopingverdacht in China angehört
Nur wenige Tage nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels im Wasserball mit Waspo 98 Hannover weilte Kevin Götz am Mittwoch bereits wieder in Berlin. Als Sprecher der Athlet*innenkommission im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) besuchte der Torwart den Sportausschuss des Deutschen Bundestages, der sich bei seiner 54. Sitzung an diesem Tag mit dem chinesischen Dopingverdachtsfall im Schwimmen und vor allem dem bislang sehr zögerlichen und viel zu intransparenten Umgang damit von Seiten der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) befasste. „Ein Vertrauensverlust der Athlet*innen in die Grundpfeiler des globalen Anti-Doping-Kampfs und seiner Kontrollorganisationen bedeutet ein schwerwiegendes Risiko für einen sauberen, dopingfreien Sport. Denn wir halten uns an die Regeln. Wir akzeptieren die Beweislastumkehr als tragende Säule des Anti-Doping-Kampfs. Wir nehmen aus Überzeugung für einen sauberen Sport selbstverständlich die Strapazen des Doping-Kontrollregimes auf uns.?Umgekehrt dürfen wir zu Recht von der WADA und den Dopingkontrollorganisationen erwarten, dass weltweit gültige Anti-Doping-Regularien kohärent angewendet werden und diese Regeln für alle Athlet*innen in gleichem Maße gelten. Die WADA selbst muss regelkonform agieren, transparent handeln und strikt ihre Kontrollfunktionen, in diesem Fall gegenüber der CHINADA, wahrnehmen“, sagte Götz, der wie Fechterin Léa Krüger als Vertreterin des Vereins Athleten Deutschland zu den geladenen Sachverständigen gehörte.
Politiker über Meinung der Aktiven informiert
Der auch zum neuen DSV-Präsidium gehörende Götz konnte den Abgeordneten dabei aus erster Hand erzählen, was auch viele andere Aktive aus dem DSV über das folgenlose WADA-Vorgehen denken, nachdem Anfang 2021 bei 23 chinesischen Spitzenschwimmer*innen positive Dopingtests auf das verbotene Herzmittel Trimetazidin aufgetaucht waren. Die Erklärung eines chinesischen Ministeriums, dass eine Massenkontamination in der Hotelküche die Ursache gewesen wäre, wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur akzeptiert ohne unabhängige Untersuchungen – damals positive Getestete wie die Topstars Zhang Yufei oder Qin Haiyang werden nun auch bei den Olympischen Spielen in Paris (FRA) starten können. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sauberen Sport betreiben, so sagte mir das ein Athlet aus dem Schwimmen“, erzählte Götz. Und Krüger ergänzte: „Weder IOC noch WADA selbst scheinen die Notwendigkeit für schonungslos ehrliche und ergebnisoffene Aufarbeitung sowie nachgeschaltete Reformprozesse zu erkennen. Die Stimmen der Athlet*innen und der nationalen Anti-Doping-Organisationen finden bis heute unzureichend Eingang in Aufsichtsfunktionen und Entscheidungsprozesse der WADA. Umso wichtiger scheint es, dass die Staaten, die den Jahresetat der WADA hälftig finanzieren, die ihnen zur Verfügung stehenden Hebel nutzen, um nötige Reformen zu erwirken.“ Deutschland trägt mit rund 1,3 Millionen Euro pro Jahr nicht unerheblich zur Finanzierung der WADA bei und wird künftig nun womöglich noch klarere Bedingungen an diese Finanzierung knüpfen, um so offenbar notwendige Reformprozesse zu initiieren. „Ich hatte das Gefühl, dass die Politik verstanden hat, dass es hier ein klares Zeichen braucht“, sagte Götz. Nach seiner Einschätzung müsste das Mandat der von der WADA beauftragten externen Überprüfung auch noch deutlich erweitert werden. Es geht schließlich nicht nur um mögliches Fehlverhalten der WADA, sondern auch um die Untersuchung der Dopingverdachtsfälle an sich.Welche Fragen die WADA dringend beanworten müsste
Athleten Deutschland hatte in seiner Stellungnahme auch alle Fragen ausformuliert, die bei der Aufarbeitung nun beantwortet werden sollten:Wieso ließ die WADA zu, dass die CHINADA die Positivtests nicht wie vorgeschrieben als „von der Norm abweichende Ergebnisse“ („Adverse Analytical Findings“ - AAF) handhabte, sondern sie offenbar regelwidrig wie „auffällige Ergebnisse“ („Atypical Findings“ - ATP) behandelte? Diese sind nach unserem Kenntnisstand etwa bei der Kontamination von Lebensmitteln durch Clenbuterol, aber nicht durch das Medikament TMZ möglich.
Wieso wurden die Testergebnisse, die als AAF gemeldet wurden, von der CHINADA nicht als Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln („Anti-Doping Rule Violations“ - ADRV) behandelt? Damit handelte die CHINADA entgegen den Regularien. Die Einstufung als Regelverstöße hätte vorläufige Maßnahmen wie Suspendierungen sowie die Annullierung von Wettkampfergebnissen und öffentliche Berichtspflichten zur Folge gehabt.
Wieso ließ die WADA zu, dass die CHINADA die Positivproben regelwidrig nicht als Regelverstoß (ADRV) behandelte, und verzichtete darauf, einzuschreiten? Wieso ließ die WADA damit zu, dass die CHINADA ohne rechtliche Grundlage auf die vorgeschriebenen Konsequenzen eines Regelverstoßes verzichtete und vom Prinzip der Beweislastumkehr abwich? Faktisch wurde damit eine Ungleichbehandlung von Athlet*innen mit vergleichbaren Fallkonstellationen ermöglicht.
Wieso machte die WADA nicht von ihrem Recht und ihrer Möglichkeit Gebrauch, die Entscheidungen und die Bewertungen der CHINADA anzufechten? Sie hätte dies mindestens tun müssen, um die eigene Glaubwürdigkeit und Integrität als globale Aufsichtsorganisation aufrecht zu erhalten.
Wieso initiierte die WADA keine eigenen Untersuchungen? In dieser speziellen und augenscheinlich verdächtigen Fallkonstellation hätten zahlreiche Anhaltspunkte und offene Fragen eine solche gerechtfertigt – z.B. die ungeklärte Frage zur Plausibilität der Kontaminations-Theorie. Bis heute fehlt der Nachweis zum Zusammenhang zwischen dem TMZ-Fund im Hotel und den Positivproben der Schwimmer*innen Anfang Januar 2021. Die fragwürdigen Untersuchungen chinesischer Behörden fanden Monate nach den Positivproben statt und ließen weitere Fragen unbeantwortet, die sich im Zuge einer Kontamination stellen würden, z.B. zur Rolle des Hotelpersonals oder zu unterlassenen Warnungen vor Kontaminationsrisiken.
Wieso hegte die WADA, der die Rolle einer globalen Kontrollinstanz zukommt, keine Zweifel gegenüber dem chinesischen Untersuchungsbericht, der von einem Ministerium des autoritären Regimes angefertigt wurde, und schritt offenbar an keiner Stelle ein? Ist diese Vorgehensweise üblich? In China gab es immer wieder Berichte zu Anti-Doping-Verstößen, auch systematischer Natur und insbesondere im Schwimmsport. Manipulation und Wettbewerbsverzerrung im Weltsport werden auch von staatlichen Stellen organisiert, die Spitzensport aus politstrategischen Gründen für außen- und innenpolitische Zwecke instrumentalisieren. Dies dürfte der WADA bekannt sein.
Gibt es weitere, vergleichbare Fallkonstellationen, zu denen die Öffentlichkeit spätestens jetzt in Kenntnis gesetzt werden sollte?
Welche Rückschlüsse zur Wirksamkeit der WADA und des globalen Anti-Doping-Kampfs lassen sich aus den Enthüllungen ziehen?
Welche Ableitungen zur einheitlichen Anwendung der Beweislastumkehr lassen sich nach den Enthüllungen treffen?
Alles, was Sie über das World Aquatics Diving World Cup Super Final wissen müssen
Was genau ist das Diving World Cup Super Final?
Das World Aquatics Diving World Cup Super Final vom 04. – 06. August in Berlin ist der krönende Abschluss der diesjährigen Weltcupsaison im Wasserspringen. Dafür qualifiziert sind in den Einzelwettbewerben jeweils die besten 18 Aktiven und in den Synchron- und Team-Events die besten Acht der Welt aus den beiden vorhergegangen Weltcups in Xi’an (CHN) und Montreal (CAN). Insgesamt sind Sportler*innen aus 18 Nationen beim Weltcupfinale vertreten – darunter alle Top-Stars aus China, der seit Jahrzehnten weltweit führenden Nation in diesem Sport.
Wer ist aus Deutschland mit dabei?
Auch aus Deutschland sind alle Top-Leute am Start – darunter gleich vier Europameister*innen aus diesem Jahr. Mit starken Leistungen bei den ersten beiden Weltcup-Events haben sich insgesamt sogar acht deutsche Wasserspringer*innen für das Finale in der Hauptstadt qualifiziert. Bei den Männern sind das Turm-Europameister Timo Barthel, 3m-Europameister Moritz Wesemann (beide SV Halle), Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen) sowie Lars Rüdiger(Berliner TSC). Bei den Frauen hat die Berliner Fraktion mit Lena Hentschel, Jana Lisa Rother sowie Elena und Christina Wassen, den amtierenden Europameisterinnen im Turm-Synchronspringen, in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) ein echtes Heimspiel.
Wo gibt es Tickets?
Tickets für den Weltcup sind in drei Kategorien verfügbar. Im Online-Vorverkauf sind die Tageskarten der Kategorie 1 für 29,00 (ermäßigt* 27,00) Euro, der Kategorie 2 für 26,00 (ermäßigt* 24,00) Euro und der Kategorie 3 für 23,00 (ermäßigt* 21,00) Euro erhältlich. Dauerkarten für alle drei Tage kosten je nach Kategorie 82,00/73,00/64,00 Euro bzw. ermäßigt* 76,00/67,00/58,00 Euro. Für alle Unterstützer*innen des deutsche Nationalteams wird ein Fanblock eingerichtet. Dafür einfach während des Bestellprozesses den Code „GER-9MIE49“ eingeben. Die Sitzplätze werden dann automatisch und ohne Aufpreis im Fanblock gebucht. Erstmals werden außerdem VIP-Karten angeboten, diese beinhalten den Zugang zum VIP-Block und zur VIP-Lounge. In der VIP-Lounge stehen ganztags Getränke sowie nachmittags zu den Finals ein Catering (max. drei Stunden) zur Verfügung.
Welche Disziplinen werden ausgetragen?
Insgesamt werden an den drei Tagen neun Disziplinen ausgetragen: Die Frauen und Männer treten vom 3m-Brett sowie im Turmspringen an, und zwar jeweils sowohl im Einzel als auch als Synchronwettbewerb. Während in den Einzeln zunächst noch ein Vorkampf ansteht, geht in den Synchrondisziplinen direkt ins Finale. Zu diesen acht olympischen Disziplinen kommt noch das Mixed-Team-Event – dort starten pro Nation maximal vier Aktive, aber mindestens eine Frau und ein Mann. Zunächst bestreiten je ein Mann und eine Frau die Sprünge vom 3m-Brett und das 3m-Mixed-Synchronspringen, anschließend geht es für die Einzelsprünge beider Geschlechter und das Turm-Mixed-Synchronspringen hoch auf die Plattform. Übrigens: In dieser Form wurde der Teamwettbewerb im vergangenen Jahr in Berlin im Rahmen des Weltcups erstmals bei einer Veranstaltung des Weltverbandes World Aquatics durchgeführt und stieß damals bei den Aktiven durchweg auf positive Resonanz.
Wie hoch ist das Preisgeld?
Das Preisgeld hat es in sich: Die Sieger*innen erhalten je 25.000 US-Dollar, Platz zwei und drei sind mit 20.000 bzw. 15.000 US-Dollar dotiert. Insgesamt gibt es Prämien bis hinab zu Platz acht in den Synchron- bzw. Platz zwölf in den Einzeldisziplinen, für die immer noch 6.000 bzw. 2.000 Dollar ausgezahlt werden. Finanziell lohnt sich der Diving World Cup für die Athlet*innen damit deutlich mehr als die frühere Diving World Series.
Welcher ist der Sprung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad?
Bei den Männern ist es vom 3m-Brett aktuell der 2,5-fache Salto vorwärts mit drei Schrauben mit einem Schwierigkeitsgrad von 3,9. Beim Turmspringen ist der schwierigste schon einmal gezeigte Sprung der 4,5-fache Vorwärtssalto gehechtet beziehungsweise der 4,5-fache Delfinsalto gehockt – beide sind mit 4,1 klassifiziert. Bei den Frauen ist momentan die 3,5-fache Auerbachschraube mit einem Schwierigkeitsgrad von 3,5 das Nonplusultra. Grundsätzlich gilt allerdings, dass auch ein Sprung mit einer niedrigeren Schwierigkeit einem am Ende schwerer fallen kann als ein höher bewerteter – das ist stets abhängig von den jeweiligen körperlichen Gegebenheiten und welche Bewegungen jemandem mehr liegen.
Was bedeuten die Sprungnummern?
Sechs verschiedene Sprunggruppen gibt es: Vorwärtssprünge (1), Rückwärtssprünge (2), Auerbachsprünge (3) – bei denen mit dem Gesicht nach vorne abgesprungen und dann rückwärts gedreht wird –, Delfinsprünge (4) – hier erfolgt der Absprung rückwärts, die Drehung verläuft vorwärts –, Schraubensprünge (5) und – nur beim Turmspringen – Handstandsprünge (6). Jeder Sprung wird durch eine drei- bzw. bei Sprüngen mit Schrauben vierstellige Sprungnummer eindeutig klassifiziert. Die erste Ziffer beschreibt die Sprunggruppe, mit der zweiten Ziffer wird ausgedrückt, ob ein Sprung mit mindestens einer Saltodrehung „normal“ (0) oder fliegend (1) – das heißt teilweise gestreckt und teilweise gehechtet oder gehockt – ausgeführt wird. Die Anzahl der halben Saltodrehungen wird durch die dritte Ziffer beschrieben, die Anzahl der halben Schrauben mit der vierten. Der abschließende Buchstabe A (gestreckt), B (gehechtet), C (gehockt) oder D (freie Ausführung) beschreibt die Ausführung. Beispiel: 5156B steht also für den zuvor erwähnten 2,5-fachen Salto vorwärts mit drei Schrauben gehechtet.
Warum wird das Wasser aufgeraut?
Zur Orientierung. Würde man das nicht machen und wäre die Wasseroberfläche spiegelglatt, würden die Springer*innen das Wasser nicht sehen, sondern nur den Grund. Aufgeraut wird entweder vom Beckenrand aus, etwa durch einen einfachen Schlauch, oder – wie in der Berliner SSE – durch spezielle Düsen am Beckenboden.
Warum ist das Sprungbrett verstellbar?
Mit dem Stellrad an der Seite, Rolle genannt, lässt sich der Härtegrad des Sprungbretts einstellen. An dieser Stelle ist der Auflagepunkt des Bretts. Je weiter vorne sich die Rolle befindet, desto weniger schwingt das Brett und desto härter ist es. Je mehr man es nach hinten verschiebt, umso größer wird die Amplitude. Die Skala reicht von 0 bis 9 – je höher die Zahl, desto weicher ist das Brett. Bei Sprüngen aus dem Anlauf bevorzugen die meisten Springer*innen ein weiches Brett, bei Sprüngen aus dem Stand gibt es welche, die es ebenfalls sehr weich und andere, die es etwas härter mögen, also auf sechs oder sieben. Die jeweilige Präferenz hängt dabei auch mit Körpergröße und -gewicht zusammen.
Wieso trocknen sich die Athlet*innen zwischen den Sprüngen jedes Mal wieder ab?
Zum einen, damit ihnen nicht kalt wird. Zum anderen, damit sie nicht abrutschen – bei gehockten Salti besteht ansonsten die Gefahr, dass sie durch die enormen Fliehkräfte aus der Balance geraten. Viele Springer*innen benutzen zudem einen speziellen Kleber auf Händen und Schienbein – vergleichbar mit denen, die beim Handball oder Wasserball verwendet werden –, der für zusätzlichen Grip sorgt. Tabu sind an den Schienbeinen vor oder beim Wettkampf übrigens alle Produkte, die die Haut allzu geschmeidig machen, wie Bodylotion, Shampoo oder Sonnencreme.
Johannes Liebmann fliegt mit Weltrekord zum zweiten Gold
Dass das Publikum im Centre Aquatique Olympique an diesem Samstag komplett in Ekstase gerät, war geradezu zu erwarten. Schließlich konnte Frankreich mit seinem Schwimmstar Léon Marchand über 200m Schmetterling endlich dessen ersten Sieg bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) feiern. Wenige Minuten später ließ ein Deutscher die knapp 5.000 Menschen in der Arena dann aber gleich noch einmal richtig ausrasten. Denn Johannes Liebmann kraulte über 1500m Freistil mit einem fabelhaften Weltrekord zu seinem zweiten Gold.
>> Alle EM-Ergebnisse aus Paris
In 14:26,79 Minuten unterbot der 19-Jährige vom SC Magdeburg deutlich den bisherigen Weltrekord von Bobby Finke (USA/14:30,67), aufgestellt bei dessen Olympiasieg vor zwei Jahren. Hinter Zalan Sarkany (HUN/14:39,45) erkämpfte Oliver Klemet (SG Frankfurt) in 14:40,64 Minuten Bronze und damit seine erste internationale Einzelmedaille im Beckenschwimmen. Zuvor hatte der 24-jährige Sportsoldat bekanntlich bereits Gold und Bronze beim Freiwasserschwimmen in der Seine gewonnen.
Im Hotelzimmer wurde der Weltrekord vorher thematisiert
Liebmann und Klemet bewohnen im Teamhotel das gleiche Zimmer. Sie hätten sich am Abend vor dem Rennen die Zwischenzeiten des Weltrekords mal ein wenig angeschaut, verriet Klemet. Offenbar löste das bei Liebmann etwas aus. Von Beginn an drückte der Youngster gnadenlos aufs Tempo und lag so gleich auf Weltrekordkurs. Die erste 200m schaffte er in 1:52,43 Minuten, nach nur 3:48,38 waren dann 400m absolviert. Bei 800m wendete er nach 7:40,85 – eine Zeit, die im Einzelrennen drei Tage zuvor zu Gold gereichte hätte. Liebmann war dort bereits Europarekord geschwommen.
Nun aber setzte Liebmann die Tempohatz immer weiter unbeirrt fort, mit der Präzision eines Uhrwerks. In der Arena schwoll die Stimmung dadurch immer mehr an und entlud sich beim Anschlag in krachendem Jubel samt Standing Ovations. Allen war hier bewusst, dass sie gerade eine Sternstunde des Schwimmsports miterlebt hatten.
„Ich wollte so schnell angehen und das Tempo so lange wie möglich hochhalten. Das hat am Ende auch echt wehgetan. Und als ich auf den letzten 200 Metern alle Zuschauer stehen sehen habe, wusste ich, hier passiert irgendwas“, erzählte Liebmann über sein Rennen. „Besser hätte es wirklich nicht laufen kann, die Zeit ist unheimlich schnell. Damit habe nicht gerechnet.“ Direkt nach dem Rennen konnte er die Tragweite seiner grandiosen Leistung selbst noch lange Zeit gar nicht richtig fassen. „Was in mir vorgeht, weiß ich selbst noch nicht genau. Es ist auf jeden Fall viel“, gestand er.
Was Johannes Liebmann sich von Florian Wellbrock abschaute
Mit diesem Erfolg machte es Liebmann zudem seinem Magdeburger Vereinskollegen und Vorbild Florian Wellbock nach, der bei der EM 2018 in Glasgow (GBR) über 1500m gewonnen hatte. Zudem ist der Abiturient erst der zweite deutsche Weltrekordler auf der längsten Strecke nach Jörg Hoffmann 1991.
Nach seinen Stärken befragt, verweist Liebmann übrigens sehr gern auch auf Wellbrock, der ihm seit dem Wechsel in die Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn vor rund 18 Monaten immer wieder gute Tipps gegeben habe. „Technisch habe ich mir viel von Flo abgeguckt, da bin ich auf einem sauberen Level“, sagte Liebmann. „Und auch bei den Wenden bin ich ziemlich stark. Ich habe die Ausdauer, so auch bei den langen Strecken immer richtig gut zu treffen.“ Wer Liebmann am Samstag schwimmen sah, kann das nur ausdrücklich bestätigen.
Oliver Klemet gewinnt erste internationale Medaille im Becken
„Es hatte sich im Training angedeutet, dass es schnell werden kann“, lobte auch Klemet seinen jungen Teamkollegen. „Aber dass es so schnell und so deutlich unter Weltrekord wird, ist unglaublich. Das war ein perfektes Rennen.“
Doch auch mit der eigenen Performance konnte der Hesse mehr als zufrieden sein. „Ich wusste, dass Johannes vorn sehr schnell angehen wird und ich da nicht mitgehen sollte. Ich habe versucht mein eigenes Rennen zu machen. Am Ende habe ich sogar den Ungarn noch eingeholt, aber leider nicht mehr überholt“, so Klemet. „Ich habe nun meine erste internationale Medaille im Becken gewonnen, bin fast Bestzeit geschwommen nach den ganzen Freiwasserrennen, das ist schon sehr gut. Ich bin zufrieden.“ Beide Deutsche starten zum EM-Abschluss am Sonntag übrigens noch über 400m Freistil.
EM 2026 in Paris: DSV-Ergebnisse am 15. August
| Strecke | DSV-Starter*in | Persönliche Bestzeit | Deutscher Rekord |
| Vorläufe ab 09:30 Uhr | |||
| 50m Freistil Männer | Julian Koch | 00:22,48 | 38. |
| 200m Schmetterling Frauen | Yara Fay Riefstahl | 02:12,87 | 12. (Q) |
| 100m Rücken Männer | Cornelius Jahn | 00:53,98 | 16. (Q) |
| Kaii Liam Winkler | 00:53,92 | 15. (Q) | |
| 50m Brust Frauen | Anna Elendt | 00:30,53 | 6. (Q) |
| Lena Ludwig | 00:31,84 | 29. | |
| 200m Lagen Männer | Cedric Büssing | 02:00,25 | 20. |
| Finn Hammer | 01:59,89 | 17. (Q) | |
| 4x200m Freistil Mixed | Jarno Bäschnitt, Timo Sorgius, Nicole Maier, Maya Tobehn | 07:32,07 | 3. (Q) |
| Finals ab 18:30 Uhr | |||
| 200m Schmetterling Männer Finale | |||
| 50m Freistil Frauen Finale | |||
| 50m Brust Männer Finale | Melvin Imoudu | 00:26,87 | 6. |
| 200m Lagen Frauen Finale | |||
| 50m Freistil Männer Halbfinale | |||
| 50m Brust Frauen Halbfinale | Anna Elendt | 00:30,34 | 5. (Q) |
| 1500m Freistil Männer Finale | Oliver Klemet | 14:40,64 | 3. |
| Johannes Liebmann | 14:26,79 WR | 1. | |
| 200m Schmetterling Frauen Halbfinale | Yara Fay Riefstahl | 02:13,04 | 14. |
| 200m Lagen Männer Halbfinale | Finn Hammer | 01:59,52 | 11. |
| 100m Rücken Frauen Finale | |||
| 100m Rücken Männer Halbfinale | Kaii Liam Winkler | 00:53,89 | 14. |
| Cornelius Jahn | 00:53,84 | 15. | |
| 4x200m Freistil Mixed | Lukas Märtens, Jarno Bäschnitt, Linda Roth, Maya Tobehn | 07:25,43 | 2. |
Nächstes Medaillen-Doppel von Isabel Gose und Maya Werner
Die besonderen Momente im Leben noch einmal erleben zu können, das wünschen sich viele. Isabel Gose und Maya Werner ist es am Freitag tatsächlich gelungen. Nach den 1500m Freistil bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) standen die beiden Schwimmerinnen vom SC Magdeburg wie drei Tage zuvor schon nach dem 800m-Rennen gemeinsam mit Silber und Bronze auf dem Siegerpodest. Gold ging in 15:46,22 Minuten erneut an Simona Quadarella (ITA) vor Gose (15:49,31) und Werner (15:52,50).
>> Alle EM-Ergebnisse aus Paris
Gose hat nach zweimal Gold beim Freiwasserschwimmen und insgesamt nun schon über neun Wettkampfkilometern damit bereits vier EM-Medaillen gewonnen. Auch wegen dieser enormen Belastung wusste die Olympiadritte von 2024 auf dieser Strecke das Ergebnis für sich gut einzuordnen. „Seit zwei Jahren endlich mal wieder unter 15:50. Wieder in Paris. Ich gIaube, diese Stadt bringt mir ein bisschen Glück. Ich kann mich nicht beschweren mit dieser Vorbelastung“, sagte die 24-Jährige, die am Sonntag über 400m Freistil sogar noch ein weiteres EM-Rennen vor sich hat. „Ich muss mir eingestehen, dass Simona letzte und diese Saison doch ein bisschen stärker war als ich. Allein, was sie jetzt vor den Europameisterschaften schon in den Wettkämpfen gemacht hat, war wirklich saustark. Ich bin super happy mit meiner Zeit.“
Maya Werner 24 Sekunden unter Bestzeit
Quadarella hatte trotz großer Hitze überall in Frankreichs Hauptstadt von Anfang an bedingungslos aufs Tempo gedrückt, war die ersten 400 Meter mit 4:07 Minuten genauso schnell angegangen wie beim 800m-Rennen. Einzig Gose konnte da noch mithalten, erst bei 900 Metern entstand dann die entscheidende Lücke. Hinter dem Führungsduo spulte Werner ihr Rennen schon relativ früh im Alleingang ab, die 21-Jährige verbesserte ihre Bestzeit dabei um fast 25 Sekunden. „Es läuft einfach. Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, wie schnell ich unterwegs bin“, sagte Werner. „Das macht mich schon stolz, weil die 1500 Meter noch neu in meinem Programm sind. Dass ich da gleich so konkurrenzfähig bin, gibt ein gutes Gefühl.“
Weniger zufrieden mit sich und seiner Leistung war an diesem Tag dagegen ein anderer Athlet aus der so erfolgreichen Gruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn. Im Finale über 200m Freistil konnte sich Lukas Märtens den Traum von der ersten internationalen Medaille auf dieser Nebenstrecke nicht erfüllen. In 1:45,58 Minuten war der 400m-Weltrekordler rund eine Dreiviertelsekunde langsamer als im Halbfinale am Vorabend unterwegs und belegte damit Rang sieben. Hinter dem Olympiasieger David Popovici (ROU/1:44,55) ging weiteres Edelmetall stattdessen an Tomas Navikonis (LTU/1:44,55) und James Guy (GBR/1:44,87).
Lukas Märtens auf der Suche nach dem Killerinstinkt
„Das Rennen war schon vorbei, da war ich gefühlt noch gar nicht richtig im Wasser. Ich bin vom Kopf entweder 100 Prozent da oder Null. Gestern war alles da, aber heute gar nichts“, erklärte Märtens. „Aber so ist Sport. Heute waren andere Leute einfach besser, das muss ich akzeptieren. Auf den 200 Metern muss ich einfach noch stabiler sein, über 400 Meter habe ich den Killerinstinkt. Ich werde weiter hart arbeiten.“ Erst am Sonntag steht dann Märtens‘ Hauptrennen über seine Weltrekordstrecke 400m Freistil auf dem EM-Programm.
Das Kontrastprogramm zu Märtens in Sachen Emotionen lieferte Julianna Dora Bocska. Im Halbfinale über 50m Freistil drückte die 20-Jährige von der SG Essen ihre Bestzeit um gleich zwei Zehntelsekunden auf 24,83 Sekunden, das reichte zu Rang 13. „Aufgeregt war ich schon, aber ich habe versucht es als positive Energie zu sehen und einfach alles aufzusaugen und Spaß zu haben“, sagte die EM-Debütantin. „Besser hätte es nicht laufen können. Und ich glaube, nun kann ich mit Zuversicht in die nächste Saison gehen.“
Sarah Sjöström kann Samstag Franzi van Almsick überflügeln
Während Bocska sich über die Annäherung an die Spitze freute, schwamm Superstar Sarah Sjöström (SWE/23,83) die schnellste Halbfinalzeit. Kurz vor ihrem 33. Geburtstag und ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes Adrian kann sie nun am Samstag ihren 19. EM-Titel gewinnen. Sie hätte dann einen mehr als Deutschlands Schwimmlegende Franziska van Almsick.
EM 2026 in Paris: DSV-Ergebnisse am 14. August
| Strecke | DSV-Starter*in | Zeit | Platz |
| Vorläufe ab 09:30 Uhr | |||
| 50m Freistil Frauen | Julianna Bocska | 00:25,03 | 16. (Q) |
| Nina Jazy | 00:25,55 | 30. | |
| 50m Brust Männer | Melvin Imoudu | 00:26,84 | 3. (Q) |
| Malte Gräfe | 00:27,15 | 12. (Q) | |
| Lucas Matzerath | 00:27,48 | 24. | |
| Subäjr Biltaev | 00:27,48 | 24. | |
| 100m Rücken Frauen | Lise Seidel | 01:00,72 | 10. (Q) |
| 200m Schmetterling Männer | Björn Kammann | 01:57,97 | 19. |
| 200m Lagen Frauen | Linda Roth | 02:15,01 | 13. (Q) |
| Noelle Benkler | 02:15,56 | 17. | |
| 4x100m Freistil Mixed | Josha Salchow, Julian Koch, Nicole Maier, Nina Holt | 3:26,36 | 9. |
| 1500m Freistil | Sven Schwarz | 14:52,16 | 5. |
| Oliver Klemet | 14:48,51 | 1. (Q) | |
| Johannes Liebmann | 14:50,83 | 2. (Q) | |
| Finalsabschnitt | |||
| 100m Schmetterling Frauen Finale | Angelina Köhler | 00:56,39 | 2. |
| 200m Freistil Männer Finale | Lukas Märtens | 01:45,58 | 7. |
| 200m Brust Frauen Finale | Anna Elendt | 02:23,81 | 5. |
| 100m Rücken Frauen Halbfinale | Lise Seidel | 01:00,75 | 11. |
| 50m Brust Männer Halbfinale | Melvin Imoudu | 00:26,93 | 8. (Q) |
| Malte Gräfe | 00:27,07 | 10. | |
| 50m Freistil Frauen Halbfinale | Julianna Bocska | 00:24,83 | 13. |
| 200m Schmetterling Männer Halbfinale | |||
| 200m Lagen Frauen Halbfinale | Linda Roth | 2:15,02 | 16. |
| 50m Rücken Männer Finale | |||
| 1500m Freistil Frauen Finale | Isabel Gose | 15:49,31 | 2. |
| Maya Werner | 15:52,50 | 3. | |
| 4x100m Freistil Mixed Finale |
EM in Paris: Kaii Liam Winkler mit dem nächsten Entwicklungsschritt
Als mehrfacher Olympiasieger, Welt- und Europameister gehört Kristóf Milak längst zu den Weltstars des Schwimmsports. Bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) untermauerte der 26-jährige Ungar diesen Status nach einem Pausenjahr sehr eindrucksvoll. So als hätte es die kolportierten Motivationsprobleme nie gegeben. Am Donnerstag siegte Milak erst mit neuem Europarekord über 100m Schmetterling (49,48 Sekunden), später führte er Ungarns Staffel über 4x100m Freistil zum Sieg mit Meisterschaftsrekord (3:10,03).
In beiden Finals war mit Kaii Liam Winkler (SG Neukölln Berlin) auch ein 20 Jahre junger Deutscher vertreten, der mit jeweils sechsten Plätzen wichtige Schritte in seiner Entwicklung vollzog. Als das in den USA geborene Talent vor zwei Jahren kurz vor den Olympischen Spielen in Paris (FRA) die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, freuten sich die Verantwortlichen im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) vor allem über dessen langfristige sportliche Perspektive. Nach einem Staffeleinsatz bei der WM in Singapur zeigt sich in diesem Jahr nun erstmals deutlich Winklers riesiges Potenzial.
Kaii Liam Winkler staunt über Muskelmasse der Rivalen
In seinem ersten internationalen Einzelfinale blieb der 1,97m große Schlaks in 51,08 Sekunden nur knapp über seinem im Juni aufgestellten deutschen Rekord (50,92). „Meine Unterwasserarbeit war heute nicht ganz optimal. Insgesamt habe ich hier aber drei gute Läufe abgeliefert“, sagte Winkler. „Und beim Blick auf die Topleute vorn habe ich hier auch gesehen, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe. Was die für große Oberschenkel haben für die Kicks, da muss ich in den kommenden Jahren noch einiges nachlegen.“
An der Seite von Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg/48,62 Sekunden), Julian Koch (SG Essen/47,98) und Ole Mats Eidam (Potsdamer SV/48,72) kam Winkler (47,88) mit der Staffel in 3:13,20 Minuten auf Rang sechs. Angesichts der Tatsache, dass hier bis auf den deutschen Rekordhalter Salchow, in diesem Jahr durch Studienabschluss und Berufseinstieg nicht ganz auf gewohntem Niveau, drei EM-Debütanten schwammen, ist das ein tolles Ergebnis. „Ich ärgere mich schon etwas. Wenn ich an meine Bestzeit herankomme, wäre sogar deutscher Rekord möglich gewesen“, lobte Salchow seine jungen Kollegen.
Platz acht für Brustschwimmer Lucas Matzerath
Mit Lucas Matzerath (Team Bochum) schwamm erstmals seit 2016 auch ein Deutscher im EM-Finale über 200m Brust. In 2:10,67 Minuten blieb der 26-Jährige nur sechs Zehntel über der im Halbfinale aufgestellten Bestzeit und belegte Rang acht. „Ich bin trotzdem zufrieden. Ich konnte diesmal ein bisschen was versuchen,
hintenraus leider nicht ganz so mithalten. Aber ich habe viel gelernt, viel mitgenommen“, meinte Matzerath. Gold ging an Filip Nowacki (GBR/2:07,70).
>> Alle EM-Ergebnisse aus Paris
Sein erstes Einzelfinale sicherte sich zudem Olympiasieger und Weltmeister Lukas Märtens. Über 200m Freistil kraulte der 24-Jährige vom SC Magdeburg mit 1:44,79 Minuten die zweitschnellste Zeit hinter 100m-Europameister David Popovici (ROU/1:44,56). „Ich denke, ich habe das heute Nachmittag solide gemacht, bin die ersten 100 Meter etwas langsamer angegangen, dafür die zweiten 100 Meter dann deutlich schneller. Das wird auch das Ziel sein fürs Finale“, sagte Märtens.
Nach Staffelbronze zum Auftakt ist eine 200m-Medaille das erklärte Ziel, der von seiner US-Reise mit Florian Wellbrock zurückgekehrte Bundestrainer Bernd Berkhahn ging daher gleich am Beckenrand in die Analyse mit seinem Topathleten. „Ich bin die 200 international zwar schön öfter geschwommen aber noch nie so, dass ich auf den Punkt sagen konnte, mehr geht nicht, dass das meine absolute Bestleistung istist, und das will ich morgen schaffen und allen zeigen“, betonte Märtens.
Jarno Bäschnitt (Team Bochum) verpasste den Finaleinzug mit neuer persönlicher Bestzeit (1:45,76) als Zehnter nur knapp. „Über die Zeit bin ich sehr, sehr happy. Ich konnte nochmal gut auf der Staffelzeit aufbauen“, sagte der 21-Jährige. „Wir haben diese Saison versucht, im Training wirklich jeden Aspekt nochmal anzufassen und alles ein paar Prozent besser zu machen als letzte Saison.“ Das ist ihm nicht nur wegen Staffelbronze zweifellos gelungen.
EM 2026 in Paris: DSV-Ergebnisse am 12. August
| Strecke | DSV-Starter*in | Persönliche Bestzeit | Deutscher Rekord |
| Vorläufe ab 09:30 Uhr | |||
| 50m Freistil Frauen | Julianna Bocska | 00:25,04 | 00:23,73 |
| Nina Jazy | 00:24,91 | 00:23,73 | |
| 50m Brust Männer | Melvin Imoudu | 00:26,57 | 00:26,57 |
| Lucas Matzerath | 00:26,80 | 00:26,57 | |
| Malte Gräfe | 00:26,95 | 00:26,57 | |
| Subäjr Biltaev | 00:27,54 | 00:26,57 | |
| 100m Rücken Frauen | Lise Seidel | 01:00,64 | 00:59,77 |
| 200m Schmetterling Männer | Björn Kammann | 01:56,66 | 01:55,04 |
| 200m Lagen Frauen | Noelle Benkler | 02:12,19 | 02:11,33 |
| Linda Roth | 02:12,47 | 02:11,33 | |
| 4x100m Freistil Mixed | 3:24,87 | ||
| 1500m Freistil | Sven Schwarz | 14:35,69 | 14:34,89 |
| Oliver Klemet | 14:39,03 | 14:34,89 | |
| Johannes Liebmann | 14:39,67 | 14:34,89 | |
| Finals ab 18:30 UIhr | |||
| 100m Schmetterling Frauen Finale | Angelina Köhler | 00:56,11 | 00:56,11 |
| 200m Freistil Mänenr Finale | Lukas Märtens | 01:44,14 | 01:42,00 |
| 200m Brust Frauen Finale | Anna Elendt | 02:23,54 | 02:23,54 |
| 100m Rücken Frauen Halbfinale | 00:59,77 | ||
| 50m Brust Männer Halbfinale | 00:26,57 | ||
| 50m Freistil Frauen Halbfinale | 00:23,73 | ||
| 200m Schmetterling Männer Halbfinale | 01:55,04 | ||
| 200m Lagen Frauen Halbfinale | 02:11,33 | ||
| 50m Rücken Männer Finale | 00:24,57 | ||
| 1500m Freistil Frauen Finale | Isbael Gose Maya Werner | 15:41,16 | |
| 4x100m Freistil Mixed Finale | 3:24,87 |
DSV-Starts am 14. August
| Strecke | DSV-Starter*in | Persönliche Bestzeit | Deutscher Rekord |
| Vorläufe ab 09:30 Uhr | |||
| 50m Freistil Frauen | Julianna Bocska | 00:25,04 | 00:23,73 |
| Nina Jazy | 00:24,91 | 00:23,73 | |
| 50m Brust Männer | Melvin Imoudu | 00:26,57 | 00:26,57 |
| Lucas Matzerath | 00:26,80 | 00:26,57 | |
| Malte Gräfe | 00:26,95 | 00:26,57 | |
| Subäjr Biltaev | 00:27,54 | 00:26,57 | |
| 100m Rücken Frauen | Lise Seidel | 01:00,64 | 00:59,77 |
| 200m Schmetterling Männer | Björn Kammann | 01:56,66 | 01:55,04 |
| 200m Lagen Frauen | Noelle Benkler | 02:12,19 | 02:11,33 |
| Linda Roth | 02:12,47 | 02:11,33 | |
| 4x100m Freistil Mixed | 3:24,87 | ||
| 1500m Freistil | Sven Schwarz | 14:35,69 | 14:34,89 |
| Oliver Klemet | 14:39,03 | 14:34,89 | |
| Johannes Liebmann | 14:39,67 | 14:34,89 | |
| Finals ab 18:30 UIhr | |||
| 100m Schmetterling Frauen Finale | 00:56,11 | ||
| 200m Freistil Mänenr Finale | 01:42,00 | ||
| 200m Brust Frauen Finale | 02:23,54 | ||
| 100m Rücken Frauen Halbfinale | 00:59,77 | ||
| 50m Brust Männer Halbfinale | 00:26,57 | ||
| 50m Freistil Frauen Halbfinale | 00:23,73 | ||
| 200m Schmetterling Männer Halbfinale | 01:55,04 | ||
| 200m Lagen Frauen Halbfinale | 02:11,33 | ||
| 50m Rücken Männer Finale | 00:24,57 | ||
| 1500m Freistil Frauen Finale | 15:41,16 | ||
| 4x100m Freistil Mixed Finale | 3:24,87 |
Florian Wellbrock fischt die nächste Goldmedaille aus der Seine
In den kommenden Tagen wird Florian Wellbrock im Rahmen der EM-Rennen in Paris (FRA) seine Auszeichnung als Europas bester Freiwasserschwimmer 2025 überreicht bekommen, in Würdigung seiner historischen vier WM-Titel des Vorjahres in Singapur. Derweil arbeitet der Magdeburger weiter an seinem Legendenstatus und sammelt in der Seine fleißig Argumente, dass ihm diese Ehre auch am Ende dieses Jahres wieder zuteilwerden wird.
Nach dem EM-Gold über 10km am Tag zuvor triumphierte Wellbrock am Mittwoch auch über die 5km-Distanz. Nach 55:40,2 Minuten setzte sich der 28-Jährige vom SC Magdeburg vor Dávid Betlehem (HUN/55:42,6), der schon auf der olympischen Distanz Zweiter hinter ihm gewesen war, und dem Italiener Gregorio Paltrinieri (55:44,7) durch.
„Ich habe hier mit nichts gerechnet und bin nun mit der zweiten Goldmedaille herausgekommen. Das ist unglaublich“, meinte Wellbrock. „Ich habe vorher nicht tiefgestapelt, ich war einfach nur ehrlich. Teilweise musste ich im Saisonverlauf mit den Mädels trainieren, weil ich für die Jungs zu langsam war. Ich habe absolut keine Erklärung für diesen Leistungssprung. Aber es macht natürlich Spaß, wenn es am Ende der Saison dann trotzdem klappt.“
Wellbrock ist erst der vierte Schwimmer mit dem Gold-Double
Der 28-Jährige ist damit erst der vierte Schwimmer in der EM-Geschichte, dem das Gold-Double über diese beiden Strecken gelungen ist. Oliver Klemet (SG Frankfurt) als zweiter Starter des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) kam nach seiner Bronzemedaille am Vortag wieder in die Top Ten und wurde Zehnter (56:34,0).
>> Alle EM-Ergebnisse aus Paris
Es war erneut eine Demonstration der Stärke von Florian Wellbrock. Wie schon über 10km drückte er dem Rennen auch diesmal wieder seinen Stempel auf und schwamm von Beginn an von der Spitze weg, so wie er es am liebsten hat. In seinem Schlepptau: Betlehem, Sacha Velly (FRA), der lange Zeit die französischen Hoffnungen auf eine Medaille für die Gastgebernation wachhielt, sowie Paltrinieri – wohingegen Olympiasieger Kristóf Rasovszky (HUN) nach einer misslungenen Wende an einer Boje in der letzten Runde endgültig abreißen lassen musste.
Auf dem letzten Kilometer machte Betlehem dann noch einmal ordentlich Druck, wich dafür sogar in eine eigene Spur ein paar Meter neben Wellbrock aus. Vorbei kam er allerdings nicht mehr. Den Sieg – den ersten für Deutschland auf dieser Distanz seit 20 Jahren – ließ sich der Weltmeister nicht mehr nehmen.
Veränderungen im Training haben sich ausgezahlt
„Das war beeindruckend, wie die Männer in diesem Rennen gekämpft haben. Einige wollten Revanche für gestern und waren sehr motiviert. Alle sind ans Limit gegangen, aber Florian hat die Geschwindigkeit von Anfang an so hoch gehalten auf einem Niveau, dass da keiner mehr herankam“, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Auch verriet der Coach, dass er für seinen Sportler im Saisonverlauf die Trainingssteuerung weg von intensiveren hin zu extensiveren Belastungen umstellte, um ihn wieder in Form zu bringen. Zudem wurde die Erholung vor dem Saisonhöhepunkt ausgedehnt. „Wir arbeiten schon seit 2014 zusammen, haben im Training immer mal etwas verändert. Jetzt war es wieder an der Zeit, etwas zu verändern, um den Körper dazu zu bringen, so effektiv zu arbeiten und solche Erfolge zu leisten. Der Körper verändert sich, das Höchstalter für Ausdauerleistungen liegt aber noch höher. Also kann Florian noch ein paar Jahre so erfolgreich sein“, so Berkhahn.
Vier Mal Gold wie in Singapur ist weiterhin möglich
Geholfen hat Wellbrock zweifellos auch seine neue Gelassenheit, die er nach der Olympia-Enttäuschung von 2024 (Rang acht) in der Mentalarbeit mit seiner Psychologin erarbeitet hat. „Im Endeffekt ist es nur Sport. Es ist irgendwo ein Hobby. Klar, wir verdienen damit unser Geld. Aber man sollte es nicht zu wichtig im Leben nehmen. Das ist meiner Erkenntnis aus den letzten zwei, drei Jahren. Das Mindset hat sich entsprechend verändert“, erzählte Wellbrock.
Am Ende könnte sich so trotz weniger Trainingsintensität sogar der Erfolg des Vorjahres wiederholen lassen. „Ich habe das schon mal kurz im Hinterkopf bekommen, dass man das eventuell wiederholen könnte mit vier Goldmedaillen wie in Singapur. Aber ich halte da weiter lieber den Ball flach und gucke, dass ich gut regeneriere und morgen wieder klarkomme.“
Gute Erholung wünscht sich auch Oliver Klemet, der nach 10km-Bronze zwar sehr forsch ins Rennen startete, aber nach einer misslungenen Attacke bei Rennhälfte viele Positionen verlor. Danach entschied er sich, seine Kräfte lieber schon für den Knockout Sprint am Freitag zu schonen.
Julia Ackermann mit überzeugendem EM-Debüt
Bei den Frauen schwamm Ginevra Tadeucci (ITA) ebenfalls zur zweiten Goldmedaille. In 1:02:31,2 Stunden siegte sie erneut vor Viktória Mihályvári-Farkas (HUN/1:02:33,4) und Landsfrau Barbara Pozzobon (ITA/1:02:35,1). Julia Ackermann, nach der gesundheitsbedingten Absage von Fabienne Wenske einzige Deutsche im Feld, belegte 1:03:17,7 Rang 13.
Nach ihrem JEM-Triumph vor zwei Wochen in Ungarn gelang Ackermann damit ein überzeugendes Debüt in der offenen Klasse. „Die erste und die letzte Runde waren ganz gut, ich bin ganz zufrieden. Man merkt natürlich, dass die anderen hier viel mehr Erfahrung haben“, sagte Ackermann. Die 19-Jährige empfahl sich mit ihrer Leistung auf jeden Fall für den Staffeleinsatz am Samstag. „Dort zu schwimmen, ist schon ein kleiner Traum von mir“, gestand sie.
Für Wasserspringer Moritz Wesemann wird die EM zur Late-Night-Show
Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Wasserspringer Moritz Wesemann auf seinem Instagram-Account ein humorvolles Video, in dem er sich für die bevorstehenden Europameisterschaften in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) in Stimmung brachte. Im Zug in die französische Hauptstadt sitzend, mit einem angeklebten Oberlippenbart und einer Baskenmütze auf dem Kopf, probierte Wesemann die landestypischen Spezialitäten Croissant, Camembert und ein Gläschen Rotwein.
Ein Gag, ganz offensichtlich. Doch zugleich auch Ausdruck der Lockerheit, mit der der 24-Jährige an die Titelkämpfe ab diesem Freitag herangeht. Natürlich sind die Erwartungen an seine Person da. Vom 1m-Brett startet Moritz Wesemann als Titelverteidiger, auch vom 3m-Brett gewann er 2023 bereits einmal den EM-Titel. Aber: „Beim Wasserspringen kann so viel passieren. Es hilft mir nicht, mir vorab großen Druck zu machen für Dinge, die nicht in meiner Hand liegen“, meint der Springer vom SV Halle.
Medaillen seien auf jeden Fall möglich, so Wesemann, in allen Disziplinen. „Aber das ist nicht das Hauptziel. Für mich persönlich geht es in erster Linie darum, die Fortschritte, die ich gemacht habe, international zu beweisen. Wenn ich 510 Punkte springen würde, was eine neue Bestleistung bedeuten würde, und dann drei oder vier andere besser wären, bin ich nicht unzufriedener, als wenn ich 460 Punkte springe und damit gewinne.“
Bei der WM überzeugte Wesemann als doppelter Sechster
Sein Potenzial stellte der Hallenser zuletzt bei der WM 2025 in Singapur unter Beweis, wo er in beiden Brett-Disziplinen Sechster wurde und daraus kräftig Selbstvertrauen tankte. „Das hat mir nochmal sehr viel Rückenwind gegeben“, sagt er.
Seitdem hat sich in seinem Umfeld einiges verändert. Wesemann ist zurück aus den USA, trainiert nun in Berlin bei Chef-Bundestrainer Christoph Bohm. „Das klappt sehr harmonisch und hilft mir, die in Deutschland vermittelte Technik wieder ein bisschen besser zu verstehen. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren viel gesehen und konnte davon einiges für mich mitnehmen. Trotzdem habe ich ja quasi mein ganzes Leben die deutsche Technik gelernt und bin dort einfach am sichersten“, erklärt er. „Es ist schön, wieder in Deutschland zu sein.“
Späte Wettkampfzeiten als besondere Herausforderung
Mit diesem guten Gefühl geht es für ihn nun zu den Europameisterschaften. Beim Wasserspringen (wie auch beim Synchronschwimmen) gibt es bekanntlich jedes Jahr kontinentale Titelkämpfe – in diesem Jahr ist der Stellenwert aber noch einmal höher, weil es der Saisonhöhepunkt ist. Gleichzeitig bringt eine „große“ EM besondere Herausforderungen mit sich. „Wir teilen uns das Becken mit den Synchronschwimmer*innen, dadurch liegen unsere Wettkämpfe sehr spät. Die Vorkämpfe beginnt erst um 14:00 Uhr, und die Finals gehen teilweise bis 23:00 Uhr. Das ist ganz anders als bei jedem anderen Wettkampf, da muss man sich ein bisschen anpassen“, erklärt Wesemann.
In Paris tritt er außer in den beiden Einzeldisziplinen vom Brett zum Auftakt am Freitag auch noch im Team-Event an, zusammen mit Lena Hentschel, Pauline Pfeif (beide Berliner TSC) und Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen). Auch die anderen zum Zeitpunkt der Nominierung noch offenen Besetzungen stehen inzwischen fest: Zweiter Springer im 3m-Einzel wird Lou Massenberg (SV Halle), im 3m-Synchronspringen wird Jette Müller (Dresdner SC 1898) an der Seite von Lena Hentschel springen, im Mixed-Turm-Synchronspringen Pauline Pfeif mit Ole Rösler (WSC Rostock).
„Wir haben ein starkes Team und haben in nahezu allen Disziplinen Medaillenchancen, sowohl im Einzel als auch in den Synchronwettbewerben“, sagt Moritz Wesemann. „Die meisten von uns haben auch schon sehr viel internationale Erfahrung in der offenen Klasse sammeln können, und alle versuchen gemeinsam, das Beste zu erreichen. Es herrscht eine sehr schöne Teamharmonie.“ Bei der auch der Humor nicht fehlen darf. Ob mit oder ohne Bart und Baskenmütze.
Die EM-Starts des DSV-Teams
31. Juli, ab 14:30 Uhr: Finale Team-Event mit Lena Hentschel, Pauline Pfeif (beide Berliner TSC), Moritz Wesemann (SV Halle) und Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen)
01. August, ab 12:00 Uhr: Vorkampf 1m-Brett Männer mit Moritz Wesemann und Jonathan Schauer (beide SV Halle)
01. August, ab 20:00 Uhr: Finale Turm-Synchron Frauen mit Pauline Pfeif/Elena Wassen (beide Berliner TSC); Finale 1m-Brett Männer ggf. mit Moritz Wesemann und Jonathan Schauer (beide SV Halle)
02. August, ab 12:30 Uhr: Vorkampf 1m-Brett Frauen mit Lena Hentschel (Berliner TSC)
02. August, ab 19:00 Uhr: Finale Mixed-3m-Synchron mit Lena Hentschel/Luis Avila Sanchez (beide Berliner TSC); Finale 1m-Brett Frauen ggf. mit Lena Hentschel (Berliner TSC)
03. August, ab 13:00 Uhr: Vorkampf Turm Frauen mit Pauline Pfeif und Elena Wassen (beide Berliner TSC)
03. August, ab 19:00 Uhr: Finale 3m-Synchron Männer mit Lou Massenberg/Jonathan Schauer (beide SV Halle); Finale Turm Frauen ggf. mit Pauline Pfeif und Elena Wassen (beide Berliner TSC)
04. August, ab 12:30 Uhr: Vorkampf 3m-Brett Frauen mit Lena Hentschel (Berliner TSC) und Jette Müller (Dresdner SC 1898)
04. August, ab 19:30 Uhr: Finale Turm-Synchron Männer mit Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen)/Luis Avila Sanchez (Berliner TSC); Finale 3m-Brett Frauen ggf. mit Lena Hentschel (Berliner TSC) und Jette Müller (Dresdner SC 1898)
05. August, ab 10:30 Uhr: Vorkampf 3m-Brett Männer mit Moritz Wesemann und Lou Massenberg (beide SV Halle)
05. August, ab 18:30 Uhr: Finale Mixed-Turm-Synchron mit Pauline Pfeif (Berliner TSC)/Ole Rösler (WSC Rostock); Finale 3m-Brett Männer ggf. mit Moritz Wesemann und Lou Massenberg (beide SV Halle)
06. August, ab 10:30 Uhr: Vorkampf Turm Männer mit Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen) und Ole Rösler (WSC Rostock)
06. August, ab 17:30 Uhr: Finale 3m-Synchron Frauen mit Lena Hentschel (Berliner TSC)/Jette Müller (Dresdner SC 1898); Finale Turm Männer ggf. mit Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen) und Ole Rösler (WSC Rostock)
Langstreckler Moritz Erkmann als JEM-Fünfter so schnell wie nie
Stimmung wie beim Fußball herrschte am Donnerstagabend bei den Junior*innen-Europameisterschaften im Schwimmen. Mit Trommeln, Tröten und Laola-Wellen, die durch die Münchener Olympia-Schwimmhalle schwappten. Und einen aus dem Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) beflügelte diese Atmosphäre ganz besonders. Moritz Erkmann (SC Chemnitz) lieferte über 1500m Freistil ein mutiges Rennen ab, bis kurz vor Schluss war er noch mittendrin im Medaillenrennen. Am Ende wurde es mit toller Bestzeit von 15:18,61 Minuten Platz fünf für den 17-Jährigen, seinen bisherigen persönlichen Rekord verbesserte er dabei um zweieinhalb Sekunden.
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„Die Jungs wurden am Ende immer schneller und schneller. Deswegen bin ich auch noch mal voll aufs Gas gegangen, leider war aber dann plötzlich der Sprit alle“, sagte Erkmann. Mit der Platzierung darf er dennoch sehr zufrieden sein. Wenn man bedenkt, dass zu Jahresbeginn sogar die JEM-Qualifikation auf der Kippe stand. „Ich hatte im Frühjahr wegen Schulterproblemen die Qualifikation verpasst, bin nun aber trotzdem Bestzeit geschwommen. Jetzt schaue ich auf das 800-Meter-Rennen, vielleicht geht da dann noch mehr“, so der Chemnitzer. Sieger wurde der Pole Mikolaj Litoborski (15:08,02), hauchdünn vor dem Spanier Juan Vallmitjana Behrendt (15:08,11). Simon Brugger (SG Stadtwerke München) als zweiter Deutscher im Finale wurde Achter (16:00,14).
DSV-Staffel um Einzel-Europameisterin Linda Roth wird Vierte
Auch andere aus dem deutschen Team waren am Donnerstag nicht weit von den Podestplätzen entfernt, ohne dass es dabei allerdings für eine weitere DSV-Medaille reichte. Am nächsten dran war die Staffel über 4x200m Freistil mit Zarina Selimovic (SG Dortmund), Melina Nitschke (SC Chemnitz), Julianna Buttler und Linda Roth (beide SC Magdeburg) auf Platz vier in 8:03,72 Minuten. „Wir sind als Vierte ins Finale eingezogen und haben diesen Platz verteidigt, nach vorn ging leider nicht mehr“, sagte Roth, am Vortag Junioren-Europameisterin im Einzel über 200m Freistil. „Ich persönlich bin sehr happy, noch einmal eine 1:57 geschwommen zu sein, das schafft man ja auch nicht alle Tage. Und ich freue mich auch schon auf die nächsten Staffeleinsätze, denn die sind immer etwas Besonderes.“
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Fünfte über 100m Schmetterling in 59,28 Sekunden wurde Yara Fay Riefstahl (SC Chemnitz), die damit ihr Ergebnis aus dem vergangenen Jahr um zwei Plätze verbesserte. Auch sie hatte mutig angegriffen, lag nach 50m noch auf Rang zwei. „Sie ging es ein wenig hektisch an. Am Anfang hat sie viel Kraft investiert, die dann am Ende gefehlt hat“, sagte Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes. Gold ging in einem spannenden Finale an Caterina Santambrogio (ITA/58,63) knapp vor Serafima Fokina (NA/58,67). Riefstahl wird wie Roth im August auch noch bei den Europameisterschaften in Paris starten.
Leonie Mau tankt mit JEM-Platz sechs ganz viel Selbstvertrauen
Über 50m Freistil hatte Leonie Mau (SSV PCK90 Schwedt) bereits im Halbfinale den Jahrgangsrekord für 16-Jährige auf 25,33 Sekunden verbessert. Im Finale am Abend lieferte sie mit 25,42 noch einmal eine schnelle Zeit ab und belegte damit Rang sechs beim Sieg von Theodora Taylor (GBR/24,82). „Ich bin schon sehr zufrieden, weil ich nicht mit einer Finalteilnahme gerechnet hätte“, sagte Mau, die aus der gleichen Stadt stammt wie Peking-Olympiasiegerin Britta Steffen, die einst ebenfalls auf den Sprintstrecken daheim war. An Olympische Spiele denkt Mau noch nicht, aber das Selbstbewusstsein ist durch dieses Top-Ergebnis in jedem Fall gewachsen bei dem Talent aus dem Jahrgang 2009. „Mal gucken, ob es nächstes Jahr wieder mit der JEM klappt. Und wenn ich dann noch besser bin, erhoffe ich mir eine Chance auf eine Medaille.“
Bestzeiten im Halbfinale durch Thiel und Hoffmann, auch Bauer wieder im Endlauf
Bei den Männern steht die Entscheidung auf der schnellsten Schwimmstrecke dann am Donnerstag an, ebenfalls mit deutscher Beteiligung. Als Vierter mit neuer Bestzeit von 22,36 Sekunden löste Larus Thiel (SG Bayer) das Ticket fürs Finale. „Ich bin mega happy. Ich hätte nicht gedacht, dass es so eine gute Zeit wird. Vor allem, weil sich das Rennen echt nicht gut angefühlt hat. Der Übergang war ziemlich hängend, der Anschlag nicht so gut, da bin ich fest geworden“, erkannte er anschließend sogar noch Reserven für den Endlauf. „Die Saison war nicht optimal, mit sehr vielen Rückschlägen. Aber jetzt habe ich richtig Lust auf das Finale. Ich bin als Vierter drinnen, und auf dem 50er ist immer alles möglich.“
Sogar als Zweiter erreichte Mitja Bauer (SSG Leipzig) das Finale über 200m Rücken, mit seiner Zeit von 1:59,87 Minuten blieb er einmal mehr unter der Zwei-Minuten-Marke. „Ich wollte unter die ersten drei oder vier, damit ich bei den anderen starken Jungs einen guten Platz im Finale habe“, so der Leipziger, der über die 50m-Distanz bereits Siebter war. Auf der längsten Rückenstrecke scheint nun sogar noch deutlich mehr drin.
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Nach seiner Bronzemedaille am Mittwoch über 50m Brust steht auch Louis Hoffmann (SG Neukölln Berlin) in einem weiteren JEM-Finale. Er schwamm über 200m Brust Bestleistung mit 2:14,24 Minuten und damit die insgesamt fünftschnellste Zeit. „Ich hoffe, dass es morgen ausgeruhter noch ein bisschen besser geht“, gab sich der 18-Jährige angriffslustig. Hugo Engelien (SC Magdeburg) belegte mit 2:16,62 auf Rang elf.
Mira Helget sehr glücklich nach dem Einzug ins Rückenfinale
Sehr zufrieden war auch Mira Helget (AMTV-WTB Hamburg) nach dem Halbfinale über 200m Rücken. Im Vorjahr war sie bei der JEM 32. geworden – nun steht die Hamburgerin als Halbfinal-Sechste in 2:13,56 Minuten unter den besten Acht des Kontinents. Ein weiterer großer Erfolg für Helget, die auf dieser Strecke im Frühjahr auch schon Deutsche Meisterin in der offenen Klasse geworden war. „Ich bin sehr glücklich. Letztes Jahr lief gar nicht gut – dass ich es ins Finale geschafft hab, freut mich umso mehr. Ich habe angeschlagen und wusste nicht, ob es mit der Zeit reicht. Dann habe ich das Ergebnis gesehen und ich war sehr happy damit. Im Finale will ich eine Bestzeit.“
Über 200m Brust landete Hannah Schneider (Hofheimer SC) mit 2:31,82 auf Platz zehn. „Ich habe auf dem zweiten Hunderter gemerkt, dass meine Kraft immer weiter nachlässt. Und zwar noch mehr als heute morgen. Vielleicht lag das daran, dass ich schon ein Rennen in den Knochen hatte und dass das vielleicht noch nicht wieder so gut wegstecken kann. Das ist schade“, meinte Schneider, die Anfang der Woche noch krank geworden und noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte war. Nach einer insgesamt schwierigen Saison mit einem Fußbruch im Januar war für die 18-Jährige jedoch schon die JEM-Qualifikation aller Ehren wert.
Linda Roth sorgt für ersten deutschen Goldjubel bei der JEM in München
„An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“, so lautet eine bekannte Textzeile aus dem Mega-Hit der „Toten Hosen“. Und eben einen solchen Tag erlebte am Mittwoch auch Linda Roth bei den Junior*innen-Europameisterschaften in München. Während nebenan die Düsseldorfer Band ihre Hits aus vier Jahrzehnten Musikgeschichte zum Besten gab, setzte Roth in der Olympia-Schwimmhalle zum ersten Mal die deutsche Nationalhymne auf die Playlist.
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Als Siegerin über 200m Freistil in 1:57,79 Minuten sorgte die 18-Jährige vom SC Magdeburg dafür, dass die erste deutsche Medaille bei diesen Titelkämpfen gleich eine goldene war. Es war der bislang größte Erfolg in Roths Karriere, die bei ihren bisherigen JEM-Teilnahmen bislang einmal Silber und dreimal Bronze jeweils mit der Staffel gewonnen hatte. „Bei der Siegerehrung hätte ich fast geweint und musste mir ein bisschen die Tränen verdrücken, weil ich darauf einfach seit drei JEMs hingefiebert habe. Die Hymne zu hören ist so cool und macht mich so glücklich“, sagte Roth. Vereinskollegin Juliana Buttler als zweite Deutsche im Finale erreichte als Sechste in 2:00,29 ebenfalls ein starkes Ergebnis.
Der Wechsel nach Magdeburg hat sich bezahlt gemacht
Bereits auf der zweiten Bahn hatte Linda Roth die Führung übernommen, zur Halbzeit des Rennens lag sie drei Hundertstel vor der Litauerin Ieva Jurkunaite. Von ihr setzte sich Roth dann zunehmend ab, dafür kamen auf der letzten Bahn Sofia Diakova (NA/1:58,32) und Titelverteidigerin Bianca Nannucci (ITA/1:58,82) noch einmal stark auf, die am Ende Silber und Bronze holten. Doch die Magdeburgerin verteidigte ihren Vorsprung erfolgreich.
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„Ich habe nach 150 Metern gesehen, dass schon alle bei mir dran waren, aber ich habe gemerkt, dass noch ein bisschen was drin ist. Dann habe ich alles gegeben und gemerkt, dass ich wirklich dafür trainiert habe. Ich habe mich so unglaublich gefreut, als ich angeschlagen habe und auch gesehen habe, wie sich alle für mich gefreut haben. Es hat mir so viel Spaß gemacht“, sagte die neue Junioren-Europameisterin. Als sie das Ergebnis realisierte, schickte sie eine Jubelfaust in Richtung Tribüne, „zum ganzen Team, aber auch zu meiner Familie, die mich wirklich immer unterstützen und auch alle extra gekommen sind.“
Neben dem akustischen Support von den Rängen hat vor allem auch Roths neue Trainingsgruppe großen Anteil an diesem Erfolg. Vor einem Jahr war sie von Cannstatt zur Gruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn am Magdeburger Bundesstützpunkt gewechselt und trainiert dort seitdem täglich mit Top-Starts wie den Olympiasiegern Lukas Märtens und Florian Wellbrock oder auch ihrem großen Vorbild Isabel Gose. „Die haben mir so viel gebracht“, meinte Roth. „Ich bin so stolz, diesen Wechsel gemacht zu haben. Ich mag die alle sowohl im als auch außerhalb des Pools so gerne. Sie bedeuten mir echt so viel, und auch das Trainerteam, das jeden Tag hinter mir steht, pusht mich total.“ Mit der Goldmedaille von München hat diese Entwicklung nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Fortsetzung folgt in den kommenden Tagen von München, und später auch bei den Europameisterschaften der offenen Klasse in Paris (FRA/31. Juli – 16. August).
Leonie Mau mit Jahrgangsrekord ebenso im Endlauf wie Yara Fay Riefstahl
In der ikonischen Olympia-Schwimmhalle von 1972 wird der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) schon am Donnerstag wieder zahlreich in den Entscheidungen (ab 18:00, Livestream auf Sporteurope.TV) vertreten sein. Nachdem am Vormittag bereits die beiden Langstreckler Moritz Erkmann (SC Chemnitz) und Simon Brugger (SG Stadtwerke München) über 1500m Freistil das Ticket für die Top acht gelöst hatten, schafften am Abend zwei weitere Aktive aus dem DSV-Team den Sprung in den Endlauf.
Leonie Mau durfte sich als Sechstplatzierte des Halbfinals über 50m Freistil sogar über einen neuen Jahrgangsrekord für 16-Jährige freuen. Mit 25,33 Sekunden schwamm sie nochmal eine Hundertstel schneller als bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschafften (DJM) im Juni. „Es macht schon sehr Spaß, wenn dich alle beim Einlaufen anfeuern. Ich hätte nicht erwartet, dass ich ins Finale komme, deswegen freut es mich richtig dolle“, sagte Mau, die wie Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen aus Schwedt (Oder) stammt. Im Finale will sie nun noch einmal schneller schwimmen. „Mal schauen, was noch geht. Aber ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben“, meinte sie. Lara Vandenhirtz (SG Essen) erreichte mit 25,47 Platz zehn. Beste im Halbfinale war die Spanierin Irene Ciercoles Galve (24,82).
Über 100m Schmetterling gelang Yara Fay Riefstahl (SC Chemnitz) mit der viertschnellsten Zeit in 59,10 Sekunden die souveräne Qualifikation fürs Finale. „Ich bin nicht ganz an die Wenden und den Anschlag rangekommen. Damit bin ich nicht ganz zufrieden, und gerade auch auf den letzten 25 Metern hätte ich noch einiges besser machen können. Aber das versuche ich einfach morgen besser zu machen“, so die Chemnitzerin, die sich extra für dieses Event die Nägel mit Deutschlandfahnen hat lackieren lassen. Linda Roth schied mit 1:01,82 aus, ihr fehlte wenige Minuten nach ihrer Siegerehrung einfach die Kraft, vermutlich auch emotional. Die schnellste Zeit im Halbfinale zeigte Serafima Fokima (NA) mit 58,85.
