Der erste deutsche Profi in Spanien: Wasserballer Uwe Sterzik wird 60
- 27.04.2026
Dieser Erfolg hat sich hierzulande in das kollektive Wasserballgedächtnis eingebrannt. 1989 bei der Heim-EM in Bonn gewann die Auswahl des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) die Goldmedaille, das entscheidende „Golden Goal“ in der Verlängerung beim 10:9 gegen Olympiasieger und Weltmeister Jugoslawien erzielte der leider viel zu früh verstorbene Rainer Osselmann. Mit dabei im Europameisterteam war damals auch Uwe Sterzik, der am heutigen Montag (27. April) 60 Jahre alt wird „Die Stimmung beim Finale war unglaublich, wir hatten noch nie so viele Zuschauer“, erinnert er sich. Das Spiel wurde sogar live im Fernsehen übertragen.
„Der EM-Titel war mein größter Erfolg“, sagt Sterzik. Aber längst nicht der einzige. Über ein Jahrzehnt zählte er zu den Führungsspielern im DSV-Team, bestritt von 1985 bis 1997 insgesamt 342 Länderspiele. 1995 bei der EM in Wien hatte der in Ostrov nad Ohří im heutigen Tschechien geborene Sterzik entscheidenden Anteil am deutschen Bronzegewinn – es war die bislang letzte DSV-Medaille bei den Männern bei einer EM, WM oder Olympia. „Weil ich in Wien in der Mannschaft noch eine viel größere Rolle hatte, zählt dieser dritte Platz für mich fast so viel wie der Titel 1989“, meint Sterzik.
Drei Mal bei Olympischen Spielen, zweimal Spieler des Jahres
Dreimal – 1988 in Seoul (KOR), als Deutschland starker Vierter wurde, 1992 in Barcelona (ESP) und 1996 in Atlanta (USA) – nahm er außerdem an Olympischen Spielen teil. „An die Eröffnungsfeier bei meinen ersten Spielen in Seoul erinnere ich mich bis heute, das war ein ergreifender Moment“, sagt er. In der Wasserball-Bundesliga spielte er für den Ersten Offenbacher SC, den Duisburger SV 1898, SSF Delphin Wuppertal und den Düsseldorfer SC 1898. Zweimal in Folge wurde er Wasserballer des Jahres. 1996/97 wechselte er für eine Saison zum CN Teneriffa und wurde damit der erste deutsche Profi in Spanien, damals die Liga des amtierenden Olympiasiegers. Kontakte auf die Kanaren bestehen bis heute.
Nach Ende seiner aktiven Karriere war Uwe Sterzik von 1998 bis 2000 Bundestrainer für die DSV-Männer, später dann auch Vereinstrainer beim Duisburger SV, dem ASC Duisburg sowie in der Schweiz. Hier hatte er seine spektakulärste Zeit beim drittältesten Schwimmverein der Schweiz, dem SC Schaffhausen. Auf Anhieb gewann er das „Double“ aus Meisterschaft und Pokalsieg. Damit schrieb er Vereinsgeschichte: Der Traditionsclub holte erstmals Wasserballtitel – und legte im Jahr darauf mit einer weiteren Meisterschaft direkt nach. Von 2012 bis 2020 verantwortete er auch die Schweizer Nationalmannschaft. „Ich war schon als Spieler der Typ Spielmacher, der sich viel mit Taktik beschäftigt hat. Da lag der Wechsel ins Traineramt nahe“, erzählt er.
Heute lebt Uwe Sterzik in der Schweiz – und spielt immer noch
Inzwischen lebt Sterzik in der Nähe von Zürich (SUI) und ist an der dortigen Universität als Trainingsleiter im Hochschulsport tätig. Dem Wasserball ist er nach wie vor eng verbunden. Auf nationaler Ebene spielt er regelmäßig für die Duisburger Masters-Mannschaft, international mit den Spandau All Star Masters, mit denen er 2024 in Doha (QAT) sogar Weltmeister in der Altersklasse 50 wurde. Im Sommer geht es für das Team als nächstes zur Masters-EM nach Samorin (SVK). „Bei den Deutschen Meisterschaften spiele ich dieses Jahr mit Duisburg erstmals in der AK 60“, sagt Sterzik und lacht. „Früher dachte ich, mit 60 sei man schon Opa. Aber ich habe immer noch ein sehr aktives und tolles Leben.“

















