Wassersport extrem: Fast war es sogar zu kalt fürs Eisschwimmen

Selbst beim Eisschwimmen gibt es selten eine Kulisse, die die Kälte so gut symbolisiert wie die am vergangenen Samstag beim VEItSbadcup in Veitsbronn. Wenige Kilometer nordwestlich von Nürnberg ist die Liegewiese neben dem 50m-Wettkampfbecken zu großen Teilen mit mehreren Zentimeter dicken Eisschollen bedeckt. Der Grund: In Veitsbronn war es beinahe zu kalt zum Eisschwimmen. Fünf Tage vor dem Wettbewerb zerbrachen insgesamt knapp 100 Freiwillige das Eis, um es anschließend mit Körben aus dem Wasser zu fischen und in Schubkarren auf die Wiese zu transportieren.

„Am Dienstag stand der Wettkampf auf der Kippe“, sagte Ulf Karnikowski, der die Organisation der dritten Station des Deutschland-Ice-Cups zusammen mit Uwe Mirk leitete. Doch am Samstag war es vollbracht: Knapp 180 Teilnehmer*innen liefern sich enge Medaillenkämpfe bei Wassertemperaturen von 0,5 Grad Celsius. Fast fünf Grad weniger als bei den ersten beiden Cup-Stationen in Langenhagen und Burghausen. Das 1000m-Rennen am Sonntag konnte deshalb nicht stattfinden.

„Das Reingehen an sich ist das Gleiche wie bei fünf Grad“, sagte Franziska Partheymüller, die über 50m Brust um wenige Hundertstel an einem neuen Altersklassen-Weltrekord vorbeischwamm. „Aber der Moment, in dem man unkoordinierter wird und keine Kraft mehr aufbringen kann, kommt früher.“ Die Rennen der Frauen waren extrem umkämpft. Über neun Strecken gab es sieben verschiedene Siegerinnen. Über die beiden längsten Strecken dominierte Marie-Therese Bartl. Die Vizeweltmeisterin aus Niederbayern entschied sowohl die 250m als auch die 500m Freistil mit großem Abstand für sich. „Ich fand es schon sehr kalt. Die 500 Meter Kraul gingen komischerweise, aber die 250 haben schon wehgetan“, resümierte die Schwimmerin von Serwus Burghausen, die auch zum Kader des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) gehört.

Bei den Männern fehlten in Veitsbronn zwei Nationalkaderschwimmer. Die Veitsbronner Schwimmlegende Christof Wandratsch – ehemaliger Ärmelkanal-Weltrekordhalter und Extremschwimmer – setzt nach einer Knie-Operation und einer Schulterverletzung schon länger aus. Kilian Franke, der sich vergangenes Jahr auf den Sprintstrecken mit Kilian Graef (SC Regensburg) um die Siege gestritten hatte, muss die ganze Saison mit einem Kreuzbandriss pausieren. Graef und Alexander Schilder entschieden am Samstag jeweils drei Strecken für sich. In der Gesamtwertung des Deutschland-Ice-Cups übernahm Graef so die Führung von Jens Trommer. Bei den Frauen nutzte Heike Schmidt von den Rostocker Seehunden die Abwesenheit von Lisa Holm, um an der Osnabrückerin vorbeizuziehen. In der Para-Wertung änderte sich nichts, dort führt weiterhin Tina Deeken.

Der VEItSbadcup war der letzte Test vor den Europameisterschaften in der ersten Februarwoche in Molveno (ITA). Dann werden auch die beiden Weltmeister*innen über 500m und 1000m Alisa Fatum-Böker und Andreas Waschburger in das Wettkampfgeschehen eingreifen. Zwei Wochen später steigt dann am 20./21. Februar auch die vierte Deutschland-Ice-Cup-Station in Neuhermsdorf. Bei den Deutschen Meisterschaften im Erzgebirge werden die letzten Punkte vergeben.

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