Isabel Gose verlässt die EM mit fünf Medaillen, auch Maya Werner darf feiern

© Jo Kleindl

Insgesamt 9,9 Kilometer hat Isabel Gose bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) im Wettkampf absolviert, keine andere Frau im Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) war in diesen EM-Tagen derart fleißig. Am letzten Tag der Titelkämpfe hatte die 24-Jährige vom SC Magdeburg trotzdem noch genug Kraft, um nach zweimal Gold im Freiwasser und zweimal Silber im Becken ein weiteres Mal aufs Treppchen zu kraulen.

Über 400m Freistil gewann Gose wie schon zuvor über 800m und 1500m Freistil erneut Silber in 4:02,41 Minuten. Ihre Vereinskollegin Maya Werner wurde mit persönlicher Bestzeit von 4:03,73 Dritte und sicherte sich so ihre dritte Bronzemedaille. Erstmals seit 1997 standen über 400m Freistil also zwei deutsche Schwimmerinnen auf dem EM-Podium. Den Titel holte sich wie schon auf den anderen beiden Langstrecken die Italienerin Simona Quadarella mit neuem Meisterschaftsrekord von 4:01,34 Minuten.

 

Isabel Gose mit toller EM-Bilanz, aber Platz zwei „tut weh“

 

„Fünf Strecken, fünf Medaillen, ich kann mich wirklich nicht beschweren. Trotzdem kratzt es natürlich ein bisschen am Ego“, meinte Gose, nachdem sie gegen ihre Dauerrivalin also wieder das Nachsehen hatte. „Zweimal ist okay, ein drittes Mal tut echt weh. Die Zeit ist okay, ich glaube nach dem Pensum war das schon in Ordnung. Ich muss es so hinnehmen“, so die Magdeburgerin. Nach 100m war Gose mit einer Tempoverschärfung an die Spitze gegangen, Werner und Quadarella in ihrem Schlepptau. So lautete die Reihenfolge auch noch bis 350m, ehe die Italienerin attackierte und sich von Platz drei noch ganz nach vorne schob.

 

>> Alle EM-Ergebnisse aus Paris

 

Trotzdem ist Goses erneutes Edelmetall eine starke Leistung gerade auch angesichts der enormen Vorbelastung durch die vorherigen Rennen. „Vielleicht sollte ich jetzt nochmal 100 Meter maximal schwimmen, um die zehn Kilometer voll zu machen“, scherzte sie selbst. Und gestand: „Die körperliche Belastung mal hinten angestellt, war es auch mental nicht einfach. Diese ganze Nervosität davor, dieser Abfall nach den Rennen, die Emotionen, die da jedes Mal hochkommen, eine Achterbahnfahrt der Gefühle über anderthalb Wochen. Die ein, zwei Tage Pause zwischen den Rennen haben da wirklich immer mal ganz gutgetan. Ich brauche jetzt erstmal Urlaub und dann starten wir mit neuen Zielen und Träumen in die neue Saison.“

 

Maya Werner schielt jetzt sogar auf den deutschen Rekord

 

Ganz neue Ziele darf sich nach den starken Auftritten in der französischen Hauptstadt auch Maya Werner setzen. Isabel Gose adelte sie am Sonntag und hielt es nicht mehr für unmöglich, dass ihre drei Jahre jüngere Trainingskollegin vielleicht bald sogar in Richtung ihres deutschen Rekords (4:02,14) geht. „Das ehrt mich riesig, so positive Worte zu hören, und natürlich ist es irgendwann ein Ziel von mir, auch mal einen deutschen Rekord zu brechen“, meinte Werner selbst. „Ich glaube, davon träumt man als kleines Mädchen schon. Aber ich denke, da muss ich jetzt erst noch an mir arbeiten.“

Ihre riesigen Fortschritte waren in Paris jedenfalls offensichtlich, entsprechend zufrieden äußerte sich die 21-Jährige über ihr drittes Edelmetall. „Die Zeit bedeutet mir mega viel, die Medaille auch“, sagte sie. „Hinten raus war es ganz schön hart, aber so soll es ja auch sein. Ich glaube, so ein Pensum habe ich bei keinem Wettkampf bisher geschafft und auch so gut durchzukommen. Ich bin sehr happy, wie die Woche gelaufen ist und kann mit Zuversicht in die neue Saison starten.“

Zumal sie in diesem Jahr mit einigem Verletzungsausfall zu kämpfen hatte, was die EM-Auftritte umso stärker macht. „Jetzt so schnell wieder zurückzukommen und vorne anzukommen und die Bestzeiten zu schlagen, ist einfach toll. Das hätte ich nicht gedacht und das hätten meine Trainer nicht gedacht. Da haben wir wirklich gute Arbeit geleistet in den letzten Monaten“, freute sich Werner.

 

Anna Elendt wird Fünfte im spannendsten EM-Finale der Geschichte

 

Auf allen drei Bruststrecken hatte es Anna Elendt (SG Frankfurt) in Paris ins Finale geschafft, so auch am Schlusstag im 50m-Sprint. In 30,35 Sekunden wurde sie dort erneut Fünfte, nach zuvor schon Platz fünf über 200m Brust und Rang sieben über die 100m-Distanz. „Der 50er ist immer so schnell vorbei, da macht man einen kleinen Fehler und ist hinten. Ich habe die Zeit vom Halbfinale nochmal bestätigen können und bin glücklich damit“, sagte sie.

Elendt war die erste Deutsche seit 2014 in einem EM-Finale über 50m Brust – damals war Dorothea Brandt ebenfalls Fünfte geworden. „Für Olympia fokussiere ich mich auf die 100 und die 200 Meter“, sagte sie trotzdem, „bei den 50ern müssen wir schauen, ob wir das drin lassen.“

Den Titel schnappte sich im knappsten EM-Finale der Geschichte auf dieser Strecke Ruta Meilutyte (LTU) in 23,93 Sekunden. Die Weltmeisterin lag beim Anschlag nur eine Hundertstel vor Benedetta Pilato (ITA/23,94) und diese nur eine weitere Hundertstel vor Mona McSharry (IRL/29,95).

 

Staffelschwimmerinnen zum EM-Abschluss nochmal topfit

 

Später am Abend war Elendt mit der 4x100m-Lagenstaffel noch ein weiteres Mal im Einsatz und absolvierte dort die Bruststrecke in 1:05,83 Minuten. Zusammen mit Rückenschwimmerin Lise Seidel (SC Chemnitz/1:00,71), Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin/56,26) auf der Schmetterlingsstrecke und Nina Holt (SC Magdeburg/53,41) auf dem abschließenden Kraulabschnitt wurde es dort im letzten Frauenfinale dieser Titelkämpfe Platz vier in 3:56,21 Minuten.

Alle vier schwammen damit so schnell wie in der ganzen Woche noch nicht – und auch insgesamt war das DSV-Quartett damit flotter unterwegs als bei der WM im vergangenen Jahr. Zum deutschen Rekord aus der Zeit der Hightech-Anzüge (3:55,79) fehlten lediglich vier Zehntel. Den Titel schnappte sich die Frauen aus Großbritannien mit Meisterschaftsrekord von 3:53,50, die sich auf den letzten Metern noch an den lange Zeit führenden Italienerinnen (3:53,60) vorbeischoben.

„Ich freue mich sehr, dass es jetzt nochmal die schnellste Zeit geworden ist in dieser Woche, damit kann man sehr zufrieden sein“, meinte Seidel. Ähnlich sah es auch Köhler: „Es war ganz schön wellig, weil wir da richtig den Druck von den Italienerinnen abbekommen haben. Das macht es nicht leicht, ordentlich zu schwimmen, vor allem bei Delfin und bei Brust, weil man da einen guten Rhythmus braucht. Aber mit 56,2 bin ich auf jeden Fall zufrieden. Ich habe hier eine tolle Woche gehabt“, so die Berlinerin, die im Einzel EM-Silber geholt hatte.

 

EM 2026 in Paris: DSV-Ergebnisse am 16. August

Strecke

DSV-Starter*in

Persönliche Bestzeit

Deutscher Rekord

Vorläufe ab 09:30 Uhr

     

400m Freistil Frauen

Isabel Gose

04:06,37

2. (Q)

 

Maya Werner

04:05,40

1. (Q)

 

Linda Roth

04:08,42

5.

400m Freistil Männer

Lukas Märtens

03:46,33

8. (Q)

 

Oliver Klemet

03:45,22

1. (Q)

 

Johannes Liebmann

03:47,88

11.

 

Sven Schwarz

03:46,68

9.

4x100m Lagen Frauen

Lise Seidel, Anna Elendt, Angelina Köhler, Nina Holt

03:57,12

2. (Q)

4x100m Lagen Männer

Cornelius Jahn, Melvin Imoudu, Kaii Liam Winkler, Josha Salchow

03:32,18

4. (Q)

       

Finals ab 18:30 Uhr

     

50m Freistil Männer Finale

   

00:21,81

50m Brust Frauen Finale

Anna Elendt

00:30,35

5.

200m Lagen Männer Finale

   

01:55,76

200m Schmetterling Frauen Finale

   

02:05,26

100m Rücken Männer Finale

   

00:52,27

400m Freistil Frauen Finale

Maya Werner

04:03,73

3.

 

Isabel Gose

04:02,41

2.

400m Freistil Männer Final

Oliver Klemet

03:45,16

5.

 

Lukas Märtens

03:44,57

3.

4x100m Lagen Frauen Finale

Lise Seidel, Anna Elendt, Angelina Köhler, Nina Holt

03:56,21

4.

4x100m Lagen Männer Finale

Cornelius Jahn, Melvin Imoudu, Kaii Liam Winkler, Josha Salchow

03:31,55

5.

 

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