Johannes Liebmann fliegt mit Weltrekord zum zweiten Gold

Johannes Liebmann und Oliver Klemet feiern Gold und Bronze über 1500m Freistil ©Jo Kleindl

Dass das Publikum im Centre Aquatique Olympique an diesem Samstag komplett in Ekstase gerät, war geradezu zu erwarten. Schließlich konnte Frankreich mit seinem Schwimmstar Léon Marchand über 200m Schmetterling endlich dessen ersten Sieg bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) feiern. Wenige Minuten später ließ ein Deutscher die knapp 5.000 Menschen in der Arena dann aber gleich noch einmal richtig ausrasten. Denn Johannes Liebmann kraulte über 1500m Freistil mit einem fabelhaften Weltrekord zu seinem zweiten Gold.

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In 14:26,79 Minuten unterbot der 19-Jährige vom SC Magdeburg deutlich den bisherigen Weltrekord von Bobby Finke (USA/14:30,67), aufgestellt bei dessen Olympiasieg vor zwei Jahren. Hinter Zalan Sarkany (HUN/14:39,45) erkämpfte Oliver Klemet (SG Frankfurt) in 14:40,64 Minuten Bronze und damit seine erste internationale Einzelmedaille im Beckenschwimmen. Zuvor hatte der 24-jährige Sportsoldat bekanntlich bereits Gold und Bronze beim Freiwasserschwimmen in der Seine gewonnen.

 

Im Hotelzimmer wurde der Weltrekord vorher thematisiert

 

Liebmann und Klemet bewohnen im Teamhotel das gleiche Zimmer. Sie hätten sich am Abend vor dem Rennen die Zwischenzeiten des Weltrekords mal ein wenig angeschaut, verriet Klemet. Offenbar löste das bei Liebmann etwas aus. Von Beginn an drückte der Youngster gnadenlos aufs Tempo und lag so gleich auf Weltrekordkurs. Die erste 200m schaffte er in 1:52,43 Minuten, nach nur 3:48,38 waren dann 400m absolviert. Bei 800m wendete er nach 7:40,85 – eine Zeit, die im Einzelrennen drei Tage zuvor zu Gold gereichte hätte. Liebmann war dort bereits Europarekord geschwommen.

 

Nun aber setzte Liebmann die Tempohatz immer weiter unbeirrt fort, mit der Präzision eines Uhrwerks. In der Arena schwoll die Stimmung dadurch immer mehr an und entlud sich beim Anschlag in krachendem Jubel samt Standing Ovations. Allen war hier bewusst, dass sie gerade eine Sternstunde des Schwimmsports miterlebt hatten.

 

„Ich wollte so schnell angehen und das Tempo so lange wie möglich hochhalten. Das hat am Ende auch echt wehgetan. Und als ich auf den letzten 200 Metern alle Zuschauer stehen sehen habe, wusste ich, hier passiert irgendwas“, erzählte Liebmann über sein Rennen. „Besser hätte es wirklich nicht laufen kann, die Zeit ist unheimlich schnell. Damit habe nicht gerechnet.“ Direkt nach dem Rennen konnte er die Tragweite seiner grandiosen Leistung selbst noch lange Zeit gar nicht richtig fassen. „Was in mir vorgeht, weiß ich selbst noch nicht genau. Es ist auf jeden Fall viel“, gestand er.

 

Was Johannes Liebmann sich von Florian Wellbrock abschaute

 

Mit diesem Erfolg machte es Liebmann zudem seinem Magdeburger Vereinskollegen und Vorbild Florian Wellbock nach, der bei der EM 2018 in Glasgow (GBR) über 1500m gewonnen hatte. Zudem ist der Abiturient erst der zweite deutsche Weltrekordler auf der längsten Strecke nach Jörg Hoffmann 1991.

 

Nach seinen Stärken befragt, verweist Liebmann übrigens sehr gern auch auf Wellbrock, der ihm seit dem Wechsel in die Trainingsgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn vor rund 18 Monaten immer wieder gute Tipps gegeben habe. „Technisch habe ich mir viel von Flo abgeguckt, da bin ich auf einem sauberen Level“, sagte Liebmann. „Und auch bei den Wenden bin ich ziemlich stark. Ich habe die Ausdauer, so auch bei den langen Strecken immer richtig gut zu treffen.“ Wer Liebmann am Samstag schwimmen sah, kann das nur ausdrücklich bestätigen.

 

Oliver Klemet gewinnt erste internationale Medaille im Becken

 

„Es hatte sich im Training angedeutet, dass es schnell werden kann“, lobte auch Klemet seinen jungen Teamkollegen. „Aber dass es so schnell und so deutlich unter Weltrekord wird, ist unglaublich. Das war ein perfektes Rennen.“

 

Doch auch mit der eigenen Performance konnte der Hesse mehr als zufrieden sein. „Ich wusste, dass Johannes vorn sehr schnell angehen wird und ich da nicht mitgehen sollte. Ich habe versucht mein eigenes Rennen zu machen. Am Ende habe ich sogar den Ungarn noch eingeholt, aber leider nicht mehr überholt“, so Klemet. „Ich habe nun meine erste internationale Medaille im Becken gewonnen, bin fast Bestzeit geschwommen nach den ganzen Freiwasserrennen, das ist schon sehr gut. Ich bin zufrieden.“ Beide Deutsche starten zum EM-Abschluss am Sonntag übrigens noch über 400m Freistil.

EM 2026 in Paris: DSV-Ergebnisse am 15. August

Strecke

DSV-Starter*in

Persönliche Bestzeit

Deutscher Rekord

Vorläufe ab 09:30 Uhr

     

50m Freistil Männer

Julian Koch

00:22,48

38.

200m Schmetterling Frauen

Yara Fay Riefstahl

02:12,87

12. (Q)

100m Rücken Männer

Cornelius Jahn

00:53,98

16. (Q)

 

Kaii Liam Winkler

00:53,92

15. (Q)

50m Brust Frauen

Anna Elendt

00:30,53

6. (Q)

 

Lena Ludwig

00:31,84

29.

200m Lagen Männer

Cedric Büssing

02:00,25

20.

 

Finn Hammer

01:59,89

17. (Q)

4x200m Freistil Mixed

Jarno Bäschnitt, Timo Sorgius, Nicole Maier, Maya Tobehn

07:32,07

3. (Q)

       

Finals ab 18:30 Uhr

     

200m Schmetterling Männer Finale

     

50m Freistil Frauen Finale

     

50m Brust Männer Finale

Melvin Imoudu

00:26,87

6.

200m Lagen Frauen Finale

     

50m Freistil Männer Halbfinale

     

50m Brust Frauen Halbfinale

Anna Elendt

00:30,34

5. (Q)

1500m Freistil Männer Finale

Oliver Klemet

14:40,64

3.

 

Johannes Liebmann

14:26,79 WR

1.

200m Schmetterling Frauen Halbfinale

Yara Fay Riefstahl

02:13,04

14.

200m Lagen Männer Halbfinale

Finn Hammer

01:59,52

11.

100m Rücken Frauen Finale

     

100m Rücken Männer Halbfinale

Kaii Liam Winkler

00:53,89

14.

 

Cornelius Jahn

00:53,84

15.

4x200m Freistil Mixed

Lukas Märtens, Jarno Bäschnitt, Linda Roth, Maya Tobehn

07:25,43

2.

 

 

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