Traumstart in Paris mit zwei Staffelrekorden und einmal Bronze

© Jo Kleindl
- 10.08.2026
Wenn jemand im Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) weiß, wie es sich anfühlt, bei einer großen internationalen Meisterschaft die erste Medaille fürs Team zu gewinnen, dann ist es Lukas Märtens. Ob bei seinem Olympiasieg 2024 oder im vergangenen Jahr beim Weltmeistertitel in Singapur, stets machte der Magdeburger aus DSV-Sicht auf dem Treppchen den Anfang. So auch diesmal wieder bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) – bloß, dass er diese Ehre diesmal noch mit drei anderen Athleten teilen durfte.
DSV-Männer unterbieten Zeit aus der Ära der High-Tech-Anzüge
Zusammen mit Timo Sorgius (SC Wiesbaden 1911/1:45,63), Jarno Bäschnitt (Team Bochum/1:45,10) und Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV/1:45,84) gewann Startschwimmer Märtens (1:45,71) am Montagabend Bronze über 4x200m Freistil. Mit 7:02,28 Minuten stellte das DSV-Quartett zudem einen deutschen Rekord auf, knapp eine Sekunde schneller als die 17 Jahre alte Bestmarke (7:03,19) der Staffel um Paul Biedermann noch aus der Zeit der Hightech-Anzüge.
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Gold ging mit neuem Meisterschaftsrekord von 7:01,52 Minuten nach Großbritannien, das auch schon bei Olympia und bei der WM siegreich gewesen war, Silber an die Gastgeber aus Frankreich mit Superstar Léon Marchand (7:02,23).
Medaille am ersten Tag beflügelt das ganze Team
„Wir geben dem ganzen Team damit einen guten Schub. Mit der Staffel eine Medaille zu gewinnen, ist für mich etwas Besonderes, weil mir das noch nicht so oft vergönnt gewesen ist. Deshalb bin ich umso stolzer, dass ich es mit den Jungs jetzt geschafft habe“, sagte Märtens. Und weiter: „Das haben wir uns über Jahre aufgebaut. Wir haben letztes Jahr ein bisschen Lehrgeld zahlen müssen, da waren wir nicht im Finale bei der WM. Dieses Mal lief es umso besser. Und Richtung Los Angeles ist da noch vieles möglich.“
Léon Marchand hatte als Startschwimmer der Franzosen auf den ersten 200 Metern ordentlich Gas gegeben (1:43,76) – der Top-Star dieser EM schwamm weit vor dem Feld und brachte das Heimpublikum im Centre Aquatique Olympique zum Toben. Deutschland wechselte als Siebter, aber Timo Sorgius brachte das DSV-Quartett heran bis auf Platz vier. „Ich habe schon im Vorlauf gemeint, dass wir den deutschen Rekord angreifen. Das haben wir jetzt auch bewiesen, dass wir es können. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, und darauf können wir alle sehr stolz sein“, sagte er.
Bäschnitt mit der schnellsten Zeit, Jahn übernimmt Verantwortung
Nach Sorgius ging Jarno Bäschnitt ins Becken, der diesmal die schnellste Zeit der vier Deutschen ablieferte und das Rennen seines Lebens zeigte. „Ich glaube, das war in erster Linie Kopfsache, dass ich da nochmal alles aufgedreht habe, um auf 110 Prozent zu gehen. Das hier werde ich nie vergessen“, schilderte er selbst seinen Auftritt. Schlussmann war dann Cornelius Jahn, bislang vor allem als starker Rückenschwimmer bekannt, aber in Paris nun auch auf der Kraulstrecke bärenstark.
„Ich bin super happy“, sagte der Schleswig-Holsteiner, der erst relativ kurzfristig von seinem Staffeleinsatz erfahren hatte, nachdem Oliver Klemet (SG Frankfurt) nach seinen Einsätzen im Freiwasser noch etwas Pause brauchte. „Das war ein super Rennen, es hat einfach Spaß gemacht. Und die Atmosphäre war auch mega“, so Jahn.
DSV-Frauen schneller als Britta Steffen & Co. beim Weltrekord
Zuvor durften sich auch die DSV-Frauen im Endlauf über 4x200m Freistil über einen deutschen Rekord freuen. Mit 7:49,14 Minuten blieben Maya Tobehn (Dresdner SC 1898), Linda Roth, Nina Holt (beide SC Magdeburg) und Nicole Maier (SC Wiesbaden 1911) rund 1,7 Sekunden unter der alten Marke, mit der Britta Steffen und Co. 2006 bei der EM in Budapest (HUN) zum Titel schwammen und die damals sogar Weltrekord bedeutet hatte. Dieses Mal fehlte dem deutschen Quartett die Winzigkeit einer Hundertstel, um ebenfalls eine Medaille einzufahren. Gold ging auch hier nach Großbritannien mit Championship-Rekord von 7:45,93, vor Ungarn (7:49,09) und den Neutralen Athletinnen aus Russland (7:49,13).
Nur eine Hundertstel fehlt zum Podium
„Ich muss sagen, ich habe gemischte Gefühle. Der deutsche Rekord ist eine wirklich gute Zeit, das freut mich wahnsinnig, na klar. Aber eine Hundertstel ist ärgerlich, das muss man erstmal verdauen“, meinte Tobehn. Ihre Teamkolleginnen trösteten sie aber sofort. „Wir können uns nichts vorwerfen. Wir haben alle bis zum Ende gekämpft und können glücklich sein mit uns. Das war jetzt hier für uns alle das erste Finale hier bei der EM, und für Maya und mich auch die erste EM in der offenen Klasse“, erinnerte Linda Roth. Auch Maier meinte: „So eine Staffel ist eine Teamleistung. Man macht das immer gemeinsam und nimmt das Ergebnis auch dann gemeinsam auf.“
Bis auf Tobehn waren die deutschen Staffelschwimmerinnen am ersten EM-Tag allesamt auch schon im Einzel über 100m Freistil im Einsatz gewesen. Nina Holt erreichte dort das Halbfinale, als Elfte mit 53,81 Sekunden stellte sie dabei ihre Bestzeit ein. „Es war mir sehr wichtig, über die 100 ein gutes Rennen zu machen. Danach war ich ganz schön motiviert für die Staffel“, sagte sie. Die Bronzemedaille der Staffelmänner dürfte nun für weiteren Ansporn für die nächsten Tage gesorgt haben.

















