Finals 2026: Angelina Köhlers emotionaler Triumph in der alten Heimat

Angelina Köhler genießt den Triumph in Hannover ©Jo Kleindl

Erstmals finden die Deutschen Sprintmeisterschaften im Schwimmen statt, der Zauber dieses neuen Formats wurde im Rahmen der Finals in Hannover am Samstag besonders gut sichtbar. Bei den Elimination Races im Schmetterling sicherten sich dabei Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin) und Ole Mats Eidam (Potsdamer SV) die Goldmedaillen, die Titel im Brustsprint gingen nach jeweils drei 50m-Runden an Lena Ludwig (SV Nikar Heidelberg) und Melvin Imoudu (Potsdamer SV). 

 

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Besonders stark präsentierte sich Köhler im Stadionbad. Die 25-Jährige lieferte mit 25,75 Sekunden ungewöhnlicherweise erst im dritten Lauf ihre schnellste Zeit des Tages ab, während die Konkurrenz immer langsamer wurde. Ein klares Zeichen, dass sie bereits zwei Wochen vor den Europameisterschaften in Paris (FRA/31 Juli – 16. August) auf einem erstaunlichen Niveau unterwegs ist. Ihr eigener deutscher Rekord steht bei 25,50 und dürfte in diesem Sommer noch ins Wanken geraten. „Das hat Spaß gemacht. Das ist mein altes Heimatbecken, ich habe hier neun Jahre lang gelebt. Ich bin hier schon geschwommen, da war ich zwölf. Deswegen ist ein bisschen Nostalgie dabei und es auch schön, wenn man hier noch mal so schnell schwimmen kann“, sagte Köher hinterher. In Richtung EM sei nun durchaus Optimismus erlaubt, räumte die Ex-Weltmeisterin nach dem überzeugenden Auftritt am Samstag ein: „Da muss auf jeden Fall was gehen.“

 

Schmetterlings-Rekordler Armbruster verzockt sich im zweiten Lauf

 

Einen ganz anderen Verlauf nahm die Entscheidung bei den männlichen Schmetterlingen. Hier schied der deutsche Rekordhalter Luca Nik Armbruster (SG Neukölln) nämlich schon im zweiten Lauf aus. „Ich habe mich schlichtweg verzockt“, räumte der WM-Sechste von Singapur offen ein, der sich noch etwas Kraft für den dritten und letzten Lauf aufheben hatte wollen. Die Gunst der Stunde nutzte dann der in Hannover durchweg überzeugende Ole Mats Eidam, der im Finale Kaii Liam Winkler (SG Neukölln) und Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg) hinter sich ließ. „Lange Zeit war Freistil meine Hauptschwimmart und Schmetterling meine heimliche Liebe. Um so schöner ist es nun, in dieser Schwimmart erfolgreich zu sein“, sagte der US-Student, der sich auf dieser Strecke auch erstmals für eine EM hatte qualifizieren können im Frühjahr.

 

Wie schon im Tag zuvor blieb es nicht bei diesem einen Titelgewinn für Potsdam. Denn über 50m Brust setzte sich erwartungsgemäß Melvin Imoudu durch, der zuvor auch schon Gold in der Lagenmeisterschaft erkämpft hatte. „Der Sprint verzeiht keine Fehler. Und eine solche Leistungsdichte dabei zu haben wie derzeit bei uns, das macht richtig Spaß“, sagt Imodu.  „Ich verlasse Hannover mit einem guten Gefühl, die ganze Saison lief schon gut für mich. Ich freue mich jetzt auf die Europameisterschaften.“ Dort geht er als einziger Deutscher dann als Titelverteidiger an den Start.

 

Sogar Paralympicssieger Taliso Engel wird zum Fan der K.o.-Sprints

 

In Hannover dabei war auch Taliso Engel (1. FCN Schwimmen), der Paralympicssieger schaffte es trotz seiner starken Sehbeeinträchtigung beim Brustschwimmen bis in die zweite K.o.-Runde. Und freute sich hinterher über den gelungenen Test vor der EM im September in der Türkei. „Die Finals mit den vielen Sportarten sind ein cooles Konzept“, meinte Engel. „Und dieses Elimination Race ist für uns Sportler natürlich der absolute Tod, aber ich glaube um Zuschauen richtig geil.“ Das zeigte sich auch beim Brustschwimmen der Frauen, wo Lena Ludwig die Abwesenheit von Weltmeisterin Anna Elendt zum Titelgewinn zu nutzen wusste. „Ich bin nicht so die Sprinterin, aber als 200m-Spezialistin habe ich das nötige Stehvermögen für diese drei Fünfziger“, meinte die 19-Jährige. „Nach diesem Sieg fahre ich zum Abschluss meiner ersten Saison in der offenen Klasse mit einem besonders guten Gefühl zur EM.“

 

Mit einer Überraschung begann die Freistil-Meisterschaft auf den Mittelstrecken. Über 400m Freistil schlug Maya Werner nach 4:06,73 Minuten nämlich vor der deutschen Rekordhalterin Isabel Gose (beide SC Magdeburg/4:07,27) an. Werner, als WM-Achte von Singapur zweitschnellste Europäerin hinter Gose, wollte den ersten Sieg gegen ihr Idol wegen der aktuell noch hohen Trainingsbelastung nicht überbewerten. Betonte aber durchaus selbstbewusst: „Ich glaube, wir machen uns gegenseitig besser. Natürlich habe ich große Ziele für die EM.“

 

Zu oft krank vor der EM: Florian Wellbrock sieht keine Medaillenchancen

 

Beim 800m-Rennen der Männer schlug der WM-Zweite Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover) nach 7:47,77 Minuten knapp vor Oliver Klemet (SG Frankfurt/7:48,38) an. Mit etwas Abstand kam Florian Wellbrock (SC Magdeburg/8:00,43) auf Rang drei. „Ich bin positiv überrascht von der Stimmung“, sagte Wellbrock hinterher. „Man hat wirklich das Maximum aus der Halle herausgeholt. Ich finde es cool, dass das so angenommen wird. Leistungsmäßig bin ich leider nicht so überrascht. Das hat sich schon ein bisschen abgezeichnet. Ich weiß ja, was ich im Training kann. Und daher weiß ich auch ungefähr, was im Wettkampf möglich ist. Man muss leider sagen, dass dieses Wettkampfergebnis die Trainingsleistung widerspiegelt. Richtung europäische Spitze fehlt da derzeit einiges.“ 

 

Für die EM in Paris schraubte der Vierfach-Weltmeister im Freiwasserschwimmen die Erwartungen daher stark zurück: „Ich war dreimal in dieser Saison krank, das ist für mich ungewöhnlich viel. Vor Singapur war ich überhaupt nicht krank“, sagte Welbbrock. „Die Medaillenhoffnungen sind auf ein Minimum zurückgeschraubt. Wenn ich auf den olympischen 10km in die Top Ten schwimme, haben wir schon eine Menge geschafft.“

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