Lia Hartmannshenn kratzt bei der DJM in Berlin am Uralt-Rekord

© Tino Henschel

Lia Hartmannshenn (SG Mönchengladbach) gehört bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Schwimmen (DJM) in Berlin zum jüngsten Jahrgang 2012, doch die 14-Jährige sorgte am Freitag für einen echten Kracher. Das Publikum in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) hielt den Atem an, als sie über 200m Brust in 2:30,77 Minuten nur um eine Zehntel am 43 Jahre alte Jahrgangsrekord von Sylvia Gerasch vorbeischrammte – einer der ältesten Bestmarken überhaupt im Nachwuchsbereich. „Das ist eine sehr gute Zeit für mich“, meinte Hartmannshenn äußerst bescheiden ob dieser Klasseleistung.

 

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Dabei ist sie eine ziemliche Spätstarterin. 2022 war sie mit ihren Eltern aus den USA zurück nach Deutschland gekommen, wo ihr Vater beruflich tätig war – bis dahin hatte sie das Schwimmen lediglich hobbymäßig betrieben. „Weil es mir gefallen hat, bin ich dann zur SG Mönchengladbach zum Leistungsschwimmen gewechselt“, erzählte sie. Fürs nächste Jahr peilt sie nun bereits einen DM-Start in der offenen Klasse an.

 

Hannah Schneider vervollständigt ihre goldene Sammlung auf den Bruststrecken 

 

Hartmannshenn feierte bei der DJM in diesem Jahr Siege auf allen drei Bruststrecken. Ein solches Triple gelang sonst nur noch Hannah Schneider (Hofheimer SC/Jahrgang 2008), die damit das Kunststück fertigbrachte, fünf Jahre in Folge stets die Brustdistanzen komplett abzuräumen. „Ich bin superglücklich. Mission erfüllt“, meinte sie nach ihrem letzten DJM-Rennen.

 

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Noch im Januar war sie am Boden zerstört gewesen. Nach einem Fußbruch drohte sie die Saison und damit auch die Europameisterschaften der Junior*innen in München (07. – 12. Juli) zu verpassen, für die sie sich dann trotz dieses Handicaps schließlich doch qualifizierte. „Auch harte Zeiten gehören zum Sport. Man muss lernen, damit umzugehen. So etwas zu meistern, gibt mir nochmal einen mentalen Push. Da merkt man, was für ein starkes Umfeld man hat, das einen die ganze Zeit unterstützt, und das ist sehr wertvoll“, so Schneider.

 

Spannendes Finale voraus: Wer wird die fleißigste Titelsammlerin?

 

Aber auch andere sammelten am Freitag weiter fleißig Titel. Für Pia-Marlene Spethmann (SC Delphin Ingolstadt) und Mia Marie Junga (Berliner TSC), beide aus dem jüngsten Jahrgang 2012, gab es derweil jeweils schon die vierte Goldmedaille bei dieser DJM, gleiches gilt für Zarina Selimovic (SG Dortmund/2010). Evelyn Wegrotzki (SG HT16 Hamburg/2010) feierte sogar zwei Titel an einem Tag über 200m Lagen und 200m Brust und steht nun ebenfalls bei vier Erfolgen. Alle vier zogen damit mit Eva Woitag (SC Magdeburg/2011) gleich, die sich über 200m Lagen erstmals mit Platz zwei begnügen musste.

 

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Damit steht am letzten Tag der Titelkämpfe ein spannendes Finale bevor, wer sich dann zur fleißigsten Goldsammlerin krönen kann. Selimovic und Wegrotzki starten am Samstag nur noch einmal; Spethmann, Junga und Woitag haben zum Abschluss jeweils noch zwei Rennen.

 

Sprintspezialistin Lara Vandenhirtz mit Hingucker-Sprung

 

Neben Evelyn Wegrotzki war am Freitag auch Laura Sophie Kohlmann (SG Essen/Jahrgang 2009) doppelt erfolgreich. Noch am Vortag war sie traurig gewesen, als über 400m Lagen nur eine Hundertstel zum Sieg gefehlt hatte. Nun flossen wieder Tränen – diesmal allerdings Tränen der Freude. „Die Erleichterung ist riesig. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich diesmal durchsetzen und gewinnen konnte“, jubelte sie nach ihrem Sieg über 200m Lagen in 2:15,17 Minuten, dem sie kurz darauf noch einen weiteren über 200m Brust (2:31,68) folgen ließ, als der Knoten erstmal geplatzt war.

Richtig viel Spaß bei dieser DJM hat ihre neue Vereinskollegin Lara Vandenhirtz (2010). Vergnügt sprang sie vor ihrem Auftritt über 50m Rücken mit einer Arschbombe ins Becken. „Ich habe meinem Freund und meinen Geschwistern versprochen, dass ich mal eine Arschbombe zeige und dann habe ich das einfach gemacht, ist doch lustig. Ich hab‘ halt gerne Spaß am Schwimmen“, sagte sie.

Mit dieser Einstellung sicherte sie sich nach den 50m Schmetterling auch den Sieg über die kurze Rückenstrecke in 29,47 Sekunden. „Ich schwimme die 50er einfach am liebsten. Selbst die 100 Meter sind mir zu viel mit der Wende, da muss ich ja nochmal zurückschwimmen“, erklärte sie ihr Faible für den Sprint, das sie von ihren Eltern in die Wiege gelegt bekommen hat, die beide ebenfalls Sprinter*innen waren. Viel Unterstützung findet Vandenhirtz aber auch bei ihrem neuen Verein in Essen. „Wir sind so ein tolles Team, ich habe so tolle neue Freunde gefunden. Und ich habe so viel Glück mit meiner Trainerin Nicole Endruschat. Sie ist total lieb und nimmt ganz viel Rücksicht auf mich, dass ich mich wohl fühle.“

 

Viktoria Hoffmann und Sydney Savannah Ferch mit Rückenwind zur JEM

 

Auf der kürzesten Rückenstrecke war im ältesten Jahrgang 2008 auch Viktoria Hoffmann (SG Lübeck/28,89) erfolgreich. Die JEM-Starterin gewann in diesem Jahr schon bei der Schwimm-DM in der offenen Klasse und wurde in der Lokalpresse in einem Artikel unlängst mit vergangenen Größen des Lübecker Schwimmsport wie Antje Buschschulte oder Sandra Völker in eine Reihe gestellt. „Das ist eine Ehre, mit diesen beiden in einem Satz genannt zu werden. Aber sie haben viel mehr geleistet als ich, da muss ich erstmal reinwachsen“, sagte Hoffmann. Die nächste Gelegenheit, auch international auf sich aufmerksam zu machen, bietet sich in rund vier Wochen bei der JEM in München.

 

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In der ikonischen Olympia-Schwimmhalle ist dann auch Sydney Savannah Ferch (Jahrgang 2009) mit dabei. Die Dortmunderin hatte den DJM-Freitag über 800m Freistil mit der starken Zeit von 8:44,95 Minuten eröffnet. „Der Sieg gestern über 200m Freistil hat mich beflügelt, da war mir eine enorme Last von den Schultern gefallen. So konnte ich die 800 befreit schwimmen“, sagte sie. Nach einer Weisheitszahn-OP im Dezember und Schulterproblemen im weiteren Jahresverlauf hatte sie im Frühjahr ziemlichen Trainingsausfall. Umso mehr freute sie sich über die jetzige Leistung: „Mit der Zeit habe ich nach so einer Saison nicht gerechnet.“

 

Alle DJM-Siegerinnen des vierten Tages:

 

800m Freistil:

2012: Pia-Marlene Spethmann (SC Delphin Ingolstadt) 9:22,69

2011: Julia Franziska Kaul (SG Leipzig) 9:09,22

2010: Zarina Selimovic (SG Dortmund) 8:52,16

2009: Sydney Savannah Ferch (Deutscher Schwimm-Verband) 8:44,95

2008: Annika Dewdney (SG Stadtwerke München) 9:07,76

200m Lagen:

2012: Mia Marie Junga (Berliner TSC) 2:20,72

2011: Meggy Messel (SV Nikar Heidelberg) 2:20,51

2010: Evelyn Wegrotzki (SG HT16 Hamburg) 2:19,45

2009: Laura Sophie Kohlmann (SG Essen) 2:15,17

2008: Valerie Höfl (SG Stadtwerke München) 2:20,28

50m Rücken:

2012: Helena Sophie Haupt (SSG Leipzig) 30,13

2011: Anastasija Wagner (SV Delphin Wiesbaden) 29,71

2010: Lara Vandenhirtz (SG Essen) 29,47

2009: Luisa Marie Herrmann (SG Bayer) 29,91

2008: Viktoria Hoffmann (SG Lübeck) 28,89

200m Brust:

2012: Lia Hartmannshenn (SG Mönchengladbach) 2:30,77

2011: Mila Kleinert (DSW1912 Darmstadt) 2:37,52

2010: Evelyn Wegrotzki (SG HT16 Hamburg) 2:34,68

2009: Laura Sophie Kohlmann (SG Essen) 2:31,68

2008: Hannah Schneider (Hofheimer SC) 2:30,59

4x100m Freistil:

SG Bayer (Luisa Marie Herrmann, Skadi Hesse, Vivien Russ, Eltje Hesse) 3:54,66

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