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Erfolgstrainer Norbert Warnatzsch wird in den Ruhestand verabschiedet
Die Reise nach Magdeburg ist dem Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) ein besonderes Bedürfnis. Christian Hansmann will unbedingt auch noch einmal persönlich Danke sagen, wenn sich mit Norbert Warnatzsch kommende Woche einer der erfolgreichsten Schwimmtrainer weltweit in den verdienten Ruhestand verabschiedet.
Die Liste seiner Erfolge ist beeindruckend lang, die wichtigsten bleiben Schwimmfans sicher noch lange in Erinnerung: Warnatzsch führte beispielsweise Britta Steffen zu Doppelgold bei Olympia, WM und EM. In den Jahren zuvor konnte er Franziska van Almsick bereits ein grandioses Karrierefinale ermöglichen, unter anderem mit Weltrekordgold bei der Heim-EM 2002 in Berlin. Schon 1980 hatte er mit Jörg Woithe einen Olympiasieger für die DDR geformt. Und in den vergangenen fünf Jahren trug er als Assistenzcoach von Bundestrainer Bernd Berkhahn auch seinen Anteil an den jüngsten Erfolgen von dessen Magdeburger Schützlingen Florian Wellbrock, Lukas Märtens, Oliver Klemetund Isabel Gose in Paris und Tokio.
„Norbert hat meine Arbeit fachlich ergänzt, aber auch die Kommunikation. Nach Magdeburg geholt hatte ich ihn 2019, weil ich unbedingt einen Trainer dabeihaben wollte, der schon bewiesen hat, dass Deutsche auch Olympiagold gewinnen können. Einfach, um den Sportlern hier das nötige Selbstvertrauen mitzugeben“, verriet Berkhahn dieser Tage. Der Plan ging voll auf, aber nicht nur deswegen gab es nach zuvor zwei medaillenlosen Olympiazyklen endlich wieder etwas zu feiern. Die Zusammenarbeit mit dem 77-Jährigen im Alltag umschreibt Berkhahn mit einem Augenzwinkern so: „Wir haben uns öfter auch mal ziemlich lautstark über Trainingsinhalte gestritten, aber das hat es am Ende eigentlich immer besser gemacht.“
Voller Dankbarkeit betont auch Olympiasieger Lukas Märtens, wie wichtig der Beitrag von Warnatzsch für seinen Karriereweg war. Denn der Mann war im Schwimmen überall erfolgreich, ob nun im Sprint oder auf der Langstrecke. „Die Zusammenarbeit mit Norbert gab mir immer ein gutes Gefühl. Er hat so viel erlebt und wusste für jede Situation eine Lösung. Zudem ist er sehr empathisch, mir hat er jedenfalls immer den Rücken freigehalten“, so Märtens.
Auch Britta Steffen erinnert sich rückblickend weniger an Trainingsqualen, sondern eher an das allmorgendliche Espresso-Gespräch über Gott und die Welt mit dem „Ersatzvater“ vor dem 07:00-Uhr-Training. „Bei Norbert war es für mich die runde Mischung aus unglaublichem Ehrgeiz und seiner humorvollen Art im Umgang, die ihn so besonders macht. Bei uns hat es jedenfalls zehn Jahre lang perfekt funktioniert“, sagte die Berlinerin. „Natürlich musste er auch mal schimpfen. Aber er hat immer sehr darauf geachtet, dass die Stimmung im Team und beim Training gut bleibt.“
Bewundert wird auch die Akribie und Leidenschaft, mit der Warnatzsch ein Leben lang für den Sport lebte. „Ich habe immer gesagt, seine einzigen Hobbys neben dem Schwimmen sind Auswerten, Drucken und Laminieren“, umschreibt Steffen dessen Liebe zum Detail. „Norbert wollte immer alles messbar machen. Und am Ende hatte er ja recht: Wenn die Serienzeiten und Laktatwerte gestimmt haben, kam auch immer der Erfolg. Das hat in den entscheidenden Wochen dann die nötige Sicherheit gegeben.“
„Trainer zu sein ist Passion“, war immer einer der Leitsätze des bald 78-Jährigen. Die Zusammenarbeit mit den jungen Sportler*innen habe ihm immer Freude bereitet, betont Warnatzsch. Dass er dafür Jahre seines Lebens in den Trainingslagern fernab der Heimat verbrachte, war daher für ihn keine Last. Nun aber ist es Zeit für die Rente. Ab 2025 wird Norbert Warnatzsch mit seiner Frau in Kühlungsborn leben. An der Ostsee, na klar: mit Blick aufs Wasser.
Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris ehrte die Olympiahelden Isabel Gose, Lukas Märtens und Florian Wellbrock (vordere Reihe), und natürlich auch die Trainer Bernd Berkhahn, Norbert Warnatzsch und Physiotherapeut Eicke Schiller (hinten von rechts) ©pa/dpa
Leonie Beck schwimmt in der Seine in die Top Ten
Es war ein hartes, ein tückisches olympisches Freiwasserrennen. Sechs Runden hatten die Frauen am Donnerstagmorgen in Paris (FRA) zu absolvieren, die Hälfte der Strecke gegen die immer noch sehr starke Strömung in der Seine. Besonders wenn das Feld an der Wende stromaufwärts abbog, wurde offensichtlich, wie viel Anstrengung es die Schwimmerinnen kostete, gegen die enorme Kraft des Wassers anzukommen.
Leonie Beck (SV Würzburg 05) hatte sich auf der ersten Runde zunächst zurückgehalten, so als ob sie diese besonderen Bedingungen erst einmal beobachten wollte. „Ich habe erst mal versucht, das Rennen zu finden, ein bisschen mit der Strömung klarzukommen, zu verstehen, wie das Rennen sein wird“, erklärte sie. Überhaupt war das Feld der insgesamt 24 Starterinnen schon recht früh relativ weit auseinandergezogen; ganz vorne übernahm eine Gruppe mit Sharon van Rouwendaal (NED), den beiden Australierinnen Moesha Johnson und Chelsea Gubecka sowie den Italienerinnen Ginevra Taddeucci und Giulia Gabbrielleschi die Führungsarbeit. „Man konnte sehen, dass sich das Feld immer sehr stark aufgereiht hat in der Strömung. Dann ist es natürlich ratsam, dass man vorne mit dabei ist, ansonsten entstehen große Lücken und große Abstände, und das wird hier kaum verziehen auf dem Kurs“, sagte Bernd Berkhahn als Bundestrainer für die langen Strecken. In der zweiten und erst recht in der dritten Runde schob sich die Konkurrenz allerdings wieder etwas zusammen, auch Beck lag zu diesem Zeitpunkt wieder an ihrer Lieblingsposition knapp hinter der Spitze.
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Der Zwischenspurt war nötig, doch er hatte auch Kraft gekostet – zu viel Kraft. Als es in der vierten Runde wieder gegen die Strömung ging, musste die Würzburgerin, die vor den Toren Roms lebt und trainiert, abermals abreißen lassen, schnell wuchs der Rückstand wieder auf über eine Minute. „Sie hat ein, zwei taktische Fehler gemacht gleich zu Beginn. Sie hat instinktiv immer versucht, den kürzesten Weg zu nehmen, und das ist hier nicht immer die Lösung auf der Strecke. Da hat sie sehr viel Energie verloren“, sagte Bernd Berkhahn. Vorne machten die Führenden weiter Tempo, so dass bald nur noch ein Trio ganz vorne lag – Johnson, van Rouwendaal und Taddeucci – und selbst Tokio-Olympiasiegerin Ana Marcela Cunha (BRA) nicht mehr folgen konnte. Der Kampf um die Medaillen war frühzeitig entschieden, nur deren genaue Farbverteilung blieb bis zuletzt spannend. Im Schlusssprint spielte dann Sharon van Rouwendaal ihre ganze Erfahrung aus und schlug nach 2:03:34,2 Stunden als Erste an, gefolgt von Moesha Johnson (2:03:39,7), die wie sie ebenfalls in Magdeburg trainiert, und Ginevra Taddeucci (2:03:42,8). Die Niederländerin stand damit zum dritten Mal in Folge bei Olympia auf dem Treppchen und zum zweiten Mal nach 2016 ganz oben. Schon vorher war sie die Athletin mit den meisten olympischen Medaillen im Freiwasser und konnte diese Position in Paris nun eindrucksvoll bestätigten.
Leonie Beck kämpfte bis zuletzt und erreichte nach 2:06:13,4 als Neunte eine Top-Ten-Platzierung. „Um es mal zusammenzufassen, es waren für mich zwei Stunden Krafttraining. Die Strömung ist so stark. Ich bin noch nie gegen so eine Strömung geschwommen. Ich habe versucht, in der Mauer drin zu schwimmen; ich habe versucht, sie zu küssen. Ich weiß nicht, was ich hätte anders machen können. Ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe es versucht, von Anfang bis Ende. Aber es waren wirklich zwei Stunden lang Zugseil. Für mich hat es nichts mit einem durchschnittlichen Freiwasserrennen zu tun. Das war einfach Kraftsport“, sagte sie. Betonte mit Blick auf die drei Medaillengewinnerinnen jedoch anerkennend: „Größten Respekt an die drei. Sie haben es gut gemacht. Sie sind besser mit den Bedingungen zurechtgekommen als ich.“
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Die zweite deutsche Starterin Leonie Märtens kam bei ihrer olympischen Freiwasserpremiere nach 2:15:57,3 auf Platz 22 ins Ziel. Die Magdeburgerin, mit 20 Jahren eine der Jüngsten im Feld, hatte sich über das Becken auf der langen Freistilstrecke qualifiziert und konnte so zusätzlich den freien Startplatz Deutschlands in der Seine wahrnehmen; allerdings ging sie schon leicht angestrengt ins Rennen, weil es vor dem Start noch ein paar Probleme mit dem Anzug gegeben hatte. Es war ihr erstes Rennen im Freiwasser seit dem Europacup in Kiel 2022. „Ab der dritten Runde, wo ich dann wirklich deutlich hinter den anderen war und eigentlich die ganze Zeit nur allein geschwommen bin, hat es wehgetan; ich habe mich auch gar nicht mehr gut gefühlt. Ich wurde immer fester, es wurde immer schwieriger, meine Hände haben immer mehr gekrampft“, berichtete sie. Ans Aufgeben dachte sie aber nur ganz kurz einmal und war am Ende umso glücklicher, sich überwunden und bis ins Ziel gekämpft zu haben: „Ich bin sehr froh, dass ich es jetzt geschafft habe, dass ich mich durchgebissen habe. Da bin ich sehr stolz.“
Nächste Überraschung von Nicole Maier: EM-Bronze über 200m Freistil
Sie galt schon als die größte Überraschung der Saison, seit sie sich im April als viertschnellste Deutsche für die Olympiastaffel in Paris ins Gespräch brachte. Und nun gewann Nicole Maier auch noch Bronze über 200m Freistil bei den Europameisterschaften in Belgrad (SRB). Die 24-jährige US-Studentin von der SG Gladbeck/Recklinghausen unterbot ihre Bestzeit aus dem April um noch einmal eine Sekunde und verbesserte sie auf 1:57,36 Minuten, nur Barbora Seemanova (CZE/1:55,37) und Minna Abraham (HUN/1:57,22) waren am Donnerstag schneller.
„Ich bin wirklich überglücklich über diese Medaille. Dies ist mein erster internationaler Wettkampf überhaupt, ich möchte einfach nur für die Olympischen Spiele bereit sein, aber es nun auf das Podium zu schaffen, das ist fantastisch und ich bin so dankbar, dass ich mit dem Team Deutschland hier bin“, jubelte Maier.
Bis zum Durchbruch in diesem Frühjahr hatte sie noch nie der Nationalmannschaft angehört, auch nicht zuvor im Nachwuchsbereich. Mit Beginn des Studiums der Medienkommunikation an der Miami University of Ohio in Oxford (USA) entfernte sich Maier im Herbst 2019 dann recht weit aus dem Blickfeld der Bundestrainer, lediglich zwei zweite Plätze bei den Deutschen Meisterschaften 2022 (damals allerdings in Abwesenheit des WM-Teams) deuteten ihr zunehmendes Potenzial schon einmal an. Unter ihrer Trainerin Hollie Bonewit-Cron machte Maier in Übersee bis zu ihrem Bachelor-Abschluss vor einigen Wochen kontinuierlich Fortschritte, die Olympia nun in Reichweite rücken lassen. „Das ist alles neu für mich. Aber bei den NCAA-Rennen oder bei der Pro Series trifft man auch auf absolute Topleute wie Katie Ledecky oder Caeleb Dressel, deswegen habe ich jetzt keine Angst davor“, sagte Maier im DSV-Verbandsmagazin „Swim&More“ (Juni-Ausgabe). Und freut sich auf die weiteren Aufgaben auf der größten Bühne des Sports überhaupt. „Zwei so große Wettkämpfe kurz hintereinander, das ist natürlich viel auf einmal. Aber dafür trainiert man ja, deswegen bin ich sehr glücklich und sehe das als positiven Stress“, so Maier. Und auch wenn in Serbien so manche Topschwimmerin bei der EM fehlte: Isabel Gose, Julia Mrozinski und Nele Schulze können sich für Paris auf eine ganz starke Staffelkollegin freuen.
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Platz sechs belegte die DSV-Staffel über 4x100m Freistil mit Martin Wrede (Waspo 98 Hannover/48,75), Peter Varjasi (TB Erlangen/48,15), Björn Kammann (AMTV Hamburg/49,03) und Ole Mats Eidam (Potsdamer SV/48,63). Zum Sieger Serbien (3:12,90 Minuten) fehlte mit 3:14,56 nicht viel. Im Finale über 100m Schmetterling erkämpfte Luca Nik Armbruster (SG Neukölln Berlin) in 51,88 Sekunden den siebten Rang, Gold sicherte sich Kristof Milak(HUN/50,82). Für den Sprinter steht wie für Maier die Olympiavorbereitung im Fokus. Zudem schwamm der Hamburger Cornelius Jahn auf Platz elf über 50m Rücken (25,38 Sekunden), Philipp Peschke (SG Essen) kam auf Rang 15 über 200m Freistil (1:48,24).
Wasserspringerinnen auf Rang vier
Beim Wasserspringen sprangen Jana Lisa Rother und Lotti Hubert (beide Berliner TSC) als Vierte im 3m-Synchronspringen nur hauchdünn an einer Medaille vorbei, mit 242,40 Punkten fehlte ihnen am Ende weniger als ein Zähler auf die Drittplatzierten Nais Gillet und Juliette Landi aus Frankreich (243,33). Für die Deutschen war es der erste gemeinsame Auftritt in dieser Disziplin – Rother springt normalerweise mit Saskia Oettinghaus (Dresdner SC 1898) zusammen, die aufgrund der Olympiavorbereitung allerdings bei der EM nicht antritt. Gold sicherten sich die Britinnen Desharne Bent-Ashmeil und Amy Rollinson mit 269,10, die damit ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigten, Silber ging nach Schweden an Nina Janmyr und Elna Widerström (258,75).
Im Wettbewerb vom 1m-Brett schaffte es Jonathan Schauer (SV Halle) – im vergangenen Jahr noch Vizeeuropameister der Junioren in dieser Disziplin – bei seiner ersten EM-Teilnahme in der offenen Klasse ins Finale und dort mit 264,15 Punkten auf Platz zwölf. Gold ging an Andrzej Rzeszutek (POL/394,40) vor Matteo Santoro(ITA/391,70) und Stefano Belotti (ITA/370,50).
Platz neun für Rother/Lube zum WM-Abschluss in Doha
Immer wieder war Wasserspringerin Jana Lisa Rother in den vergangenen Tagen von den Fernsehkameras eingefangen worden, wie sie auf der Tribüne ihre Teamkolleg*innen bei deren Wettkämpfen bei den Weltmeisterschaften in Doha anfeuerte. Am letzten Wettkampftag durfte die 25-Jährige vom Berliner TSC dann endlich auch selbst ins Geschehen eingreifen: Gemeinsam mit Alexander Lube (SV Neptun Aachen) belegte sie beim 3m-Mixed-Synchronspringen mit 257,64 Punkten den neunten Rang. Gold ging an Australien (300,93) vor Italien (287,49) und Südkorea (285,03).
Die Übermacht China, die bei dieser WM bis dahin in allen olympischen Disziplinen Triumphe und in den Einzeln sogar jeweils Doppelsiege gefeiert hatte, verzichtete diesmal zwar auf eine Teilnahme an dieser nichtolympischen Disziplin, bei den anderen Nationen ist das seit 2015 zum WM-Programm gehörende Mixed aber sehr beliebt. 17 Paare traten diesmal an, und die Deutschen trugen ihren Teil zu einem spannenden Wettkampf bei. Rother hätte bei einigen Sprüngen sogar eine höhere Punktzahl vom Kampfgericht erwartet, die Verunsicherung darüber brachte sie dann beim fünften Sprung etwas aus dem Konzept. “Deswegen bin ich jetzt erstmal noch ein bisschen getrübt. Aber mit Platz neun bin ich trotzdem zufrieden, Top Ten der Welt. Man hat aber gesehen, wie einfach wir auch noch auf den fünften oder sechsten Platz hätten springen können”, sagte sie im Anschluss.
Mit ihrem Partner hatte sie während der WM-Tage kaum noch trainieren können, weil Lube in Katar bereits im Einzel- und Synchronwettbewerb mitgesprungen war. Auch daran lag es sicherlich, dass sich auch in seinem dritten Wettkampf nicht alle Erwartungen erfüllten. “Ich denke, dass bei den ersten Sprüngen ein bisschen die Brillanz gefehlt hat und dann waren die Kampfrichter*innen mehr auf andere Paare eingeschossen und haben uns ein bisschen mehr bestraft, als vielleicht nötig gewesen wäre. Aber am Ende ist es, wie es ist: Wir können gut damit leben. Es ist immer noch eine Top-Ten-Platzierung in der Welt”, sagte Lube.
Auch Rother sah vor dem Heimflug am Sonntag vor allem das Positive bei ihrer WM-Reise. "Wir haben jetzt in meinen Disziplinen (3m-Brett Einzel und Synchron, Anm. d. Red.) alle Quotenplätze geholt. Die nationale Olympiaqualifikation ist aber erst im Mai, und da will ich auch noch mal angreifen. Deswegen hat es nicht geschadet, hier bei der Weltmeisterschaft zu trainieren. Vielleicht hätte es das eine oder andere Pünktchen mehr gegeben, wenn wir es noch besser hätten zusammen trainieren können, aber der Fokus ist einfach auf den Olympischen Spielen dieses Jahr und das ist auch gut so.”
Mit Blick auf Paris fiel auch das WM-Fazit von Bundestrainer Christoph Bohm positiv aus. In den acht olympischen Disziplinen des Wasserspringens wurden insgesamt neun Quotenplätze gesichert, nur im Synchronspringen vom Turm der Frauen und vom 3m-Brett der Männer ging man komplett leer aus, in den vier Einzelwettbewerben ist man außer beim Turmspringen der Männer sogar jeweils doppelt bei Olympia am Start. “Wir sind zufrieden. Es war eine gute Weltmeisterschaft, keine sehr gute, aber eine gute. Wir haben ganz klar das Ziel Quotenplätze ausgegeben und haben jetzt am Ende neun von zwölf möglichen geholt. Im Vergleich zu Freiwasser, was ja wirklich eine sehr erfolgreiche Sportart in Deutschland ist, haben wir prozentual genauso viel geholt, also 75 Prozent”, sagte Bohm. “Wir hatten es in allen drei anderen Disziplinen auch selbst in der Hand, die Quotenplätze zu holen. Es war eine intensive WM mit vielen Höhen und Tiefen. Wir haben da teilweise unsere Stärken nicht ausgespielt, wir haben unnötige Fehler gemacht, hatten aber auch in den zwei Synchrondisziplinen einfach sehr starke Felder. Nordkorea hatte keiner vorher richtig auf dem Plan und dann war das eben genau der eine Platz, der uns gefehlt hat.”
Natürlich müsse man auch bedenken, dass es einen Generationswechsel in diesem Olympiazyklus gegeben hat. “Wir haben jetzt einen Platz weniger als in Tokio, dort waren Namen dabei wie Tina Punzel, Martin Wolfram, Patrick Hausding, das kann man einfach nicht kompensieren innerhalb von drei Jahren, das muss man auch ganz klar sagen. Wir haben ein junges Team, eine gute Mischung und da muss man mit den Plätzen jetzt einfach zufrieden sein”, betonte Bohm.
Die Zeit bis zum Sommer wolle man im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) nun intensiv nutzen, um an der Ausführung der Sprünge noch etwas zu tüfteln. Hochwertige Wettkämpfe gegen die Besten der Welt wie beim Weltcup in Berlin (21. - 24. März) kommen dafür sehr gelegen. “Wir müssen schauen, dass wir unsere Sprünge in der besten Qualität zeigen, mit dem Schwierigkeitsgrad sind wir in der Weltspitze dabei”, erklärte Bohm. Das ließe in Paris dann sicher auch noch Steigerungen zu.
Nervenaufreibender Kampf um Olympiaplätze ohne Happy-End
Es war eine absolute Sternstunde für das deutsche Wasserspringen, als Patrick Hausding bei den Olympischen Spielen von Tokio 2021 seine großartige Karriere mit einer weiteren Olympiamedaille krönte – im Synchronspringen vom 3m-Brett gemeinsam mit Lars Rüdiger. Nach Hausdings Rücktritt im Frühjahr danach gab es anschließend sofort viele positive Entwicklungen bei seinen Nachfolgern zu verzeichnen, zum Olympiaticket für die Spiele in Paris im kommenden Sommer reichte es in dieser Disziplin nun aber leider trotzdem nicht ganz.
Bei den Weltmeisterschaften in Doha (QAT) landeten Alexander Lube (SV Neptun Aachen) und Moritz Wesemann (SV Halle) mit 328,62 Punkten diesmal auf Rang 16, weil ihnen einer der sechs Sprünge missglückte. Den Titel gewann am Sonntag Favorit China mit Wang Zongyuan/Long Daoyi(442,41), dahinter sicherten Italien als Zweiter (384,24), Spanien als Dritter (383,28), Mexiko als Vierter (383,19) und die Ukraine als Sechster (363,12) die Olympiatickets. Neben China waren Großbritannien (Fünfter mit 376,26), die USA (Neunter mit 351,18) und Frankreich (Zwölfter mit 338,85) bereits seit vergangenem Jahr für die Spiele qualifiziert.
Den sehr langen Wettkampf mit 27 Paaren begannen die Deutschen mit drei tollen Sprüngen und lagen aussichtsreich sogar auf Rang drei, als dann im vierten Durchgang der Auerbachsalto daneben ging. Der war als Problemsprung bekannt, nachdem es dabei schon bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Dezember zum Salto Nullo gekommen war. “Es ist enttäuschend, klar. Ich habe vorher gesagt, dass der vierte Sprung der ist, der entscheidet. Wenn sie da gut durchkommen, dann geht was hinten raus. Sie haben beide gut trainiert, aber das ist Sport, mal gewinnt man, mal verliert man”, erklärte Bundestrainer Christoph Bohm: “Wir wussten vorher, dass es so ein großer Wettkampf wird. Wir haben das so trainiert, das ist keine Ausrede. Wir hatten eine gute Startnummer, auch das kam uns zugute. Man muss in so einem Wettkampf dann die Nerven zusammenhaben, das haben wir nicht geschafft. Und dementsprechend den Quotenplatz nicht geholt.”
“So ist es leider beim Kunstspringen, da können Dinge passieren. Trotzdem war es, abgesehen von dem einen großen Fehler, eine schöne Leistung”, betonte Wesemann. Und dann blickte der Europameister, der im Einzel das Olympiaticket schon sicher hat, auch lieber direkt auf die kommenden Aufgaben in Doha: “Es ist natürlich schade und tut sehr weh, es wäre auf jeden Fall möglich gewesen. Man hätte keine besonders gute Leistung bringen müssen, aber eben konstant durchspringen. Aber das ist nunmal der Sport, das passiert. Das muss man jetzt abhaken und dann den Fokus weiter auf das Einzel legen.”
Auch Lube, der sich auf der Anreise nach Katar eine Ohrenentzündung zugezogen hatte und deswegen weniger trainieren konnte als geplant, war natürlich enttäuscht: “Wir haben in deutlich besserer Qualität trainiert. Die Trainingseinheiten, die wir zusammen machen durften, waren alle deutlich besser, jetzt hat es leider nicht geklappt.”
Zuvor waren Christina Wassen und Pauline Pfeif (beide Berliner TSC) im Vorkampf des Turm-Wettbewerbs angetreten, Wassen als Zehnte (295,70) und Pfeif auf Rang 17 (267,90) machten dabei den Einzug ins Halbfinale am Montagmorgen (08:00 Uhr MEZ) klar. Die höchste Punktzahl schaffte Chinas Synchron-Olympiasiegerin Chen Yuxi (435,20).
“Es war ein sehr, sehr langer Vorkampf. Ich glaube auch der längste, in dem ich je gesprungen bin, auch das erste Mal so weit hinten mit Startnummer 44”, sagte Wassen. “Es hat soweit alles gut geklappt, ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem Vorkampf. Es war noch so das ein oder andere, was nicht ganz so gut war wie im Training, aber das Ziel war es erstmal, das Halbfinale zu erreichen und das habe ich geschafft.” Die EM-Zweite des Vorjahres kann dort dann sehr gelassen antreten, mit Schwester Elena hatte sie beide Quotenplätze für Olympia in dieser Disziplin schon gesichert. “Ich habe mir Luft gelassen, kann im Halbfinale noch einiges besser machen”, meinte Pfeif. “Der Vorkampf war okay. Ich bin zuversichtlich, dass ich es ins Finale schaffen kann.”
Jeannette Spiwoks erlebt Krimi ums Olympiaticket
Bei den Weltmeisterschaften in Doha (QAT) hat Jeannette Spiwoks im Freiwasserrennen über 10km in 1:57:46,00 Stunden den 16. Platz belegt, Titelverteidigerin Leonie Beck kam auf Rang 20 (1:58:11,80). Den Titel sicherte sich am Samstag Sharon van Rouwendaal (NED/1:57:26,80) vor Maria de Valdes (ESP/1:57:26,90) und Angelica Andre (POR/1:57:28,20).
Den Schwimmerinnen wurde im alten Hafen von Doha viel abverlangt, denn es herrschten äußerst widrige Bedingungen. Die Wassertemperatur lag bei gerade mal 20,2 Grad, die Luft war noch deutlich kühler durch einen heftigen Wind, der auch noch erhebliche Wellen erzeugte. Die Chance zur Olympiaqualifikation für die Top 13 des Rennens sowie die jeweils Besten der Kontinente dahinter sorgte zudem gleich für hohes Tempo und ständige Unruhe im Feld. Die beiden Deutschen behielten die Spitze mit der meist souverän führenden van Rouwendaal (trainiert in Magdeburg bei Bundestrainer Bernd Berkhahn) im gesamten Rennverlauf zwar immer in Sichtweite, schafften es auf der Schlussrunde dann aber nicht mehr ganz nach vorn.
„Unterwegs habe ich mich lange gut gefühlt, am Ende fiel es mir dann aber doch schwer dranzubleiben. Zum Glück war die Gruppe vorn nicht zu groß“, sagte Spiwoks im Ziel. „Ich bin natürlich sehr froh, dass es gut ausgegangen ist mit dem Olympiaplatz, das war heute das Wichtigste.” Die offizielle Veröffentlichung der Qualifikationsliste für die Spiele in Paris (FRA) durch World Aquatics stand da aber noch aus.
Leonie Beck, Florian Wellbrock und Oliver Klemet haben sich mit ihren WM-Erfolgen in Fukuoka (JPN) bereits im letzten Jahr für die Olympischen Spiele in Paris qualifiziert, das steht fest. Die Formulierungen zur Vergabe der kontinentalen Quotenplätze in Doha hinter den Top 13 dieser WM 2024 führten nun aber zu unterschiedlichen Sichtweisen. „Für den Fall, dass ein Nationales Olympisches Komittee eines bestimmten Kontinents bereits einen (1) oder zwei (2) Quotenplätze erhalten hat, wird das Auswahlverfahren auf das nächsthöhere teilnahmeberechtigte NOC dieses Kontinents bei den World Aquatics World Championships Doha 2024 übertragen, um sicherzustellen, dass jeder Kontinent eine*n Teilnehmer*in auswählt", lautet der entscheidende Passus im Regelwerk.
Bezieht man diesen Passus ausschließlich auf das Rennen in Doha, wo es ja nur um Quotenplätze für Nationen und nicht wie zuvor in Fukuoka um personalisierte Plätze ging, müsste Spiwoks als beste Europäerin hinter den Top 13 (und ohne eine andere Deutsche vor ihr) den Quotenplatz für Deutschland geholt haben. Wird der Passus jedoch auf die gesamte Olympiaqualifikation angewendet, käme durch die bereits erfolgte persönliche Qualifikation von Leonie Beck aber Großbritannien durch die direkt hinter Spiwoks platzierte Leah Phoebe Crisp zum Zug. Beide Verbände nutzten in der Kommunikation zur WM erst einmal die jeweils für sie günstige Interpretation. Der Weltverband lässt mit der offiziellen Bestätigung nun wohl bis Sonntag auf sich warten. „Die Regeln sind leider nicht so ganz klar. Eine Kommission beschäftigt sich nun mit der finalen Vergabe der Quotenplätze“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Christian Hansmann.
Für Spiwoks wäre aber auch bei einem positiven Bescheid von World Aquatics die Paris-Teilnahme noch nicht endgültig klar. Die Besetzung des nationalen Quotenplatzes ließe laut den nationalen Nominierungskriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) dann nämlich auch eine Berücksichtigung von Aktiven mit Freiwassererfahrung zu, die sich über 800m oder 1500m Freistil für Olympia qualifizieren. Doch das Ende der Olympiaqualifikation im Beckenschwimmen mit den Deutschen Meisterschaften – Olympic Trials Ende April in Berlin will und kann Spiwoks für sich erst einmal nicht abwarten: “Ich habe für März das nächste Höhentrainingslager zur Olympiavorbereitung erst einmal gebucht.”
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An Paris denkt auch Leonie Beck vor allem, die WM-Rennen in Doha hat sie diesmal nur als Durchgangsstation angesehen. “Es war wirklich ein hartes Rennen von der ersten Runde an, und es war ziemlich kalt und sehr wellig, da verliert man viel Energie”, sagte Beck am Samstag. “Ich bin in der letzten Runde stehen geblieben. Kaltes Wasser ist nicht so meins, das wusste ich vorher. Deswegen war es mir sehr, sehr wichtig, dass ich mich schon letztes Jahr in Fukuoka qualifiziere”, so die 26-Jährige.
Hier sind die WM-Wettbewerbe in Doha im Livestream zum sehen
Mit den Wettbewerben der Wasserspringer*innen vom 1m-Brett sowie im Team-Event und den Technischen Küren der Synchronschwimmerinnen im Solo sowie im Duett werden am Freitag (02. Februar) die Weltmeisterschaften in Doha (QAT) aus deutscher Sicht eröffnet. Und auch wenn im Wasserspringen damit zunächst zwei nicht-olympische Disziplinen anstehen, sind die Sommerspiele in Paris (FRA) doch allgegenwärtig, schließlich bietet diese WM die letzte Chance, noch weitere Olympia-Quotenplätze zu holen.
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Bislang haben die Aktiven des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) in den Einzeldisziplinen fünf Startplätze gesichert: bei den Frauen die maximal mögliche Anzahl von zwei im Turmspringen, bei den Männern ebenfalls zwei vom 3m-Brett und einen vom Turm. Demnach ist in Katar ein weiterer Platz im Turmspringen der Männer möglich, vom 3m-Brett bei den Frauen hat Deutschland sogar noch zwei Plätze zu holen. Zudem ist bislang noch kein DSV-Synchronpaar qualifiziert. „Wir wollen möglichst alle Quotenplätze holen, das ist unser Anspruch und das erklärte Ziel. Die jüngsten Leistungen haben gezeigt, dass die Formkurve stimmt“, sagt Bundestrainer Christoph Bohm. Einfach wird es trotzdem nicht, denn anders als beispielsweise beim Beckenschwimmen sind im Wasserspringen sämtliche Topleute in Doha am Start. „Bei uns wird die Luft brennen. Man hat schon bei der vergangenen WM in Fukuoka gesehen, wie hoch das Niveau ist, und in Doha wird es im Olympiajahr nochmal einen Zacken schärfer“, so Bohm.
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In den Synchrondisziplinen werden jeweils noch vier Plätze vergeben – schon qualifiziert sind die Medaillengewinner*innen aus Fukuoka sowie Gastgeber Frankreich. Im Einzel sind die zwölf besten der letztjährigen WM und die Kontinentalchampions bereits durch.
Erste Olympiateilnahme seit 1992 in Sicht
Auch DSV-Sportdirektor Christian Hansmann betonte, dass es diesmal primär um die Olympiatickets und nicht in erster Linie um die Medaillen geht. „Für uns hat es sportlich keinen großen Wert. Wir werden beim BMI (Bundesinnenministerium, Anm. d. Red.) oder DOSB (Deutschen Olympischen Sportbund, Anm. d. Red.) nicht an der WM gemessen, da zählen wirklich nur die Olympischen Spiele. Es gibt daher keine Medaillenvorgabe. Wichtig sind die Quotenplätze, die wir im Wasserspringen noch erreichen. Darauf liegt der Fokus: Fünf haben wir, die restlichen sieben wollen wir noch erringen, um in Paris in allen Disziplinen vertreten zu sein. Im Synchronschwimmen haben wir mit einem neuen jungen Duett die letzte Möglichkeit, uns für Olympia zu qualifizieren. Im Freiwasser ist noch ein Ticket für die Frauen offen. Weil Australien und die USA nicht mit ihren Topleuten kommen, gibt es für unsere Schwimmer*innen die Möglichkeit, vielleicht an einer Medaille zu kratzen und sich unter den Top vier schon das erste Olympiaticket zu sichern.“ Beim Schwimmen handelt es sich dabei um eine nationale Nominierungsvorgabe.
Sollte das angesprochene Synchron-Duett tatsächlich nach Paris fahren, wäre es das erste Mal seit 1992 in Barcelona (ESP), dass wieder deutsche Synchronschwimmerinnen bei den Olympischen Spielen dabei sind. Dabei ist das DSV-Duett in Wirklichkeit ein Trio: Junioreneuropameisterin Klara Bleyer ist sowohl für die Technische als auch für die Freie Kür gesetzt, in der Technischen Kür schwimmt dann ihre Schwester Johanna Bleyer an ihrer Seite, in der Freien Kür übernimmt Susana Rovner. Für die Olympiaqualifikation zählt dann die Addition beider Küren, weil bei Olympia nur ein kombinierter Wettbewerb ausgetragen wird.
18 Startplätze sind insgesamt zu vergeben, der Modus ist allerdings nicht ganz einfach zu verstehen. So dürfen alle Nationen, die sich über das Teamevent für Olympia qualifizieren – das sind insgesamt zehn –, zusätzlich auch ein Duett stellen; hinzu kommen fünf Plätze, die über die jeweiligen Kontinentalmeisterschaften vergeben wurden. Damit bleiben noch drei Tickets übrig, die jetzt in Katar vergeben werden, wobei dort natürlich auch die bereits qualifizierten Duette antreten und entsprechend auch eine Platzierung weiter hinten reichen könnte. Mit einer Finalteilnahme stünden die Chancen für die Deutschen auf jeden Fall nicht schlecht.
Leonie Beck erkämpft Gesamtsieg im Weltcup
Mit hauchdünnem Vorsprung hat sich Freiwasserschwimmerin Leonie Beck den Gesamtsieg im Weltcup erkämpft. Beim finalen Saisonrennen in Funchal auf der portugiesischen Blumeninsel Madeira reichte der Doppel-Weltmeisterin vom SV Würzburg 05 dafür am Samstag Rang sieben, weil sie im Schlussspurt des spannenden 10km-Rennens nach 1:58:11,00 Stunden die bislang führende Sharon van Rouwendaal (NED) um eine Zehntelsekunde und einen Platz hinter sich ließ.
Mit 2.140 Punkten hatte Beck damit am Ende der Saison winzige zehn Zähler mehr auf dem Konto als die in Magdeburg trainierende Olympiasiegerin von 2016 und konnte sich über die Siegprämie von 50.000 US-Dollar freuen. „Nach zweimal WM-Gold auch noch den Weltcup zu gewinnen, das ist natürlich toll und krönt dieses Jahr für mich. Ich war zwar 2021 auch schon mal zur Saisonsiegerin erklärt worden, aber damals hatte wegen Corona ja nur ein Rennen stattgefunden. Diesmal fühlt sich der Gesamtsieg natürlich ganz anders an“, sagte Beck. „In den nächsten Tagen und auch über Weihnachten bleibt nun aber nicht viel Zeit zum Feiern, im Februar ist schon die nächste WM und auch die Vorbereitungen für Olympia laufen schon.“
Dass die beiden Favoritinnen sich am Ende des Rennens im 22,4 Grad warmen, aber wegen des Windes auch sehr welligen Atlantik gegenseitig belauerten, nutzte die US-Amerikanerin Claire Weinstein (1:56:54,30) zum Sieg, die 16-Jährige schlug nach einer mutigen Attacke zu Beginn der letzten Runde deutlich vor Bettina Fabian (HUN/1:58:07,50) und Oceane Cassignol (FRA/1:58:09,50) an. „Das war kein leichtes Rennen, bei diesen welligen Bedingungen muss man erst einmal zwei Stunden irgendwie durchkommen“, sagte Beck, die im riesigen Feld nach der ersten von sechs Runden auf Platz 44 zurückgefallen war. Erst auf der letzten Runde hatte sie sich dann wieder Tuchfühlung zur Spitzengruppe erarbeitet. „Am Ende ging es um den Anschlag, im Rennen selbst habe Sharon selten gesehen. Und sicher, dass es zum Gesamtsieg gereicht hat, war ich mir nach dem wilden Endspurt auch erst dann, als das Ergebnis offiziell auf der Anzeigetafel aufleuchtete.“
Mit Platz neun (1:58:11,40) in Funchal konnte sich Jeannette Spiwoks (SG Essen) zudem das zweite deutsche Ticket für die Weltmeisterschaften in Doha (QAT/02. – 18. Februar) neben der gesetzten Titelverteidigerin Beck sichern, dort werden dann die noch offenen Olympia-Startplätze für Paris 2024 vergeben. Wenige Sekunden hinter Spiwoks kam Celine Rieder (Sport-Union Neckarsulm/1:58:16,10) auf Rang 13 ins Ziel, die WM-Siebte Lea Boy (SV Würzburg 05) belegte diesmal Rang 25 (1:58:59,90). „Vor allem auf den letzten zwei Kilometern hat Jeannette das ganz stark gemacht und sich entscheidend nach vorn geschoben“, lobte Bundestrainer Constantin Depmeyer. Spiwoks selbst meinte: „Ich bin sehr glücklich, dass es endlich zum WM-Startplatz über 10km gereicht hat. Das Rennen war wirklich hart. Neben dem Weltcup in Setubal und der EM im vergangenen Jahr gehört es mit zu den härtesten Rennen meiner Karriere.“
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Bei den Männern holte sich Domenico Acerenza (ITA/1:45:06,20) den Tagessieg in Funchal vor Nicholas Sloman(AUS/1:45:11,70) und Kristof Rasovszky (HUN/1:45:15,50). Der WM-Zweite Rasovszky sicherte sich mit Bronze zugleich auch den Erfolg in der Gesamtwertung. Olympiasieger und Weltmeister Florian Wellbrock (SC Magdeburg/1:45:31,20) und der WM-Dritte Oliver Klemet (SG Frankfurt/1:45:32,30) belegten nach beherztem Beginn diesmal die Ränge 20 und 21. Klemet landete als bester Deutscher in der Gesamtwertung am Ende auf Platz neun. Wellbrock hatte nach dem Auftaktsieg im Mai in Ägypten im Saisonverlauf einige Rennen auslassen müssen und spielte deswegen in der Endabrechnung diesmal keine Rolle mehr. Seine Konzentration gilt daher bereits der Vorbereitung der kommenden Höhepunkte.
Was man zudem wissen muss: Während die beiden männlichen Vertreter des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) nach ihren WM-Erfolgen in Japan bereits für die WM 2024 in Doha und auch für die Olympischen Spiele in Paris (FRA) gesetzt waren, trugen viele Nationen auf Madeira nun erst ihre WM-Qualifikation aus, auch deswegen war das Feld mit insgesamt 92 Teilnehmern (bei den Frauen waren es 80) diesmal rekordverdächtig groß. Interessante Resultate entstanden dabei auch, so wurde beispielsweise Superstar Gregorio Paltrinieri als Elfter nur viertbester Italiener. Bei WM und Olympia hat jede Nation aber nur maximal zwei Startplätze.
Brust-Weltmeister Qin Haiyang lässt es zum Weltcupauftakt in Berlin krachen
Schon bei der WM in Fukuoka (JPN) war Qin Haiyang der beste Brustschwimmer. Der Chinese siegte im Sommer auf allen drei Strecken, Ähnliches könnte ihm jetzt auch beim World Aquatics Swimming World Cups in Berlin gelingen. Zum Auftakt am Freitag ließ es der Weltmeister jedenfalls schon einmal ordentlich krachen. Über 100m Brust gelang ihm dort mit 58,41 Sekunden bereits im Vorlauf ein neuer Weltcuprekord, den er im Finale am Abend noch einmal um weitere acht Zehntel auf 57,69 drücken konnte. Kein Schwimmer war im Rahmen der Serie bislang schneller gewesen als der Chinese.
In einem Weltklassefeld mit den Top vier der WM und Weltrekordhalter Adam Peaty (GBR) sicherte sich Qin damit überlegen den Sieg und war am Ende noch nicht einmal ganz zufrieden mit seiner Zeit: „Ich bin glücklich mit dem Ergebnis, aber ich glaube, ich kann noch schneller schwimmen. Aber ich bin dieses Jahr schon so viele Wettkämpfe geschwommen, dass mein Körper etwas müde ist“, sagte er. Gerade erst war er bei den Asienspielen in Hangzhou (CHN) angetreten. Seine Ambitionen sind jedenfalls groß: „Im nächsten Jahr will ich auch noch die Weltrekorde über 50 und 100 Meter Brust verbessern, das ist mein großes Ziel.“ In Berlin startet er in den kommenden Tagen auch noch über 50m und 200m und ist nach diesem starken Auftritt auch dort Favorit.
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Es war die beste Leistung des ersten Wettkampftages, doch in der Gesamtwertung führt trotzdem vorerst der Amerikaner Michael Andrew, der allerdings im Gegensatz zu Qin Haiyang schon zwei Ergebnisse in die Wertung einbringen konnte: den Sieg über 100m Schmetterling in 51,66 sowie einen zweiten Platz über 50m Freistil (22,03) hinter Sieger Isaac Cooper (AUS/21,93). Für die Weltcupwertung sammeln die Athlet*innen Punkte mit ihrer Platzierung und der Wertigkeit ihrer Zeit im Verhältnis zum Weltrekord gemäß der World-Aquatics-Punktetabelle.
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Über 200m Rücken war der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) im Finale gleich doppelt vertreten. Beim Sieg von Thomas Ceccon (ITA/1:56,64) kamen Christian Diener (Potsdamer SV) sowie Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV) in 2:01,55 Minuten beziehungsweise 2:03,64 auf die Plätze sieben und acht. „Ich bin sehr zufrieden. Ich habe das umgesetzt, was mein Trainer von mir wollte, nämlich dass ich ein bisschen mit dem Feld angehe und nicht mein eigenes Ding volle Kanne von vorne schwimme, was ich sonst immer mache. Das hat ganz gut geklappt“, meinte Diener. Der Potsdamer feierte beim Weltcup sein internationales Comeback, nachdem er zuletzt aufgrund seiner Ausbildung zum Feuerwehrmann etwas kürzergetreten war. „Jetzt habe ich genau ein Jahr Zeit, um mich voll auf die Olympischen Spiele zu konzentrieren, und bislang läuft es ja ganz gut“, sagte der 30-Jährige.
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Mit der viertschnellsten Zeit der Vorläufe über 400m Freistil (3:50,61) hatte sich eigentlich auch WM-Bronzemedaillengewinner Lukas Märtens (SC Magdeburg) einen Platz im Weltcupfinale gesichert. Der 21-Jährige fühlte sich allerdings nicht fit genug dabei, so dass er alle weiteren Rennen für dieses Wochenende anschließend absagte. „Bei so einem Weltcup daheim will man natürlich auch eine gute Leistung zeigen, aber das kann ich gerade nicht. Ich fühle mich nach überstandener Erkältung einfach noch zu schlapp“, so Märtens. „In Kürze steht das erste Höhentrainingslager an, das für den Formaufbau für den kommenden Olympiasommer wichtig ist. Daher wollen wir das Risiko eines Rückschlags lieber vermeiden“, sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Erst durch den Verzicht von Märtens war Danas Rapsys (LTU) noch ins Finale gerutscht, wo er dann auf der Außenbahn von Anfang an Tempo machte und das Rennen am Ende in 3:44,86 für sich entschied.
Alle Sieger des ersten Weltcup-Tages in Berlin:
400m Freistil Männer: Danas Rapsys (LTU) 3:44,86
200m Rücken Männer: Thomas Ceccon (ITA) 1:56,64
100m Schmetterling Männer: Michael Andrew (USA) 51,66
100m Brust Männer: Qin Haiyang (CHN) 57,69
50m Freistil Männer: Isaac Cooper (AUS) 21,93
DSV nominiert drei Frauen und sieben Männer für die WM 2024 in Doha
Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) hat in dieser Woche insgesamt zehn Aktive für die Beckenwettbewerbe bei den Weltmeisterschaften 2024 in Doha (QAT/02. – 18. Februar) nominiert. An der Spitze des Teams steht dabei Europameister Lukas Märtens (SC Magdeburg), der bei den diesjährigen Titelkämpfen in Fukuoka (JPN) die WM-Bronzemedaille über 400m Freistil gewinnen konnte.
Gemäß der Nominierungsrichtlinien wurden neben den weiteren vier WM-Finalist*innen des Sommers auch Leonie Märtens (SC Magdeburg), Melvin Imoudu (Potsdamer SV) und Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover) in die Nationalmannschaft berufen, nachdem sie im Qualifikationszeitraum Juli/August 2023 die WM-Normzeiten unterboten hatten. Alle drei sind nun erstmals bei einer Langbahn-WM dabei.
Der Nominierungsausschuss folgte außerdem dem Vorschlag von Leistungssportdirektor Christian Hansmann, zusätzlich auch Rafael Miroslaw (SG HT16 Hamburg) und Florian Wellbrock (SC Magdeburg) am Persischen Golf einzusetzen. Miroslaw hatte die Normzeit über 200m Freistil (1:46,26) im Juli um lediglich zwei Hundertstelsekunden verfehlt und zählt zu den perspektivreichsten Athleten für die Olympischen Spiele über die 100m und 200m Freistil sowie gleich mehrere Staffeln auf diesen Strecken. Freiwasser-Weltmeister Wellbrock soll zusätzlich zum Open-Water-Rennen auch wieder die 1500m Freistil angehen, da sein als WM-Fünfter eigentlich gesetzter Vereinskollege Märtens diese Strecke nach den Erfahrungen von Fukuoka aus seinem sehr umfangreichen WM-Programm streicht. „Als deutscher Rekordhalter und Weltmeister über 1500m Freistil ist Florian der beste Ersatz, den wir uns wünschen können“, so Hansmann.
Märtens selbst erklärte: „Das Thema mit den vielen Einsätzen begleitet mich ja schon länger. Trainingsmethodisch sind so unterschiedliche Rennen nicht optimal unter einen Hut zu bringen. Bis Paris möchte ich mich daher nun vor allem auf die mittleren Distanzen konzentrieren“, sagte Märtens. „Erst einmal freue ich mich jetzt auf die erste gemeinsame WM mit meiner Schwester. Das pusht sicher, wenn die Familie auch vor Ort hinter einem steht. Und dem Traum von der gemeinsamen Olympiateilnahme kommen Leonie und ich damit wieder ein Stück näher.“
An den Staffelwettbewerben wird der DSV in Doha diesmal nicht teilnehmen. „Trainingsmethodisch wäre es nicht zielführend für ein gutes Olympiaabschneiden, innerhalb von fünf Monaten gleich drei Wettkampfhöhepunkte anzustreben. Deswegen konzentrieren wir uns lieber auf den nationalen Qualifikationszeitraum im April 2024 mit den Deutschen Meisterschaften vom 25. – 28. April in Berlin als finalem Höhepunkt“, sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Sechs der sieben olympischen Staffeln hatten sich ohnehin bereits in Japan aussichtsreich im Kampf um die insgesamt 16 Startplätze für Paris platziert.
Das deutsche WM-Team wird im nächsten Monat bereits beim Weltcup in Berlin (06. – 08. Oktober) an den Start gehen, um sich im Vergleich mit Topstars aus aller Welt wie beispielsweise Kaylee McKeown (AUS), Sarah Sjöström (SWE), Adam Peaty (GBR) oder Kristof Milak (HUN) für die bevorstehende Olympiasaison optimal in Schwung zu bringen. Schon jetzt kann man sich dafür Tickets sichern. Tageskarten für das sportliche Gipfeltreffen kosten 29,00 Euro (ermäßigt* 27,00 Euro). Dauerkarten für alle drei Tage sind für jeweils 82,00 Euro (ermäßigt* 76,00 Euro) zu buchen.
>> Zum Ticketverkauf für den SWC Berlin 2023
Für Gruppenbuchungen ab zehn Personen – zum Beispiel für Vereine – wird dabei ein Rabatt von 15 Prozent gewährt. Bitte kontaktieren Sie für die Rabattierung der Gruppenbuchungen die Ticket-Hotline. Diese ist unter 01806 – 99 11 84 (0,20 EUR/Anruf aus dt. Festnetz / max. 0,60 EUR/Anruf aus dt. Mobilfunknetz) erreichbar.
Das WM-Team für Doha
Frauen: Isabel Gose, Leonie Märtens (beide SC Magdeburg), Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin)
Männer: Lukas Märtens, Florian Wellbrock (beide SC Magdeburg), Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover), Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin), Lucas Matzerath (SG Frankfurt), Melvin Imoudu (Potsdamer SV), Rafael Miroslaw (SG HT 16 Hamburg)
