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Sarah Wellbrock beendet ihre erfolgreiche Karriere
Sie ist 2021 Olympiadritte in Tokio (JPN) geworden, hat bei Welt- und Europameisterschaften Titel gewonnen und 2019 in Berlin sogar einen Weltrekord aufgestellt. Sarah Wellbrock war im vergangenen Jahrzehnt Deutschlands erfolgreichste Schwimmerin. Nun hat sie für viele Fans überraschend das Ende ihrer Leistungssportkarriere verkündet.
„Ich werde das alles so vermissen. Der Schwimmsport war fast mein ganzes Leben ein Teil von mir und hat in den letzten 18 Jahren meinen Alltag bestimmt. Aber seit über zwei Jahren kann mein Körper der Belastung nicht mehr standhalten“, schrieb die 28-Jährige, die vor der Hochzeit mit Olympiasieger Florian Wellbrock im Jahr 2021 unter ihrem Mädchennamen Köhler so erfolgreich gewesen war, am Mittwoch auf ihrem Instagram-Account.
Immer wieder habe sie in den vergangenen zwei Jahren darauf gehofft, ihre langwierigen Schulterprobleme noch einmal in den Griff zu bekommen, heißt es zudem in einer Erklärung ihres Managements. Doch da trotz großen Aufwands nicht nur im therapeutischen Bereich einfach keine Besserung eintreten wollte, entschied sie sich nun schweren Herzens für den Abgang von der großen Sportbühne. „Ich habe alles für eine olympische Medaille gegeben und wurde belohnt, aber zu meinem eigenen Wohl muss ich nun einen Schlussstrich ziehen. Es war eine unfassbar harte Entscheidung. Ich habe immer gedacht, es würde leichter sein. Aber ich weiß (wenn ich rational bin), dass es die beste Entscheidung ist. Natürlich sind unzählbare Tränen innerhalb dieses Entscheidungsprozesses geflossen und es werden mit Sicherheit auch noch einige dazukommen“, so Sarah Wellbrock auf Instagram.
Nach den Olympischen Spielen in Tokio war – auch aufgrund der Examensklausuren fu?r ihr mittlerweile abgeschlossenes Jurastudium – der Trainingsumfang für eine Saison lang reduziert worden. Doch schon kurz nach dem Wiedereinstieg ins intensivere Aufbautraining spürte Sarah Wellbrock sehr genau, was ihr der Körper da signalisierte, und mit der Zeit wurde es dann zur endgültigen Gewissheit: „Es geht nicht mehr. Leistungssport? Unter diesen Umsta?nden nicht mehr mo?glich“, formulierte sie selbst. Schwimmen wird sie aber auch weiterhin, nächste Woche bei Christoph Strasser beim Triathlon.
Ein erzwungener Abschied vom Leistungssport tut natürlich nicht nur der Sportlerin selbst weh: „Sarah Wellbrock kann sehr stolz auf ihre Karriere sein, und wir möchten ihr ein großes Dankeschön sagen für alles, was sie für den Deutschen Schwimm-Verband geleistet hat“, sagte DSV-Leistungsportdirektor Christian Hansmann. „Mit enormem Fleiß und großer Einsatzbereitschaft hat sie beeindruckende Erfolge errungen, damit ist und bleibt Sarah Wellbrock ein leuchtendes Vorbild für den deutschen Schwimmsport.“
Auch als Aktivensprecherin der Nationalmannschaft hatte sich Sarah Wellbrock eingebracht und war dabei auch Konflikten nie ausgewichen. Künftig wird sie ihre rhetorischen Fähigkeiten nun in der beruflichen Karriere nutzen. Hierbei soll es aber weiterhin Kontaktpunkte zum Sport geben: Über die Möglichkeiten der juristischen Beratung von Aktiven ließ sich Sarah Wellbrock jedenfalls schon von gestandenen Expert*innen einweisen. „Ich bin stolz, auf das was ich geschafft habe, und sehr zuversichtlich, dass ich in der Zukunft weitere Erfolge feiern darf, wenn auch in einem anderen Rahmen. Ich freue mich auf meinen neuen Alltag und bin gespannt, was das Leben noch für mich bereithält“, sagte sie.
Natürlich versäumte es Sarah Wellbrock nicht, sich bei allen Wegbegleiter*innen, Förderern, Sponsoren und auch ihrem Verein SG Frankfurt zu bedanken. Namentlich nennt sie dabei stellvertretend ihren ersten Trainer Götz Barth, der sie einst in Bruchköbel entdeckt hatte und leider bereits verstorben ist. Und natürlich dankte sie auch Bundestrainer Bernd Berkhahn, der sie nach dem Umzug nach Magdeburg im Jahr 2018 zu den höchsten Meriten führte – Wellbrocks Bronze u?ber 1500m Freistil in Tokio war für den DSV damals die erste Becken-Medaille bei Olympischen Spielen seit 13 Jahren.
„Sarah ist eine sehr willensstarke Persönlichkeit: Der Trainingsalltag konnte mit ihr herausfordernd sein, aber an dieser Herausforderung bin ich als Trainer gewachsen“, lobte Bernd Berkhahn. „Sarah musste nach dem Wechsel nach Magdeburg vieles bis zur Erschöpfung neu erlernen. Ihre Konsequenz führte sie bis zur fantastischen Olympiamedaille von Tokio. Mit der gleichen Zielstrebigkeit bewältigte sie ihr Jurastudium. Ich bin stolz, dass ich sie auf dem kurzen Abschnitt begleiten konnte.“
Ganz am Ende ihrer Abschiedserklärung stellte Sarah Wellbrock dann aber auch noch einmal ihren Vater in den Mittelpunkt. Auf Instagram heißt es da sehr emotional: „All meine Erfolge sind das Werk jedes Einzelnen von ihnen und ich wünschte, ich hätte euch und mir noch mehr davon bringen können. Am wichtigsten war, ist und wird aber immer mein Papa sein, der alles dafür geopfert hat, dass ich meinen Weg so gehen konnte, wie ich es tat.“
Erster Einzeltitel für Lars Rüdiger, Christina Wassen wiederholt Vorjahrestriumph vom Turm
Auf diesen Moment hatte Wasserspringer Lars Rüdiger (Berliner TSC) lange warten müssen. Nach zuvor zwei Silber- und drei Bronzemedaillen sowie drei Siegen in den Synchrondisziplinen feierte der Olympia-Dritte von Tokio (JPN) bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin in diesem Jahr endlich seinen ersten nationalen Einzeltitel. Vom 3m-Brett siegte er am Freitag mit 449,20 Punkten vor Alexander Lube (423,80/SV Neptun Aachen) und Timo Barthel (423,30/SV Halle). „Ich bin sehr glücklich, so kann es gerne weitergehen“, meinte der Berliner mit Blick auf den bevorstehenden 3m-Synchronwettbewerb am Sonntag.
Beim Einspringen am Morgen hatte der spätere Sieger noch arge Probleme, gleich dreimal rutschte er dort beim Sprung aus der Hocke heraus, doch im Wettkampf biss er sich durch. Nach einem soliden Vorkampf übertraf er im Halbfinale und im Finale jeweils die WM-Norm. „Ich habe einen schönen Wettkampf gezeigt und hier denke ich verdient den Titel geholt“, sagte er. „Stress und Druck kann ich ganz gut wegstecken, das habe ich mir bei den großen internationalen Wettkämpfen antrainiert.“ Mit dem Titel sicherte sich Rüdiger zugleich erstmals in seiner Karriere einen WM-Einzelstart für die bevorstehenden Welttitelkämpfe in Fukuoka (JPN/14. – 30. Juli).
Für den anderen Startplatz wird Bundestrainer Christoph Bohm nach der DM Moritz Wesemann (SV Halle) vorschlagen, auch wenn der 1m-Sieger vom Vortag dieses Mal mit 423,10 Punkten knapp eine Medaille verpasste. Beim Auerbachsprung stand er im Finale links auf der Kante des Brettes und brach den Versuch ab – „dass er nach diesem Salto Nullo trotzdem noch fast die WM-Norm geschafft hat, zeigt, welches Potenzial er mitbringt mit Blick auf die Europaspiele und die Weltmeisterschaften“, erklärte Bohm. Aufgrund seiner starken Leistungen im Weltcup, wo er zuletzt zwei Medaillen holte, hat sich Wesemann seinen Platz im Team verdient – die Nominierungsrichtlinien des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) lassen dies ausdrücklich zu. „Das mit der Null ist schade, aber mit den restlichen Sprüngen bin ich sehr zufrieden“, meinte er selbst zu seinem Missgeschick. „Zum Glück ist mir das hier passiert und nicht international, wenn es darauf ankommt.“
Beim Turmspringen der Frauen trafen mit den Schwestern Christina Wassen und Elena Wassen sowie Pauline Pfeif (alle Berliner TSC) gleich drei WM-Teilnehmerinnen des vergangenen Jahres aufeinander. Den Titel machten letztlich die Geschwister unter sich aus: Im Vorkampf lag Christina vorne, im Halbfinale dann Elena und im Finale schließlich wieder Christina Wassen, die mit 353,00 Punkten ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigte und sich nun insgesamt schon das dritte Jahr in Folge Deutsche Meisterin nennen darf. Elena Wassen holte mit 323,35 Silber und sicherte sich damit auch den zweiten Startplatz für die Welt- und Europameisterschaften, Pauline Pfeif kam mit 315,70 auf Rang drei. „Das waren starke Leistungen, alle drei haben hier mehrfach die Norm erfüllt. Das macht einfach Spaß, ihnen zuzusehen“, freute sich Christoph Bohm.
Beim abschließenden Mixed-3m-Synchronspringen ging der Titel mit 287,76 Punkten an Jana Lisa Rother (Berliner TSC) und Alexander Lube, die sich damit gegen Lena Hentschel (Berliner TSC) und Moritz Wesemann (284,49) durchsetzen konnten. Auch hier war das Niveau trotz des kleinen Teilnehmerfeldes hoch, beide Paare übertrafen die WM-Norm. „Alles in allem war es ein sehr erfolgreicher Tag mit ein paar Nebengeräuschen am Anfang. Aber wenn dann noch solche Finalleistungen herauskommen, ist am Ende alles gut“, so das Fazit des Bundestrainers.
DSV nominiert 23 Aktive für U23-EM in Dublin und 35 Aktive für die JEM in Belgrad
Nicht nur bei den Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN/14. – 30. Juli) kann der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) aufgrund vieler Normerfüllungen im Qualifikationszeitraum ein erfreulich großes Team an den Start bringen, sondern auch bei den internationalen Saisonhöhepunkten im Nachwuchsbereich. So wurden für die Premiere der U23-Europameisterschaften in Dublin (IRL/11. – 13. August) nun 23 Aktive (elf Frauen und zwölf Männer) nominiert.
Isabel Gose, Nina Holt, Nele Schulze, Lisa-Marie Finger, Luca Nik Armbruster, Oliver Klemet und Timo Sorgiuserhalten dabei sogar die Möglichkeit zu einem Doppelstart direkt im Anschluss an die WM in Japan. „Wettkampferfahrung auf internationaler Ebene zu sammeln gehört zur bestmöglichen Vorbereitung auf Olympische Spiele, deshalb wollen diese Chance vor Paris 2024 nicht ungenutzt lassen“, sagte Leistungssportdirektor Christian Hansmann. „Wir wollen uns in Irland zusätzlichen Rückenwind für die Olympiasaison holen.“ Auch für die EM der Junior*innen in Belgrad (SRB/04. – 09. Juli), offiziell ausgeschrieben für die Jahrgänge 2005 bis 2009, wurde der vom DSV ursprünglich vorgesehene Finanzrahmen kurzfristig noch einmal vergrößert und die Nominierungsrichtlinien zugunsten der insgesamt 35 Aktiven (18 Mädcchen und 17 Jungen) so erweitert, dass auch hier für besonders hoffnungsvolle Talente nun Doppelstarts möglich werden. Titelverteidigerin Nina Jazy und Julia Barth dürfen somit bei U23-EM und JEM starten, und die 13-jährige Alina Baievych wird sich nach der JEM wohl auch noch beim European Youth Summer Olympic Festival (EYOF) in Maribor (SLO/23. – 29.07.) beweisen können. Das 16-köpfige Team hierfür wird in den kommenden Tagen nominiert.
„In einigen Altersklassen des JEM-Bereichs verzeichnen wir gerade eine wunderbare Entwicklung und haben so eine deutlich größere Auswahl als in vergangenen Jahren. Wir wollen hier keine Möglichkeiten verschenken, deswegen bin ich sehr froh über die im Nominierungsausschuss getroffenen Entscheidungen“, sagte Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes. Weitere Nominierungen kann es angesichts der bereits erreichten Teamgrößen nun allerdings nur noch geben, wenn bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (23. – 27. Mai) beziehungsweise den Deutschen Meisterschaften (06. – 09. Juli) jeweils in Berlin sehr außergewöhnliche Leistungen beziehungsweise Normen auf unbesetzten JEM-Strecken erbracht werden. Das DSV-Team bei der U23-EM in Dublin (11. – 13. August) Frauen: Isabel Gose, Leonie Märtens, Lara Seifert (alle SC Magdeburg), Nina Holt (SG Mönchengladbach), Celine Rieder (Neckarsulmer Sport-Union), Fabienne Wenske, Kellie Messel (beide SV Nikar Heidelberg), Nele Schulze, Lisa-Marie Finger (beide SG Neukölln), Julia Barth (TB 1888 Erlangen), Nina Jazy (SG Essen) Männer: Artem Selin (SC Wiesbaden), Luca Nik Armbruster (SG Neukölln), Cedric Büssing (SG Essen), Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV), Louis Dramm (Dresdner Delphine), Louis Schubert (SSG Leipzig), Ole Mats Eidam (Potsdamer SV), Oliver Klemet (SG Frankfurt), Sven Schwarz, Levin Peschlov (Waspo 98 Hannover), Timo Sorgius (SSG Leipzig), Tobias Schulrath (SGS Hamburg) Das DSV-Team bei der JEM in Belgrad (04. – 09. Juli)
Frauen: Julia Ackermann, Lise Seidel (SC Chemnitz), Alina Baievych, Julia Barth (beide TB Erlangen), Klara Sophie Beierling (SG Berliner Wasserratten), Noelle Benkler, Jette Lenz, Sophie Lenze, Maya Werner (alle SV Nikar Heidelberg), Julianna Bocska, Nina Jazy (beide SG Essen), Anna Maria Börstler, Jette Koch, Seike Schlump (alle SC Magdeburg), Marian Plöger (VfL Sindelfingen), Aaliyah Schiffel (SSG Leipzig), Celina Springer (SG Dortmund), Leni von Bonin (Dresdner SC) Männer: Franz Ahnert, Oskar Schildknecht (beide Erfurter SC), Jarno Bäschnitt (SG Ruhr), Kenneth Bock, Aaron Leupold, Christopher Weidner (alle Potsdamer SV), Lukas Fritzke, Michael Raje (beide SSG Saar Max Ritter), Finn Hammer, Philipp Peschke, Simon Reinke (alle SG Essen), Emilian Hollank (TSV Riedlingen), Vincent Passek (Berliner TSC), Luca Schöttge, Linus Schwedler (beide SC Magdeburg), Finn Wendland (SG Rethen Sarstedt), Martin Wrede (Waspo 98 Hannover)
Märtens und Gose mit weiteren Topzeiten – WM-Tickets für Klemet
Zum Abschluss der Berlin Swim Open hat Lukas Märtens (SC Magdeburg) eine weitere Weltklassezeit abgeliefert. Der Europameister und WM-Zweite über 400m Freistil kraulte seine Paradestrecke in 3:43,86 Minuten, nur der Australier Sam Short (3:42,46) und Märtens selbst (3:43,32) waren in diesem Jahr weltweit bisher schneller geschwommen. „Besser hätte ich mir das gar nicht vorstellen können mit drei Topzeiten an einem Wochenende. Das war hier für mich ein guter Vorgeschmack auf die WM, auf die ich mich nun sehr freue“, sagte der 21-Jährige, der sich in der Hauptstadt an den Vortagen auch über 800m Freistil mit Weltjahresbestzeit (7:42,14) und 1500m Freistil (14:40,85) in Topform präsentiert hatte.
>> Alle Ergebnisse der Berlin Swim Open
Den zweiten Startplatz bei den Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN/14. – 30. Juli) über 400m Freistil sicherte sich am Sonntag Oliver Klemet (SG Frankfurt), der seine Bestzeit deutlich auf 3:45,34 steigerte und damit Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover/3:46,56) distanzierte, der damit zum dritten Mal trotz erfüllter WM-Normen im nationalen Ranking nicht weit oben genug landete. Henning Mühlleitner (Sport-Union Neckarsulm), Olympiavierter in Tokio und im Vorjahr EM-Dritter in Rom (ITA), wurde in Berlin diesmal Sechster (3:52,44) und ist somit nur Zuschauer im kommenden WM-Sommer.
Bei seinem WM-Debüt im Vorjahr war Klemet gleich Team-Weltmeister im Freiwasser geworden, in diesem Jahr darf er sich nun sogar auf mehrere Einzelstarts freuen. Denn zum Ende des Qualifikationszeitraums am Sonntag führte Klemet auch die nationale 5km-Rangliste im Freiwasserbereich vor Niklas Frach an, Weltmeister Florian Wellbrockist hier bereits für den WM-Start gesetzt. Bei den Frauen brachte Jeannette Spiwoks (SG Essen) im Frühjahr die beste 5km-Zeit ins Becken, bevor im Mai dann die ersten Freiwasser-Weltcups samt der 10km-Qualifikation anstehen.
„Ich habe gegen die starke Konkurrenz diesmal von vorn angegriffen, und als ich Lukas nach 300 Metern dann noch neben mir sah, hat mich das noch einmal sehr gepusht“, jubelte Klemet, der im Gegensatz zu Schwarz auf das 800m-Rennen am Vortag verzichtet hatte, um sich für das aussichtsreichste Rennen zu schonen. Es war offenbar der richtige Schachzug.
Matzerath mit Bestzeit, Koch verzichtet auf Finale
Nur knapp über ihrem deutschen Rekord kraulte zuvor auch Europameisterin Isabel Gose die 400m Freistil (4:03,84). „Gern hätte ich schon in Berlin eine neue Bestmarke geschafft, jetzt muss es halt in Japan klappen“, sagte die Magdeburgerin.
Gute Leistungen zeigten am Sonntag auch Jessica Felsner (Aqua Köln) über 50m Freistil (24,84), Cornelius Jahn(Ahrensburger TSV) über 200m Rücken (1:59,06) und Lucas Matzerath (SG Frankfurt) über 200m Brust (2:10,33), ohne bei ihren Siegen jedoch die WM-Normen zu erfüllen. Ex-Weltmeister Marco Koch (SG Frankfurt) meldete sich nach seinem Vorlauf über 200m Brust, bei dem der 33-Jährige in 2:13,26 deutlich über der WM-Vorgabe (2:09,68) blieb, für das Finale dann ab. „Ich habe mich körperlich nicht gutgefühlt“, sagte Koch. Hugo Engelien (SC Magdeburg) stellte in dieser Disziplin 2:17,95 einen Altersklassenrekord für 15-Jährige auf.
Gleich 36 Aktive unterbieten die JEM-Norm
Wenn die Verantwortlichen des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) am Dienstag auf ihrer Nominierungssitzung das WM-Team für Fukuoka zusammenstellen, könnte es aufgrund der Normzeiterfüllungen aus doppelt so vielen Aktiven bestehen wie noch 2022 in Ungarns Hauptstadt Budapest (damals zehn Aktive fürs Beckenschwimmen). „Unsere etablierten Kräfte haben sich in Berlin gewohnt stark präsentiert, die drei deutschen Rekorde von Angelina Köhler, Ole Braunschweig und Florian Wellbrock stimmen uns optimistisch für den Sommer. Dass sich trotz der harten Normzeiten diesmal auch sechs der sieben Staffeln für die WM qualifizieren konnten, freut uns natürlich sehr“, sagte Sportdirektor Christian Hansmann.
Auch die Nominierungsrunden für die anderen internationale Saisonhöhepunkte am Donnerstag werden sicher etwas mehr Zeit benötigen. Für die JEM in Belgrad (04. – 09. Juli) konnten sogar insgesamt 36 Aktive die Normen erfüllen. „In diesem Altersbereich verzeichnen wir eine wunderbare Entwicklung und haben hier schon deutlich größere Auswahl als im vergangenen Jahr“, sagte Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes.
Auslosung für den Weltcup in Berlin: Schnelles Wiedersehen mit Porobic
Wasserballfans fiebern dem World Aquatics Water Polo World Cup 2023 in Berlin 02. – 07. Mai entgegen, nun steht auch der Spielplan für das Weltcupturnier. Bei der Auslosung in Rotterdam (NED) wurde vom Weltverband auch der Modus vorgestellt. In zwei Vierergruppen der Männer bzw. der Frauen spielt dabei jeder gegen jeden in der Vorrunde, die beiden besten Teams der Gruppen kämpfen anschließend überkreuz um den Einzug in die Super Finals Ende Juni in den USA.
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Vom 02. – 04. Mai findet das Weltcup-Turnier der Frauen statt, vom 05. – 08. Mai folgen dann die Männer. Richtig zur Sache geht es jeweils schon am ersten Spieltag mit zwei Spielen für jedes Team und damit insgesamt acht Partien. Das verspricht ein echtes Torfestival in der Schwimm- und Sprunghalle am Europasportpark (SSE).
Die DSV-Frauen starten am Dienstag (02. Mai, 13:00 Uhr) erst gegen Kasachstan, am Abend folgt um 20:30 Uhr dann das Spiel gegen Neuseeland. Am Mittwochabend (03. Mai, 19:15 Uhr) geht es dann gegen Grobritannien um die endgültige Gruppenplatzierung. Die Platzierungsspiele finden dann Donnerstag (04. Mai) statt, die beiden Finalspiele beginnen um 17:30 bzw. 19:15 Uhr.
Deutschlands Männer starten dann Freitag (05. Mai, 13:00 Uhr) gegen Malta, am Abend (20:30 Uhr) geht es dann gegen den WM-Zwölften Südafrika, Am Samstag (19:15 Uhr) folgt das Spiel gegen China, nach dem dann hoffentlich noch eines der beiden Finalspiele am Sonntag (17:30 oder 19:15 Uhr) ansteht. Der Asienmeister wird vom ehemaligen Bundestrainer Petar Porobic betreut. Dessen Nachfolger Milos Sekulic sagte zur Auslosung: „Mein Vorgänger Petar Porobic kennt mich schon, seit ich selber noch ein junger Spieler war. Dieses Wiedersehen wird nun natürlich besonders interessant. Wir freuen uns jedenfalls auf diese Spiele und hoffen auf kräftige Unterstützung unserer Fans. Das DSV-Team will seinen Entwicklungsprozess in Berlin natürlich positiv fortzusetzen.“
Der Weltcup-Spielplan im Überblick
Frauen, Gruppe A: Südafrika, Usbekistan, Ukraine, Israel
Frauen Gruppe B: Neuseeland, Kasachstan, Deutschland, Großbritannien
Dienstag, 02. Mai (1. Tag Frauen)
08:30 Uhr: Südafrika vs. Israel
10:00 Uhr: Usbekistan vs. Ukraine
11:30 Uhr: Neuseeland vs. Großbritannien
13:00 Uhr: Kasachstan vs. Deutschland
16:00 Uhr: Südafrika vs. Ukraine
17:30 Uhr: Usbekistan vs. Israel
19:00 Uhr: Kasachstan vs. Großbritannien
20:30 Uhr: Neuseeland vs. Deutschland
Mittwoch, 03. Mai (2. Tag Frauen)
14:00 Uhr: Usbekistan vs. Südafrika
15:45 Uhr: Ukraine vs. Israel
17:30 Uhr: Kasachstan vs. Neuseeland
19:15 Uhr: Deutschland vs. Großbritannien
Donnerstag, 04. Mai (3. Tag Frauen)
14:00 Uhr: Vierter Gruppe B vs. Vierter Gruppe A
15:45 Uhr: Dritter Gruppe B vs. Dritter Gruppe A
17:30 Uhr: Erster Gruppe A vs. Zweiter Gruppe B
19:15 Uhr: Erster Gruppe B vs. Zweiter Gruppe A
Freitag, 05. Mai (1. Tag Männer)
08:30 Uhr: Rumänien vs. Iran
10:00 Uhr: Neuseeland vs. Kasachstan
11:30 Uhr: China vs. Südafrika
13:00 Uhr: Deutschland vs. Malta
16:00 Uhr: Rumänien vs. Kasachstan
17:30 Uhr: Neuseeland vs. Iran
19:00 Uhr: China vs. Malta
20:30 Uhr: Deutschland vs. Südafrika
Samstag, 06. Mai (2. Tag Männer)
14:00 Uhr: Malta vs. Südafrika
15:45 Uhr: Neuseeland vs. Rumänien
17:30 Uhr: Kasachstan vs. Iran
19:15 Uhr: Deutschland vs. China
Sonntag, 07. Mai (3. Tag Männer)
14:00 Uhr: Vierter Gruppe B vs. Vierter Gruppe A
15:45 Uhr: Dritter Gruppe B vs. Dritter Gruppe A
17:30 Uhr: Erster Gruppe A vs. Zweiter Gruppe B
19:15 Uhr: Erster Gruppe B vs. Zweiter Gruppe A
Hinweis: Der Turnierplan wurde am 14. April noch einmal vom Weltverband World Aquatics aktualisiert. Die Anfangszeit von Spielen kann sich wegen möglicher TV-Übertragungen noch einmal ändern. Bitte Veröffentlichungen dazu beachten.
Wellbrock glänzt mit Weltjahresbestzeit zum Start der WM-Qualifikation
Gleich zu Beginn des nationalen Qualifikationszeitraums für die diesjährigen Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN/14. – 30 Juli) hat Florian Wellbrock ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. In Magdeburg kraulte der 25-Jährige über 1500m Freistil in 14:40,18 Minuten zur Weltjahresbestzeit.
>> Zum Ergebnisüberblick beim Livetiming
Als WM-Dritter des Vorjahres war Wellbrock zwar ohnehin fest gesetzt für die Titelkämpfe in Japan, wollte sich darauf aber auf keinen Fall ausruhen. „Wir haben in Deutschland über 800m und 1500m Freistil das kleine Luxusproblem, gleich vier Weltklasseathleten zu haben (aber nur zwei WM-Startplätze. D.Red.). Da möchte ich mich schon auch sauber und fair qualifizieren, obwohl ich es nicht nötig hätte“, sagte der Magdeburger. Die Topzeit vom Freitag lässt nun auch keinen Zweifel mehr, dass die Coronavirusinfektion, die ihn nach fünf WM-Medaillen in Budapest (HUN) im vorigen Sommer dann für die EM in Rom (ITA) ausgebremst hatte, als überstanden bezeichnet werden kann. „Gott sei Dank ist da alles ausgebügelt. Es läuft wieder gut. Ich kann nun ruhigen Gewissens sagen, wieder kerngesund zu sein“, so Wellbrock.
Hinter Wellbrock blieben auch Lukas Märtens (14:55,45) und Oliver Klemet (14:59,06) unter der geforderten WM-Normzeit (15:00,99) des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV). Abgerechnet wird bei ihnen letztlich aber erst am Ende des Qualifikationszeitraums am 23. April, wie dann auch bei Sven Schwarz (Hannover) ist nämlich noch ein Start bei den Berlin Swim Open (21. – 23. April) geplant. „Hauptsache erst einmal unter der WM-Norm, bei mir ging es heute noch nicht ganz so gut“, sagte Märtens. Erst am Sonntag war er mit seiner Trainingsgruppe aus einem vierwöchigen Höhentraining in Spanien zurückgekehrt, die absolute Topform wird daher auch erst in drei Wochen erwartet.
Direkt davor hatte Isabel Gose als erste DSV-Athletin überhaupt in diesem Frühling eine Normzeit für die Weltmeisterschaften unterboten. Über 800m Freistil blieb die Magdeburgerin in 8:23,03 Minuten klar unter der Vorgabe (8:26,71), als WM-Sechste des Vorjahres war aber auch sie auf dieser Strecke schon vornominiert. „Ich will beweisen, dass ich nicht nur von den Erfolgen des vergangenen Jahres lebe und würdig bin, bei der WM zu starten“, hatte die 20-Jährige vorab gesagt. Dieser Beweis gelang eindrucksvoll, denn Gose kraulte sogar sieben Zehntelsekunden als bei der WM in Budapest.
Wie im vorigen Sommer wird Sarah Wellbrock bei den Welttitelkämpfen nur Zuschauerin sein, am Vorabend teilte die 28-Jährige „schweren Herzens“ den Verzicht auf die Qualifikationsrennen im April mit, auch WM-Rennen sind damit nicht möglich. „Meine Schultern waren in den letzten Wochen nicht so leistungsfähig, wie ich es mir erhofft und erwünscht habe. Es ist ein unfassbar großer Rückschlag, aber ich versuche positiv zu denken“, schrieb die Olympiadritte von Tokio auf Instagram. „Es kommen wieder bessere Zeiten.“ Die Olympischen Spiele 2024 in Paris bleiben auf jeden Fall Ziel, nachdem eine Saison lang vor allem der Abschluss des Jurastudiums im Fokus gestanden hatte.
Bundestrainer Bernd Berkhahn sagte zur Entscheidung seiner Vorzeigeathletin: „Einer Leistungssportlerin fällt so ein Verzicht immer schwer, einer Olympiamedaillengewinnerin wie Sarah erst recht. Aber es ist der einzig mögliche Schritt im Moment, alles andere würde keinen Sinn machen. Ich stehe voll hinter der Entscheidung.“
Bereits in Topform zeigte sich auch Angelina Köhler. Über 50m Schmetterling verbesserte die Neu-Berlinerin von der SG Neukölln ihre Bestzeit um rund eine Dreiviertelsekunden auf 25,75 Sekunden und blieb nur wenige Hundertstel über dem deutschen Rekord (25,68).
WM-Qualifikation beginnt für DSV-Stars mit Magdeburger Heimspiel
Vergangene Woche beschloss der Landtag von Sachsen-Anhalt den Bau einer neuen Schwimmhalle für den Leistungssport in Magdeburg, die Fertigstellung des 50-Millionen-Euro-Projekts wird für 2028 angepeilt, die Finanzierungzusage des Bundes steht noch aus. Beim Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) steht der Bundesstützpunkt in der Landeshauptstadt bereits in dieser Woche wieder voll im Blickpunkt, denn vom 27. März bis 23. April öffnet sich das nationale Qualifikationsfenster für die diesjährigen Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN/14. – 30 Juli), und in der altehrwürdigen Elbeschwimmhalle findet dabei von Freitag bis Sonntag nun der erste große Wettkampf statt. Mit Isabel Gose, Angelina Köhler, Lukas Märtens, Florian Wellbrock oder auch Freiwasser-Staffelweltmeister Oliver Klemet sind jede Menge Topstars am Start. Insgesamt haben 222 Aktive aus dem Spitzenbereich gemeldet. Erst am Sonntag kehrten viele DSV-Kader aus dem zweiten Höhentrainingslager der Saison in der Sierra Nevada (ESP) oder Font Romeu (FRA) zurück, nun soll die harte Arbeit der vergangenen Monate in gute Ergebnisse umgewandelt werden. „Es läuft richtig gut im Training bislang. Nun will ich im Rennen zeigen, dass ich einiges draufhabe“, sagte Europameisterin Gose, die in diesem Jahr auf die längeren Strecken geht und sich somit auch in Richtung 1500m Freistil orientiert. „Ich war bei den Wettkämpfen im Dezember und im Februar so schnell wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Da ist man natürlich nun auch selbst gespannt, was nach dem zweiten Höhentrainingslager der Saison im März dann alles möglich sein wird“, sagte Goses Freund und Vereinskollege Lukas Märtens im DSV-Verbandsmagazin „Swim&More“. Der Europameister und WM-Zweite über 400m Freistil ist zwar wie Gose (200m, 400m und 800m Freistil) und die anderen 2022er-WM-Finalist*innen Anna Elendt (100m Brust), Lucas Matzerath (100m Brust) und Florian Wellbrock (800m und 1500m Freistil) schon gesetzt für den WM-Start über 200m und 400m Freistil in Japan. Ziele gibt es im Qualifikationszeitraum aber auch für ihn trotzdem genug: „Ich will mir auf den längeren Kraulstrecken einen weiteren Startplatz sichern und natürlich für die Staffel auch eine gute 200-Meter-Zeit anbieten“, so Märtens. Die Nominierungsrichtlinien des DSV fordern für das WM-Ticket diesmal die A-Cut-Zeit des Weltverbandes und überlassen die Ortswahl zur Normerfüllung dabei den Aktiven. Die Topgruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn startet nur in Magdeburg und dann noch drei Wochen später beim großen Qualifikationsfinale in Berlin. Dazwischen findet in Heidelberg aber noch ein weiterer vom Weltverband World Aquatics sanktionierter Wettkampf im Süden Deutschlands statt. Abstecher ins Ausland sind nur wenige geplant: Die EM-Dritten Henning Mühlleitner und Lucas Matzerath haben vor dem Berlin-Trip noch Stockholm (SWE) auf ihrem Flugplan stehen. Lieber in ihrer Wahlheimat USA verbleiben im Frühjahr Anna Elendt und Marius Kusch, beide werden nur in Westmont bei Chicago schwimmen. Josha Salchow versucht die Normerfüllung in Australien, wo er derzeit wieder mit den dortigen Topstars trainiert. Die wichtigsten Qualifikationswettkämpfe 31. März – 02. April: „Pokal der Gothaer&friends“ in Magdeburg 06. – 09. April: Eindhoven Qualification Meet (NED) 12. – 15. April: Pro Swim Series in Westmont (USA) 13. – 16. April: Stockholm Swim Open (SWE) 15./16. April: Q!-Cup in Heidelberg 17. – 20. April: Australian Nationals in Gold Coast (AUS) 21. – 23. April: Bergen Swim Festival (NOR) 21. – 23. April: Berlin Swim Open Die DSV-Normzeiten
Frauen |
| Männer |
DSV-WM-Norm | Strecke | DSV-WM-Norm |
24,70 | 50m Freistil | 21,96 |
53,61 | 100m Freistil | 48,34 |
1:57,26 | 200m Freistil | 1:46,26 |
4:07,90 | 400m Freistil | 3:46,78 |
8:26,71 | 800m Freistil | 7:51,65 |
16:09,09 | 1500m Freistil | 15:00,99 |
1:06,79 | 100m Brust | 59,49 |
2:23,91 | 200m Brust | 2:09,68 |
59,99 | 100m Rücken | 53,74 |
2:10,39 | 200m Rücken | 1:57,50 |
57,92 | 100m Schmetterling | 51,67 |
2:08,43 | 200m Schmetterling | 1:55,78 |
2:11,47 | 200m Lagen | 1:57,94 |
4:38,53 | 400m Lagen | 4:12,50 |
3:39,79 | 4x100m Freistil | 3:15,40 |
7:57,50 | 4x200m Freistil | 7:09,95 |
4:01,37 | 4x100m Lagen | 3:35,33 |
3:46,70 | 4x100m Lagen mixed | 3:46,70 |
Weltcup in Berlin: Florian Wellbrock freut sich auf sein Heimspiel
Hunderte Stars aus aller Welt haben für den FINA Swimming World Cup in Berlin (21. – 23. Oktober) gemeldet, aber auch für die Aktiven des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) ist das Kurzbahn-Spektakel in der Heimat ein absolutes Highlight. „Auf so einen hochwertigen Wettkampf in der Heimat freue ich mich natürlich. Berlin ist für uns schließlich so etwas wie unser zweites Wohnzimmer“, sagte Florian Wellbrock. Der Olympiasieger und Weltmeister wird beim Weltcup-Auftakt erwartungsgemäß auf seiner Paradestrecke 1500m Freistil antreten, zudem hat der 25-Jährige für die 200m und 400m Freistil gemeldet. Die einmischen Fans bekommen ihren Topstar damit an jedem der drei Wettkampftage (Finals jeweils ab 19:00 Uhr) zu sehen.
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Wie andere erfolgreiche Mitglieder aus seiner Magdeburger Trainingsgruppe gehört Wellbrock nun der Sportfördergruppe der Bundeswehr an und hatte dort im September seine Grundausbildung in Hannover zu absolvieren. „Durch die Grundausbildung bei der Bundeswehr war es zu Saisonbeginn etwas schwieriger als sonst, mit dem Training alles unter einen Hut zu bekommen. Ich bin aber überrascht, wie gut es teilweise trotzdem schon wieder läuft. Bestzeiten sind so natürlich noch nicht wieder in Reichweite“, meinte der Kurzbahn-Weltrekordler, der nach dem Gewinn von fünf WM-Medaillen im Juni leider von einer Coronavirusinfektion gebremst worden war. Die Wochen in Uniform habe er als interessante Abwechslung empfunden, die körperlichen Ertüchtigungen dabei habe er als Leistungssportler locker wegstecken können. „Wir haben die Aktiven aus anderen Sportarten viel intensiver kennenlernen können in diesen vier Wochen, das war auch mal sehr schön“, so Wellbrock.
Wellbrocks Vereinskolleg*innen Isabel Gose und Lukas Märtens hatten bei den Europameisterschaften in Rom (ITA) bekanntlich ihre ersten internationalen Titel gewinnen können, für sie stehen nach der Grundausbildung nun die ersten Rennen als Champions an. Eine Rolle, an die sich die 20-jähirge Gose erst noch zu gewöhnen hat. „Mitten in Berlin wurden Lukas und ich zuletzt auf der Straße erkannt und auch freundlich angesprochen. Das war ein sehr schönes Erlebnis und zeigt, dass sich auch die Fans hier diesem Weltcup entgegenfiebern“, so Gose. Fünfmal, auf allen Freistilstrecken von 50m bis 800m, wird die 400m-Europameisterin in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) starten. „Ich freue mich besonders drauf, auch mal wieder die kürzeren, spritzigeren Strecken zu versuchen“, sagte die gebürtige Berlinerin.
Lukas Märtens ist beim Weltcup über 100m, 200m und 400m Freistil im Einsatz, zudem versucht er sich über 100m und 200m Rücken. „Ich gebe natürlich alles und werde es genießen, allzu große Hoffnungen auf einen Sieg kann ich mir nach einigen gesundheitlichen Problemen zuletzt diesmal wohl nicht machen“, sagte Märtens. Für Bundestrainer Bernd Berkhahn ist das aber kein Problem: „Auch wenn nicht immer Bestzeiten im Fokus stehen können, ist es für uns wichtig, die internationalen Routinen zu bekommen“, betonte er.
Das gilt insbesondere für Sarah Wellbrock. Die 28-Jährige bestreitet in der Hauptstadt ihren Comeback-Wettkampf auf internationaler Bühne, nachdem sie in der Vorsaison auf die internationalen Toprennen verzichtet hatte, um sich auf ihr Jurastudium zu konzentrieren. „Natürlich habe ich trotzdem weiterhin nahezu täglich trainiert und konnte beispielsweise im Kraftbereich einige erfreuliche Fortschritte erzielen. Nach Abschluss meiner schriftlichen Prüfungen für das Jura-Staatsexamen Ende August und unserer freien Trauung Anfang September bestreite ich nun aber wieder das volle Programm mit unserer Trainingsgruppe“, sagte die Olympiadritte von Tokio. Ausgerichtet wird nun alles auf die Olympischen Spiele in Paris (FRA) 2024, bei denen sie am liebsten in Becken und Freiwasser starten möchte. „Der Weltcup ist für mich aber ein wunderbarer Einstieg, denn Wettkämpfe sind schließlich der Grund, warum wir dies alles tun. Ich freue mich auf Berlin“, sagte Sarah Wellbrock.
Jacob Heidtmann gibt Karrierende bekannt: “Es war schön!“
Wenn man die Kommentare in den Sozialen Medien liest, ist schnell zu erkennen, dass es sich hier um einen der beliebtesten Aktiven im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) handelt. Jedenfalls gibt es überall nur positive Reaktionen und beste Wünsche, nachdem Jacob Heidtmann nun offiziell das Ende seiner Leistungssportkarriere bekannt gab. „Nach 20 Jahren im Schwimmsport, 11 Jahren in der Nationalmannschaft und unzähligen wunderschönen wie auch lehrreichen Erlebnissen ist für mich nun die Zeit gekommen, die Schwimmbrille an den Nagel zu hängen“, schrieb der 27-Jährige am Sonntagabend auf seinen Accounts unter der Überschrift „Time to say good bye“.
Nach seinen zweiten Olympischen Spielen 2021 in Tokio (JPN), wo er im Finale Platz sieben mit der deutschen Staffel über 4x200m Freistil belegt hatte, habe er nicht mehr dieses Feuer in sich gespürt, mit dem er stets für den Schwimmsport brannte. Auch nach einer längeren Auszeit kehrte es nicht zurück. „Meine Leidenschaft für diesen Sport ist zwar nicht erloschen, doch verfolgte ich immer den Leitsatz, dann aufzuhören, wenn der Spaß nicht mehr meine größte Motivation ist“, schrieb Heidtmann nun. Er freue sich jetzt darauf, den Abschluss seines Studiums (Sozialökonomie mit Schwerpunkt Soziologie) anzugehen und mehr Zeit für Familie und Freund*innen zu haben.
Angefangen habe er einst als „viel zu (hyper-) aktiver Junge“ bei der SG Elbe in Pinneberg und sei dann über Elmshorn und Hamburg im Hochleistungssport angekommen, zuletzt verbrachte er dann zwei Jahre in San Diego (USA). Zweimal Olympia mit Finalteilnahmen in der Staffel jeweils, drei WM-Finals und ein Europameistertitel (2018 über 4x200m Freistil Mixed) stehen zu Buche, dazu der immer noch gültige nationale Rekord über 400m Lagen (4:12,08 Minuten als WM-Fünfter 2015). Er könne daher ruhigen Gewissens sagen: „Ich bin zufrieden.“
Natürlich wird zu solchen Anlässen immer nach den schönsten Momenten der Karriere gefragt. „Für immer im Kopf bleiben natürlich Momente wie die erste Olympiaqualifikation oder der deutsche Rekord bei der WM, aber auch die schöne Zeit durch die vielen Freundschaften, die ich im Sport schließen konnte. Einige halten sicher ein Leben lang“, sagt Heidtmann. Zur Karriere gehört auch die Disqualifikation im Olympiavorlauf von Rio (BRA) 2016, in der Form seines Lebens hatte er dort nach 4:11,85 Minuten (also unter der deutschen Rekordzeit) als Fünfter angeschlagen, war aber wegen eines zweiten Delfinkicks bei der Brustwende disqualifiziert worden. „Das wird mich ein Leben lang begleiten. Natürlich denkt man immer mal, wie es gelaufen wäre, wenn das nicht passiert wäre. Eigentlich wollte ich bei einem Erfolg nach Rio aufhören, das war zumindest mein geheimer Plan damals. Letztlich war es aber nicht schlecht, durch die Disqualifikation hatte ich dann Motivation für fünf weitere Jahre. Und auf jeden Fall habe ich im Sport gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Das ist gut, im Leben kriegst du ja später dann auch nicht immer, was du willst.“
Als Zuschauer kommt Heidtmann nun auf jeden Fall vom 21. – 23. Oktober zum Weltcup nach Berlin, um sich auch noch mal persönlich von seinen Kolleg*innen aus der Nationalmannschaft verabschieden zu können. Und ein feiner Kerl wie er bedankt sich in einem solchen Moment natürlich nicht nur bei den Eltern, der Freundin und den Kumpels, die ihm stets den Rücken stärkten. Namentlich sprach er in seinem Abschiedsbrief auch seine Trainer*innen Andreas Sawatzki, Bernd Berkhahn, Petra Wolfram, Veith Sieber, David Marsh, Javier Sossaund auch seinen Psychologen Thorsten Weidig an, ehe natürlich auch alle Institutionen, Stiftungen Sponsoren, Ärzt*innen und Physiotherapeut*innen noch einmal für ihre Unterstützung Dank erhielten.
Am Schluss seines Abschiedsbriefs heißt es dann: „Danke für euren unfassbaren Support. Auch in Zukunft werde ich diesen tollen Sport verfolgen und drücke allen Athlet*innen, die täglich ihre Träume im Schwimmbecken verfolgen ganz fest die Daumen. Es war schön, Euer Jacob.“
Dieses Kompliment kann man nur so zurückgeben. „Als Trainer ist man natürlich immer stolz, wenn ein Sportler, der bei einem anfängt, dann solch eine tolle Karriere schafft. Er war nicht nur in den Einzelrennen stark, sondern auch immer eine sichere Bank in den Staffeln“, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Und auch im menschlichen Bereich brachte er Stärken ein, nicht nur als Aktivensprecher. „Jacob war immer ein Teamplayer und sehr wichtig für die Nationalmannschaft, deren Spirit er stark prägte“, so Berkhahn. Daher habe er ihn auch gebeten, das DSV-Team künftig bei Bedarf auch weiter zu unterstützen.
Christina Wassen schlägt im Turm-Finale zurück und gewinnt Bronze
Der Vorkampf war zum Vergessen. Umso beeindruckender war, wie cool Christina Wassen (Berliner TSC) danach bei der Entscheidung im Turmspringen zurückschlug, als wäre nichts gewesen. Die Deutsche Meisterin lieferte im Finale bei den Europameisterschaften in Rom (ITA) einen grandiosen Auftritt ab und jubelte am Ende als Dritte völlig zu Recht über die Bronzemedaille. Mit 314,10 Punkten konnte sie sich gegenüber dem Vorkampf um fast 60 Punkte verbessern, nie zuvor hatte die Berlinerin bei einem internationalen Großereignis eine so hohe Punktzahl erreicht. Für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) war es am Mittwoch bereits die zweite Medaille im Wasserspringen nach dem Triumph von Tina Punzel (Dresdner SC 1898) und Lou Massenberg (Berliner TSC) im 3m-Mixed-Synchronspringen. “Ich hoffe, dass der Knoten jetzt geplatzt ist. Das war natürlich sehr wichtig fürs Team”, sagte Wassen.
Für die 23-Jährige war es die erste internationale Einzelmedaille im Erwachsenenbereich. Danach hatte es im Vorkampf wahrlich noch nicht ausgesehen, nur als Zehnte hatte sie es ins Finale geschafft - vor allem der Delfinsalto zum Auftakt misslang gründlich. Im Finale gelang er dann deutlich besser, allein bei diesem Sprung erzielte sie über 38 Punkte mehr als in der ersten Runde. Auch der Vorwärtssalto und der abschließende Schraubensprung wurden deutlich besser bewertet. Stärker als die Deutsche waren im Finale nur die neue Europameisterin Andrea Spendolini-Sirieix aus Großbritannien (333,60) und die Ukrainerin Sofiia Lyskun (329,80).
“Es war ein sehr guter Wettkampf”, sagte Wassen. “Ich hatte echt Probleme mit der Orientierung und der Sonne im Vorkampf, wie man auch gesehen hat, das lief alles nicht so wie zuerst erhofft. Ich war schon nach dem ersten Sprung sehr glücklich, dass das so geklappt hat, es war jetzt noch nicht so gut, wie ich ihn eigentlich kann, aber es ist alles gut gelaufen. Dass dann die anderen Sprünge auch noch so dazu kommen, alles in einem Wettkampf mal gezeigt, das freut mich natürlich sehr”, so die Berlinerin.
Als Vierte mit ebenfalls sehr starken 304,40 Punkten rundete Pauline Pfeif (Berliner TSC) das starke DSV-Mannschaftsergebnis ab. Für die 20-Jährige war es ihre erste EM bei den Erwachsenen, die sie direkt mit einem tollen Ergebnis abschloss. Bedenkt man die auch schon von Christina Wassen angesprochenen speziellen Verhältnisse im Freibad des Foro Italico, in dem für die Springer*innen die gewohnten Orientierungspunkte fehlen und der Himmel und das Wasser farblich fast ineinander übergehen, ist das Resultat umso bemerkenswerter.
Auch sie konnte sich gegenüber dem Vorkampf um fast 40 Punkte noch einmal deutlich steigern, vor allem beim Auerbachsprung und beim Schraubensalto. Nach einem sehr konstanten Wettkampf zog sie im letzten Durchgang sogar noch an der Italienerin Sarah Jodoin di Maria (301,40) vorbei. “Wenn ich Vorkampf und Finale vergleiche, dann habe ich mich auf jeden Fall gesteigert. Ich bin trotzdem ein bisschen unzufrieden, weil es doch der undankbare vierte Platz geworden ist. Aber für meine erste Europameisterschaft kann ich sagen, dass ich zufrieden bin und dass ich ein gutes Ergebnis ersprungen habe”, sagte Pfeif. Und auch Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow war nach den eher durchwachsenen Auftritten seiner Sportler*innen an den ersten beiden Tagen der Sprungwettbewerbe positiv gestimmt: “Da freut man sich natürlich, dass man da mit der gestrigen Ansprache vielleicht doch den richtigen Knopf gefunden hat. Mit den zwei Medaillen und der guten Stimmung gehen wir in die nächsten Tage etwas freudiger als gestern.”
