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Sieg für Wellbrock in Spanien, WM-Tickets für Boy und Frach
Auch in diesem Jahr hat Florian Wellbrock das 10km-Rennen bei den Spanish Open im Freiwasserschwimmen in Banyoles (ESP) klar für sich entschieden. Die Generalprobe vor den kommenden Saisonhöhepunkten gelang wie schon vor seinem Olympiasieg in Tokio (JPN) dank einer beeindruckenden Tempoverschärfung auf den letzten beiden Kilometern. Der direkt vom dreiwöchigen Höhentraining in der Sierra Nevada (ESP) angereiste Magdeburger gewann bei warmen Bedingungen und 22,8 Grad Wassertemperatur nach 1:48:31 Stunden vor seinen Landsleuten Niklas Frach(SV Gelnhausen) und Oliver Klemet (SG Frankfurt), die sich zwölf Sekunden dahinter ein Anschlagduell beim Endspurt lieferten. Der Zusammenprall eines Arms mit einer Begrenzungsboje kurz vor dem Ziel kostete Klemet dabei die entscheidenden Hundertstel.
„Das Rennen war nicht einfach, denn entgegen meiner Erwartung war es heute sehr wellig. Das hatten wir in Banyoles so noch nicht“, erklärte Wellbrock anschließend. „Mit dem Einstieg in die Freiwassersaison bin ich sehr zufrieden und nun auf die 5 Kilometer morgen gespannt. Die 5 Kilometer sind für mich etwas wichtiger, weil ich mich da ja noch qualifizieren muss.“
Niklas Frach, der nach mehreren Topplatzierungen sein bislang erfolgreichstes Jahr zuletzt als Weltcup-Gesamtdritter abgeschlossen hatte, sicherte sich bei dem vom Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) als nationale Qualifikation genutzten Rennen so den zweiten Startplatz für die Weltmeisterschaften in Budapest (HUN/18. Juni – 03. Juli) und die Europameisterschaften in Rom (ITA/11. – 21. August) neben dem bereits gesetzten Wellbrock. „Vor der letzten Runde war Oliver in der besseren Position, zum Glück konnte ich mich wieder herankämpfen. Ich wusste, dass ich mit meiner Erfahrung im Endspurt dann eine Chance haben würde“, sagte Frach. „Die positive Entwicklung setzt sich fort und die harte Arbeit in insgesamt sechs Trainingslagern zahlt sich damit aus.“
Starker Vierter hinter Klemet wurde der bereits für die JEM in Portugual qualifizierte Linus Schwedler (SC Magdeburg/1:48:46). Der 17-Jährige blieb damit sogar fünf Sekunden vor Mykhailo Romanchuk (UKR), der inzwischen ja auch in Magdeburg unter Erfolgscoach Bernd Berkhahn trainiert und nun seine Freiwasserpremiere als Fünfter beendete. Der WM-Dritte von 2019, Rob Muffels, kam am Freitag auf Rang 16 (1:50:45) und muss nun auf das Rennen über 5km am Samstag setzen. Das dritte EM-Ticket über die 10km wird im DSV dann erst beim Weltcup am 09./10. Juli in Paris (FRA) vergeben.
Bei den Frauen ist Leonie Beck als Olympiafünfte von Tokio ebenfalls für die 10km-Rennen bei den internationalen Saisonhöhepunkten gesetzt, die Würzburgerin konzentriert sich nach ihrem Europacupsieg vor einer Woche in Piombino (ITA) daher diesmal vollständig auf das 5km-Rennen am Samstag. Über 10km sicherte nach 1:58:32 Stunden derweil ihre Vereinskollegin Lea Boy als Drittplatzierte von Banyoles direkt hinter den beiden Olympiasiegerinnen Ana Marcela Cunha (BRA/1:58:29) und Sharon Rouwendaal (NED/1:58:30) den zweiten deutschen WM-Startplatz. „Das Rennen war nicht allzu schnell und ich habe mich unterwegs auch sehr gut gefühlt. Daher war ich mir sehr sicher, dass ich auf den letzten 300 Metern schnell genug sein kann“, strahlte Lea Boy.
Jeannette Spiwoks (SG Essen/1:58:32) musste sich als Tagesvierte trotzdem erst im Endspurt hauchdünn geschlagen geben. Dahinter lieferten auch Lara Seifert (5./1:58:53), Leonie Märtens (6./1:59:04) und Sarah Wellbrock (8./1:59:54) überzeugende Leistungen ab. „Diese engen Entscheidungen zeugen von einer großen Leistungsdichte im DSV-Team, zu der erfreulicherweise hier auch die jüngeren Aktiven beitragen. Das lässt für Samstag ebenfalls sehr umkämpfte Rennen erwarten“, sagte der neue Freiwasser-Bundestrainer Constantin Depmeyer nach seinem ersten Wettkampfeinsatz.
Tina Punzel und Lena Hentschel zeigen sich im 3m-Synchronspringen in WM-Form
Die Rolle der Favoritinnen bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin war vor dem 3m-Synchronspringen der Frauen klar verteilt. Als Titelverteidigerinnen, amtierende Europameisterinnen und Olympia-Dritte von Tokio waren Tina Punzel (Dresdner SC 1898) und Lena Hentschel (Berliner TSC) von Beginn an das Paar, das es zu schlagen galt, zumal beide am Vortag schon im Einzel ihre aktuell gute Form unter Beweis gestellt hatten – dort siegte Punzel vor Hentschel, beide erfüllten die WM-Norm. Auch zusammen waren die beiden am Ende erwartungsgemäß nicht zu schlagen und sicherten sich mit 318,90 Punkten die Goldmedaille. Die WM-Norm (295,00) übertrafen sie dabei deutlich. Platz zwei ging dahinter an Jana Lisa Rother (Berliner TSC) und Saskia Oettinghaus (Dresdner SC 1898) mit 297,33, Dritte wurden Lotti Hubert (Berliner TSC) und Johanna Krauß (SC DHfK Leipzig) mit 261,93.
Für Punzel und Hentschel war es bereits der vierte Titel in Folge, seit 2018 landeten sie immer auf Platz eins (2020 fiel die DM wegen der Coronavirus-Pandemie aus). „Das war ein sehr guter Wettkampf, wir haben keine Fehler gemacht. Wir sind beide sehr zufrieden und guter Dinge, dass wir das bis zur WM noch weiter verfeinern können“, sagte die Berlinerin.
Ihre Synchronpartnerin gewann anschließend auch noch Gold im 3m-Mixed-Synchronspringen zusammen mit Lou Massenberg (Berliner TSC), mit 330,15 Punkten erfüllten er und Punzel dabei auch hier die Norm für die Weltmeisterschaften in Budapest (HUN/18. Juni – 03. Juli). Tina Punzel beendete diese Deutschen Meisterschaften so mit insgesamt vier Titeln und damit als erfolgreichste Athletin. Silber im Mixed-Synchronspringen sicherten sich Alexander Lube (SV Neptun Aachen) und Saskia Oettinghaus (Dresdner SC 1898) mit 306,72, Bronze ging an Guillaume Dutoit und Madeline Coquoz aus der Schweiz (303,21).
Lars Rüdiger und Timo Barthel nehmen ebenfalls Kurs auf Budapest
Im 3m-Synchronspringen der Männer setzen sich Timo Barthel (SV Halle) und Lars Rüdiger (Berliner TSC) mit 417,18 Punkten durch, auch das war gleichbedeutend mit der WM-Norm. Das Paar wurde neu zusammengestellt, nachdem Rüdigers bisheriger Partner Patrick Hausding, mit dem er im vergangenen Jahr EM-Gold und Olympia-Bronze gewonnen hatte, seine Karriere beendet hat. „Ich bin mit Timo heute das erste Mal wieder gesprungen, dafür war es echt überraschend gut. Bis auf den letzten Sprung im Finale war das eine gute Leistung“, sagte Rüdiger.
Dabei war bis zuletzt nicht klar, ob Barthel bei der DM würde antreten können, weil er sich im Vorfeld der Titelkämpfe am Handgelenk verletzt hatte. „Wir haben das mehr oder weniger erst gestern entschieden, dass ich springe, und dann Sprung für Sprung geschaut, wie es geht“, erzählte dieser. „Es waren ein paar schöne Sprünge dabei, aber auch paar, bei denen man gesehen hat, dass uns das Training fehlt. Ich bin sehr glücklich das wir uns qualifiziert haben. Ich glaube aber, dass wir, wenn wir noch mehr zusammen trainieren, gute Chancen haben, in Europa und auch weltweit vorne mitzuspringen.“
Das Podium komplettierten Alexander Lube (SV Neptun Aachen) und Moritz Wesemann (SV Halle) als Zweite mit 401,19 und das ukrainische Paar Oleksii Sereda und Kirill Boliukh (374,73). In der nationalen Wertung ging die Bronzemedaille an Florian Niclas Kruckow und Max Otto (beide Berliner TSC/325,41).
„Die Meisterschaften waren von einem hohen Leistungsniveau geprägt“, zog Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow ein positives Fazit der Veranstaltung. Einige Disziplinen seien sehr gut gewesen, namentlich die Wettbewerbe vom 3m-Brett, vom Turm und im 3m-Synchronspringen der Frauen, sämtliche Mixed-Disziplinen sowie bei den Männern das Kunstspringen vom 1m-Brett sowie im Finale auch vom 3m-Brett. „Für die WM werden wir eine gute Mannschaft zusammenbekommen“, zeigte sich Buschkow optimistisch für die bevorstehenden internationalen Aufgaben.
DM Wasserspringen mit sieben Olympiastarter*innen und internationalem Esprit
Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen, ist schon generell nicht immer ganz einfach, doch Wasserspringerin Lena Hentschel treibt es in dieser Woche auf die Spitze. Am Dienstag und Donnerstag stehen für sie zunächst noch die letzten schriftlichen Abiturprüfungen in Mathematik und Sport-Theorie an, direkt danach geht es für sie dann zu den Internationalen Deutschen Meisterschaften der Offenen Klasse und der Junior*innen vom 04. – 08. Mai in Berlin.
„Das wird echt sportlich“, meint sie. Zum Glück hat sie in den vergangenen Wochen gut trainiert und ist daher zuversichtlich, dass sie trotz dieser nicht ganz optimalen unmittelbaren Wettkampfvorbereitung ein gutes Wort bei der Medaillenvergabe mitreden kann. „Die Form ist sehr gut zurzeit, ich bin topfit“, sagt sie. Auf die Deutschen Hallenmeisterschaften in Rostock musste sie im Februar wegen einer Corona-Infektion noch verzichten, den Auftritt in ihrer Heimatstadt will sie sich nun auf keinen Fall entgehen lassen. Auch wenn die 20-Jährige schon seit längeren in Dresden trainiert, ist sie immer wieder gern in Berlin in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark zu Gast, wo ihre Karriere dereinst begann. „Das ist quasi ein Heimspiel für mich“, sagt Hentschel, die im Wettkampf bis heute die Farben des heimischen Berliner TSC vertritt.
Hentschel tritt bei den Titelkämpfen sowohl im Einzel vom 3m-Brett als auch im Synchronwettbewerb an der Seite vonTina Punzel (Dresdner SC 1898) an, mit der sie im vergangenen Jahr EM-Gold und in Tokio (JPN) Olympiabronze gewann. „Beim Synchronspringen setzen wir auf die Titelverteidigung, und im Einzel würde ich Tina gern auch ein bisschen kitzeln“, sagt sie. Punzel hatte bei der Hallen-DM zuletzt ebenfalls pausiert, ist jetzt aber wieder mit von der Partie und für gleich vier Wettbewerbe vorgesehen. Damit haben für Berlin fast alle Olympiastarter*innen des Vorjahres gemeldet, so auch Timo Barthel (SV Halle), Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen), Lars Rüdiger und die Geschwister Elena Wassen und Christina Wassen (alle Berliner TSC).
Dazu kommt der starke Nachwuchs, der 2021 bei der WM der Junior*innen insgesamt neun Medaillen abgeräumt hat. Einige Talente, darunter etwa Jette Müller (WSV Rostock) und Moritz Wesemann (SV Halle), dürfen sich nun berechtigte Hoffnungen machen, auch einen Platz im DSV-Team für die Weltmeisterschaften in Budapest (HUN/18. Juni – 03. Juli) und für die Europameisterschaften in Rom (ITA/11. – 21. August) zu ergattern. Maximal zwei Athlet*innen bzw. ein Synchronpaar pro Disziplin können das Ticket lösen, wobei Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow nach der DM direkt für beide internationalen Höhepunkte nominieren wird. „Wer sich für die WM qualifiziert, ist automatisch auch für die EM gesetzt“, sagt er. Für die Qualifikation müssen die Springer*innen sowohl eine bestimmte Punktzahl als auch einen vorgegebenen Mindest-Schwierigkeitsgrad erfüllen. Falls die Schwierigkeit nicht ganz erreicht wird (eine Abweichung von maximal 0,4 Punkten ist erlaubt), müssen im Gegenzug entsprechend mehr Punkte erreicht werden, um dies auszugleichen. Es zählt die Addition aus Vorkampf, Halbfinale und Finale (3m-Einzel und Turmspringen) bzw. aus Vorkampf und Finale (1m und Synchronwettbewerbe).
Für spannende Wettbewerbe garantieren auch die ausländischen Teilnehmer*innen aus der Ukraine – unter anderem Oleksii Sereda, 2019 jüngster Europameister aller Zeiten im Turmspringen – und aus der Schweiz, darunter mit Michelle Heimberg die amtierende Vizeeuropameisterin vom 1m-Brett. „Das wertet unsere Meisterschaften noch einmal zusätzlich auf“, sagt Buschkow. Die Titelkämpfe waren in diesem Jahr international ausgeschrieben; startberechtigt sind die Mitglieder von Vereinen, die einem der FINA angeschlossenen nationalen Schwimmverband angehören und im Besitz der Verbandsrechte sind. Es wird allerdings weiterhin getrennte Wertungen für einheimische und ausländische Aktive geben. Aus der Ukraine hatten nach dem russischen Angriff in den vergangenen Wochen zahlreiche Wasserspringer*innen Zuflucht in Deutschland gefunden und trainieren hier nun in den verschiedenen Vereinen.
Alle Infos zum Qualifikationsfinale in Berlin, Stockholm und Eindhoven
In der Qualifikationsphase für die Weltmeisterschaften in Budapest (HUN/18. Juni – 03 Juli) und die Europameisterschaften in Rom (ITA/11. – 21. August) stehen im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) die finalen und damit entscheidenden Tage im Beckenbereich an. Bei den Berlin Swim Open, dem Eindhoven Qualification Meet (jeweils 08. – 10. April) und den Stockholm Swim Open (09. – 12 April) können die für ein Ticket erforderlichen Normzeiten noch erbracht werden, auch wird der Kampf um die Staffelplätze hier bis spätestens Dienstag entschieden. Die offizielle Nominierung der Nationalmannschaften erfolgt dann anschließend im Wochenverlauf.
Über 500 Aktive haben sich für die Rennen in der deutschen Hauptstadt angemeldet, in der Schwimm- und Sprunghalle am Europasportpark (SSE) sind auch wieder Zuschauer*innen (Tageskarte 10,00 Euro) erlaubt. Olympiateilnehmer*innen wie Lisa Höpink, Hannah Küchler, Poul Zellmann, Lucas Matzerath, Fabian Schwingenschlögl, David Thomasberger, Marek Ulrich oder Ole Braunschweig stehen besonders im Fokus. Weltklasseleistungen werden aber auch von Angelina Köhler und Sven Schwarz angepeilt, die im Vorjahr vom Coronavirus ausgebremst worden waren. Einen Entwicklungssprung wollen auch die zuletzt bereits in Collegerennen starken US-Student*innen Julia Mrozinski und Rafael Miroslaw zeigen, die extra aus ihrer neuen Wahlheimat anreisen. Auch Freiwasserstar Leonie Beck hat für die 1500m Freistil in Berlin gemeldet, vielleicht kann sie sich dabei ja einen internationalen Doppelstart in Becken und Freiwasser sichern wie Florian Wellbrock.
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Der Freiwasser-Olympiasieger aus Magdeburg tritt an diesem Wochenende in Schwedens Hauptstadt an, Höhepunkt dort dürfte nicht nur für ihn das abschließende Rennen über 800m Freistil werden, in dem diesmal auch Lukas Märtens antritt. Der junge Trainingskollege hatte zuletzt in Magdeburg bereits mit der Weltjahresbestzeit über 1500m Freistil geglänzt und möchte sich nun in erneuter Zusammenarbeit mit Wellbrock bei der Renngestaltung noch ein viertes oder gar fünftes WM-Einzelticket sichern. „Florian hat die gesundheitlichen Probleme gut überstanden und fühlt sich inzwischen wieder etwas frischer. Wir sind gespannt, wie sich das in Stockholm auswirkt“, sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Auch für seine anderen Schützlinge wie Sarah Wellbrock oder Isabel Gose ist der Schweden-Trip aufgrund der bereits sicheren WM-Nominierung eher ein Formtest auf internationalem Niveau. Viel mehr auf dem Spiel steht dagegen für Marco Koch: Der frühe Welt- und Europameister hatte sich zuletzt in Bergen (NOR) und Helsinki (FIN) den Normzeiten zwar angenähert, aber am Samstag muss der 32-jährige Frankfurter nun abliefern, um bei den internationalen Saisonhöhepunkt ein weiteres Mal mit dabei sein zu können.
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Beim großen Qualifikationswettkampf der Niederlande tritt Henning Mühlleitner mit schönen Erinnerungen an, in Eindhoven hatte er sich im Vorjahr das Tokio-Ticket erkämpft. Diesmal ist er als Olympiavierter für WM und EM zwar bereits gesetzt für die internationalen Saisonhöhepunkte, ein schönes Rennen über 400m Freistil könnte es trotzdem wieder geben. Hier misst sich Mühlleitner dann unter anderem mit Kurzbahn-Europameister Luc Kroon(NED) als dem Shootingstar der Gastgebernation. Spannend wird auch zu sehen sein im Rennen über 200m Schmetterling, welche Entwicklung Ramon Klenz nach seinem Wechsel in die Neckarsulmer Trainingsgruppe des australischen Coaches Matt Magee genommen hat. Im Vorjahr hatte ein Autounfall in Berlin seine Qualifikationsrennen stark beeinträchtigt und der Sportsoldat hatte dadurch das Olympiaticket leider verpasst. Ein Livestream wird aus Eindhoven leider nicht angeboten.
Florian Wellbrock kann Olympiajahr beim Doppelstart in Abu Dhabi krönen
Zum Abschluss des Olympiajahres erwartet den Schwimmsport rund um den vierten Advent noch ein weiteres Highlight, anlässlich der Kurzbahn-Weltmeisterschaften vom 16. bis 21. Dezember in Abu Dhabi (VAE) veranstaltet der Weltverband FINA am Persischen Golf ein Aquatics Festival inklusive dem Weltcup-Finale im Freiwasserschwimmen, einem Team-Event im Wasserspringen und der WM-Qualifikation im High Diving. Das Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) geht dabei in drei der vier Disziplinen an den Start.
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Für Florian Wellbrock bietet sich nach Gold im Freiwasser und Bronze über 1500m Freistil im Becken bei den Olympischen Spielen in Tokio damit die Gelegenheit, mit einem weiteren Doppelstart seine ohnehin schon grandiose Jahresbilanz weiter auszubauen. „Natürlich will man als Leistungssportler auf meinem Niveau hier noch einmal gewinnen, das wollen die anderen Jungs aber auch. Allerdings bin ich absolut fit und motiviert, werde hier also nichts verschenken“, sagte Wellbrock. Nach dem Triumph bei der Kurzbahn-EM im November in Kazan (RUS) hat der Magdeburger zuletzt in einem Höhentrainingslager in Spanien an seiner Form gearbeitet und geht seine Einzelrennen am Donnerstag (10km) und Dienstag (Finale 1500m Freistil) optimistisch an. „Da es der Jahresabschluss ist, sehe ich die WM für mich noch wichtiger als die EM an. Natürlich werde ich vorher aber auch die 10 Kilometer schwimmen. Ich bin gespannt, wie dann der Wechsel auf die 25-Meter-Bahn gelingt“, so Wellbrock. Los geht es bereits am Mittwoch mit dem Teamwettbewerb über 4x1,5 Kilometer, bei dem er mit Leonie Beck, Jeannette Spiwoks und Oliver Klemet starten wird.
Die Konkurrenz ist in beiden Disziplinen zahlreich wie namhaft, schließlich gibt es dort in jeder Disziplin 15.000 US-Dollar für den Sieg zu gewinnen. Weltrekorde werden in Abu Dhabi sogar mit 50.000 US-Dollar honoriert, nie war das Preisgeld insgesamt bei einer Kurzbahn-WM höher. „Diese Summen haben sicher den einen oder anderen motiviert, noch einmal ins Flugzeug zu steigen. Das ist ein schönes Weihnachtsgeld und sorgt sicher in allen Sportarten für ein cooles Event“, sagte Wellbrock, der sich beim EM-Sieg im November dem 1500m-Weltrekord von Gregorio Paltrinieri (ITA) bereits auf knapp zwei Sekunden genähert hatte. „Der Fokus liegt trotzdem mehr auf den 10km, hier war Florian im Training zuletzt auch richtig schnell“, betonte Bundestrainer Bernd Berkhahn.
Ausschließlich im Freiwasser an den Start gehen wird diesmal Sarah Köhler. Die Olympiadritte über 1500m Freistil trainiert in der nacholympischen Saison deutlich weniger und konzentriert sich auf ihr Jura-Staatsexamen. Nach 15 Jahren im Leistungssport ging sie nach der Rückkehr aus Tokio erstmals für drei Monate am Stück nicht ins Wasser, um eine langwierige Schulterverletzung auszukurieren. „Der Körper brauchte einfach diese Pause“, sagte die 27-Jährige, das war natürlich auch eine Umstellung im Privaten. „Es war schon ungewohnt, dass Florian zum Training gegangen ist und ich mich in die Bücher vertieft habe", erzählte Köhler.
„Wir haben uns im Training auf einige Dinge fokussiert, für die uns sonst die Zeit fehlte, setzen auch etwas mehr auf das Athletiktraining. Im Freiwasser kann Sarah hier aber auf jeden Fall wichtige Erfahrungen mit Blick auf Paris 2024 sammeln“, erklärte Berkhahn. „Im kommenden Sommer wird sie dann aber auch nicht an der EM teilnehmen können, weil dann die Examensprüfungen anstehen.“ Stattdessen sollen dann auch andere ins Rampenlicht rücken, so konnten Brustschwimmer Fabian Schwingenschlögl und Rückenschwimmer Christian Diener in diesem Herbst bei Siegen im Weltcup und der ISL die deutschen Kurzbahn-Rekorde mehrfach verbessern.
Das DSV-Team für Abu Dhabi (15. – 21. Dezember):
Beckenschwimmen:
Frauen:
Annika Bruhn (Sport-Union Neckarsulm): 100m Freistil, 200m Freistil
Isabel Gose (SC Magdeburg): 200m Freistil, 400m Freistil, 800m Freistil
Leonie Kullmann (SG Neukölln): 400m Freistil
Marie Pietruschka (SSG Leipzig): 100m Freistil, 100m Lagen
Laura Riedemann (SV Halle): 50m Rücken, 100m Rücken
Staffeln: 4x100m Freistil, 4x200m Freistil
Männer:
Ole Braunschweig (SG Neukölln): 50m Rücken, 100m Rücken, 200m Rücken
Christian Diener (Potsdamer SV): 50m Rücken, 100m Rücken, 200m Rücken
Ramon Klenz (Sport-Union Neckarsulm): 100m Schmetterling, 200m Schmetterling
Marco Koch (SG Frankfurt): 200m Brust
Lukas Märtens (SC Magdeburg): 200m Freistil, 400m Freistil, 1500m Freistil
Lucas Matzerath (SG Frankfurt): 50m Brust, 100m Brust
Henning Mühlleitner (Sport-Union Neckarsulm): 400m Freistil
Fabian Schwingenschlögl (Sport-Union Neckarsulm): 50m Brust, 100m Brust, 200m Brust
Florian Wellbrock (SC Magdeburg): 1500m Freistil
Freiwasser:
Frauen:
Leonie Beck (SV Würzburg), Sarah Köhler (SG Frankfurt), Jeannette Spiwkos (SG Essen), Elea Linka (SG Stormarn Barsbüttel)
Männer:
Florian Wellbrock (SC Magdeburg), Rob Muffels (SC Magdeburg), Niklas Frach (SV Gelnhausen), Oliver Klemet (SG Frankfurt), Ben Langner (SC Magdeburg), Aaron Schmidt (SG Neuss), Linus Schwedler (SC Magdeburg), Ruwen Straub (SV Würzburg)
High Diving
Frauen:
Anna Bader (SV Halle)
Iris Schmidbauer (SG München)
Männer:
Kai Kirbs (SSV Freiburg)
Manuel Halbisch (VFL Waiblingen)
Wellbrock, Klemet und Märtens zünden Highlights in Magdeburg
Vier Monate nach seinem Olympiasieg fährt Florian Wellbrock in verheißungsvoller Form zum großen Jahres-Finale nach Abu Dhabi (VAE). Am Persischen Golf plant der Magdeburger ab Mittwoch erneut einen Doppelstart beim Weltcup-Finale im Freiwasserschwimmen und den Kurzbahn-Weltmeisterschaften (16. – 21. Dezember).
Beim ersten Qualifikationswettkampf für die Saisonhöhepunkte des Jahres 2022 auf der 50m-Bahn glänzte Wellbrock am Sonntag in seiner Magdeburger Trainingshalle über 1500m Freistil in 14:50,81 Minuten mit der besten Leistung der Veranstaltung, bevor er nun am Montag ins Flugzeug steigt und zur WM reist. „Man hat dieser Tage zwar gemerkt, dass ich nach dem jüngsten Höhentrainingslager noch etwas müde bin. Aber mit dieser Zeit kann ich mit Blick auf die Rennen in Abu Dhabi aber sehr zufrieden sein“, sagte Wellbrock anschließend. Nach EM-Gold auf der Kurzbahn im November sei ein weiterer Titel nun durchaus ein realistisches Ziel.
Hinter dem wie alle Olympiafinalist*innen von Tokio für die Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN/13. – 29. Mai 2022) und die Europameisterschaften in Rom (ITA/11. – 21. August 2022) fest gesetzten Wellbrock unterbot Oliver Klemetvon der SG Frankfurt als erster nichtgesetzter DSV-Schwimmer am Sonntag in 14:58,33 die WM-Norm (15:00,25) auf dieser Strecke. „So habe ich mir das nach meinem ersten Höhentrainingslager gewünscht. Ich konnte mich gut an Florian orientieren. Es war abgesprochen, dass er nicht gleich zu Beginn voll davonzieht“, verriet Klemet anschließend. Noch mehr Lob als von Wellbrock („Ich freue mich für Oliver“) bekam der 19-Jährige von Bundestrainer Bernd Berkhahn. „Die Entwicklung von Oliver ist schon klasse und diese Zeit eine Ansage“, sagte Berkhahn. „Er ist auch eine Bereicherung für unsere Gruppe.“ Klemet trainiert seit diesem Jahr nicht nur in den Trainingscamps regelmäßig in Berkhahns Trainingsgruppe mit, er reist nun auch wochenweise immer mal wieder extra aus Hessen nach Sachsen-Anhalt. Nach bestandenem Abitur im kommenden Sommer scheint bei einer solchen Entwicklung irgendwann auch ein kompletter Umzug nach Magdeburg durchaus denkbar.
Eine Topleistung bot am Sonntag auch Wellbrocks Trainingskollege Lukas Märtens, der in 1:57,54 Minuten die 200m Rücken vor Olympiastarter Christian Diener (1:59,69) gewann. Während Freistilspezialist Märtens die WM-Norm damit nur um vier Hundertstel verpasste und nun schon für Rom mit drei EM-Einzelstrecken planen kann, blieb Diener (noch) über der EM-Norm (1:58,65). „Ich bin früher im Nachwuchsbereich ja auch schon schnell Rücken geschwommen, nach Olympia haben wir es nun wieder vermehrt im Training eingebaut. Wir wollten uns das ja immer als Alternative offenhalten, aber dass nach zwei Jahren Pause gleich so die Bombe platzt, habe ich nicht erwartet. Jetzt ärgert es mich fast, dass die vier Hundertstel nicht auch gleich noch gefallen sind. Aber ich denke, das schaffe ich noch“, sagte Märtens.
Unter der EM-Norm (8:39,85) blieben am Sonntag außerdem noch Märtens‘ Vereinskollegin Isabel Gose (8:31,04 Minuten) und die Neckarsulmerin Celine Rieder (8:37,46) über 800m Freistil. Und über 100m Schmetterling unterbot auch Angelina Köhler in 58,72 die geforderte EM-Normzeit um 18 Hundertstel. „Damit bin ich zufrieden, auch weil ich mit dem Abitur derzeit viel um die Ohren habe“, sagte Köhler. Die WM-Norm (57,70) kann sie nun noch in der zweiten Qualifikationsphase zwischen 25. März und 12. April erfüllen. Dann werden auch erst die Staffelplätze vergeben.
Insgesamt empfahlen sich damit in Magdeburg sieben Aktive zusätzlich zu den bereits gesetzten Olympiafinalist*innen für die EM: Angelina Köhler, Celine Rieder, Zoe Vogelmann, Lukas Märtens, Oliver Klemet, Sven Schwarz und Ole Braunschweig (Gose unterbot zudem auch die EM-Norm über 200m Freistil). Für eine WM-Teilnahme brachte sich bisher einzig Klemet in Position, neben den Olympiastars Wellbrock, Gose, Sarah Köhlerund Henning Mühlleitnernach Japan zu reisen. Bis zum Frühjahr sind so aber noch viele weitere Tickets zu erobern.
Isabel Gose gewinnt 800m-Bronze bei der Kurzbahn-EM in Kazan
Das Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) konnte sich bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Kazan (RUS) am Mittwoch über die erste Medaille freuen. Isabel Gose gewann in 8:10,60 Minuten Bronze über 800m Freistil hinter Anastasia Kirpichnikova (RUS/8:04,65) und Simona Quadarella (ITA/8:10,54).
„Sechs Sekunden unter Bestzeit: Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so schnell schwimmen kann. Denn wir starten hier aus dem vollen Training und wurden nicht verschont, das habe ich so noch nie vorher gemacht“, sagte die 19-Jährige. Doch die Langstrecke liegt Gose immer besser, seit sie im Frühjahr 2020 zu Bundestrainer Bernd Berkhahn nach Magdeburg gewechselt ist. Zum deutschen Rekord von Sarah Köhler (8:08,02) ist es nun auch gar nicht mehr so weit. „Diese Strecke ist hart, macht mir aber verdammt viel Spaß. Erst recht, wenn es so gut läuft“, meinte Gose. Am Wochenende folgen nun noch zwei weitere Starts über 200m und ihre Hauptstrecke 400m Freistil, auf der sie bereits Olympiasechste in Tokio wurde und EM-Silber 2019 in Glasgow gewann.
Im Finale über 50m Rücken belegte Ole Braunschweig in 23,28 Sekunden Rang sieben, der Sieg ging an den Russen Kliment Kolesnikov (22,47/CR). „Das war noch einmal Bestzeit. Ich bin megazufrieden mit meinem ersten internationalen Meisterschaftsfinale“, sagte der Berliner von der SG Neukölln. „Und morgen wird dann über die 100m angegriffen. Es macht einfach riesigen Spaß, sich mit den ganzen Topleuten zu messen. Diese Erfahrungen sind unvergleichbar.“
>> Alle EM-Ergebnisse im Überblick
Ebenfalls aus dem vollen Training, aber auch mit guten Aussichten startet Florian Wellbrock am Donnerstag dann im Finale über 1500m Freistil. Mit 14:29,59 Minuten kam er im Vorlauf am Mittwoch nah an seine Bestzeit heran, nur Titelverteidiger Gregorio Paltrinieri (ITA) war im Lauf darauf noch zwei Sekunden schneller. „Ich bin mit dem Vorlauf zufrieden, ich habe mir für das Finale damit eine gute Bahn gesichert. Das wird morgen dann sicher ein schönes Rennen mit den Italienern“, sagte Wellbrock. „Außerdem freut es mich, dass wieder einmal zwei Deutsche in einem 1500m-Finale starten.“ Im nationalen Duell um den anderen Finalstartplatz (jede Nation hat nur maximal zwei) konnte der in der Olympiasaison von einer Coronavirus-Infektion ausgebremste Sven Schwarz (14:41,74) den Vorteil nutzen, im zweiten Lauf zu schwimmen, und ließ als Sechster dann Lukas Märtens (14:44,19/Platz 9) und Oliver Klemet (14:44,34/Platz 10) hinter sich.
Für den Höhepunkt des Tages sorgte Italiens Staffel über 4x50m Lagen, die in 1:30,14 Minuten einen Weltrekord aufstellte in der Besetzung Michele Lamberti, Nicolo Martinenghi, Marco Orsi und Lorenzo Zazzaeri. Die weiteren Einzeltitel des Tages gingen an Sarah Sjöström (SWE) über 50m Freistil (23,12), Martina Carraro (ITA) über 100m Brust (1:04,01) und Szebasztian Szabo (HUN) über 100m Schmetterling (49,68).
Die Ergebnisse des DSV-Teams am Mittwoch:
50m Rücken Männer:
7. Ole Braunschweig (23,28)
800m Freistil Frauen:
3. Isabel Gose (8:10,60)
200m Rücken Frauen:
Vorlauf: 17. Jenny Mensing (2:08,49 Q)
Halbfinale: 13. Jenny Mensing (2:09,12)
200m Schmetterling:
Vorlauf: 7. Angelina Köhler (2:10,96 Q)
Vorlauf: 14. Leonie Kullmann (2:13,66 Q)
Halbfinale: 10. Angelina Köhler (2:09,52)
Halbfinale: 14. Leonie Kullmann (2:12,65)
100m Brust Männer:
Vorlauf: 19. Marco Koch (58,09 Q)
Halbfinale: 15. Marco Koch (58,09)
100m Lagen Frauen:
25. Zoe Vogelmann (1:01,66)
1500m Freistil
Vorlauf: 2. Florian Wellbrock (14:29,59 Q)
Vorlauf: 6. Sven Schwarz (14:41,74 Q)
9. Lukas Märtens (14:44,19)
10. Oliver Klemet (14:44,34)
CR = Championship Record
Q = qualifiziert für die nächste Runde
Wellbrock startet mit großer Gelassenheit bei der Kurzbahn-EM in Kazan
Nur drei Monate nach seinem Olympiasieg im Freiwasser und dem Gewinn der Bronzemedaille im Becken über 1500m Freistil in Tokio stehen für Florian Wellbrock mit den Kurzbahn-Europameisterschaften in Kazan (RUS) vom 02. bis 07. November (Vorläufe um 08:00 Uhr und Finals ab 16:30 Uhr deutscher Zeit) schon die nächsten internationalen Titelkämpfe an. Trotz zweier Siege bei den Kurzbahn-Weltcups in Berlin und Budapest im Monat zuvor steigt der 24-Jährige vom SC Magdeburg in Russland nun aber gelassen und ohne besondere Erwartungen ins Wendenkarussell. „Ich möchte gern meine Bestzeit über die 1500 Meter weiter ausbauen und natürlich damit möglichst weit vorne ankommen. Da insgesamt noch nicht so viel trainiert wurde seit den Olympischen Spielen, ist es aber unklar, wofür meine Leistung überhaupt reichen kann“, sagte Wellbrock vor der Abreise am Sonntag. Wellbrocks Bestzeit steht seit drei Jahren bei 14:28,19 Minuten, allzu viele Kurzbahnrennen hat er seither aber nicht bestreiten können. Der deutsche Kurzbahn-Rekord stammt übrigens noch aus der Ära der Hightech-Anzüge, in 14:20,44 Minuten hatte Jan Wolfgarten 2009 bei der Kurzbahn-EM in Istanbul den Titel gewonnen.
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Laut Meldeliste (mit rund 400 Aktiven aus 40 Ländern) kommt es im 1500m-Finale am Donnerstag zum erneuten Duell mit seinem Rivalen Gregorio Paltrinieri (ITA), der vor zwei Jahren in Glasgow (SCO) den Titel vor dem Norweger Henrik Christiansen gewann, welcher in Kazan ebenfalls wieder am Start sein wird. „Ich denke tatsächlich, dass alle vor Ort sein werden. Es ist ja der erste große internationale Wettkampf dieser Saison und ein guter Formtest für die Kurzbahn-WM im Dezember“, sagte Wellbrock. Dass im weiteren Saisonverlauf in ungewohnter Häufung dann auch auf der 50m-Bahn noch einmal WM und EM zugleich anstehen, will beim Formaufbau aber berücksichtigt werden. „Ich finde es schön, dass die Wettkämpfe endlich wieder möglich sind“, sagte Wellbrock dazu, „andererseits wird es schwierig, gerade für Langstreckler, alle Wettkämpfe auf Spitzenniveau vorzubereiten.“ Der Olympiasieger nahm daher für sich eine Priorisierung vor, richtete sich zugunsten der Kurzbahn-WM im Dezember nicht all zu sehr auf die EM in Kazan aus. „Da es der Jahresabschluss ist, ist die WM für mich auch nochmal wichtiger als die EM“, sagte Wellbrock.
In den Meldelisten weit oben stehen mit Isabel Gose oder Marco Koch noch weitere Aktive aus dem Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV), aber zu diesem Saisonzeitpunkt hat das kaum Aussagekraft über die Medaillenaussichten. „Jeder hat eine andere Priorisierung und nach den Olympischen Spielen entsprechend auch mal mehr oder weniger trainiert. Es ist zu diesem frühen Saisonzeitpunkt daher kaum einzuschätzen, was in Kazan möglich sein wird“, sagte auch Bundestrainer Bernd Berkhahn. „Es gilt natürlich trotzdem, das für uns Bestmögliche herauszuholen.“
Kurzfristig den EM-Start absagen musste allerdings Lucas Matzerath. Der Frankfurter Olympiateilnehmer erlitt bei einem heftigen Autounfall mit einem LKW in der vorigen Woche ein Schleudertrauma und wird nun lieber noch ein paar Tage geschont. „Es ist ein großes Glück, dass ich so mild mit ein paar Prellungen davongekommen bin“, sagte der 21-Jährige: „Nächste Woche steige ich dann wieder ins Training ein, bis zur WM im Dezember ist dann hoffentlich alles wieder gut.“
Das DSV-Team für die Kurzbahn-EM in Kazan (02. – 07. November)
Frauen:
Jessica Felsner (SC Aqua Köln): 50m Freistil, 100m Freistil, 50m Schmetterling, 100m Schmetterling
Giulia Goerigk (SG Region Karlsruhe): 200m Lagen, 400m Lagen
Isabel Gose (SC Magdeburg): 200m Freistil, 400m Freistil, 800m Freistil
Angelina Köhler (Hannover 96): 50m Schmetterling, 100m Schmetterling, 200m Schmetterling
Hannah Küchler (AMTV-FTV Hamburg): 50m Freistil, 100m Freistil
Leonie Kullmann (SG Neukölln): 100m Freistil, 200m Freistil, 400m Freistil, 200m Schmetterling, 400m Lagen
Jenny Mensing (SC Wiesbaden): 50m Rücken, 100m Rücken, 200m Rücken
Sonnele Öztürk (Wasserfreunde Spandau): 50m Rücken, 100m Rücken, 200m Rücken
Nele Schulze (TSB Flensburg): 50m Brust, 100m Brust, 200m Brust
Zoe Vogelmann (SV Nikar Heidelberg): 400m Freistil, 100m Lagen, 200m Lagen, 400m Lagen
Männer:
Ole Braunschweig (SG Neukölln): 50m Rücken, 100m Rücken, 200m Rücken, 50m Schmetterling
Oliver Klemet (SG Frankfurt): 800m Freistil, 1500m Freistil
Marco Koch (SG Frankfurt): 50m Brust, 100m m Brust, 200m Brust, 200m Schmetterling, 200m Lagen
Lukas Märtens (SC Magdeburg): 200m Freistil, 400m Freistil, 800m Freistil, 1500m Freistil
Sven Schwarz (Waspo Hannover): 800m Freistil, 1500m Freistil
Florian Wellbrock (SC Magdeburg): 400m Freistil, 800m Freistil, 1500m Freistil
Turmspringer Timo Barthel bei Olympiapremiere auf Rang 17
Es ist immer wieder aufs Neue bemerkenswert, wie selbstverständlich Turmspringer Timo Barthel (SV Halle) im Kreis der Weltbesten mitmischt. Immerhin plagt sich der 25-Jährige schon seit seiner Jugend mit Höhenangst herum, die ihn jedoch nicht daran hindert, sich aus zehn Metern Höhe spektakulär ins Becken zu stürzen.
Für das olympische Finale hat es für ihn in Tokio aber leider nicht gereicht. Als 17. mit 364,50 Punkten verpasste Barthel am frühen Samstagmorgen den Einzug in die Top zwölf. Das Finale vom Turm ist damit die einzige Einzelentscheidung, die bei diesen Sommerspielen ohne deutsche Beteiligung über die Bühne geht. Dennoch kann der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) auch im Wasserspringen auf sehr erfolgreiche Wettbewerbe im Tokyo Aquatics Centre zurückblicken: Zwei Medaillen im Synchronspringen bedeuten für den DSV das beste Ergebnis bei Olympischen Spielen seit Peking (CHN) 2008, hinzu kamen ein fünfter, zwei siebte und ein achter Platz.
„Insgesamt haben unsere Wasserspringer*innen hier sehr gut abgeschnitten und ihre Zielstellung von Seiten des DOSB und des BMI erfüllt. Das macht uns stolz. Die Frauen waren diesmal etwas stärker als die Männer, aber wir haben insgesamt bewiesen, dass wir zu den Top-Nationen in der Welt gehören“, zog Chef-Bundestrainer und DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow ein positives Fazit. „Nachdem Elena Wassen 2016 in Rio de Janeiro die Jüngste im Team Deutschland war, ist es uns auch diesmal wieder gelungen, mit dem 16-jährigen Jaden Eikermann einen sehr jungen Sportler zu Olympia zu bringen. Mit ihm, Lena Hentschel, den Wassen-Schwestern, Timo Barthel, Lars Rüdiger und der schon erfahrenen Tina Punzel haben wir auch zukünftig gute Athlet*innen am Start und blicken deshalb hoffnungsvoll in die Zukunft. Das Potenzial ist in jedem Fall vorhanden.“
Auch für Timo Barthel wäre im Halbfinale mehr drin gewesen, doch schon der Auftakt verlief nicht ganz optimal. Nach den ersten drei Runden lag der EM-Vierte nur auf Rang 16. Im vierten Durchgang gelang ihm dann aber ein blitzsauberer Versuch beim 3,5-fachen Rückwärtssalto, mit dem er im Vorkampf noch seine Probleme hatte. Es war Barthels schönster Sprung in Tokio, für den er von den Wertungsrichter*innen zurecht mit 84,60 Punkten belohnt wurde – es war einer der am höchsten bewerteten Sprünge des gesamten Feldes. Weil jetzt zudem auch einige seiner Konkurrenten patzten, machte der Hallenser einen großen Sprung nach vorne bis auf Platz acht. Beim anschließenden 3,5-fachen Auerbachsalto, eigentlich einer seiner sichersten Sprünge, passierte ihm danach allerdings ein grober Fehler, den er im letzten Versuch nicht mehr ausbügeln konnte.
„Das muss ich erstmal sacken lassen“, sagte er. „400 Punkte hätten im Nachhinein gereicht, um ins Finale zu kommen. Bis zur vierten Runde sah auch alles danach aus, dass ich es schaffe. Aber manchmal passieren einfach Dinge, die man nicht kontrollieren kann, und genau das ist auch passiert in der fünften Runde. Ich habe den Sprung nicht einmal so schlecht gemacht in der letzten Zeit, beim Weltcup waren noch fünf von fünf Sprüngen über 8,0. Das hätte ich hier nicht mal gebraucht, eine 6,5, 7,0 hätte gereicht.“ Beim Einspringen hatte der Deutsche für diesen Versuch sogar noch Szenenapplaus bekommen. „Was dann im Wettkampf passiert ist, dazu fehlen mir einfach die Worte“, so Barthel, der seinen Blick jedoch schnell wieder voraus richtete: „Ich weiß, was ich besser machen muss für Paris 2024. Ich werde mir nicht viel frei nehmen, sondern ich muss weiterarbeiten und Gas geben, damit ich dann meinen Traum vom olympischen Finale 2024 realisieren kann.“
Bester Springer im Halbfinale war diesmal Cao Yuan aus China mit 513,70 Punkten. Auf den weiteren Plätzen folgten Weltmeister Yang Jian (CHN/480,85), Aleksandr Bondar (ROC/464,10) und Synchron-Olympiasieger Thomas Daley (GBR/462,90). Diese vier werden wohl auch im Finale (ab 08:00 Uhr MESZ) die Medaillen unter sich ausmachen.
Wassen-Schwestern gemeinsam ins Turm-Halbfinale
Dass zwei Schwestern zusammen zu den Olympischen Spielen fahren, noch dazu in derselben Disziplin, ist schon nicht alltäglich. Der gemeinsame Auftritt von Elena und Christina Wassen (beide Berliner TSC) im Vorkampf des Turmspringens war aber nicht nur deshalb bemerkenswert. Beide schafften am Mittwoch den Sprung ins Halbfinale: Elena Wassen wurde mit 323,80 Punkten Sechste und erzielte damit eine neue persönliche Bestleistung auf internationalem Parkett, Christina Wassen kam mit 297,15 Punkten auf Platz 13. Damit sind erst zum dritten Mal seit Einführung des aktuellen Modus 1996 – mit 18 Qualifikat*innen fürs Halbfinale und zwölf Finalist*innen – zwei deutsche Turmspringerinnen in den Top 18 vertreten. Zuletzt war das 2012 in London (GBR) der Fall. Das Halbfinale findet am Donnerstag (ab 03:00 Uhr MESZ) statt, das Finale der besten Zwölf dann nur wenige Stunden später (ab 08:00 Uhr MESZ).
Vor allem Elena Wassen präsentierte sich sehr souverän und lag während des gesamten Wettkampfs nie schlechter als Rang sieben. Die gebürtige Eschweilerin zeigte keine Schwäche, auch nicht beim 3,5-fachen Delfinsalto, den sie erst in diesem Jahr neu in ihr Programm aufgenommen hatte und jetzt fehlerfrei ins Becken des Tokyo Aquatics Centre brachte. „Ich bin sehr, sehr zufrieden mit meinem Wettkampf heute. Es haben eigentlich alle Sprünge so geklappt, wie ich sie in letzter Zeit trainiert habe oder sogar noch besser. Viel besser hätte der Wettkampf gar nicht laufen können“, sagte sie.
Für die 20-Jährige sind es bereits die zweiten Olympischen Spiele nach 2016 in Rio de Janeiro (BRA), als sie mit damals 15 Jahren das jüngste Mitglied im gesamten Team Deutschland war. Vor fünf Jahren wurde sie 17. – wenn sie im Halbfinale noch einmal so springt wie im Vorkampf, sollte sie dieses Ergebnis übertreffen können. „Der Wettkampf ist ein bisschen früher, da ist man natürlich ein bisschen müder, aber hoffentlich kann ich die Leistung morgen nochmal so abrufen.“
Auch Christina Wassen kam letztlich ungefährdet eine Runde weiter. „Sie ist stabil gesprungen, hat sich aber noch kleine Reserven gelassen“, urteilte Chef-Bundestrainer und DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow. Der 3,5-fache Vorwärtssalto, mit dem sie im Synchronwettbewerb mit Tina Punzel (Dresdner SC 1898) noch Probleme hatte, lief diesmal deutlich besser. Beim Handstandsalto war sie jedoch beim Eintauchen zu spät dran und lag somit vor dem letzten Versuch nur auf Platz 17. Im abschließenden Durchgang bewies die EM-Achte dann aber mit einem sehr schönen 2,5-fachen Vorwärtssalto mit einer Schraube eindrucksvoll, weshalb sie diesen Sprung auch als ihren Lieblingssprung bezeichnet.
„Ich denke, ich kann ganz zufrieden sein. Es war ja kein Riesenfehler dabei, ich bin alles relativ solide durchgesprungen“, sagte Christina Wassen, mit 22 Jahren die Ältere der beiden. „Ich bin auch ganz froh, dass es so gut geklappt hat, denn ich hatte mir kurz vorm Wettkampf noch was im Nacken eingeklemmt und war da nicht mehr so ganz bewegungsfähig. Aber das haben wir noch ganz gut hinbekommen, so dass ich dann im Wettkampf wieder relativ beschwerdefrei springen konnte. Ich freue mich jetzt einfach auf morgen und hoffe, dass ich die Leistung nochmal wiederholen und den einen oder anderen Sprung noch ein bisschen besser zeigen kann. Und ich hoffe natürlich, dass es dann fürs Finale reicht.“
Während die beiden DSV-Starterinnen insgesamt sehr solide sprangen, hatten einige andere namhafte Athletinnen doch deutliche Probleme. Überraschend ausgeschieden sind zum Beispiel Jun Hoong Cheong (MAS), die Weltmeisterin von 2017 und Olympiazweite von Rio im Turm-Synchronspringen, sowie mit Sofiia Lyskun (UKR) und Anna Konanykhina (ROC) die Siegerinnen der beiden vergangenen Europameisterschaften. Gerade noch als 18. schaffte Pandelela Pamg (MAS) den Sprung im Halbfinale, die im Mai beim Weltcup an gleicher Stelle noch gewonnen hatte. Beste Springerinnen im Vorkampf waren die beiden Chinesinnen Chen Yuxi (390,70) und Quan Hongchan (364,45).
