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Bronze für Florian Wellbrock über 1500m Freistil
Beim letzten Einzelrennen im Tokyo Aquatics Centre hat Florian Wellbrock die zweite Medaille im Beckenschwimmen für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) bei diesen Olympischen Spielen gewonnen. Wie zuvor seine Verlobte Sarah Köhler sicherte sich der 23-Jährige vom SC Magdeburg Bronze über 1500m Freistil in 14:40,91 Minuten. Es ist die erste Einzelmedaille eines deutschen Schwimmers seit dem dritten Platz von Rückenschwimmer Stev Theloke im Jahr 2000 in Sydney (AUS). Der Olympiasieg ging wie schon über 800m Freistil an den US-Amerikaner Robert Finke (14:39,65) vor dem Ukrainer Mykhailo Romanchuk (14:40,66).
Erst ging auch diesmal wieder Rio-Sieger Gregorio Paltrinieri (ITA) an die Spitze, doch schon nach 300 Metern schob sich Weltmeister Wellbrock vorbei und diktierte fortan das Tempo. Die Rivalen auf den Nebenbahnen stets gut im Blick, kraulte der Deutsche an der Spitze und hatte an der letzten Wende immerhin sieben Zehntelsekunden Vorsprung. Im Endspurt zogen Finke und Romanchuk auf der letzten Bahn dann aber noch vorbei.
Trotzdem freute sich Wellbrock natürlich auch über Bronze. „Nicht ohne Grund hat das so lange gedauert, bis mal wieder ein deutscher Schwimmer eine Olympiamedaille geholt hat. Jetzt haben wir direkt zwei und ich denke, mit Bronze bei Olympia darf man nicht unzufrieden sein“, sagte er am ZDF-Mikrofon. Dass die Zeiten nicht ganz so schnell waren wie im Vorfeld der Spiele erwartet und beispielsweise von ihm selbst im Frühjahr gezeigt, wunderte ihn dabei nicht. „Das hat sich tatsächlich abgezeichnet. Man hat bei den Frauen gestern auch gesehen, dass außer den Top-zwei-Schwimmerinnen, der Titmus und der Ledecky, der Rest auch extrem langsam geworden ist. Also langsam in Anführungsstrichen, und das war bei uns heute nicht anders.“
Sarah Köhler hatte ihren Verlobten mit den verbliebenen Teamkolleg*innen und Fähnchen in der Hand angefeuert, gemeinsam gefeiert werden kann aber erst daheim. Denn während sie nun am Montag aus Japan abreist, tritt er am Donnerstag noch beim Freiwasserrennen über 10km (Start am Mittwoch 23:30 Uhr deutscher Zeit) an. „Wir können uns im Team gleich mit Sicherheit über die zwei Medaillen freuen, die wir hier geholt haben. Aber jetzt muss ich regenerieren für die 10 Kilometer, das wird anstrengend genug“, sagte Wellbrock.
„Zwei Medaillen und insgesamt elf Top-10-Ergebnisse mit acht Finalteilnahmen belegen hier erneut den Aufwärtstrend im DSV, ebenso drei deutsche Rekorde und die 15 in Tokio erzielten Bestzeiten“, bilanzierte Bundestrainer Hannes Vitense nach dem Beckenschwimmen. „Aber natürlich haben wir hier auch gesehen, in welchen Bereichen wir künftig noch weiter zulegen müssen und wollen. Die Konzepte dafür sind ja bereits vor diesen Spielen erarbeitet worden, unter anderem mit Jacco Verhaeren. Sie müssen in den kommenden Jahren nun auch entsprechend konsequent umgesetzt werden.“
Seine Olympiasiege Nummer vier und fünf in Tokio sicherte sich Caeleb Dressel. Erst gewann der US-Star über 50m Freistil in 21,07 Sekunden sein drittes Einzelrennen, dann triumphierte der 24-Jährige auch mit der Staffel über 4x100m Lagen in Weltrekordzeit (3:26,78 Minuten) vor Großbritannien mit Europarekord (3:27,51). Es war der insgesamt sechste Weltrekord im Pool (2x Einzel, 4x Staffel). Bei den Frauen gewann die Australierin Emma McKeon beim 50m Sprint (23,81 Sekunden) und mit der Lagenstaffel (3:51,60 Minuten) ihr drittes und viertes Gold in Japan (neben drei Bronzemedaillen). Die USA (elf Gold, zehn Silber, neun Bronze) waren die erfolgreichste Nation beim Beckenschwimmen vor Australien (9/3/8) und Großbritannien (4/3/1).
Sarah Köhler wird Siebte über 800m Freistil
Mit Bronze über 1500m Freistil hat sich Sarah Köhler bei den Olympischen Spielen in Tokio ihren Kindheitstraum erfüllt. Ihre zweite Medaillenchance über 800m Freistil konnte sie am Samstag dann aber nicht nutzen. In 8:24,56 Minuten belegte die 27-Jährige von der SG Frankfurt Rang sieben, Gold ging erneut an Katie Ledecky (USA/8:12,57).
Vom Start weg konnte Köhler diesmal das Tempo an der Spitze nicht halten und blieb am Ende rund sieben Sekunden über ihrer Vorlaufzeit, die erneut zu Bronze gereicht hätte. Sogar ihre Durchgangszeit im 1500m-Rennen war drei Sekunden schneller. „Ich habe keine gute Erklärung. Ich habe gemerkt, dass ich nicht so den Druck auf der Hand habe, um mich nach vorne zu ziehen, das war schon beim Einschwimmen so. Ziel war es, eine Bestzeit zu schwimmen und meinen deutschen Rekord zu brechen, das hat jetzt nicht geklappt“, sagte Köhler anschließend. „Ich bin von Anfang an nicht mitgekommen. Aber ich habe mir gedacht: Okay, vielleicht brechen die noch ein und ich kann noch mal rankommen. Das war dann nicht der Fall. Die Endzeit ist mehr als eine Enttäuschung für mich. Ich habe nicht gemerkt, dass ich so langsam bin. Deswegen zieht man durch und hofft, dass man an seine Vorlaufzeit herankommt. Als ich gesehen habe, dass Bronze mit 8:18 weggegangen ist, war ich noch mehr enttäuscht.“
Natürlich kam sofort auch die Frage, ob es nach dem ersehnten Medaillengewinn womöglich einen Spannungsabfall gegeben haben könnte. Doch davon wollte Köhler nichts wissen. „Nein, ich war genauso nervös wie vor den 1500 Metern, weil ich natürlich eine gute Leistung abliefern wollte. Aber wie ich schon vor den anderen Rennen gesagt habe: Die Karten werden jedes Mal neu gemischt. Und mit den Finals am Morgen ist es einfach etwas Besonderes. In dem Fall haben andere ihre Chance genutzt und ich nicht. Nichtsdestotrotz fahre ich hier, ich sage mal, mit 90 Prozent lachenden Augen weg. Aber natürlich ist so ein Wehmutstropfen da, weil das jetzt eine geschenkte Medaille gewesen wäre, wenn ich die Zeit aus dem Vorlauf einfach noch mal geschwommen wäre.“
Aber dann, und das ist auch typisch für eine Kämpferin wie Köhler, wagte sie auch noch einen Ausblick. Sie glaube fest daran, dass sie künftig auch über die 800m noch schneller schwimmen kann. Und deswegen habe sie auch noch Ziele. „2024 werde ich auf jeden Fall noch in Angriff nehmen“, sagte Köhler. Doch nun werde sie am Sonntag erst mal ihren Verlobten Florian Wellbrock bei dessen 1500m-Rennen anfeuern und dann am Montag die Heimreise antreten. „Ich freue mich auf zu Hause“, gestand Köhler.
Bundestrainer Bernd Berkhahn analysierte das Ergebnis so: „Sich so von den Spielen zu verabschieden, tut Sarah sicher auch ein bisschen weh. Aber die Rennen liegen halt sehr dicht, vielleicht war der 800-Meter-Vorlauf nach den Feierlichkeiten und dem ganzen Rummel auch etwas zu euphorisch, jedenfalls hat Sarah nach all dem offenbar nicht ausreichend regenerieren können. Im Einschwimmen war das so noch nicht zu erkennen, im Rennen ist sie dann überhaupt nicht in den Rhythmus gekommen. Das ist ärgerlich, weil die Medaille – anders als erwartet – ja greifbar war. Aber alle anderen hatten das gleiche Problem, auch die Drittplatzierte Simona Quadarella war ja langsamer als im Vorlauf.“
Noch mehr Goldmedaillen als Ledecky konnte ihr Landsmann Caeleb Dressel aus dem Tokyo Aquatics Centre fischen. Über 100m Schmetterling siegte der 24-Jährige in der Weltrekordzeit von 49,45 Sekunden vor dem Ungarn Kristof Milak (49,68/Europarekord), nach zwei Staffelerfolgen 2016 war es bereits sein dritter in Japan nach den 100m Freistil und den 4x100m Freistil. Und noch zwei weitere Chancen folgen für den 24-Jährigen am Sonntag über 50m Freistil und in der Lagenstaffel. Die erhofften sechs Goldmedaillen kann Dressel allerdings nicht mehr gewinnen: Bei der olympischen Premiere der 4x100m-Lagen-Mixedstaffel belegten die Amerikaner*innen lediglich Platz fünf, es siegte die Mannschaft aus Großbritannien in Weltrekordzeit von 3:37,58 Minuten.
Auch das dritte Einzelrennen des Tages gewann eine Serientäterin. Denn über 200m Rücken setzte sich Kaylee McKeown in 2:04,68 Minuten durch, die Australierin hatte zuvor schon über die halb so lange Strecke triumphiert.
Florian Wellbrock erreicht als Drittschnellster das 1500m-Finale
Die 1500m Freistil bezeichnet er gern als seine Lieblingsstrecke, Florian Wellbrock rechnet sich bei den Olympischen Spielen in Tokio hierbei wohl auch die besten Chancen aus. Im Vorlauf lief dabei schon einmal alles wie gewünscht. In 14:48,53 Minuten sicherte sich der 23-Jährige vom SC Magdeburg Platz drei und damit auch Bahn drei im Finale am Sonntag (ab 03:30 Uhr MESZ). Schneller waren am Freitag nur Mykhailo Romanchuk (UKR/14:45,99) und 800m-Olympiasieger Robert Finke (USA/14:47,20).
Beim vierten Platz über 800m Freistil schien zwei Tage zuvor mehr möglich gewesen, nach deutschem Rekord im Vorlauf hatte Wellbrock im Endlauf dort taktisch nicht alle Pläne umsetzen können und im Endspurt das mögliche Edelmetall knapp aus den Augen verloren. Die längere Distanz ging der Doppelweltmeister von 2019 (1500m Freistil und 10km im Freiwasser) diesmal nun bewusst mit deutlich weniger Aufwand an, kontrollierte das Feld im vorletzten Vorlauf dabei aber jederzeit. Alle anderen Favoriten, so auch der Italiener Gregorio Paltrinieri (in 14:49,17 Vorlaufvierter), hatten allerdings den Vorteil, sich im letzten Lauf dann an Wellbrocks Zeit orientieren zu können.
„Ich bin ganz zufrieden, denn ich hatte den schwierigeren Vorlauf. Ich musste das Tempo mehr oder weniger allein machen. Ich habe noch ein bisschen die 800 Meter von gestern gemerkt, aber das wird den anderen Jungs ähnlich gegangen sein. Und nun muss man den morgigen Tag regenerativ nutzen und dann schauen, was am Sonntag möglich ist“, sagte Wellbrock. Auch sein Trainer Bernd Berkhahn zeigte sich zufrieden: „Das war körperlich und mental nicht so einfach nach dem harten 800-Meter-Finale, das hat Florian gut bewältigt. Dass jetzt eine längere Regenerationsphase von über einem Tag ansteht, wird ihm sicher guttun.“
Was das Vorkampfergebnis denn nun fürs Finale erwarten lässt, welche taktischen Änderungen womöglich bei ihm erfolgen, das wollte Wellbrock erst einmal nicht verraten: „Das muss man dann sehen. Die letzten Male konnte ich das immer ganz gut auskontern auf den 1500 Metern, wenn Gregorio vorne schnell geschwommen ist. Und was der US-Amerikaner nachher auf dem 1500 Metern machen kann, müssen wir auch abwarten. Er hat jetzt eine super Bestzeit auf den 800 Metern gemacht, aber die 1500 Meter sind fast die doppelte Distanz, deswegen bleibt es spannend.“
Wellbrocks Vereinskollege Lukas Märtens verpasste in 14:59,45 Minuten als Elfter zwar den Finaleinzug, kann aber bei seinen ersten Olympischen Spielen auf ein erfolgreiches Programm zurückschauen. Bereits fünfmal stand der 19-Jährige vor den 1500m Freistil in Tokio am Start (drei Einzel- und zwei Staffelläufe), als Startschwimmer belegte er mit der 4x200m-Freistil-Staffel sogar Rang sieben. „Lukas hat in diesem Jahr große Leistungssprünge und uns damit viel Freude gemacht. Nun hat er hier in Tokio sehen können, wie es neben den Besten der Welt das Optimum abzurufen gilt. Diese Erfahrung sollte ihn in seiner weiteren Karriere weiter voranbringen“, bilanzierte Bundestrainer Hannes Vitense.
Damit sind Wellbrock und Sarah Köhler über 800m Freistil am Samstag (ab 03:30 Uhr MESZ) die letzten von dann insgesamt acht Finalhoffnungen des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) beim Beckenschwimmen in Tokio, denn anschließend reichte es für die Lagenstaffeln nicht zum Endlauf. Laura Riedemann (1:00,45), Anna Elendt (1:06,17), Lisa Höpink (58,87) und Annika Bruhn (54,67) kamen in 4:00,16 Minuten im Vorlauf auf Rang elf ein, hier waren die Kanadierinnen am schnellsten (3:55,17). Insbesondere die Frankfurter Brustschwimmerin Elendt glänzte dabei aber noch einmal mit einer Topzeit. „Ich habe mich gefreut, hier noch einmal mein bestes Rennen gezeigt zu haben. Das ist ein schönes Gefühl zum Abschluss“, sagte die 19-Jährige. „Jetzt hoffe ich nur, dass wir nicht gleich aus Tokio abreisen müssen, sondern bis Sonntag noch Sarah und Florian bestmöglich anfeuern können.“
Die DSV-Männer mit Marek Ulrich (54,54), Lucas Matzerath (58,70), Marius Kusch (52,38) und Damian Wierling (48,48) belegten in 3:34,08 Minuten ebenfalls Rang elf, Vorlaufschnellste waren die Italiener (3:30,02). Auch hier war Youngster Matzerath (21) derjenige, der sein Potenzial am besten abrief. Das lässt für die Zukunft und für die Olympischen Spiele in Paris (FRA) 2024 hoffen.
Sarah Köhler zieht sicher ins Finale über 1500m Freistil ein
Sie ist auch sportlich eine Anführerin im Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV). Und ihre erste Aufgabe bei den Olympischen Spielen in Tokio hat Sarah Köhler entsprechend zuverlässig erfüllt. In 15:52,67 Minuten qualifizierte sich die 27-Jährige von der SG Frankfurt ganz sicher für das Finale über 1500m Freistil am Mittwoch. „Ein olympisches Rennen macht grundsätzlich immer Spaß. Ich war heute ein bisschen hektisch im Wasser, glaube ich, schon von Beginn an. Da muss ich fürs Finale ein bisschen Ruhe reinbringen und dann hoffe ich, dass es nochmal schneller wird“, sagte Köhler, die auf dieser Strecke 2019 WM-Silber gewann. Ihre Bestzeit, zugleich deutscher Rekord, steht bei 15:48,83.
In zwei Tagen hofft sie durchaus auf Edelmetall, im Vorfeld hatte Köhler von der Erfüllung eines Kindheitstraums gesprochen. Im ZDF sagte sie direkt nach dem Vorlauf: „Die Karten werden so oder so neu gemischt fürs Finale. Es ist morgens, wir haben schon ganz oft gesehen, dass andere langsamer waren in den Finals als im Vorlauf. Ich hoffe, das passiert mir nicht. Ich habe in der Vergangenheit auch schon Bestzeiten in Vorläufen abgeliefert, deswegen bin ich da ganz zuversichtlich.“ Während US-Star Katie Ledecky (15:35,35) als Vorlaufschnellste wie erwartet vorneweg schwamm, scheinen die anderen Konkurrentinnen jedenfalls in Köhlers Reichweite. Für Celine Rieder (Neckarsulmer Sport-Union) genügten 16:32,57 dagegen nur zu Rang 27. Sie sammelt jedoch wichtige Erfahrungen für ihren geplanten Karrierehöhepunkt bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris.
„Das ist gut gelaufen für Sarah, sie ist komfortabel ins Finale eingezogen und hat noch etwas Luft nach oben“, erklärte Bundestrainer Bernd Berkhahn. „Der Aufwand war bei ihr okay, andere haben viel mehr in diesen Vorlauf investiert. Im Kampf um die Medaillen wird es sicher auch hier sehr eng zugehen.“
Berkhahns anderer Schützling Isabel Gose ist zwar noch Teenager, zeigte bei ihren ersten Olympischen Spielen aber ebenfalls ihr besonderes Potenzial. Am Montagvormittag war die 19-Jährige vom SC Magdeburg bereits Sechste über 400m Freistil geworden, und das als schnellste Europäerin. Nicht einmal acht Stunden später zog Gose dann als Neunte auch noch sicher ins Halbfinale über 200m Freistil ein. Trotz einer langsameren ersten Rennhälfte kraulte sie dabei in 1:56,80 Minuten erneut zur Bestzeit.
„Ich dachte echt auf den ersten 100 Metern, ich schaffe es da nicht mehr ran. Das war eine Katastrophe“, meinte Gose am ZDF-Mikrofon. „Aber letztendlich hat es doch geklappt und ich bin froh drüber. Ich weiß nicht, wieso mir das passiert ist, da ist irgendwas schiefgelaufen.“ Anderseits heißt das dann ja aber auch, dass am Dienstag (ab 03:30 Uhr MESZ) durchaus noch Steigerung und damit ein weiteres Finale theoretisch möglich ist. Auch wenn die dritte Dopingkontrolle innerhalb von zwei Tagen die Regenerationsphase bis zum nächsten Rennen wieder etwas verkürzte.
Direkt neben Gose wird Annika Bruhn um den Finaleinzug kämpfen. In 1:57,15 verbesserte auch die 28-Jährige aus Neckarsulm ihre Bestzeit. „Eine Runde weiter ist erstmal alles, was zählt. Und es hat sich echt gut angefühlt, das wird bei mir immer mit jedem Rennen besser. Auf der letzten Bahn ist auch noch was drin“, sagte Bruhn. Von Rang 13 aus will sie dann mutig angreifen: „Alles voll von vorne an, eine andere Chance habe ich nicht. Ich habe nichts zu verlieren im Halbfinale und ich freue mich total.“ Vorlaufschnellste war auch auf dieser Strecke die US-Amerikanerin Katie Ledecky in 1:55,28.
Weniger zufrieden war David Thomasberger. In seiner Paradedisziplin 200m Schmetterling schwamm er in 1:56,04 Minuten auf Platz 17. Denkbar knapp musste er sich Chad le Clos (RSA) geschlagen geben (1:55,96), der sich den letzten Halbfinalplatz sicherte. Mit seiner genau eine Sekunde schnelleren deutschen Rekordzeit aus dem April wäre Platz fünf möglich gewesen. „Ich kann es absolut nicht verstehen“, gestand der Leipziger. „Bis 150 Meter war ich genau im Soll. Ähnlich wie im April. Und ich war extra drei Wochen im Höhentrainingslager, damit die letzte Bahn schneller wird. Statt unter 30 Sekunden kam da nun eine 31,2 heraus, das ist bitter.“ Jetzt gelte es, in einer längeren Sommerpause alles zu verarbeiten: „Ich werde mich nicht verbuddeln, auch wenn alles anders lief, als ich mir das vorgestellt habe. Die Welt dreht sich weiter und ich werde künftig noch härter trainieren und gestärkt daraus hervorgehen.“ Vorlaufschnellster war der haushohe Favorit Kristof Milak (HUN) in 1:53,58 Minuten.
Isabel Gose erfüllt sich ersten Olympiatraum mit Rang sechs
Auch am zweiten Finaltag der Olympischen Spiele in Tokio lieferten die Starter*innen des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) absolute Topleistungen ab. So konnte sich Isabel Gose bei ihrer Olympiapremiere über Platz sechs über 400m Freistil freuen. Mit 4:04,98 Minuten blieb die 19-Jährige vom SC Magdeburg dabei nur ein wenig über ihrem am Vortag aufgestellten deutschen Rekord (4:03,21 Minuten). Im Kampf um Gold setzte sich die Australierin Ariarne Titmus (3:56,69) gegen US-Star Katie Ledecky (3:57,36) durch.
„Ein wahnsinniges Gefühl. Schon allein ins Finale zu kommen bei meinen ersten Olympischen Spielen, das war immer ein Traum – und den konnte ich mir jetzt erfüllen“, sagte Gose. „Dass es im Finale nicht ganz nochmal gereicht hat (zu einer weiteren Bestzeit, Anm. d. Red.), ist natürlich schade. Aber über einen sechsten Platz kann ich, glaube ich, nicht meckern.“ Auch Bundestrainer Bernd Berkhahn war mit dem ersten Auftritt der vielfachen Jugend-Europameisterin, auf die mit den 200m und 800m Freistil sowie der 4x200m-Staffel ja noch drei weitere Einsätze in Tokio warten, sehr zufrieden. „Natürlich hatten wir uns eine bessere Endzeit erhofft, aber gerade auf den Mittelstrecken ist es mit der kurzen Pause für viele schwierig. Aber diese Platzierung ist für Isabel definitiv ein toller Einstand und für den DSV ein weiteres positives Ergebnis“, sagte Berkhahn.
Nach der kurzen Nacht zwischen Vorlauf und Halbfinale konnte Marek Ulrich seine Bestzeit über 100m Rücken noch einmal deutlich steigern. Mit 53,54 Sekunden belegte der Leipziger im Klassement damit den 13. Platz. „Ich bin megazufrieden, denn ich hatte schon etwas Angst, dass es nach dem Stress des Vorabends langsamer wird. Aber wir haben ja trainiert, früh schnell schwimmen zu können. Das hat sich jetzt ausgezahlt und ich konnte noch einen raushauen“, sagte Ulrich. Der 24-Jährige, der im Jahr 2018 schon mal fast zwei Jahre mit dem Schwimmsport aufgehört hatte, war per Einzelfallentscheidung erst spät für Tokio nominiert worden. „Ich habe gezeigt, dass ich zu Recht hier dabei bin und freue mich jetzt auf die Lagenstaffel. Da ins Finale zu kommen, ist der große Traum aller Beteiligten, wir sind hier echt ein tolles Team. Aber die Entscheidung, mit dem Schwimmen weiterzumachen, erweist sich schon heute als richtig und ich bin froh, dass ich mich so entschieden habe. Manche Dinge müssen halt manchmal so laufen.“ Tagesschnellster im Halbfinale war der US-Amerikaner Ryan Murphy in 52,24.
Auch Anna Elendt konnte sich über 100m Brust noch etwas nach vorn kämpfen. Nach Rang 16 im Vorlauf ließ sie mit ihrer Zeit von 1:07,31 Minuten im Halbfinale noch einige Konkurrentinnen hinter sich und belegte ebenfalls Platz 13. „Die Freude überwiegt, weil ich es ins Halbfinale geschafft habe. Damit habe ich erst gar nicht gerechnet, das ist auf jeden Fall schon ein toller Erfolg. Gestern Abend bin ich schon recht nah an die Bestzeit angeschwommen, besseres kann ich da nicht erwarten.“ Nach ihrem deutschen Rekord (1:06,50) im Juni hofft die in den USA studierende Hessin nun aber noch auf eine Steigerung in der Lagenstaffel. Als Schnellste zog die Südafrikanerin Tatjana Schoenmaker (1:05,07) ins Finale ein.
Die weiteren Goldmedaillen des Tages sicherten sich Margaret MacNeil (CAN) über 100m Schmetterling (55,59 Sekunden), Adam Peaty (GBR) über 100m Brust (57,37 Sekunden) und die US-Männer um Superstar Caeleb Dresselüber 4x100m Freistil (3:08,97 Minuten).
Paukenschlag von Henning Mühlleitner beim Olympiaauftakt
Im ersten Abschnitt der Schwimmwettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Tokio hat Henning Mühlleitner für einen Paukenschlag gesorgt. Der 24-Jährige aus Neckarsulm kraulte über 400m Freistil in 3:43,67 Minuten die schnellste Vorlaufzeit aller Teilnehmer. Seine persönliche Bestzeit verbesserte der EM-Dritte von 2018 damit um 1,7 Sekunden und bescherte dem Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) im ersten Finalabschnitt am Sonntag (ab 03:30 Uhr MESZ) völlig überraschend gleich die erste Medaillenchance.
„Auf Bahn vier zu schwimmen, bringt natürlich ein bisschen Druck rein. Im ersten Moment habe ich mich riesig gefreut über die Zeit. Jetzt muss ich schauen, wie sich das organisieren lässt heute Nacht. Bis man in die Mensa kommt, dann gegessen hat und wieder runterkommt, das zieht sicher nochmal ein paar Körner. Da muss man möglichst schnell wieder einschlafen, um dann morgen wieder angreifen zu können“, sagte Mühlleitner im ZDF-Interview.
Dabei war Mühlleitner nur zu diesem Einzelstart gekommen, weil Florian Wellbrock auf dieses Rennen zugunsten der längeren Strecken verzichtet hatte. „Henning hat sich sein Rennen souverän eingeteilt und dann gemerkt, dass er noch Reserven hat. Er hat mit seinem Trainer Matt Magee in der Vorbereitung sehr gute Arbeit geleistet“, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn. In der ersten Rennhälfte (1:52,02) war Mühlleitner trotz Startsprung langsamer gewesen als in der zweiten.
Der Magdeburger Lukas Märtens belegte bei seiner Olympiapremiere über dieselbe Distanz in 3:46,30 Rang zwölf. Er ließ sich dabei auch vom gescheiterten Mitfavoriten Danas Rapsys (LTU/Rang 13) irritieren. „Lukas hat viel zu nervös angefangen und dabei zu viel Energie verbraucht“, analysierte Berkhahn. So fehlten dem 19-Jährigen am Ende 62 Hundertstel zum Finaleinzug. Eine Zeit in Nähe seiner Bestzeit hätte dazu locker gereicht. „Ich habe mich nie getraut, so richtig in die Wand zu schwimmen. Die Wenden waren nicht so wie ich sie mir vorgestellt hatte, das war ein Knackpunkt“, sagte Märtens, der noch zwei weitere Einzelstarts über 200m und 1500m Freistil hat.
Mit persönlicher Bestzeit über 100m Brust zog anschließend aber Lucas Matzerath in 59,40 Sekunden als Elfter der Vorläufe in das Halbfinale am Sonntag ein. Mit dieser starken Zeit war der Frankfurter sogar noch neun Hundertstel schneller als Fabian Schwingenschlögl (59,49/Rang 14) im Lauf danach. Der Neckarsulmer hatte in diesem Jahr den deutschen Rekord auf 58,95 verbessert. Beide DSV-Starter haben damit Chancen auf das Finale am Montag, in das die schnellsten Acht der Halbfinals einziehen. Vorlaufschnellster war mit Adam Peaty (GBR/57,56 Sekunden) der Olympiasieger von 2016. „Ich bin zufrieden mit der Zeit, das war um zwei Hundertstel eine neue Bestzeit. Ich werde jetzt erstmal mit meinem Trainer (Mark Jayasundara, Anm. d. Red.) nochmal Rücksprache halten, wo ich renntaktisch noch etwas verbessern kann und dann sollte noch was drin sein. Nach den Trainingsleistungen sollte es da noch ein bisschen Luft nach oben geben“, sagte Matzerath. Auch Schwingenschlögl sah noch Steigerungspotenzial. „Bei meinem ersten Rennen bei Olympia musste erst einmal die Aufregung etwas raus, ein paar Details kann ich noch besser machen. Aber wenn ich Start und Wende im Halbfinale hinkriege, dann bewege ich mich im Bereich der Bestzeit, dann ist alles drin“, sagte der 29-Jährige.
Als erster DSV-Starter war an diesem Samstag Jacob Heidtmann in den Pool des Tokyo Aquatics Centre gesprungen. Über 400m Lagen blieb er in 4:12,09 Minuten nur eine Hundertstelsekunde über seinem deutschen Rekord und belegte damit den zwölften Platz. „Ich hatte richtig Bock darauf, die Show hier zu eröffnen. Ich hätte es gerne noch ein bisschen besser gemacht fürs Team. Wir sind alle richtig gut drauf und ein richtig gutes Team, wir haben einige heiße Eisen im Feuer. Ich hoffe, ich habe den Druck jetzt ein bisschen weggenommen von den anderen, dass die hier Spaß haben können und richtig aufschwimmen“, erklärte der Elmshorner am ZDF-Mikrofon. „Offiziell war das die zweitschnellste Zeit jemals von mir, von daher ist es ganz gut. Ich fühle mich aber in einer Form, in der ich eigentlich noch schneller schwimmen sollte.“ Darauf hofft er bereits am Sonntag im Vorlauf über 200m Freistil (ab 12:00 MESZ).
Das Finale verpasst hat die Staffel über 4x100m Freistil der Frauen. In 3:39,33 Minuten belegten Lisa Höpink (54,83 Sekunden), Annika Bruhn (54,33), Marie Pietruschka (55,31) und Hannah Küchler (54,86) Rang 13, zum Finaleinzug fehlten vier Sekunden. Vorlaufschnellste waren die Australierinnen (3:31,73).
DOSB nominiert acht Wasserspringer*innen für das Team Deutschland
Anfang Mai weilten die besten deutschen Wasserspringer*innen zum Weltcup schon einmal in Tokio. Im Juli treten sie nun erneut die Reise nach Japan an. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat fünfeinhalb Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele (23. Juli - 08. August) weitere 94 Sportler*innen offiziell in seine Olympiamannschaft berufen. Auf Beschluss des DOSB-Vorstandes wurden am Dienstag auch acht Springer*innen des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) für das Team Deutschland nominiert.
Wieder dabei ist erwartungsgemäß Patrick Hausding. 2016 holte der Berliner mit Bronze vom 3m-Brett das einzige Edelmetall für den DSV. Der 32-Jährige erlebt in Tokio bereits seine vierten Olympischen Spiele und zugleich seine letzten – der Rekordeuropameister (17 Titel) hat angekündigt, dass er in Paris 2024 nicht noch einmal antreten wird. Eine weitere Olympiamedaille in Tokio wäre nun die Krönung seiner erfolgreichen Karriere.
Bei Elena Wassen erfolgte die Nominierung wie bei allen Beckenschwimmer*innen unter dem Vorbehalt der Zuteilung des Quotenplatzes durch den Weltverband FINA. Die Berlinerin war beim Weltcup 13. geworden – die FINA hat vorerst aber nur den besten Zwölf einen Quotenplatz zugesprochen, da weiterhin offen ist, wie die Ergebnisse einiger Kontinentalmeisterschaften gewertet werden. „Die Entscheidung fällt vermutlich bis Ende des Monats. Ich bin mir zu 99,9 Prozent sicher, dass wir auch diesen Platz noch bekommen“, sagte der Leistungssportdirektor und Chef-Bundestrainer Wasserspringen Lutz Buschkow.
Ob Jaden Eikermann im Juli bei seinen ersten Sommerspielen starten darf, wird erst später entschieden. Da der 16-Jährige beim nationalen Qualifikationswettkampf bei den Deutschen Meisterschaften aufgrund einer Verletzung nicht antreten konnte, erfolgt am 29. Juni noch eine Einzelfallentscheidung durch den DOSB. Buschkow ist aber optimistisch: „Ich habe keinen Zweifel, dass das auch für ihn noch klappt.“ Beim Weltcup und bei der EM sprang Eikermann zuletzt jeweils auf Platz sieben und hat auch den geforderten Punktwert für die Olympiaqualifikation erfüllt.
Mit erst 16 Jahren wäre Eikermann der jüngste Olympiastarter des DSV. „Für mich würde damit ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Olympia war schon mein Ziel, seit ich das erste Mal Turmspringen im Fernsehen gesehen habe“, sagt er. Aktuell paukt er neben dem Training noch für die beiden letzten Klausuren des Schuljahres, danach richtet sich der Fokus dann (hoffentlich) ganz auf Tokio.
Damit geht der DSV bei den Sommerspielen im Wasserspringen mit einem Großteil der Mannschaft an den Start, die bereits beim Weltcup und bei den Europameisterschaften in Budapest (HUN) mit Titeln und Medaillen glänzen konnte. Insgesamt ist Deutschland wie schon bei den vergangenen Spielen 2016 in Rio de Janeiro (BRA) in allen vier Einzeldisziplinen sowie in drei der vier Synchronwettbewerbe vertreten. Mit Ausnahme des Kunstspringens vom 3m-Brett der Frauen gehen sogar in fast allen Einzeldisziplinen gleich zwei DSV-Springer*innen ins Rennen.
„Ich vergleiche den Weg zu den Olympischen Spiele gerne mit einer Besteigung des Mount Everest. Nach der erfolgten Olympianominierung sind wir jetzt, bildlich gesprochen, im zweiten Basislager angekommen. In den kommenden Wochen werden wir weiter hart arbeiten, um uns im konditionellen und athletischen Bereich noch einmal zu steigern und die Technik zu optimieren“, erklärt Lutz Buschkow. „Für den Weg zum Gipfel braucht es eine gute Seilschaft, aber wir haben ein starkes Team beisammen, das sich die Nominierung durch die Ergebnisse beim Weltcup, bei der EM und bei den FINALS verdient hat. In Tokio kämpfen unsere Athlet*innen insbesondere in den Synchrondisziplinen um eine Medaille. Aber die Weltspitze ist eng beisammen, da braucht es am Tag des Wettkampfes auch das nötige Quäntchen Glück.“
Für das Becken- und Freiwasserschwimmen erfolgte die Nominierung durch den DOSB bereits Mitte Mai. In diesen Sportarten wurden insgesamt 30 Sportler*innen des DSV in das Team Deutschland berufen.
Die Nominierten im Wasserspringen:
Lena Hentschel (Berliner TSC)
Tina Punzel (Dresdner SC 1898)
Christina Wassen (Berliner TSC)
Elena Wassen (Berliner TSC)*
Timo Barthel (SV Halle)
Patrick Hausding (Berliner TSC)
Lars Rüdiger (Berliner TSC)
Martin Wolfram (Dresdner SC 1898)
*) Diese Athletin wurden aus rein formellen Gründen unter Vorbehalt nominiert (die formelle Bestätigung des Weltverbandes über die Quotenplätze erfolgt erst in den nächsten Tagen)
Olympiastarter Mühlleitner mit Topleistung zum Meistertitel
Zum Abschluss der Deutschen Meisterschaften im Rahmen von „DIE FINALS 2021“ sorgte Olympiateilnehmer Henning Mühlleitner (Neckarsulmer Sport-Union) für einen weiteren sportlichen Höhepunkt in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE). In starken 3:48,39 Minuten holte er sich den Titel über 400m Freistil, auch wenn Oliver Klemet (SG Frankfurt/3:48,81) und Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover/3:50,00) lange gut mithielten. „Das hat Spaß gemacht im Finish. Ich bin ziemlich zufrieden mit der Zeit“, sagte Mühlleitner. Der EM-Dritte von 2018 lobte ausdrücklich auch die junge Konkurrenz. „Wir bauen in der Disziplin Freistil gerade eine gute Breite auf in Deutschland, das ist schon beeindruckend. Und ich glaube, das bringt uns alle nach vorne.“
>> Alle Ergebnisse der DM Schwimmen
Überzeugende Auftritte zeigten am Sonntag auch Annika Bruhn (Neckarsulmer Sport-Union/54,60 Sekunden) und Damian Wierling (SG Essen/49,32) bei ihren Erfolgen über 100m Freistil. „Ich freue mich sehr über den Meistertitel. Ich bin gerade noch voll im Training für Tokio, die Erholung kam erst an den Wettkampftagen. Wenn ich das Rennen gleich am Donnerstag geschwommen wäre, hätte ich mehr Probleme gehabt“, sagte Wierling. Der Sprinter schaute zudem ein wenig über den Beckenrand: „Ich fand es total beeindruckend, bei den FINALS auch mal die Wasserspringer*innen zu sehen. Wir konnten auch Kontakte knüpfen, ich habe am Freitag zum Beispiel mit Timo Barthel das ,Duell der Giganten‘ gemacht, wo wir gegeneinander geschwommen und gesprungen sind, das hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“
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Während sich mit Kathrin Demler (SG Essen) über 200m Schmetterling (2:11,79 Minuten), Nina Kost (SV Nikar Heidelberg) über 50m Rücken (28,48 Sekunden), Lucas Matzerath (SG Frankfurt) über 50m Brust (27,42 Sekunden) und Björn Kammann (AMTV-FTV Hamburg) über 50m Schmetterling (23,98 Sekunden) die Favorit*innen durchsetzten, gab es auch unerwartete Sieger*innen. Marlene Sandberg (SSC Berlin-Reinickendorf) über 800m Freistil (8:45,12 Minuten) und Peter Varjasi (LSV Bayern) über 50m Freistil (22,50 Sekunden) sorgten mit den Erfolgen jedenfalls für Überraschungen.
Über 200m Brust triumphierte Kim Herkle (SV Cannstatt) in 2:27,43 Minuten, Anna Elendt (SG Frankfurt) hatte sich nach Bestzeit im Vorlauf (2:26,89) wieder ins Olympiatraining verabschiedet. Doch das konnte die Freude bei Herkle nicht trüben: „Es war einfach ein Traum, der für mich heute in Erfüllung gegangen ist. Ich wollte schon immer Deutsche Meisterin werden und war dann überglücklich, als ich es auf der Anzeigetafel gesehen habe. Die Goldmedaille wird einen guten Platz finden.“ Die 18-Jährige hatte die Olympiaqualifikation im April denkbar knapp verpasst, will sich davon aber nicht entmutigen lassen: „Ich möchte auf jeden Fall auf die internationale Bühne, mich weiterentwickeln und immer wieder Bestleistungen schwimmen. Mein Vorbild ist Katinka Hosszu, einfach aufgrund ihrer Wettkampfhärte, wie krass sie bei den Lagen schwimmt und wie cool sie so viele Rennen hintereinander meistert.“
Nina Kost und Ramon Klenz mit drei Titeln erfolgreichste Teilnehmer
Ein gutes Vorbild gibt bei diesem Thema auch Ramon Klenz (SG Neukölln) ab. Nach zwei Erfolgen in seiner Paradedisziplin Schmetterling holte sich der Berliner über 200m Lagen mit Bestzeit (2:01,11 Minuten) seinen dritten Titel an diesem Wochenende und stieg damit zum erfolgreichsten DM-Teilnehmer auf. „Ich wollte so viel schwimmen, wie es geht. Wettkampf ist das beste Training und das wollte ich hier nutzen“, sagte Klenz. Dass er nach einer Corona-Infektion und einem Autounfall das Olympiaticket knapp verpasst hatte, hat seiner Motivation offenbar nichts anhaben können. Nur die Heidelbergerin Nina Kost konnte es ihm gleichtun und ebenfalls drei Titel holen.
Die Leistungen des DSV-Teams freuten auch Bundestrainer Hannes Vitense. Zufrieden formulierte er seine Meisterschaftsbilanz: „Besonders erfreut haben uns bei diesen Titelkämpfen natürlich die Rekorde und die tolle Entwicklung von Anna Elendt insgesamt, zumal sie den Anschluss zur Weltspitze hier ja ohne gesonderte Vorbereitung heraus erzielt hat. Auch andere Olympiateilnehmer*innen wie Annika Bruhn, Lucas Matzerath oder Henning Mühlleitner haben sich in Berlin prima präsentiert. Genauso positiv finde ich aber auch, dass sich mit Leonie Märtens, Timo Sorgius, Zoe Vogelmann oder Sven Schwarz auch Talente in den vorderen Reihen gezeigt haben, die wir für Paris 2024 und Los Angeles 2028 entwickeln wollen. Die positiven Erfahrungen bei den FINALS werden sicher sehr motivierend wirken für ihre internationalen Einsätze.“
Starkes DM-Finale durch Turm-Duo Hausding/Barthel
Deutsche Meistertitel hat Patrick Hausding (Berliner TSC) in seiner Karriere reihenweise gesammelt, mittlerweile sind es 47. Die Goldmedaille am Schlusstag der Deutschen Meisterschaften in Berlin im Turm-Synchronspringen mit Timo Barthel (SV Halle) war in dieser Disziplin aber auch für ihn die erste seit 2011. Nachdem er mit seinem früheren Partner Sascha Klein ein Jahrzehnt lang in der Weltspitze mitgemischt hatte, war Hausding nach dessen Rücktritt 2016 nicht mehr im Synchronspringen vom Turm angetreten. Erst im vergangenen Herbst fand er mit Barthel einen neuen Partner an seiner Seite, mit dem er seither immer besser harmoniert.
Bei der EM in Budapest (HUN) hatte das Paar Bronze geholt. In Berlin überboten sie das dortige Ergebnis jetzt sogar noch: Schon die 428,10 Punkte aus dem Vorkampf bedeuteten persönliche Bestleistung, die sie im Finale auf 436,62 Punkte weiter ausbauen konnten. „Wir sind sehr zufrieden“, meinte Hausding. „Wir haben eine kurze Turmkarriere bis jetzt, das war erst unser dritter richtiger Wettkampf zusammen. Ich habe mit beiden Synchronpartnern und im Einzel neue Bestleistungen erreicht. Deswegen waren es für mich tolle FINALS.“
Barthel hatte in dieser Woche schon das Einzel vom Turm mit einer starken Leistung gewonnen. „Für mich war es ein schönes Gefühl, mal an der Seite von Patrick Hausding zu springen. Es ist schade, dass es mit Olympia nicht geklappt hat, aber wir haben noch die Hoffnung, dass wir als Reservist einspringen können“, sagte er. Beim Weltcup in Tokio (JPN) hatte das Paar den Quotenplatz für die Sommerspiele (23. Juli - 08. August) minimal verpasst. Es ist jedoch die einzige Disziplin im Wasserspringen, bei der Deutschland in Tokio nicht vertreten ist. „Ich würde alles geben, um den Weltcup nochmal zu springen. Mir haben noch ein bis zwei Wochen gefehlt, um die Sprünge öfter durchzuführen und öfter zu springen. Perfekt wäre es gewesen, wenn die Europameisterschaften vor dem Weltcup gewesen wären. Aber ich bin froh, dass ich es im Einzel geschafft habe“, sagte Barthel.
Silber ging an Tom Waldsteiner (Berliner TSC) und Ludwig Schäl (Dresdner SC 1898) mit 373,29 Punkten. Für sie geht es als nächstes zur Junior*innen-EM in Rijeka (CRO/21. - 27. Juni). Insgesamt waren in dieser anspruchsvollen Disziplin nur zwei Paare am Start.
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Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow zog nach Abschluss der Titelkämpfe ein positives Fazit. „Was die Wasserspringer*innen hier gezeigt haben, ist herausragend“, sagte er. „Die Sportler*innen haben nach einem so langen Trainings- und Wettkampfrhythmus mit Weltcup, EM in Budapest und jetzt den FINALS und trotz geringer Regenerationszeiten eine enorme Leistungsfähigkeit bewiesen. Das stimmt uns optimistisch für Tokio und die weitere Olympiavorbereitung. Wir sind in bestimmten Disziplinen dicht dran am Podium. Wenn wir dieses Niveau halten, vielleicht sogar noch besser werden, und das Quäntchen Glück haben, sieht es für Olympia positiv aus. Wir haben eine starke Mannschaft, die wir dem DOSB vorschlagen werden.“ Der Deutsche Olympische Sportbund will das Team am 15. Juni offiziell nominieren.
Diese Athlet*innen sind zur Nominierung vorgeschlagen:
3m-Brett Frauen: Tina Punzel (Dresdner SC 1898)
3m Synchronspringen Frauen: Tina Punzel, Lena Hentschel (Berliner TSC)
Turmspringen: Elena Wassen, Christina Wassen (beide Berliner TSC)
Turm-Synchronspringen: Tina Punzel, Christina Wassen
3m-Brett Männer: Patrick Hausding (Berliner TSC), Martin Wolfram (Dresdner SC 1898)
3m Synchronspringen Männer: Patrick Hausding, Lars Rüdiger (Berliner TSC)
Turmspringen: Timo Barthel (SV Halle), Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen)
Offen war zuletzt noch die Nominierung des zweiten Einzelspringers vom Turm. Jaden Eikermann hatte sich beim Weltcup und bei den Europameisterschaften zuletzt stark präsentiert, sich jetzt in Berlin jedoch bereits im Vorkampf verletzt. „Jaden hat eine sehr gute Leistung beim Weltcup gezeigt. Er hat dort im Halbfinale einen sehr guten fünften Platz belegt und dabei die Olympianominierungs-Punktzahl deutlich überboten. Im Finale war er ebenfalls unter den Top Sieben der Welt und hat damit seine Leistungsfähigkeit international dokumentiert. Die anderen haben diese Kriterien bei den Deutschen Meisterschaften nicht erfüllt, so dass der Vorschlag für Jaden Eikermann als zweiten Turmspringer im Einvernehmen erfolgt ist“, erklärte Buschkow. Der Teenager wäre in Tokio mit seinen erst 16 Jahren der jüngste Olympiastarter des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV).
Favoritensieg für Punzel, Überraschung im 3m-Synchronspringen
Schon bei den jüngst zu Ende gegangenen Europameisterschaften in Budapest (HUN) waren Tina Punzel (Dresdner SC 1898) und Patrick Hausding (Berliner TSC) die prägenden Personen im Lager der deutschen Wasserspringer*innen. Auch am vierten Tag der Deutschen Meisterschaften in Berlin im Rahmen von „DIE FINALS 2021“ drückten sie den Wettkämpfen ihren Stempel auf – allerdings auf ganz unterschiedliche Art und Weise.
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Punzel siegte vom 3m-Brett mit 335,35 Punkten vor EM-Finalistin Lena Hentschel (Berliner TSC/300,65) und Julia Deng (SV Neptun Aachen/290,25) und präsentierte sich dabei in allen fünf Runden äußerst stabil. Bereits im Vorkampf am Donnerstag hatte die 25-Jährige mit 332,25 Punkten ihr Ergebnis aus Budapest (330,85) übertroffen und setzte dann am Freitag im Finale noch einen drauf. Mit ihrem sechsten DM-Titel vom 3m-Brett machte sie in dieser Disziplin das halbe Dutzend voll. „Der Titel ist verbunden mit der Olympiaqualifikation. Ich habe dreimal die Nominierungskriterien erfüllt, deswegen ist er besonders wertvoll. Als Europameisterin zu einer Deutschen Meisterschaft anzureisen, ist ein gutes Gefühl. Ich habe nochmal alles gegeben und bin sehr zufrieden.“
Den einzigen Quotenplatz in dieser Disziplin für die Olympischen Spiele in Tokio (JPN/23. Juli - 08. August) hatte Punzel als Zehnte der WM 2019 in Gwangju (KOR) schon frühzeitig gesichert und in den vergangenen Wochen dann keinen Zweifel daran gelassen, dass sie auch das personalisierte Ticket für sich beanspruchen wollte. Das ist ihr eindrucksvoll gelungen, vorbehaltlich der Bestätigung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der in allen Nominierungsfragen stets die letzte Entscheidung hat. „So langsam geht der Blick in Richtung Tokio“, sagte sie. „Nach den FINALS gibt es für uns keinen Wettkampf mehr, der nächste sind die Olympischen Spiele. Ich habe am 3m-Finaltag Geburtstag und möchte mir selbst das Geschenk machen, dort im Finale zu springen.
Wolfram/Wesemann holen Gold, Hausding/Rüdiger das Olympiaticket
Dagegen musste sich Patrick Hausding mit seinem Partner Lars Rüdiger (Berliner TSC) im 3m-Synchronspringen mit Bronze begnügen. Die beiden Europameister lagen am Ende mit 391,29 Punkten hinter den Siegern Martin Wolfram (Dresdner SC 1898) und Moritz Wesemann (SV Neptun Aachen), die auf 424,38 Punkte kamen, sowie Patrick Kreisel und Lou Massenberg (Berliner TSC) mit 396,18 Punkten.
Den Vorkampf am Donnerstag hatten Hausding und Rüdiger noch gewonnen und dabei mit 443,04 Punkten ihre bisherige Bestleistung um knapp zehn Punkte verbessert. Auch im Finale lagen sie in den ersten drei Runden voll auf Kurs, sich sogar nochmal zu steigern. Doch dann rutschte Hausding beim 3,5-fachen Auerbachsalto mit einem Bein aus der Hocke, geriet dadurch ins Trudeln und klatschte ins Wasser. „Wenn man nur noch ein Bein in der Hand hat, ist es normal, dass man aus der Achse fliegt und es einen völlig auseinanderzieht durch die Kräfte, die da wirken“, meinte er. „Das ist mir bei dem Sprung das letzte Mal vor zwölf Jahren passiert. Das ist natürlich etwas unglücklich, dass es jetzt genau im Live-Fernsehen zur Olympiaqualifikation im Finale passieren muss, aber so ist es eben. Am Ende ist ja alles gut gegangen: Wir haben zum Glück aus dem Vorkampf einen Riesenvorsprung mitgenommen und deshalb unsere Olympiaquali geschafft“, so Hausding.
Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow erläuterte: „Den Vorkampf hatten Hausding/Rüdiger mit 73 Punkten Vorsprung gewonnen und die Olympianorm erfüllt. Im Finale haben dann auch Wolfram/Wesemann die Norm erfüllt, aber in der Summation von Vorkampf und Finale liegen Hausding/Rüdiger mit 834 zu 794 Punkten vorn und haben dadurch das Ticket gelöst.“ Buschkow lobte aber auch den Auftritt des Sieger-Duos: „Das ist ein Paar, das sehr gut aussieht. Es ist immer schön, wenn man zwei starke Paare hat. Wobei man nicht vergessen darf, dass auch Kreisel/Massenberg fast die Olympianorm erfüllt haben. Das war auch sehr stark.“
Martin Wolfram und Moritz Wesemann hatten vor diesen Titelkämpfen erst einen Wettkampf zusammen bestritten – beim DSV-Kürpokal hatten sie 2019 ebenfalls gewonnen. „Der Titel kam unerwartet. Mit so einem starken Paar wie Hausding/Rüdiger ist immer damit zu rechnen, dass sie hier Gold holen. Dass wir uns hier durchsetzen konnten, ist eine große Freude für uns“, sagte Wolfram. „Ich denke, wir haben großes Potenzial noch mehr zu zeigen. Durch Corona waren wir nicht in der Lage, uns international vorzustellen, aber das können wir gut nachholen.“
