Website-Suche
Ihre Suchergebnisse:
Timo Barthel und Moritz Wesemann springen mit dem letzten Versuch zu EM-Gold
Die Synchronwettbewerbe vom 3m-Brett sind bei der EM im Wasserspringen in Belek (TUR) fest in deutscher Hand. Nach dem Erfolg im Mixed durch Lena Hentschel und Luis Avila Sanchez (beide Berliner TSC) am Freitag durften sich einen Tag später auch Moritz Wesemann und Timo Barthel (beide SV Halle) als Europameister feiern lassen.
Die Hallenser setzen sich in einem spannenden Wettkampf mit 389,58 Punkten vor Lorenzo Marsaglia und Giovanni Tocci aus Italien (386,70) und den beiden Briten Leon Baker und Hugo Thomas (383,25) durch. Außerdem gewann Pauline Pfeif (Berliner TSC) am Samstag noch Silber im Turmspringen.
Sogar der Problemsprung sitzt an diesem goldenen Tag bei Barthel/Wesemann
„Wir wussten, dass wir hier die schwerste Serie im Feld haben, und dass es, wenn wir das abrufen, was wir können, der Titel sein muss. Deswegen war der Druck, den wir uns gemacht haben, auch sehr hoch“, sagte Barthel. Anfangs trat das deutsche Paar aber sehr souverän auf und lag zur Halbzeit des Wettkampfs entsprechend in Führung.
>> Alle Ergebnisse der EM Wasserspringen
Der Auerbach gelang danach aber nicht so gut, so dass Italien Platz eins übernahm – Deutschland rutschte auf Rang vier zurück. In den letzten beiden Runden wechselte die Führung dann hin und her. Erst schoben sich die Briten nach vorne, bevor Barthel und Wesemann im letzten Versuch mit ihrem 4,5-fachen Salto vorwärts an allen Konkurrenten vorbei zu Gold sprangen. „Das ist mein schwierigster Sprung, der im Training so oft schiefgegangen ist. Wir hatten sogar überlegt, ob wir ihn weglassen. Aber heute beim Einspringen ist er erste Mal richtig gut gegangen, das hat mir Selbstvertrauen gegeben. Da wusste ich, dass wir es schaffen“, sagte Barthel. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass Moritz mir das Vertrauen geschenkt hat und mich immer weiter pusht. Es ist eine große Ehre, mit einem der besten Drei-Meter-Springer der Welt Synchron springen zu dürfen.“
Pauline Pfeif feiert nach starkem Comeback die Silbermedaille
Für die Wasserspringer*innen des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) gab es damit in Belek bisher an jedem Tag Edelmetall – bis jetzt zweimal Gold und zweimal Silber. Das DSV-Team ist damit schon jetzt erfolgreicher als bei der EM 2024, wo es insgesamt drei Medaillen (0-1-2) gab. In Belgrad (SRB) hatten die Top-Leute des DSV aufgrund der Olympiavorbereitung damals allerdings geschlossen auf die EM-Teilnahme verzichtet.
Zu dem bislang so erfolgreichen deutschen Abschneiden in der Türkei trug am Samstag auch Pauline Pfeif mit ihrer Silbermedaille vom Turm bei. Mit 319,45 Punkten lag sie am Ende nur knapp hinter der neuen Europameisterin Sarah Jodoin di Maria aus Italien (324,85), Bronze holte Else Praasterink (NED/312,10). Dabei war der Start in den Wettkampf für Pfeif denkbar schlecht geraten. Beim 3,5-fachen Vorwärtssalto patzte die Berlinerin und lag nach dem ersten Durchgang nur auf dem elften und damit vorletzten Platz.
Es blieb jedoch ihr einziger Fehler an diesem Nachmittag. In der Folge fand die 23-Jährige immer besser ihren Rhythmus und schob sich mit jeder Runde weiter nach vorne. Nach vier Versuchen lag sie als Dritte erstmals auf einem Podestplatz, mit dem letzten Sprung kletterte sie sogar noch einen Platz weiter nach oben. „Das war sehr aufregend. Pauline konnte im Vorkampf nicht annähernd das zeigen, was sie eigentlich draufhat. Im Finale ging dann der erste Sprung in die Hose, vielleicht hatte sie da zu viel Wettkampfadrenalin. Aber wir wussten, dass auch mit vier sehr guten Sprüngen eine Medaille möglich. Sie hat stark gekämpft und ist hier verdient Vizeeuropameisterin geworden“, sagte Chef-Bundestrainer Christoph Bohm, der zugleich ihr Heimtrainer ist. „Das war ihre erste Einzelmedaille, die ist was ganz Besonderes. Ich bin sehr stolz auf sie.“
DSV nominiert Teams für die EM und WM im Wasserspringen
Für die besten deutschen Wasserspringer*innen geht es in dieser Saison Schlag auf Schlag. Gerade erst sind die Internationalen Deutschen Sommermeisterschaften in Rostock in den Büchern, da geht es für sie auch schon weiter zu den Europameisterschaften vom 22. – 28. Mai in Belek (TUR). Höhepunkt des Sommers ist dann die WM in Singapur (11. Juli – 03. August).
Im Anschluss an die Deutschen Meisterschaften hat der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) nun für beide internationalen Titelkämpfe seine Aufgebote nominiert. Bei der EM ist der DSV mit neun Aktiven vertreten – vier Frauen und fünf Männer. Bei den Weltmeisterschaften ist mit dann sechs Männern und vier Frauen sogar noch eine Person mehr am Start. Angeführt werden die Teams jeweils von den Olympiastarter*innen Lena Hentschel, Pauline Pfeif (beide Berliner TSC) und Jette Müller (WSC Rostock) sowie Timo Barthel und Moritz Wesemann (beide SV Halle), die allesamt bei beiden Meisterschaften mit dabei sind. Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen) als weiterer Teilnehmer der Spiele von Paris (FRA) wird aus terminlichen Gründen nur bei der WM an den Start gehen. Mit Ole Rösler (WSC Rostock) feiert ein junger Turmspringer sein Debüt im DSV-Team: Der 17 Jahre alte Rostocker ist in Belek erstmals bei einer internationalen Meisterschaft der offenen Klasse für Deutschland am Start und darf sich später in Singapur auch auf seine WM-Premiere freuen.
„Bei den Deutschen Meisterschaften in Rostock haben wir von den Aktiven der Nationalmannschaft gute bis sehr gute Leistungen gesehen. An die dort gezeigten Ergebnisse wollen wir bei der EM und WM anknüpfen. Ganz besonders freue ich mich, dass gleich zu Beginn des neuen Olympiazyklus‘ mit Ole Rösler, Espen Prenzyna, Carolina Coordes und Luis Avila Sanchez auch einige jüngere Athlet*innen mit starken Auftritten den Sprung ins Team geschafft haben“, sagte Chef-Bundestrainer Christoph Bohm.
Das DSV-Aufgebot für die EM:
Frauen:
Carolina Coordes (Berliner TSC): Turm-Synchron
Lena Hentschel (Berliner TSC): 1m, 3m, 3m-Synchron, 3m-Mixed-Synchron, Team-Event
Jette Müller (WSC Rostock): 3m, 3m-Synchron
Pauline Pfeif (Berliner TSC): Turm, Turm-Synchron, Turm-Mixed-Synchron, Team-Event
Männer:
Luis Avila Sanchez (Berliner TSC): Turm, 3m-Mixed-Synchron
Timo Barthel (SV Halle): 3m, 3m-Synchron
Espen Prenzyna (WSC Rostock): Turm-Synchron
Ole Rösler (WSC Rostock): Turm, Turm-Synchron, Turm-Mixed-Synchron, Team-Event
Moritz Wesemann (SV Halle): 1m, 3m, 3m-Synchron, Team-Event
Das DSV-Aufgebot für die WM:
Frauen:
Carolina Coordes (Berliner TSC): Turm-Synchron
Lena Hentschel (Berliner TSC): 1m, 3m, 3m-Synchron, 3m-Mixed-Synchron
Jette Müller (WSC Rostock): 3m, 3m-Synchron
Pauline Pfeif (Berliner TSC): Turm, Turm-Synchron
Männer:
Luis Avila Sanchez (Berliner TSC): Turm-Synchron, 3m-Mixed-Synchron
Timo Barthel (SV Halle): 3m, 3m-Synchron
Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen): Turm, Turm-Synchron
Lou Massenberg (Berliner TSC): 1m
Ole Rösler (WSC Rostock): Turm
Moritz Wesemann (SV Halle): 1m, 3m, 3m-Synchron
Anmerkung: Die Besetzung des Team-Events wird für die WM erst vor Ort entschieden.
WM- und EM-Starter Ole Rösler auch Teil des JEM-Teams
Für Ole Rösler, der bei der DM in Rostock zuletzt mit so starken Sprüngen vom Turm und mehrfach der Traumnote 10,0 geglänzt hatte, stehen in diesem Sommer sogar drei internationale Höhepunkte auf dem Programm. Denn der Rostocker gehört auch zum Aufgebot des DSV für die Europameisterschaften der Junior*innen vom 23. – 29. Juni in Athen (GRE). Mit Vereinskollege Finn Awe ist in der griechischen Hauptstadt auch ein zweifacher Juniorenweltmeister des Vorjahres am Start. Im vergangenen Jahr hatte der deutsche Nachwuchs bei der JEM zehn Medaillen (4/1/5) gewonnen – so viele wie seit 2015 nicht mehr.
Das DSV-Aufgebot für die JEM:
Weibliche Jugend A:
Jule Eisenberg, Charlotte Lederer (beide SC DHfK Leipzig), Nina Berger (SV Neptun Aachen), Emily Deml (SV Halle), Zoé Schneider (WSC Rostock), Mathilda Wendland (Berliner TSC)
Weibliche Jugend B:
Jella Kiphut (WSC Rostock)
Männliche Jugend A:
Finn Awe, Mahi Gruchow, Iven Prenzyna, Ole Rösler (alle WSC Rostock), Tim Kungel, Max Otto (beide Berliner TSC)
Männliche Jugend B:
Louis Aaron Förster (SC DHfK Leipzig), Anton Taubert (Dresdner SC 1898)
Trotz Fieber: Synchronpaar Wesemann/Barthel springen bei der DM zu Gold
Bereits im Vorfeld der Internationalen Deutschen Sommermeisterschaften im Wasserspringen in Rostock hatte Chef-Bundestrainer Christoph Bohm die Männer-Disziplinen als die mit der größten Spannung vorhergesagt. Seine Prognose sollte sich auch am zweiten Tag der Titelkämpfe bewahrheiten. Denn wie schon am Vortag vom Turm erfüllten auch beim 3m-Synchronspringen gleich zwei Paare die Norm des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) für die Weltmeisterschaften in Singapur (11. Juli – 03. August).
Sowohl Moritz Wesemann und Timo Barthel (beide SV Halle) als auch Lou Massenberg (Berliner TSC) und Jonathan Schauer (SV Halle) lagen über dem vom Verband geforderten Richtwert von genau 400,00 Punkten. Am Ende setzten sich Wesemann/Barthel mit 429,51 zu 414,39 gegen ihre Konkurrenten durch und sicherten sich damit das WM-Ticket. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Wesemann. „Unsere Synchronität war heute sehr gut, besser noch als im Training.“ Schon im Vorkampf hatte das Paar mit 405,36 die Norm übertroffen und konnte seine Punktzahl am Nachmittag noch einmal steigern – auch dank einer leicht veränderten Sprungserie. „Wir haben fünf Sprünge zur Auswahl für vier Kürdurchgänge und müssen einfach schauen, was am meisten Punkte bringt“, erklärte Wesemann. Im Finale zeigten sie deshalb den 3,5-fachen Auerbach- anstelle des Delfinsaltos. „Den kann Timo einfach unfassbar gut“, so der 23-Jährige.
>> Alle Ergebnisse der DM Wasserspringen
Barthel wiederum war nach dem starken Finalauftritt „einfach nur erleichtert“. Der Olympia-Sechste im Turmspringen war nach den Spielen zurück aufs Brett gewechselt, nach mehreren Operationen im Winter fehlt ihm dort allerdings noch die Routine. In den Tagen vor der DM war er zudem krank, hatte sogar Fieber. „Trotzdem wollte ich gestern unbedingt vom 1m-Brett springen, um in den Rhythmus zu kommen. Aber da lief es gar nicht, das hat mich nur noch mehr verunsichert für heute“, sagte er. Rechtzeitig zur Entscheidung war er dann aber wieder auf den Punkt topfit.
WM-Ticket mit Bestpunktzahl für die Olympia-Sechsten Hentschel/Müller
Für Moritz Wesemann war es bereits das zweite Gold der diesjährigen Wettbewerbe, er hatte am Mittwoch auch schon im Einzel vom 1m-Brett triumphiert. Gleiches gilt bei den Frauen für Lena Hentschel (Berliner TSC), die ihr Titelkonto am zweiten Tag ebenfalls weiter aufstockte.
Im 3m-Synchronspringen siegte sie an der Seite von Jette Müller (WSC Rostock) mit 317,91 Punkten und großem Vorsprung vor Julina Schnabel und Frieda Hoffmann (beide SC DHfK Leipzig/229,29). Auch die beiden Olympia-Sechsten von Paris (FRA) erfüllten damit deutlich die WM-Norm (295,00) und sammelten sogar so viele Punkte wie noch nie zusammen.
„Wir haben heute auch gemerkt, wie das ganze Team hinter uns stand."
Im Vorkampf hatten sie noch knapp unter der Norm gelegen, vor allem der 3,5-fache Salto vorwärts war dort nicht optimal gelungen. „Das ist der Sprung, mit dem ich am meisten Schwierigkeiten habe, deshalb bin ich wirklich froh, dass er im Finale dann so gut geklappt hat“, sagte Müller. „Der Druck war da“, meinte auch Hentschel. „Aber wir haben nach dem Vorkampf nochmal eine Schippe draufgelegt und das zusammen hinbekommen.“ Mit dem WM-Ticket in der Tasche falle jetzt ein großer Stein vom Herzen. „Wir haben heute auch gemerkt, wie das ganze Team hinter uns stand. Das hat sich angefühlt, als wenn wir nicht alleine auf dem Brett stehen, und hat uns nochmal zusätzlich gepusht“, so die Berlinerin.
Isabel Gose siegt in Stockholm, auch Lise Seidel erfüllt WM-Norm
Bei den Stockholm Swim Open setzen die deutschen Schwimm-Asse weiterhin Ausrufezeichen. Am Montag feierte Isabel Gose (SC Magdeburg) über 400m Freistil bereits ihren zweiten Sieg in Schweden, mit 4:04,95 Minuten lieferte die Olympiadritte über 1500m Freistil dabei wie schon über ihre Paradestrecke am Samstag (15:58,17) eine absolute Weltklassezeit ab. Auch die vom Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) geforderte Normzeit für die Weltmeisterschaften im Juli in Singapur (4:08,70) hat Gose damit bereits deutlich unterboten, obwohl der Formaufbau erst bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin (01. – 04. Mai) die schnellsten Rennen in diesem Frühjahr vorsieht. „Im Vorlauf lief es noch nicht so rund, dafür aber Nachmittag. Das Finale war technisch noch besser als bei den 1500 Metern, und eine Zeit unter 4:05 stimmt mich sehr zufrieden“, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn.
Isabel Gose live in Berlin sehen: Jetzt DM-Tickets sichern
Mit der WM-Reise nach Asien kann auch Nachwuchshoffnung Lise Seidel planen. Die 18-Jährige vom SC Chemnitz belegte über 200m Rücken in 2:11,23 Minuten den dritten Rang, am Vormittag war sie sogar noch drei Hundertstel schneller gewesen. Die WM-Norm (2:11,50) hat die Schülerin damit bereits unterboten. „Das hat sich viel besser angefühlt als gestern, bei den 100 Metern war ich da noch etwas verkrampft“, sagte Seidel. „Natürlich habe ich mit der WM etwas geliebäugelt. Jetzt habe es geschafft, aber ich werde in den nächsten Wochen nun auch noch um Staffelplätze kämpfen.“ Und zwar im Freistil und im Rücken für die Lagenstaffel, Seidel ist in beiden Schwimmarten talentiert.
„Davon träumt man natürlich, dass gleich der erste Schuss sitzt“, meinte auch der Chemnitzer Trainer Steven Krüger. Zumal Seidel damit eine idealtypische Entwicklung vollzieht und im Anschluss an eine erfolgreiche JEM-Teilnahme mit mehreren Medaillen nun sofort den Sprung in die Nationalmannschaft vollzieht. „Lise war seit dem SMK (Schwimmerischer Mehrkampf, Anm. d. Red.) immer in Medaillennähe, aber nie mit Altersklassenrekorden aufgefallen. Sie hat sich linear immer mehr nach vorn geschoben und ist nun dort, wo wir jetzt auch sein wollten.“
Schnelle Freistilsprints von Köhler und Salchow
Nur noch ein Zehntel zum WM-Ticket fehlt Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg). Der deutsche Rekordhalter wurde in 48,30 Sekunden Zweiter über 100m Freistil, nur der Olympiazweite Kyle Chalmers (AUS/48,03) war schneller. „Ich bin überrascht, wie schnell es schon geht. Ich bin hier aus dem Training heraus geschwommen. Das stimmt optimistisch für die Rennen in Berlin“, sagte der Olympiasechste, der nach den Spielen von Paris (FRA) eine längere Trainingspause einlegte. Auch Martin Wrede (Waspo 98 Hannover), der nach 49,48 auf Rang sechs einkam, wird sich bis zu den nationalen Titelkämpfen Anfang Mai sicher noch steigern können.
Alle Ergebnisse der Stockholm Swim Open
Nach seinem Weltrekord über 400m Freistil und bisher schon zwei Siegen in Stockholm startete Lukas Märtens (SC Magdeburg) am Montag über 100m Rücken und belegte dort in 54,18 Sekunden Rang zwei hinter Ksawery Masiuk (POL/53,09). Vincent Passek (Berliner TSC) kam auf Rang fünf (55,25), Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin) wurde Achter (56,44). „Ich freue mich über meine neue Bestzeit. Mit etwas mehr Ruhe ist sicher eine Zeit unter 54 drin“, meinte Märtens.
Armbruster siegt in Irland
Außerdem gewann Angelina Köhler (SG Neukölln) in 24,82 Sekunden Bronze über 50m Freistil. Zur WM-Norm fehlen der Schmetterlings-Weltmeisterin auf dieser Nebenstrecke dank dieser neuen persönlichen Bestzeit nur noch zwei Hundertstel. Nina Holt (SC Magdeburg) wurde Neunte in 25,22. Auch das verspricht bis zu den Deutschen Meisterschaften in Berlin noch viel Spannung.
Einen deutschen Sieg gab es am Montag aber auch bei den Irish Open Championships in Dublin. Hier siegte Luca Nik Armbruster (SG Neukölln) in 52,38 Sekunden über 100m Schmetterling. Zur WM-Norm für Singapur (51,60) fehlt da auch nicht mehr all zu viel.
Wellbrock mit Weltjahresbestzeit in Stockholm
Nur eine kurze Nacht nach seinem Weltrekord über 400m Freistil zeigte Lukas Märtens schon wieder absolute Weltklasseleistungen. Bei den Swim Open Stockholm siegte der 23-Jährige vom SC Magdeburg am Sonntag auch über 200m Freistil und unterbot dabei in 1:45,55 Minuten die Normzeit (1:46,30) für die Weltmeisterschaften in Singapur (11. Juli – 03. August). Auch im Vorlauf (1:46,03) war ihm das bereits locker und leicht gelungen.
„Wir haben diesmal etwas probiert, nämlich die ersten 150 Meter etwas leichter zu schwimmen. Die letzte Bahn war dann dadurch auch sehr gut, aber vorn dann halt etwas zu langsam“, analysierte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Trotzdem sprang eine starke Zeit heraus, nur Olympiasieger David Popovici (ROU/1:45,07) war weltweit bislang schneller unterwegs in diesem Jahr. Und deswegen kann auch die Staffel des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V (DSV) nun schon fest mit dem WM-Start über die 4x200m planen.
Denn hinter Kieran Smith (USA/1:46,89) kraulten Timo Sorgius (SSG Leipzig) in 1:47,52 auf Rang drei und Jarno Bäschnitt (Team Bochum/1:47,97) auf Rang fünf in Schwedens Hauptstadt, für beide war es jeweils persönliche Bestzeit. Zusammen mit der Vorlaufzeit von Josha Salchow (SV Nikar Heidelberg/1:48,91) wurde so in Addition die DSV-Normzeit (7:09,95) bereits erreicht. Die Entscheidung über die genaue Besetzung, für die intern das Mittel aus Vor- und Endlauf herangezogen wird – fällt letztlich aber erst mit den Deutschen Meisterschaften in Berlin (01. – 04. Mai) als dem ultimativen Höhepunkt der Qualifikation. Dort wird dann auch der WM-Fünfte Rafael Miroslaw (SG HT16 Hamburg) in den Konkurrenzkampf eingreifen.
Alle Ergebnisse der Stockholm Swim Open
Auf den 1500m Freistil belegten gleich fünf Deutsche die ersten Plätze. Den Sieg sicherte sich in souveräner Manier Florian Wellbrock (SC Magdeburg) mit der Weltjahresbestzeit von 14:38,27 Minuten vor Oliver Klemet (SG Frankfurt/14:43,01). Unter der WM-Norm blieb auch der drittplatzierte Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover/14:52,62). Allerdings sind nur zwei WM-Startplätze zu vergeben. Das verspricht weitere spannende Rennen auf den Langstrecken in den kommenden Wochen. „Florian ist die letzten 500 Meter fantastisch geschwommen, vorher hat ihn Oliver aber auch angestachelt. Mal sehen, ob seine Bestzeit nun auch zum WM-Ticket reicht. Sven steigert sich bekanntlich immer noch“, so Berkhahn.
Dass in knapp drei Wochen in Berlin auch auf weiteren Strecken ein besonderes Feuerwerk des Schwimmsports zu erwarten ist, zeigt auch die starke Form der anderen deutschen Stars. Weltmeisterin Angelina Köhler flog in Stockholm zum Sieg über 100m Schmetterling und unterbot dabei in 56,93 Sekunden erneut die 57er-Marke. Die 24-Jährige von der SG Neukölln ist als Olympiavierte für die WM bereits gesetzt und probiert daher im Frühjahr ebenfalls einige neue Dinge aus. „Das hat Angelina sehr gut gemacht, diese Zeit kann sich sehen lassen“, lobte ihr Trainer Lasse Frank. „Stockholm bestreitet sie noch aus dem Training heraus, in Richtung Berlin wird sie dann immer ausgeruhter sein.“
Gold in Schweden sicherte sich auch Lucas Matzerath (SG Frankfurt) über 100m Brust in 1:00,35 Minuten. Dem Olympiafünften fehlen damit noch 65 Hundertstel zur WM-Norm. Im direkten Duell mit Melvin Imoudu (Potsdamer SV) sollte das in Berlin aber eine lösbare Aufgabe sein.
Aber auch jüngere Talente ließen aufhorchen. So belegte Vincent Passek (Berliner TSC/Jahrgang 2006) Rang drei über 50m Rücken und ließ mit persönlicher Bestzeit von 25,11 Sekunden sogar seinen Trainingspartner Ole Braunschweig (SG Neukölln/Fünfter in 25,66) hinter sich. Sieger wurde hier Ksawery Masiuk (POL/24,71). Fünfte über 100m Rücken wurde Lise Seidel (SC Chemnitz), die in 1:01,30 Minuten ihre Bestzeit einstellte und damit zeigte, dass sie in diesem Jahr um den Platz in der Lagenstaffel mitkämpfen wird. „Das sind schon richtig gute Leistungen, die Hoffnung machen. Wenn es wirklich alle schaffen, sich bis Berlin zu steigern, wird das richtig gut“, so Berkhahn.
Lukas Märtens krault in Stockholm Weltrekord über 400m Freistil
Im vorigen Sommer verzauberte Lukas Märtens ganz Sportdeutschland mit seinem Olympiasieg in Paris (FRA). An diesem Samstag bestritt der 23-Jährige vom SC Magdeburg nun seinen ersten internationalen Wettkampf seit den Spielen im vergangenen Sommer. Und sorgte bei den Stockholm Swim Open umgehend für den nächsten emotionalen Höhepunkt. In 3:39,96 Minuten blieb Märtens über 400m Freistil nicht nur als erster Mensch überhaupt unter der 3:40-Marke, er verbesserte damit auch den Weltrekord von Paul Biedermann (3:40,07), aufgestellt beim WM-Sieg im Jahr 2009 im damals noch erlaubten Hightechanzug. Dieser reagierte via Instagram denn auch sofort: „Glückwunsch: Was eine krasse Leistung! Ich freue mich, dass der Rekord in Sachsen-Anhalt bleibt.“
Alle Ergebnisse der Stockholm Swim Open
„In Stockholm bin ich vor drei Jahren erstmals in so richtig schnell und damit an die Weltspitze geschwommen, deshalb hat dieser Ort eine besondere Bedeutung für mich. Diesen Pool mag ich seitdem einfach“, sagte Märtens schon vor der Anreise aus Spanien. Dort hatte er zuvor ein dreiwöchiges Höhentrainingslager absolviert. Und mit Bundestrainer Bernd Berkhahn dabei offenbar weitere Möglichkeiten zur Verbesserung gefunden.
„Da ich das WM-Ticket schon sicher habe, kann man auch ein paar Dinge probieren und anders machen als vor Paris, um sich zu verbessern“, hatte Märtens im Videointerview mit germanaquatics.de verraten. Ausgerichtet ist dieses Training eigentlich auf die Deutschen Meisterschaften in Berlin (01. – 04. Mai). Man darf also schon jetzt sehr gespannt sein, was Märtens dann in zwei Wochen in der deutschen Hauptstadt zu leisten im Stande sein wird.
„Als in der Halle vorab meine 3:41 aus dem Jahr 2022 als Videoclip eingespielt wurden, bekam ich Gänsehaut und dachte mir, mach es einfach noch mal so mutig. Schalt den Kopf aus und schieb deinen Rhythmus durchs Rennen. Und nach 200 Metern tat es auch schon ein wenig weh. Doch ich sagte mir, mach einfach weiter. Die letzten Meter waren dann richtig hart, aber ich bin durchgekommen. Die Halle ist förmlich explodiert und ich wusste erst einmal nicht, was abgeht. Bis Olli Klemet zu mir sagte: Du bist Weltrekord geschwommen. Das muss ich erst mal sacken lassen“, so der Weltrekordler. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, am Sonntag stehen bereits die 200m Freistil auf dem Programm.
„Lukas hat sich hier in einen Rausch geschwommen. Mit so einer Zeit konnte man hier eigentlich noch nicht rechnen“, freute sich auch Trainer Berkhahn. „Wir haben im Training vieles umgestellt. Weil Lukas immer schnell auf hohe Laktatwerte kam, haben wir viel im Ausdauerbereich gemacht. Das hat gut angeschlagen, auch wenn wir für diesen Wettkampf die Geschwindigkeit erst wenig angetippt haben und alles auf Berlin ausgerichtet ist. Auch die Anreise verlief etwas holprig, wir kamen erst spät an und konnten hier nicht viel trainieren. Um so mehr freuen wir uns nun aber über diese Zeit.“
In Schweden drückte Märtens wie schon bei seinem Olympiatriumph von Beginn an mutig aufs Tempo. 51,90 lautete die Zwischenzeit bei 100m, zur Rennhälfte wendete er bei 1:47,55. Bei 300m hatte er mit 2:44,01 immer noch rund drei Sekunden Vorsprung auf die Biedermann-Bestmarke, aber dann eben nicht den Auftrieb eines Wunderanzugs.
Hinter Märtens kamen Oliver Klemet (SG Frankfurt/3:43,40) und Florian Wellbrock (SC Magdeburg/3:45,29) auf das Podest, auch sie blieben beide unter der Normzeit für die WM in Singapur (11. Juli – 03. August). Die WM-Qualifikation endet mit den nationalen Titelkämpfen Anfang Mai in Berlin.
Isabel Gose siegt mit neuem Meetingrekord
Ebenfalls bereits stark in Form präsentierte sich Isabel Gose (SC Magdeburg) beim Sieg über 1500m Freistil. In 15:58,17 Minuten setzte sich die Olympiadritte gegen ihre australische Trainingspartnerin Moesha Johnson (AUS/15:58,53) durch und stellte dabei einen Meetingrekord auf. Dritte wurde Celine Rieder (Sport-Union Neckarsulm/16:24,58). Für die WM in Singapur ist Gose auf dieser Strecke bereits gesetzt.
Weitere Podestplätze in Stockholm erkämpften Lise Seidel (SC Chemnitz/1:59,61) und Nina Holt (SC Magdeburg/1:59,71) als Zweite und Dritte über 200m Freistil. Dritter wurde zudem Lucas Matzerath (SG Frankfurt) über 200m Brust (2:12,45).
K.o.-Duelle sollen Weltcup im Wasserspringen noch attraktiver machen
Guadalajara als Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Jalisco ist bekannt für Tequila und Mariachi-Musik, die beide aus dieser Gegend des Landes stammen. Die passenden Zutaten für ein stimmungsvolles Event sind beim Auftakt der neuen Weltcupsaison im Wasserspringen vom 03. – 06. April also gegeben.
Insgesamt sind vom Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) sechs Aktive beim Weltcupstart in Mexiko mit dabei, eine Woche später in Windsor (CAN/10. – 13. April) dann sieben. Ihr Ziel: Fleißig Punkte sammeln für das Super Final in Peking (CHN/02. – 04. Mai). In diesem Jahr lohnt die Qualifikation dafür gleich doppelt. Schließlich erlebt das Weltcupfinale 2025 die Premiere eines neuen, aufregenden Wettkampfformats in den Einzelwettbewerben, durch den das Wasserspringen für das Publikum noch spannender werden soll.
Beim Weltcupfinale werden die K.o.-Duelle erstmals angewendet
Bei den ersten beiden Weltcupstationen in Guadalajara und Windsor wird noch nach dem bekannten Prinzip gesprungen. Die besten Zwölf nach diesen beiden Events qualifizieren sich für das Super Final, wo dann erstmals beim Wasserspringen ein K.o.-System angewandt wird. Das Format für Synchrondisziplinen und das Mixed-Team-Event bleibt unverändert.
Jeder Einzelwettkampf beim Weltcupfinale geht über drei Phasen. In der ersten Phase (Head-to-Head) treten die Athlet*innen in insgesamt sechs Duellen gegeneinander an – jeweils der/die Bestplatzierte aus den beiden ersten Weltcups gegen den/die Zwölfte*n, die Nummer zwei gegen die Nummer elf, und so weiter. Jede*r Springer*in wählt drei beliebige Sprünge aus seiner Sprungliste; wer in den drei Durchgängen mehr Punkte holt, ist eine Runde weiter.
Entscheidungssprung als Tiebreaker bei Punktgleichheit
Im Halbfinale sind somit noch sechs Aktive vertreten, die in zwei Dreiergruppen aufgeteilt werden. Die Punkte aus der ersten Runde werden übernommen. Die Springer*innen führen dann die restlichen Sprünge aus ihrer Serie durch (drei bei den Männern, zwei bei den Frauen), anschließend scheidet der/die Schwächste jeder Gruppe aus. Bei Punktgleichstand entscheidet im Head-to-Head und im Halbfinale ein zusätzlicher Sprung über den Einzug in die nächste Runde.
Vier Sportler*innen erreichen das Finale, das punktemäßig wieder bei Null startet. Dort zeigt noch einmal jede*r Springer*in die komplette Serie (sechs bzw. fünf Versuche), wobei die Athlet*innen zwischen Halbfinale und Finale einen Sprung ändern können. Der/die Punktbeste des Finals gewinnt den Weltcup-Titel. Der gesamte Wettkampf geht an einem Tag innerhalb von circa zwei Stunden über die Bühne.
Im DSV-Team ist man gespannt auf das neue Format. „Es ist gut, dass man sich Gedanken macht, wie man unsere Sportart noch attraktiver gestalten kann“, meint Bundestrainer Christoph Bohm. „Insofern macht das neue Format durchaus Sinn. Man muss ein bisschen pokern und gleich am Anfang seine drei besten Sprünge zeigen, das ist natürlich gut für das Publikum. Andererseits: Wenn man um die halbe Welt fliegt und dann vielleicht bloß drei Sprünge machen kann, weil man gleich am Anfang gegen eine*n Top-Athlet*in antreten muss, ist das schon bitter. Ich sehe das neue Format deshalb mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“
Ähnlich sieht es Olympiastarter Moritz Wesemann, der sagt: „Grundsätzlich ist es cool, dass man mal was Neues ausprobiert, weil man auch strategisch denken muss, wann man welche Sprünge zeigt. Aber die Umsetzung ist nicht so gut, als Zwölfter oder Elfter hat man gegen die Top-Leute vermutlich aus China fast keine Chance.“ Wesemann würde deshalb einen anderen Modus besser finden, bei dem zum Beispiel alle zwölf Springer zunächst drei Sprünge absolvieren und dann die letzten vier vorzeitig ausscheiden.
Das DSV-Team für die Weltcups in Guadalajara und Windsor
Frauen:
Jette Müller (WSC Rostock/3m-Brett, Team-Event)
Pauline Pfeif (Berliner TSC/Turmspringen, Team-Event)
Männer:
Luis Avila Sanchez (Berliner TSC/Turmspringen, Turm-Synchronspringen) – nur Guadalajara
Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen/Turmspringen, Turm-Synchronspringen – nur Guadalajara, Team-Event)
Lou Massenberg (Berliner TSC/3m-Brett, 3m-Synchronspringen – nur Guadalajara, ggf. Team-Event)
Moritz Wesemann (SV Halle/3m-Brett, 3m-Synchronspringen – nur Guadalajara, ggf. Team-Event)
Timo Barthel (SV Halle/3m-Synchronspringen) – nur Windsor
Espen Prenzyna (WSC Rostock/Turm-Synchronspringen) – nur Windsor
Ole Rösler (WSC Rostock/Turmspringen, Turm-Synchronspringen) – nur Windsor
Erfolgstrainer Norbert Warnatzsch wird in den Ruhestand verabschiedet
Die Reise nach Magdeburg ist dem Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) ein besonderes Bedürfnis. Christian Hansmann will unbedingt auch noch einmal persönlich Danke sagen, wenn sich mit Norbert Warnatzsch kommende Woche einer der erfolgreichsten Schwimmtrainer weltweit in den verdienten Ruhestand verabschiedet.
Die Liste seiner Erfolge ist beeindruckend lang, die wichtigsten bleiben Schwimmfans sicher noch lange in Erinnerung: Warnatzsch führte beispielsweise Britta Steffen zu Doppelgold bei Olympia, WM und EM. In den Jahren zuvor konnte er Franziska van Almsick bereits ein grandioses Karrierefinale ermöglichen, unter anderem mit Weltrekordgold bei der Heim-EM 2002 in Berlin. Schon 1980 hatte er mit Jörg Woithe einen Olympiasieger für die DDR geformt. Und in den vergangenen fünf Jahren trug er als Assistenzcoach von Bundestrainer Bernd Berkhahn auch seinen Anteil an den jüngsten Erfolgen von dessen Magdeburger Schützlingen Florian Wellbrock, Lukas Märtens, Oliver Klemetund Isabel Gose in Paris und Tokio.
„Norbert hat meine Arbeit fachlich ergänzt, aber auch die Kommunikation. Nach Magdeburg geholt hatte ich ihn 2019, weil ich unbedingt einen Trainer dabeihaben wollte, der schon bewiesen hat, dass Deutsche auch Olympiagold gewinnen können. Einfach, um den Sportlern hier das nötige Selbstvertrauen mitzugeben“, verriet Berkhahn dieser Tage. Der Plan ging voll auf, aber nicht nur deswegen gab es nach zuvor zwei medaillenlosen Olympiazyklen endlich wieder etwas zu feiern. Die Zusammenarbeit mit dem 77-Jährigen im Alltag umschreibt Berkhahn mit einem Augenzwinkern so: „Wir haben uns öfter auch mal ziemlich lautstark über Trainingsinhalte gestritten, aber das hat es am Ende eigentlich immer besser gemacht.“
Voller Dankbarkeit betont auch Olympiasieger Lukas Märtens, wie wichtig der Beitrag von Warnatzsch für seinen Karriereweg war. Denn der Mann war im Schwimmen überall erfolgreich, ob nun im Sprint oder auf der Langstrecke. „Die Zusammenarbeit mit Norbert gab mir immer ein gutes Gefühl. Er hat so viel erlebt und wusste für jede Situation eine Lösung. Zudem ist er sehr empathisch, mir hat er jedenfalls immer den Rücken freigehalten“, so Märtens.
Auch Britta Steffen erinnert sich rückblickend weniger an Trainingsqualen, sondern eher an das allmorgendliche Espresso-Gespräch über Gott und die Welt mit dem „Ersatzvater“ vor dem 07:00-Uhr-Training. „Bei Norbert war es für mich die runde Mischung aus unglaublichem Ehrgeiz und seiner humorvollen Art im Umgang, die ihn so besonders macht. Bei uns hat es jedenfalls zehn Jahre lang perfekt funktioniert“, sagte die Berlinerin. „Natürlich musste er auch mal schimpfen. Aber er hat immer sehr darauf geachtet, dass die Stimmung im Team und beim Training gut bleibt.“
Bewundert wird auch die Akribie und Leidenschaft, mit der Warnatzsch ein Leben lang für den Sport lebte. „Ich habe immer gesagt, seine einzigen Hobbys neben dem Schwimmen sind Auswerten, Drucken und Laminieren“, umschreibt Steffen dessen Liebe zum Detail. „Norbert wollte immer alles messbar machen. Und am Ende hatte er ja recht: Wenn die Serienzeiten und Laktatwerte gestimmt haben, kam auch immer der Erfolg. Das hat in den entscheidenden Wochen dann die nötige Sicherheit gegeben.“
„Trainer zu sein ist Passion“, war immer einer der Leitsätze des bald 78-Jährigen. Die Zusammenarbeit mit den jungen Sportler*innen habe ihm immer Freude bereitet, betont Warnatzsch. Dass er dafür Jahre seines Lebens in den Trainingslagern fernab der Heimat verbrachte, war daher für ihn keine Last. Nun aber ist es Zeit für die Rente. Ab 2025 wird Norbert Warnatzsch mit seiner Frau in Kühlungsborn leben. An der Ostsee, na klar: mit Blick aufs Wasser.
Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris ehrte die Olympiahelden Isabel Gose, Lukas Märtens und Florian Wellbrock (vordere Reihe), und natürlich auch die Trainer Bernd Berkhahn, Norbert Warnatzsch und Physiotherapeut Eicke Schiller (hinten von rechts) ©pa/dpa
Leonie Beck schwimmt in der Seine in die Top Ten
Es war ein hartes, ein tückisches olympisches Freiwasserrennen. Sechs Runden hatten die Frauen am Donnerstagmorgen in Paris (FRA) zu absolvieren, die Hälfte der Strecke gegen die immer noch sehr starke Strömung in der Seine. Besonders wenn das Feld an der Wende stromaufwärts abbog, wurde offensichtlich, wie viel Anstrengung es die Schwimmerinnen kostete, gegen die enorme Kraft des Wassers anzukommen.
Leonie Beck (SV Würzburg 05) hatte sich auf der ersten Runde zunächst zurückgehalten, so als ob sie diese besonderen Bedingungen erst einmal beobachten wollte. „Ich habe erst mal versucht, das Rennen zu finden, ein bisschen mit der Strömung klarzukommen, zu verstehen, wie das Rennen sein wird“, erklärte sie. Überhaupt war das Feld der insgesamt 24 Starterinnen schon recht früh relativ weit auseinandergezogen; ganz vorne übernahm eine Gruppe mit Sharon van Rouwendaal (NED), den beiden Australierinnen Moesha Johnson und Chelsea Gubecka sowie den Italienerinnen Ginevra Taddeucci und Giulia Gabbrielleschi die Führungsarbeit. „Man konnte sehen, dass sich das Feld immer sehr stark aufgereiht hat in der Strömung. Dann ist es natürlich ratsam, dass man vorne mit dabei ist, ansonsten entstehen große Lücken und große Abstände, und das wird hier kaum verziehen auf dem Kurs“, sagte Bernd Berkhahn als Bundestrainer für die langen Strecken. In der zweiten und erst recht in der dritten Runde schob sich die Konkurrenz allerdings wieder etwas zusammen, auch Beck lag zu diesem Zeitpunkt wieder an ihrer Lieblingsposition knapp hinter der Spitze.
>> Alle Wettkämpfe live verfolgen
Der Zwischenspurt war nötig, doch er hatte auch Kraft gekostet – zu viel Kraft. Als es in der vierten Runde wieder gegen die Strömung ging, musste die Würzburgerin, die vor den Toren Roms lebt und trainiert, abermals abreißen lassen, schnell wuchs der Rückstand wieder auf über eine Minute. „Sie hat ein, zwei taktische Fehler gemacht gleich zu Beginn. Sie hat instinktiv immer versucht, den kürzesten Weg zu nehmen, und das ist hier nicht immer die Lösung auf der Strecke. Da hat sie sehr viel Energie verloren“, sagte Bernd Berkhahn. Vorne machten die Führenden weiter Tempo, so dass bald nur noch ein Trio ganz vorne lag – Johnson, van Rouwendaal und Taddeucci – und selbst Tokio-Olympiasiegerin Ana Marcela Cunha (BRA) nicht mehr folgen konnte. Der Kampf um die Medaillen war frühzeitig entschieden, nur deren genaue Farbverteilung blieb bis zuletzt spannend. Im Schlusssprint spielte dann Sharon van Rouwendaal ihre ganze Erfahrung aus und schlug nach 2:03:34,2 Stunden als Erste an, gefolgt von Moesha Johnson (2:03:39,7), die wie sie ebenfalls in Magdeburg trainiert, und Ginevra Taddeucci (2:03:42,8). Die Niederländerin stand damit zum dritten Mal in Folge bei Olympia auf dem Treppchen und zum zweiten Mal nach 2016 ganz oben. Schon vorher war sie die Athletin mit den meisten olympischen Medaillen im Freiwasser und konnte diese Position in Paris nun eindrucksvoll bestätigten.
Leonie Beck kämpfte bis zuletzt und erreichte nach 2:06:13,4 als Neunte eine Top-Ten-Platzierung. „Um es mal zusammenzufassen, es waren für mich zwei Stunden Krafttraining. Die Strömung ist so stark. Ich bin noch nie gegen so eine Strömung geschwommen. Ich habe versucht, in der Mauer drin zu schwimmen; ich habe versucht, sie zu küssen. Ich weiß nicht, was ich hätte anders machen können. Ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe es versucht, von Anfang bis Ende. Aber es waren wirklich zwei Stunden lang Zugseil. Für mich hat es nichts mit einem durchschnittlichen Freiwasserrennen zu tun. Das war einfach Kraftsport“, sagte sie. Betonte mit Blick auf die drei Medaillengewinnerinnen jedoch anerkennend: „Größten Respekt an die drei. Sie haben es gut gemacht. Sie sind besser mit den Bedingungen zurechtgekommen als ich.“
>> Alle Ergebnisse der Olympischen Spiele in Paris
Die zweite deutsche Starterin Leonie Märtens kam bei ihrer olympischen Freiwasserpremiere nach 2:15:57,3 auf Platz 22 ins Ziel. Die Magdeburgerin, mit 20 Jahren eine der Jüngsten im Feld, hatte sich über das Becken auf der langen Freistilstrecke qualifiziert und konnte so zusätzlich den freien Startplatz Deutschlands in der Seine wahrnehmen; allerdings ging sie schon leicht angestrengt ins Rennen, weil es vor dem Start noch ein paar Probleme mit dem Anzug gegeben hatte. Es war ihr erstes Rennen im Freiwasser seit dem Europacup in Kiel 2022. „Ab der dritten Runde, wo ich dann wirklich deutlich hinter den anderen war und eigentlich die ganze Zeit nur allein geschwommen bin, hat es wehgetan; ich habe mich auch gar nicht mehr gut gefühlt. Ich wurde immer fester, es wurde immer schwieriger, meine Hände haben immer mehr gekrampft“, berichtete sie. Ans Aufgeben dachte sie aber nur ganz kurz einmal und war am Ende umso glücklicher, sich überwunden und bis ins Ziel gekämpft zu haben: „Ich bin sehr froh, dass ich es jetzt geschafft habe, dass ich mich durchgebissen habe. Da bin ich sehr stolz.“
Nächste Überraschung von Nicole Maier: EM-Bronze über 200m Freistil
Sie galt schon als die größte Überraschung der Saison, seit sie sich im April als viertschnellste Deutsche für die Olympiastaffel in Paris ins Gespräch brachte. Und nun gewann Nicole Maier auch noch Bronze über 200m Freistil bei den Europameisterschaften in Belgrad (SRB). Die 24-jährige US-Studentin von der SG Gladbeck/Recklinghausen unterbot ihre Bestzeit aus dem April um noch einmal eine Sekunde und verbesserte sie auf 1:57,36 Minuten, nur Barbora Seemanova (CZE/1:55,37) und Minna Abraham (HUN/1:57,22) waren am Donnerstag schneller.
„Ich bin wirklich überglücklich über diese Medaille. Dies ist mein erster internationaler Wettkampf überhaupt, ich möchte einfach nur für die Olympischen Spiele bereit sein, aber es nun auf das Podium zu schaffen, das ist fantastisch und ich bin so dankbar, dass ich mit dem Team Deutschland hier bin“, jubelte Maier.
Bis zum Durchbruch in diesem Frühjahr hatte sie noch nie der Nationalmannschaft angehört, auch nicht zuvor im Nachwuchsbereich. Mit Beginn des Studiums der Medienkommunikation an der Miami University of Ohio in Oxford (USA) entfernte sich Maier im Herbst 2019 dann recht weit aus dem Blickfeld der Bundestrainer, lediglich zwei zweite Plätze bei den Deutschen Meisterschaften 2022 (damals allerdings in Abwesenheit des WM-Teams) deuteten ihr zunehmendes Potenzial schon einmal an. Unter ihrer Trainerin Hollie Bonewit-Cron machte Maier in Übersee bis zu ihrem Bachelor-Abschluss vor einigen Wochen kontinuierlich Fortschritte, die Olympia nun in Reichweite rücken lassen. „Das ist alles neu für mich. Aber bei den NCAA-Rennen oder bei der Pro Series trifft man auch auf absolute Topleute wie Katie Ledecky oder Caeleb Dressel, deswegen habe ich jetzt keine Angst davor“, sagte Maier im DSV-Verbandsmagazin „Swim&More“ (Juni-Ausgabe). Und freut sich auf die weiteren Aufgaben auf der größten Bühne des Sports überhaupt. „Zwei so große Wettkämpfe kurz hintereinander, das ist natürlich viel auf einmal. Aber dafür trainiert man ja, deswegen bin ich sehr glücklich und sehe das als positiven Stress“, so Maier. Und auch wenn in Serbien so manche Topschwimmerin bei der EM fehlte: Isabel Gose, Julia Mrozinski und Nele Schulze können sich für Paris auf eine ganz starke Staffelkollegin freuen.
>> Alle Ergebnisse der EM in Belgrad
Platz sechs belegte die DSV-Staffel über 4x100m Freistil mit Martin Wrede (Waspo 98 Hannover/48,75), Peter Varjasi (TB Erlangen/48,15), Björn Kammann (AMTV Hamburg/49,03) und Ole Mats Eidam (Potsdamer SV/48,63). Zum Sieger Serbien (3:12,90 Minuten) fehlte mit 3:14,56 nicht viel. Im Finale über 100m Schmetterling erkämpfte Luca Nik Armbruster (SG Neukölln Berlin) in 51,88 Sekunden den siebten Rang, Gold sicherte sich Kristof Milak(HUN/50,82). Für den Sprinter steht wie für Maier die Olympiavorbereitung im Fokus. Zudem schwamm der Hamburger Cornelius Jahn auf Platz elf über 50m Rücken (25,38 Sekunden), Philipp Peschke (SG Essen) kam auf Rang 15 über 200m Freistil (1:48,24).
Wasserspringerinnen auf Rang vier
Beim Wasserspringen sprangen Jana Lisa Rother und Lotti Hubert (beide Berliner TSC) als Vierte im 3m-Synchronspringen nur hauchdünn an einer Medaille vorbei, mit 242,40 Punkten fehlte ihnen am Ende weniger als ein Zähler auf die Drittplatzierten Nais Gillet und Juliette Landi aus Frankreich (243,33). Für die Deutschen war es der erste gemeinsame Auftritt in dieser Disziplin – Rother springt normalerweise mit Saskia Oettinghaus (Dresdner SC 1898) zusammen, die aufgrund der Olympiavorbereitung allerdings bei der EM nicht antritt. Gold sicherten sich die Britinnen Desharne Bent-Ashmeil und Amy Rollinson mit 269,10, die damit ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigten, Silber ging nach Schweden an Nina Janmyr und Elna Widerström (258,75).
Im Wettbewerb vom 1m-Brett schaffte es Jonathan Schauer (SV Halle) – im vergangenen Jahr noch Vizeeuropameister der Junioren in dieser Disziplin – bei seiner ersten EM-Teilnahme in der offenen Klasse ins Finale und dort mit 264,15 Punkten auf Platz zwölf. Gold ging an Andrzej Rzeszutek (POL/394,40) vor Matteo Santoro(ITA/391,70) und Stefano Belotti (ITA/370,50).
