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Platz neun für Rother/Lube zum WM-Abschluss in Doha
Immer wieder war Wasserspringerin Jana Lisa Rother in den vergangenen Tagen von den Fernsehkameras eingefangen worden, wie sie auf der Tribüne ihre Teamkolleg*innen bei deren Wettkämpfen bei den Weltmeisterschaften in Doha anfeuerte. Am letzten Wettkampftag durfte die 25-Jährige vom Berliner TSC dann endlich auch selbst ins Geschehen eingreifen: Gemeinsam mit Alexander Lube (SV Neptun Aachen) belegte sie beim 3m-Mixed-Synchronspringen mit 257,64 Punkten den neunten Rang. Gold ging an Australien (300,93) vor Italien (287,49) und Südkorea (285,03).
Die Übermacht China, die bei dieser WM bis dahin in allen olympischen Disziplinen Triumphe und in den Einzeln sogar jeweils Doppelsiege gefeiert hatte, verzichtete diesmal zwar auf eine Teilnahme an dieser nichtolympischen Disziplin, bei den anderen Nationen ist das seit 2015 zum WM-Programm gehörende Mixed aber sehr beliebt. 17 Paare traten diesmal an, und die Deutschen trugen ihren Teil zu einem spannenden Wettkampf bei. Rother hätte bei einigen Sprüngen sogar eine höhere Punktzahl vom Kampfgericht erwartet, die Verunsicherung darüber brachte sie dann beim fünften Sprung etwas aus dem Konzept. “Deswegen bin ich jetzt erstmal noch ein bisschen getrübt. Aber mit Platz neun bin ich trotzdem zufrieden, Top Ten der Welt. Man hat aber gesehen, wie einfach wir auch noch auf den fünften oder sechsten Platz hätten springen können”, sagte sie im Anschluss.
Mit ihrem Partner hatte sie während der WM-Tage kaum noch trainieren können, weil Lube in Katar bereits im Einzel- und Synchronwettbewerb mitgesprungen war. Auch daran lag es sicherlich, dass sich auch in seinem dritten Wettkampf nicht alle Erwartungen erfüllten. “Ich denke, dass bei den ersten Sprüngen ein bisschen die Brillanz gefehlt hat und dann waren die Kampfrichter*innen mehr auf andere Paare eingeschossen und haben uns ein bisschen mehr bestraft, als vielleicht nötig gewesen wäre. Aber am Ende ist es, wie es ist: Wir können gut damit leben. Es ist immer noch eine Top-Ten-Platzierung in der Welt”, sagte Lube.
Auch Rother sah vor dem Heimflug am Sonntag vor allem das Positive bei ihrer WM-Reise. "Wir haben jetzt in meinen Disziplinen (3m-Brett Einzel und Synchron, Anm. d. Red.) alle Quotenplätze geholt. Die nationale Olympiaqualifikation ist aber erst im Mai, und da will ich auch noch mal angreifen. Deswegen hat es nicht geschadet, hier bei der Weltmeisterschaft zu trainieren. Vielleicht hätte es das eine oder andere Pünktchen mehr gegeben, wenn wir es noch besser hätten zusammen trainieren können, aber der Fokus ist einfach auf den Olympischen Spielen dieses Jahr und das ist auch gut so.”
Mit Blick auf Paris fiel auch das WM-Fazit von Bundestrainer Christoph Bohm positiv aus. In den acht olympischen Disziplinen des Wasserspringens wurden insgesamt neun Quotenplätze gesichert, nur im Synchronspringen vom Turm der Frauen und vom 3m-Brett der Männer ging man komplett leer aus, in den vier Einzelwettbewerben ist man außer beim Turmspringen der Männer sogar jeweils doppelt bei Olympia am Start. “Wir sind zufrieden. Es war eine gute Weltmeisterschaft, keine sehr gute, aber eine gute. Wir haben ganz klar das Ziel Quotenplätze ausgegeben und haben jetzt am Ende neun von zwölf möglichen geholt. Im Vergleich zu Freiwasser, was ja wirklich eine sehr erfolgreiche Sportart in Deutschland ist, haben wir prozentual genauso viel geholt, also 75 Prozent”, sagte Bohm. “Wir hatten es in allen drei anderen Disziplinen auch selbst in der Hand, die Quotenplätze zu holen. Es war eine intensive WM mit vielen Höhen und Tiefen. Wir haben da teilweise unsere Stärken nicht ausgespielt, wir haben unnötige Fehler gemacht, hatten aber auch in den zwei Synchrondisziplinen einfach sehr starke Felder. Nordkorea hatte keiner vorher richtig auf dem Plan und dann war das eben genau der eine Platz, der uns gefehlt hat.”
Natürlich müsse man auch bedenken, dass es einen Generationswechsel in diesem Olympiazyklus gegeben hat. “Wir haben jetzt einen Platz weniger als in Tokio, dort waren Namen dabei wie Tina Punzel, Martin Wolfram, Patrick Hausding, das kann man einfach nicht kompensieren innerhalb von drei Jahren, das muss man auch ganz klar sagen. Wir haben ein junges Team, eine gute Mischung und da muss man mit den Plätzen jetzt einfach zufrieden sein”, betonte Bohm.
Die Zeit bis zum Sommer wolle man im Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) nun intensiv nutzen, um an der Ausführung der Sprünge noch etwas zu tüfteln. Hochwertige Wettkämpfe gegen die Besten der Welt wie beim Weltcup in Berlin (21. - 24. März) kommen dafür sehr gelegen. “Wir müssen schauen, dass wir unsere Sprünge in der besten Qualität zeigen, mit dem Schwierigkeitsgrad sind wir in der Weltspitze dabei”, erklärte Bohm. Das ließe in Paris dann sicher auch noch Steigerungen zu.
Nervenaufreibender Kampf um Olympiaplätze ohne Happy-End
Es war eine absolute Sternstunde für das deutsche Wasserspringen, als Patrick Hausding bei den Olympischen Spielen von Tokio 2021 seine großartige Karriere mit einer weiteren Olympiamedaille krönte – im Synchronspringen vom 3m-Brett gemeinsam mit Lars Rüdiger. Nach Hausdings Rücktritt im Frühjahr danach gab es anschließend sofort viele positive Entwicklungen bei seinen Nachfolgern zu verzeichnen, zum Olympiaticket für die Spiele in Paris im kommenden Sommer reichte es in dieser Disziplin nun aber leider trotzdem nicht ganz.
Bei den Weltmeisterschaften in Doha (QAT) landeten Alexander Lube (SV Neptun Aachen) und Moritz Wesemann (SV Halle) mit 328,62 Punkten diesmal auf Rang 16, weil ihnen einer der sechs Sprünge missglückte. Den Titel gewann am Sonntag Favorit China mit Wang Zongyuan/Long Daoyi(442,41), dahinter sicherten Italien als Zweiter (384,24), Spanien als Dritter (383,28), Mexiko als Vierter (383,19) und die Ukraine als Sechster (363,12) die Olympiatickets. Neben China waren Großbritannien (Fünfter mit 376,26), die USA (Neunter mit 351,18) und Frankreich (Zwölfter mit 338,85) bereits seit vergangenem Jahr für die Spiele qualifiziert.
Den sehr langen Wettkampf mit 27 Paaren begannen die Deutschen mit drei tollen Sprüngen und lagen aussichtsreich sogar auf Rang drei, als dann im vierten Durchgang der Auerbachsalto daneben ging. Der war als Problemsprung bekannt, nachdem es dabei schon bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Dezember zum Salto Nullo gekommen war. “Es ist enttäuschend, klar. Ich habe vorher gesagt, dass der vierte Sprung der ist, der entscheidet. Wenn sie da gut durchkommen, dann geht was hinten raus. Sie haben beide gut trainiert, aber das ist Sport, mal gewinnt man, mal verliert man”, erklärte Bundestrainer Christoph Bohm: “Wir wussten vorher, dass es so ein großer Wettkampf wird. Wir haben das so trainiert, das ist keine Ausrede. Wir hatten eine gute Startnummer, auch das kam uns zugute. Man muss in so einem Wettkampf dann die Nerven zusammenhaben, das haben wir nicht geschafft. Und dementsprechend den Quotenplatz nicht geholt.”
“So ist es leider beim Kunstspringen, da können Dinge passieren. Trotzdem war es, abgesehen von dem einen großen Fehler, eine schöne Leistung”, betonte Wesemann. Und dann blickte der Europameister, der im Einzel das Olympiaticket schon sicher hat, auch lieber direkt auf die kommenden Aufgaben in Doha: “Es ist natürlich schade und tut sehr weh, es wäre auf jeden Fall möglich gewesen. Man hätte keine besonders gute Leistung bringen müssen, aber eben konstant durchspringen. Aber das ist nunmal der Sport, das passiert. Das muss man jetzt abhaken und dann den Fokus weiter auf das Einzel legen.”
Auch Lube, der sich auf der Anreise nach Katar eine Ohrenentzündung zugezogen hatte und deswegen weniger trainieren konnte als geplant, war natürlich enttäuscht: “Wir haben in deutlich besserer Qualität trainiert. Die Trainingseinheiten, die wir zusammen machen durften, waren alle deutlich besser, jetzt hat es leider nicht geklappt.”
Zuvor waren Christina Wassen und Pauline Pfeif (beide Berliner TSC) im Vorkampf des Turm-Wettbewerbs angetreten, Wassen als Zehnte (295,70) und Pfeif auf Rang 17 (267,90) machten dabei den Einzug ins Halbfinale am Montagmorgen (08:00 Uhr MEZ) klar. Die höchste Punktzahl schaffte Chinas Synchron-Olympiasiegerin Chen Yuxi (435,20).
“Es war ein sehr, sehr langer Vorkampf. Ich glaube auch der längste, in dem ich je gesprungen bin, auch das erste Mal so weit hinten mit Startnummer 44”, sagte Wassen. “Es hat soweit alles gut geklappt, ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem Vorkampf. Es war noch so das ein oder andere, was nicht ganz so gut war wie im Training, aber das Ziel war es erstmal, das Halbfinale zu erreichen und das habe ich geschafft.” Die EM-Zweite des Vorjahres kann dort dann sehr gelassen antreten, mit Schwester Elena hatte sie beide Quotenplätze für Olympia in dieser Disziplin schon gesichert. “Ich habe mir Luft gelassen, kann im Halbfinale noch einiges besser machen”, meinte Pfeif. “Der Vorkampf war okay. Ich bin zuversichtlich, dass ich es ins Finale schaffen kann.”
Jeannette Spiwoks erlebt Krimi ums Olympiaticket
Bei den Weltmeisterschaften in Doha (QAT) hat Jeannette Spiwoks im Freiwasserrennen über 10km in 1:57:46,00 Stunden den 16. Platz belegt, Titelverteidigerin Leonie Beck kam auf Rang 20 (1:58:11,80). Den Titel sicherte sich am Samstag Sharon van Rouwendaal (NED/1:57:26,80) vor Maria de Valdes (ESP/1:57:26,90) und Angelica Andre (POR/1:57:28,20).
Den Schwimmerinnen wurde im alten Hafen von Doha viel abverlangt, denn es herrschten äußerst widrige Bedingungen. Die Wassertemperatur lag bei gerade mal 20,2 Grad, die Luft war noch deutlich kühler durch einen heftigen Wind, der auch noch erhebliche Wellen erzeugte. Die Chance zur Olympiaqualifikation für die Top 13 des Rennens sowie die jeweils Besten der Kontinente dahinter sorgte zudem gleich für hohes Tempo und ständige Unruhe im Feld. Die beiden Deutschen behielten die Spitze mit der meist souverän führenden van Rouwendaal (trainiert in Magdeburg bei Bundestrainer Bernd Berkhahn) im gesamten Rennverlauf zwar immer in Sichtweite, schafften es auf der Schlussrunde dann aber nicht mehr ganz nach vorn.
„Unterwegs habe ich mich lange gut gefühlt, am Ende fiel es mir dann aber doch schwer dranzubleiben. Zum Glück war die Gruppe vorn nicht zu groß“, sagte Spiwoks im Ziel. „Ich bin natürlich sehr froh, dass es gut ausgegangen ist mit dem Olympiaplatz, das war heute das Wichtigste.” Die offizielle Veröffentlichung der Qualifikationsliste für die Spiele in Paris (FRA) durch World Aquatics stand da aber noch aus.
Leonie Beck, Florian Wellbrock und Oliver Klemet haben sich mit ihren WM-Erfolgen in Fukuoka (JPN) bereits im letzten Jahr für die Olympischen Spiele in Paris qualifiziert, das steht fest. Die Formulierungen zur Vergabe der kontinentalen Quotenplätze in Doha hinter den Top 13 dieser WM 2024 führten nun aber zu unterschiedlichen Sichtweisen. „Für den Fall, dass ein Nationales Olympisches Komittee eines bestimmten Kontinents bereits einen (1) oder zwei (2) Quotenplätze erhalten hat, wird das Auswahlverfahren auf das nächsthöhere teilnahmeberechtigte NOC dieses Kontinents bei den World Aquatics World Championships Doha 2024 übertragen, um sicherzustellen, dass jeder Kontinent eine*n Teilnehmer*in auswählt", lautet der entscheidende Passus im Regelwerk.
Bezieht man diesen Passus ausschließlich auf das Rennen in Doha, wo es ja nur um Quotenplätze für Nationen und nicht wie zuvor in Fukuoka um personalisierte Plätze ging, müsste Spiwoks als beste Europäerin hinter den Top 13 (und ohne eine andere Deutsche vor ihr) den Quotenplatz für Deutschland geholt haben. Wird der Passus jedoch auf die gesamte Olympiaqualifikation angewendet, käme durch die bereits erfolgte persönliche Qualifikation von Leonie Beck aber Großbritannien durch die direkt hinter Spiwoks platzierte Leah Phoebe Crisp zum Zug. Beide Verbände nutzten in der Kommunikation zur WM erst einmal die jeweils für sie günstige Interpretation. Der Weltverband lässt mit der offiziellen Bestätigung nun wohl bis Sonntag auf sich warten. „Die Regeln sind leider nicht so ganz klar. Eine Kommission beschäftigt sich nun mit der finalen Vergabe der Quotenplätze“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Christian Hansmann.
Für Spiwoks wäre aber auch bei einem positiven Bescheid von World Aquatics die Paris-Teilnahme noch nicht endgültig klar. Die Besetzung des nationalen Quotenplatzes ließe laut den nationalen Nominierungskriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) dann nämlich auch eine Berücksichtigung von Aktiven mit Freiwassererfahrung zu, die sich über 800m oder 1500m Freistil für Olympia qualifizieren. Doch das Ende der Olympiaqualifikation im Beckenschwimmen mit den Deutschen Meisterschaften – Olympic Trials Ende April in Berlin will und kann Spiwoks für sich erst einmal nicht abwarten: “Ich habe für März das nächste Höhentrainingslager zur Olympiavorbereitung erst einmal gebucht.”
>> Tickets zur Olympia-Qualifikation im Beckenschwimmen
An Paris denkt auch Leonie Beck vor allem, die WM-Rennen in Doha hat sie diesmal nur als Durchgangsstation angesehen. “Es war wirklich ein hartes Rennen von der ersten Runde an, und es war ziemlich kalt und sehr wellig, da verliert man viel Energie”, sagte Beck am Samstag. “Ich bin in der letzten Runde stehen geblieben. Kaltes Wasser ist nicht so meins, das wusste ich vorher. Deswegen war es mir sehr, sehr wichtig, dass ich mich schon letztes Jahr in Fukuoka qualifiziere”, so die 26-Jährige.
Hier sind die WM-Wettbewerbe in Doha im Livestream zum sehen
Mit den Wettbewerben der Wasserspringer*innen vom 1m-Brett sowie im Team-Event und den Technischen Küren der Synchronschwimmerinnen im Solo sowie im Duett werden am Freitag (02. Februar) die Weltmeisterschaften in Doha (QAT) aus deutscher Sicht eröffnet. Und auch wenn im Wasserspringen damit zunächst zwei nicht-olympische Disziplinen anstehen, sind die Sommerspiele in Paris (FRA) doch allgegenwärtig, schließlich bietet diese WM die letzte Chance, noch weitere Olympia-Quotenplätze zu holen.
>> Zum WM-Zeitplan mit allen DSV-Starts
Bislang haben die Aktiven des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) in den Einzeldisziplinen fünf Startplätze gesichert: bei den Frauen die maximal mögliche Anzahl von zwei im Turmspringen, bei den Männern ebenfalls zwei vom 3m-Brett und einen vom Turm. Demnach ist in Katar ein weiterer Platz im Turmspringen der Männer möglich, vom 3m-Brett bei den Frauen hat Deutschland sogar noch zwei Plätze zu holen. Zudem ist bislang noch kein DSV-Synchronpaar qualifiziert. „Wir wollen möglichst alle Quotenplätze holen, das ist unser Anspruch und das erklärte Ziel. Die jüngsten Leistungen haben gezeigt, dass die Formkurve stimmt“, sagt Bundestrainer Christoph Bohm. Einfach wird es trotzdem nicht, denn anders als beispielsweise beim Beckenschwimmen sind im Wasserspringen sämtliche Topleute in Doha am Start. „Bei uns wird die Luft brennen. Man hat schon bei der vergangenen WM in Fukuoka gesehen, wie hoch das Niveau ist, und in Doha wird es im Olympiajahr nochmal einen Zacken schärfer“, so Bohm.
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In den Synchrondisziplinen werden jeweils noch vier Plätze vergeben – schon qualifiziert sind die Medaillengewinner*innen aus Fukuoka sowie Gastgeber Frankreich. Im Einzel sind die zwölf besten der letztjährigen WM und die Kontinentalchampions bereits durch.
Erste Olympiateilnahme seit 1992 in Sicht
Auch DSV-Sportdirektor Christian Hansmann betonte, dass es diesmal primär um die Olympiatickets und nicht in erster Linie um die Medaillen geht. „Für uns hat es sportlich keinen großen Wert. Wir werden beim BMI (Bundesinnenministerium, Anm. d. Red.) oder DOSB (Deutschen Olympischen Sportbund, Anm. d. Red.) nicht an der WM gemessen, da zählen wirklich nur die Olympischen Spiele. Es gibt daher keine Medaillenvorgabe. Wichtig sind die Quotenplätze, die wir im Wasserspringen noch erreichen. Darauf liegt der Fokus: Fünf haben wir, die restlichen sieben wollen wir noch erringen, um in Paris in allen Disziplinen vertreten zu sein. Im Synchronschwimmen haben wir mit einem neuen jungen Duett die letzte Möglichkeit, uns für Olympia zu qualifizieren. Im Freiwasser ist noch ein Ticket für die Frauen offen. Weil Australien und die USA nicht mit ihren Topleuten kommen, gibt es für unsere Schwimmer*innen die Möglichkeit, vielleicht an einer Medaille zu kratzen und sich unter den Top vier schon das erste Olympiaticket zu sichern.“ Beim Schwimmen handelt es sich dabei um eine nationale Nominierungsvorgabe.
Sollte das angesprochene Synchron-Duett tatsächlich nach Paris fahren, wäre es das erste Mal seit 1992 in Barcelona (ESP), dass wieder deutsche Synchronschwimmerinnen bei den Olympischen Spielen dabei sind. Dabei ist das DSV-Duett in Wirklichkeit ein Trio: Junioreneuropameisterin Klara Bleyer ist sowohl für die Technische als auch für die Freie Kür gesetzt, in der Technischen Kür schwimmt dann ihre Schwester Johanna Bleyer an ihrer Seite, in der Freien Kür übernimmt Susana Rovner. Für die Olympiaqualifikation zählt dann die Addition beider Küren, weil bei Olympia nur ein kombinierter Wettbewerb ausgetragen wird.
18 Startplätze sind insgesamt zu vergeben, der Modus ist allerdings nicht ganz einfach zu verstehen. So dürfen alle Nationen, die sich über das Teamevent für Olympia qualifizieren – das sind insgesamt zehn –, zusätzlich auch ein Duett stellen; hinzu kommen fünf Plätze, die über die jeweiligen Kontinentalmeisterschaften vergeben wurden. Damit bleiben noch drei Tickets übrig, die jetzt in Katar vergeben werden, wobei dort natürlich auch die bereits qualifizierten Duette antreten und entsprechend auch eine Platzierung weiter hinten reichen könnte. Mit einer Finalteilnahme stünden die Chancen für die Deutschen auf jeden Fall nicht schlecht.
Leonie Beck erkämpft Gesamtsieg im Weltcup
Mit hauchdünnem Vorsprung hat sich Freiwasserschwimmerin Leonie Beck den Gesamtsieg im Weltcup erkämpft. Beim finalen Saisonrennen in Funchal auf der portugiesischen Blumeninsel Madeira reichte der Doppel-Weltmeisterin vom SV Würzburg 05 dafür am Samstag Rang sieben, weil sie im Schlussspurt des spannenden 10km-Rennens nach 1:58:11,00 Stunden die bislang führende Sharon van Rouwendaal (NED) um eine Zehntelsekunde und einen Platz hinter sich ließ.
Mit 2.140 Punkten hatte Beck damit am Ende der Saison winzige zehn Zähler mehr auf dem Konto als die in Magdeburg trainierende Olympiasiegerin von 2016 und konnte sich über die Siegprämie von 50.000 US-Dollar freuen. „Nach zweimal WM-Gold auch noch den Weltcup zu gewinnen, das ist natürlich toll und krönt dieses Jahr für mich. Ich war zwar 2021 auch schon mal zur Saisonsiegerin erklärt worden, aber damals hatte wegen Corona ja nur ein Rennen stattgefunden. Diesmal fühlt sich der Gesamtsieg natürlich ganz anders an“, sagte Beck. „In den nächsten Tagen und auch über Weihnachten bleibt nun aber nicht viel Zeit zum Feiern, im Februar ist schon die nächste WM und auch die Vorbereitungen für Olympia laufen schon.“
Dass die beiden Favoritinnen sich am Ende des Rennens im 22,4 Grad warmen, aber wegen des Windes auch sehr welligen Atlantik gegenseitig belauerten, nutzte die US-Amerikanerin Claire Weinstein (1:56:54,30) zum Sieg, die 16-Jährige schlug nach einer mutigen Attacke zu Beginn der letzten Runde deutlich vor Bettina Fabian (HUN/1:58:07,50) und Oceane Cassignol (FRA/1:58:09,50) an. „Das war kein leichtes Rennen, bei diesen welligen Bedingungen muss man erst einmal zwei Stunden irgendwie durchkommen“, sagte Beck, die im riesigen Feld nach der ersten von sechs Runden auf Platz 44 zurückgefallen war. Erst auf der letzten Runde hatte sie sich dann wieder Tuchfühlung zur Spitzengruppe erarbeitet. „Am Ende ging es um den Anschlag, im Rennen selbst habe Sharon selten gesehen. Und sicher, dass es zum Gesamtsieg gereicht hat, war ich mir nach dem wilden Endspurt auch erst dann, als das Ergebnis offiziell auf der Anzeigetafel aufleuchtete.“
Mit Platz neun (1:58:11,40) in Funchal konnte sich Jeannette Spiwoks (SG Essen) zudem das zweite deutsche Ticket für die Weltmeisterschaften in Doha (QAT/02. – 18. Februar) neben der gesetzten Titelverteidigerin Beck sichern, dort werden dann die noch offenen Olympia-Startplätze für Paris 2024 vergeben. Wenige Sekunden hinter Spiwoks kam Celine Rieder (Sport-Union Neckarsulm/1:58:16,10) auf Rang 13 ins Ziel, die WM-Siebte Lea Boy (SV Würzburg 05) belegte diesmal Rang 25 (1:58:59,90). „Vor allem auf den letzten zwei Kilometern hat Jeannette das ganz stark gemacht und sich entscheidend nach vorn geschoben“, lobte Bundestrainer Constantin Depmeyer. Spiwoks selbst meinte: „Ich bin sehr glücklich, dass es endlich zum WM-Startplatz über 10km gereicht hat. Das Rennen war wirklich hart. Neben dem Weltcup in Setubal und der EM im vergangenen Jahr gehört es mit zu den härtesten Rennen meiner Karriere.“
>> Zu den Ergebnissen in Funchal
Bei den Männern holte sich Domenico Acerenza (ITA/1:45:06,20) den Tagessieg in Funchal vor Nicholas Sloman(AUS/1:45:11,70) und Kristof Rasovszky (HUN/1:45:15,50). Der WM-Zweite Rasovszky sicherte sich mit Bronze zugleich auch den Erfolg in der Gesamtwertung. Olympiasieger und Weltmeister Florian Wellbrock (SC Magdeburg/1:45:31,20) und der WM-Dritte Oliver Klemet (SG Frankfurt/1:45:32,30) belegten nach beherztem Beginn diesmal die Ränge 20 und 21. Klemet landete als bester Deutscher in der Gesamtwertung am Ende auf Platz neun. Wellbrock hatte nach dem Auftaktsieg im Mai in Ägypten im Saisonverlauf einige Rennen auslassen müssen und spielte deswegen in der Endabrechnung diesmal keine Rolle mehr. Seine Konzentration gilt daher bereits der Vorbereitung der kommenden Höhepunkte.
Was man zudem wissen muss: Während die beiden männlichen Vertreter des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) nach ihren WM-Erfolgen in Japan bereits für die WM 2024 in Doha und auch für die Olympischen Spiele in Paris (FRA) gesetzt waren, trugen viele Nationen auf Madeira nun erst ihre WM-Qualifikation aus, auch deswegen war das Feld mit insgesamt 92 Teilnehmern (bei den Frauen waren es 80) diesmal rekordverdächtig groß. Interessante Resultate entstanden dabei auch, so wurde beispielsweise Superstar Gregorio Paltrinieri als Elfter nur viertbester Italiener. Bei WM und Olympia hat jede Nation aber nur maximal zwei Startplätze.
Brust-Weltmeister Qin Haiyang lässt es zum Weltcupauftakt in Berlin krachen
Schon bei der WM in Fukuoka (JPN) war Qin Haiyang der beste Brustschwimmer. Der Chinese siegte im Sommer auf allen drei Strecken, Ähnliches könnte ihm jetzt auch beim World Aquatics Swimming World Cups in Berlin gelingen. Zum Auftakt am Freitag ließ es der Weltmeister jedenfalls schon einmal ordentlich krachen. Über 100m Brust gelang ihm dort mit 58,41 Sekunden bereits im Vorlauf ein neuer Weltcuprekord, den er im Finale am Abend noch einmal um weitere acht Zehntel auf 57,69 drücken konnte. Kein Schwimmer war im Rahmen der Serie bislang schneller gewesen als der Chinese.
In einem Weltklassefeld mit den Top vier der WM und Weltrekordhalter Adam Peaty (GBR) sicherte sich Qin damit überlegen den Sieg und war am Ende noch nicht einmal ganz zufrieden mit seiner Zeit: „Ich bin glücklich mit dem Ergebnis, aber ich glaube, ich kann noch schneller schwimmen. Aber ich bin dieses Jahr schon so viele Wettkämpfe geschwommen, dass mein Körper etwas müde ist“, sagte er. Gerade erst war er bei den Asienspielen in Hangzhou (CHN) angetreten. Seine Ambitionen sind jedenfalls groß: „Im nächsten Jahr will ich auch noch die Weltrekorde über 50 und 100 Meter Brust verbessern, das ist mein großes Ziel.“ In Berlin startet er in den kommenden Tagen auch noch über 50m und 200m und ist nach diesem starken Auftritt auch dort Favorit.
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Es war die beste Leistung des ersten Wettkampftages, doch in der Gesamtwertung führt trotzdem vorerst der Amerikaner Michael Andrew, der allerdings im Gegensatz zu Qin Haiyang schon zwei Ergebnisse in die Wertung einbringen konnte: den Sieg über 100m Schmetterling in 51,66 sowie einen zweiten Platz über 50m Freistil (22,03) hinter Sieger Isaac Cooper (AUS/21,93). Für die Weltcupwertung sammeln die Athlet*innen Punkte mit ihrer Platzierung und der Wertigkeit ihrer Zeit im Verhältnis zum Weltrekord gemäß der World-Aquatics-Punktetabelle.
>> Zum Zwischenstand in der Weltcupwertung
Über 200m Rücken war der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) im Finale gleich doppelt vertreten. Beim Sieg von Thomas Ceccon (ITA/1:56,64) kamen Christian Diener (Potsdamer SV) sowie Cornelius Jahn (Ahrensburger TSV) in 2:01,55 Minuten beziehungsweise 2:03,64 auf die Plätze sieben und acht. „Ich bin sehr zufrieden. Ich habe das umgesetzt, was mein Trainer von mir wollte, nämlich dass ich ein bisschen mit dem Feld angehe und nicht mein eigenes Ding volle Kanne von vorne schwimme, was ich sonst immer mache. Das hat ganz gut geklappt“, meinte Diener. Der Potsdamer feierte beim Weltcup sein internationales Comeback, nachdem er zuletzt aufgrund seiner Ausbildung zum Feuerwehrmann etwas kürzergetreten war. „Jetzt habe ich genau ein Jahr Zeit, um mich voll auf die Olympischen Spiele zu konzentrieren, und bislang läuft es ja ganz gut“, sagte der 30-Jährige.
>> Alle Ergebnisse vom Weltcup
Mit der viertschnellsten Zeit der Vorläufe über 400m Freistil (3:50,61) hatte sich eigentlich auch WM-Bronzemedaillengewinner Lukas Märtens (SC Magdeburg) einen Platz im Weltcupfinale gesichert. Der 21-Jährige fühlte sich allerdings nicht fit genug dabei, so dass er alle weiteren Rennen für dieses Wochenende anschließend absagte. „Bei so einem Weltcup daheim will man natürlich auch eine gute Leistung zeigen, aber das kann ich gerade nicht. Ich fühle mich nach überstandener Erkältung einfach noch zu schlapp“, so Märtens. „In Kürze steht das erste Höhentrainingslager an, das für den Formaufbau für den kommenden Olympiasommer wichtig ist. Daher wollen wir das Risiko eines Rückschlags lieber vermeiden“, sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Erst durch den Verzicht von Märtens war Danas Rapsys (LTU) noch ins Finale gerutscht, wo er dann auf der Außenbahn von Anfang an Tempo machte und das Rennen am Ende in 3:44,86 für sich entschied.
Alle Sieger des ersten Weltcup-Tages in Berlin:
400m Freistil Männer: Danas Rapsys (LTU) 3:44,86
200m Rücken Männer: Thomas Ceccon (ITA) 1:56,64
100m Schmetterling Männer: Michael Andrew (USA) 51,66
100m Brust Männer: Qin Haiyang (CHN) 57,69
50m Freistil Männer: Isaac Cooper (AUS) 21,93
DSV nominiert drei Frauen und sieben Männer für die WM 2024 in Doha
Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) hat in dieser Woche insgesamt zehn Aktive für die Beckenwettbewerbe bei den Weltmeisterschaften 2024 in Doha (QAT/02. – 18. Februar) nominiert. An der Spitze des Teams steht dabei Europameister Lukas Märtens (SC Magdeburg), der bei den diesjährigen Titelkämpfen in Fukuoka (JPN) die WM-Bronzemedaille über 400m Freistil gewinnen konnte.
Gemäß der Nominierungsrichtlinien wurden neben den weiteren vier WM-Finalist*innen des Sommers auch Leonie Märtens (SC Magdeburg), Melvin Imoudu (Potsdamer SV) und Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover) in die Nationalmannschaft berufen, nachdem sie im Qualifikationszeitraum Juli/August 2023 die WM-Normzeiten unterboten hatten. Alle drei sind nun erstmals bei einer Langbahn-WM dabei.
Der Nominierungsausschuss folgte außerdem dem Vorschlag von Leistungssportdirektor Christian Hansmann, zusätzlich auch Rafael Miroslaw (SG HT16 Hamburg) und Florian Wellbrock (SC Magdeburg) am Persischen Golf einzusetzen. Miroslaw hatte die Normzeit über 200m Freistil (1:46,26) im Juli um lediglich zwei Hundertstelsekunden verfehlt und zählt zu den perspektivreichsten Athleten für die Olympischen Spiele über die 100m und 200m Freistil sowie gleich mehrere Staffeln auf diesen Strecken. Freiwasser-Weltmeister Wellbrock soll zusätzlich zum Open-Water-Rennen auch wieder die 1500m Freistil angehen, da sein als WM-Fünfter eigentlich gesetzter Vereinskollege Märtens diese Strecke nach den Erfahrungen von Fukuoka aus seinem sehr umfangreichen WM-Programm streicht. „Als deutscher Rekordhalter und Weltmeister über 1500m Freistil ist Florian der beste Ersatz, den wir uns wünschen können“, so Hansmann.
Märtens selbst erklärte: „Das Thema mit den vielen Einsätzen begleitet mich ja schon länger. Trainingsmethodisch sind so unterschiedliche Rennen nicht optimal unter einen Hut zu bringen. Bis Paris möchte ich mich daher nun vor allem auf die mittleren Distanzen konzentrieren“, sagte Märtens. „Erst einmal freue ich mich jetzt auf die erste gemeinsame WM mit meiner Schwester. Das pusht sicher, wenn die Familie auch vor Ort hinter einem steht. Und dem Traum von der gemeinsamen Olympiateilnahme kommen Leonie und ich damit wieder ein Stück näher.“
An den Staffelwettbewerben wird der DSV in Doha diesmal nicht teilnehmen. „Trainingsmethodisch wäre es nicht zielführend für ein gutes Olympiaabschneiden, innerhalb von fünf Monaten gleich drei Wettkampfhöhepunkte anzustreben. Deswegen konzentrieren wir uns lieber auf den nationalen Qualifikationszeitraum im April 2024 mit den Deutschen Meisterschaften vom 25. – 28. April in Berlin als finalem Höhepunkt“, sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn. Sechs der sieben olympischen Staffeln hatten sich ohnehin bereits in Japan aussichtsreich im Kampf um die insgesamt 16 Startplätze für Paris platziert.
Das deutsche WM-Team wird im nächsten Monat bereits beim Weltcup in Berlin (06. – 08. Oktober) an den Start gehen, um sich im Vergleich mit Topstars aus aller Welt wie beispielsweise Kaylee McKeown (AUS), Sarah Sjöström (SWE), Adam Peaty (GBR) oder Kristof Milak (HUN) für die bevorstehende Olympiasaison optimal in Schwung zu bringen. Schon jetzt kann man sich dafür Tickets sichern. Tageskarten für das sportliche Gipfeltreffen kosten 29,00 Euro (ermäßigt* 27,00 Euro). Dauerkarten für alle drei Tage sind für jeweils 82,00 Euro (ermäßigt* 76,00 Euro) zu buchen.
>> Zum Ticketverkauf für den SWC Berlin 2023
Für Gruppenbuchungen ab zehn Personen – zum Beispiel für Vereine – wird dabei ein Rabatt von 15 Prozent gewährt. Bitte kontaktieren Sie für die Rabattierung der Gruppenbuchungen die Ticket-Hotline. Diese ist unter 01806 – 99 11 84 (0,20 EUR/Anruf aus dt. Festnetz / max. 0,60 EUR/Anruf aus dt. Mobilfunknetz) erreichbar.
Das WM-Team für Doha
Frauen: Isabel Gose, Leonie Märtens (beide SC Magdeburg), Angelina Köhler (SG Neukölln Berlin)
Männer: Lukas Märtens, Florian Wellbrock (beide SC Magdeburg), Sven Schwarz (Waspo 98 Hannover), Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin), Lucas Matzerath (SG Frankfurt), Melvin Imoudu (Potsdamer SV), Rafael Miroslaw (SG HT 16 Hamburg)
Lukas Märtens erreicht über 800m Freistil als Dritter das WM-Finale
Der Verzicht auf die 200m Freistil hat sich für Lukas Märtens definitiv gelohnt. Nach einem Regenerationstag nach seiner WM-Bronzemedaille über 400m Freistil am vergangenen Sonntag präsentierte sich der Magdeburger bei den Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN) wieder in alter Frische und sicherte sich über 800m Freistil sein zweites Finalticket. In 7:42,04 Minuten schwamm der 21-Jährige in der Nacht zu Dienstag (MESZ) die drittbeste Zeit der Vorläufe. „Das war einwandfrei, sehr kontrolliert. Er weiß was er kann und ist souverän mitgeschwommen, hat sich gar nicht in den Endspurt begeben, das war sehr gut”, lobte Bundestrainer Bernd Berkhahn.
„Meine Bilanz vom Vorlauf ist sehr positiv. Wenn ich mich an das letzte Jahr erinnere, da bin ich glaube ich nicht so freudestrahlend angekommen (bei der WM 2022 hatte Märtens den Endlauf über 800m Freistil verpasst, Anm. d. Red.). Ich denke, ich kann von einem sehr soliden Vorlauf sprechen, und da kann man schon mal Richtung Medaillen schauen zum Finale hin”, meinte Märtens selbst. „Ich bin froh, auf die 200 Meter verzichtet zu haben. Letztes Jahr habe ich das mal ausprobiert, wie das mit den 200 zusätzlich noch laufen kann, und wir haben gesehen, wie es lief. Ich denke, dieses Mal wäre das nicht anders gelaufen. Deswegen bin ich wirklich zufrieden.”
Sieger in seinem Lauf wurde der Australier Sam Short, der in Fukuoka auch schon die 400m Freistil gewonnen hat und über die doppelt so lange Distanz in 7:40,90 erneut eine Top-Zeit ablieferte, dahinter lag auch diesmal wieder der Tunesier Ahmed Hafnaoui (7:41,97). Überhaupt waren die Leistungen schon in den Vorläufen beeindruckend und versprechen ein spannendes und schnelles Finale, das dann am Mittwoch über die Bühne geht. „Das Feld ist so eng, das ist unglaublich”, so Bernd Berkhahn. „Das Rennen wird super schnell, sicher das schnellste, was wir bisher gesehen haben, und da ist eine Prognose wirklich schwierig. Letztendlich wird es ein Sprintfinale, es wird sicherlich um Hundertstel gehen.”
Nicht dabei ist dann leider Florian Wellbrock (SC Magdeburg), der Vizeweltmeister des vergangenen Jahres auf dieser Strecke kam in 7:45,87 auf Platz neun – am Ende fehlten ihm sieben Hundertstel auf den Brasilianer Guilherme Costa (7:45,80) und zum Weiterkommen. Fünfter war er in dem Lauf mit Märtens geworden, im abschließenden Vorlauf waren dann noch vier Schwimmer schneller. „Ich kann nicht erklären, warum. Er war erholt, alles entspannt, eigentlich alles okay. Und dann kommt er nicht richtig in seinen Rythmus rein, und am Ende steht da eine Zeit, die auf den Punkt sieben Hundertstel zu langsam ist. Das ist im Sport halt manchmal so, auch deswegen betreiben wir den Sport, denn es ist immer spannend und jedes Mal eine Herausforderung. Wir müssen jetzt erstmal damit klar kommen”, so Berkhahn. Wellbrock hat bei dieser WM schon zweimal Gold im Freiwasser gewonnen und startet im Becken auch noch über die 1500m Freistil, über die er sich ebenfalls große Chancen ausrechnet.
Bestzeit für Lucas Matzerath im Brustsprint
Neben den beiden Langstrecklern war am Dienstag in den Vorläufen ein weiterer Deutscher auf einer der kürzesten Strecken dieser WM im Einsatz. Über 50m Brust erzielte Lucas Matzerath in 26,94 Sekunden eine neue Bestzeit, seine bisherige Bestleistung unterbot der Frankfurter damit um fünf Hundertstel. „Ich habe hinten raus den Anschlag gut getroffen, das lief deutlich besser als gestern im Rennen. Bei den 50 Metern ist es natürlich wichtig, dass am Ende alles sitzt, da kommt es noch auf die letzten Hundertstel an”, freute er sich.
In seinem Lauf schlug der 23-Jährige damit als Zweiter hinter Sun Jiajun (CHN/26,76) an, in der Addition aller Vorläufe kam er auf Rang sieben – hier lag mit 100m-Sieger Qin Haiyang (26,34) ebenfalls ein Chinese ganz vorne. Auf dieser Strecke war Matzerath am Vortag schon WM-Fünfter geworden, nun peilt er nach Platz sechs im Vorjahr auch über die halbe Distanz wieder das Finale an. „Ich bin froh, dass ich den Umstieg von den 100 Metern auf die 50 Meter gut mitnehmen und dass ich in die Geschwindigkeit und in die höheren Frequenzen reingehen konnte. Es ist wie eine andere Disziplin, die Umstellung habe ich geschafft. Heute Abend kann ich nochmal voll investieren. Mit der neuen Bestzeit lässt sich noch was drücken”, sagte er.
So lief die WM-Nacht: Isabel Gose zieht in das nächste Finale ein
Auch am zweiten Tag der Beckenwettbewerbe wussten die Aktiven des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) bei den Weltmeisterschaften in Fukuoka (JPN) zu überzeugen. So kraulte Isabel Gose über 1500m Freistil bereits in ihr zweites Finale, welches dann am Dienstagnachmittag (ab 13:00 Uhr, ZDF-Livestream) stattfindet. Nach deutschem Rekord über 400m Freistil und Platz sieben am Vortag kraulte die 21-Jährige vom SC Magdeburg in 15:59,67 Minuten bereits nahe an ihre Bestzeit von den Deutschen Meisterschaften im Juni in Berlin (15:56,80) heran und belegte damit Rang fünf. „Es war das erste Mal, dass ich an einem Vormittag die 1500 Meter geschwommen bin. Das hat sich ganz gut angefühlt", sagte Gose. „Es gibt noch ein bisschen Potenzial nach oben für morgen.” Schnellste der Vorkämpfe war Titelverteidigerin Katie Ledecky (USA/15:41,22).
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Problemlos war zuvor Ole Braunschweig ins Halbfinale über 100m Rücken eingezogen. Der 25-Jährige von der SG Neukölln Berlin blieb in 53,57 Sekunden nur eine Zehntelsekunde über seiner Bestzeit und erzielte damit die sechstbeste Zeit des Feldes. Die schnellste Zeit des Vormittags schaffte Jiayu Xu (CHN/52,87). „Das passt erst einmal“, war Braunschweig mit seinem Einstieg in den Wettkampf völlig zu Recht sehr zufrieden.
Nicht nach Plan lief es dagegen für Anna Elendt. Nach Überraschungssilber über 100m Brust im vergangenen Jahr schied die 21-Jährige von der SG Frankfurt diesmal bereits nach dem Vorlauf aus. Mit einer Zeit von 1:07,09 Minuten lag sie eineinhalb Sekunden über ihrem deutschen Rekord und landete damit auf Rang 19, zum Einzug ins Halbfinale fehlten gut drei Zehntel. Elendt, die zuletzt an einer Oberschenkelverletzung laboriert hatte, fand anschließend erst einmal keine Worte für ihre Enttäuschung. Mit über einer Sekunde Vorsprung war am Montagmorgen Ruta Meilutyte (LTU/1:04,67) die Schnellste.
Zum Verzicht auf den Start über 200m Freistil entschied sich kurzfristig Lukas Märtens (SC Magdeburg), der am Vortag die Bronzemedaille über die doppelt so lange Distanz gewonnen hatte. „Unsere Konzentration gilt nun den Starts über 800 und 1500 Meter“, erklärte Bundestrainer Bernd Berkhahn dazu. Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatte Märtens am zweiten WM-Tag zwar das Finale über 200m Freistil erreicht (und war im dritten 200m-Rennen am dritten Tag dann Siebter geworden), den Finaleinzug über 800m Freistil verpasste er damals dann aber an WM-Tag drei aufgrund des sehr dicht getakteten Programms. Diesmal gibt er mit dieser Entscheidung nun der längeren Distanz die Priorität und gönnt sich vorher noch etwas Regeneration.
Trotzdem ist Deutschland auch in diesem Rennen im Halbfinale am Nachmittag vertreten, denn Rafael Miroslaw (SG HT16 Hamburg) zeigte mit 1:46,69 Minuten eine überzeugende Leistung und belegte zeitgleich mit zwei weiteren Schwimmern Rang 13. „Wichtig war es, erst einmal weiterzukommen, es ist ein sehr enges Feld“, sagte Miroslaw. „Da ist noch etwas drin heute Nachmittag. Das wird ein Kampf, aber ich glaube, ich kann noch ein bisschen schneller.“ Miroslaw gehörte zur 4x100m-Freistil-Staffel, die am Vortag den Finaleinzug um eine Hundertstel verpasst hatte, und war mit seiner Leistung dort noch unzufrieden gewesen: „Ich habe geguckt, woran es gelegen hat und ein bisschen auskorrigiert. Ich wollte einfach zu viel. Wenn man zu gierig wird, dann überpaced man“, erklärte Miroslaw „Aber das Team hat mich gestärkt, und sie haben gesagt, sie sind nicht böse auf mich und dass so etwas nun mal passiert. Das hat mir umso mehr Motivation für die 200 Meter gegeben.“
Der Finalabschnitt am heutigen Nachmittag startet um 13:00 Uhr (MESZ) mit Lucas Matzerath (100m Brust) und Angelina Köhler (100m Schmetterling) in aussichtsreicher Position – beide hatten schon gestern mit deutschen Rekorden geglänzt. Das ZDF sendet heute allerdings keinen Livestream aus Japan, man muss daher auf internationale Streams oder Bezahlangebote wie recast.tv zugreifen.
Bestleistung für das deutsche Mixed-Duett
Nach ihrem Auftritt unterhielten sich Michelle Zimmer und Frithjof Seidel (beide SC Wedding) noch lange mit den anderen Mixed-Duetten, gemeinsam posierte man für Erinnerungsfotos an eine insgesamt erfolgreiche Weltmeisterschaft in Fukuoka (JPN). Denn auch in der Freien Kür zeigte das deutsche Mixed-Duett in der Nacht am frühen Freitagmorgen (MESZ) wieder eine gute Leistung. 124,7188 Punkte bedeuteten einen neuen Bestwert für die beiden, mit Rang 13 ging es damit gegenüber der Technischen Kür nochmal zwei Plätze nach vorne. Am Ende fehlten ihnen lediglich 0,6 Zähler auf die Chilen*innen, die als Zwölfte das letzte Finalticket lösten. Sieger*innen des Vorkampfs wurden Cheng Wentao und Shi Haoyu aus China mit 221,1023 Punkten.
„Es war homogen zwischen uns, es war ein gutes Schwimmen. Wir sind super zufrieden. Unsere Trainerin hat gesagt, das war das Beste, was wir in dieser Saison geschwommen sind. Das war das Ziel”, sagte Zimmer. Für ihre Kür hatten sich Seidel und sie sich das Thema „Tarzan und Jane” ausgesucht. Diese kommen im Film aus zwei ganz unterschiedlichen Welten und bringen sich gegenseitig neue Dinge bei – die Parallelen zum deutschen Mixed-Duett, bei dem Seidel ursprünglich Wasserspringer war und erst 2021 zum Synchronschwimmen wechselte, sind unverkennbar. „Wir haben die ganze Saison für diesen Moment trainiert. Wir sind super happy”, sagte Seidel zum Abschluss seiner ersten WM.
Untröstlich fühlte sich dagegen Stephanie Marx. Bei der Analyse des Ergebnisses fiel der Trainerin auf, dass ihr bei der Eingabe der Übungen auf der Coach Card ein Fehler unterlaufen war, der zur zweiten Base Mark und den entscheidenden Punktabzügen führte. „Die beiden haben alles richtig gemacht, ich hatte den falschen Code eingegeben. Leider machen auch Trainer Fehler, es tut mir von Herzen leid”, sagte Marx.
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WM-Debüt für Luis Avila Sanchez beim Turmspringen
Beim Turmspringen waren mit Luis Avila Sanchez (Berliner TSC/17 Jahre) und Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen/18) die beiden Youngsters im Aufgebot der deutschen Wasserspringer*innen vertreten. Eigentlich hätte hier Timo Barthel (SV Halle) springen sollen, doch dieser hatte auf einen Start verzichtet, weil er gesundheitlich angeschlagen ist und zudem als Europameister auch schon einen Olympia-Quotenplatz für Deutschland gesichert hatte. Stattdessen kam Avila Sanchez zu seinem WM-Debüt, der Berliner beendete den Vorkampf mit 319,55 Punkten auf Platz 35.
Innerhalb kürzester Zeit hatte er zuletzt den Schwierigkeitsgrad seiner Sprungserie noch einmal deutlich ausgebaut, was die Teilnahme an den Weltmeisterschaften überhaupt erst ermöglicht hatte. Auch den 3,5-fachen Auerbachsalto hatte er erst dieses Jahr gelernt. „In Fukuoka hat er bei diesem Sprung einen sehr guten Ansatz erwischt, ihn dann aber unten drübergehauen, weil er nicht damit umgehen konnte. Das sind so typische Fehler, das muss man einfach noch mehr trainieren, damit man die Bewegungserfahrung hat und damit umgehen kann. Für ihn galt es hier, Erfahrung zu sammeln”, sagte Bundestrainer Christoph Bohm.
Jaden Eikermann kam mit 310,70 auf Rang 38. Knackpunkt war der Patzer beim 4,5-fachen Salto vorwärts im zweiten Durchgang, durch den er früh ins Hintertreffen geriet. „Er hat hier nicht das gezeigt, was er konnte. Aber auch er ist immer noch ein sehr junger Sportler und sein Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen. Diese Erfahrung muss er jetzt mitnehmen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen”, so Bohm. Nur die besten 18 Springer zogen ins Halbfinale ein. Den stärksten Eindruck im Vorkampf hinterließ Lian Junjie, der Chinese kam auf 466,90 Punkte.
