Erst 15 Jahre und schon so schnell: Wegrotzki und Vandenhirtz überzeugen bei der JEM

© Tino Henschel

Sie sind beide erst 15 Jahre alt. Doch bei den Junior*innen-Europameisterschaften in München machten am Samstag im Team des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) mit Evelyn Wegrotzki (SG HT16 Hamburg) und Lara Vandenhirtz (SG Essen) zwei Talente auf sich aufmerksam, die noch zum jüngsten Jahrgang bei dieser JEM gehören. Wegrotzki belegte im Finale über 200m Schmetterling mit 2:14,48 Minuten einen starken sechsten Platz. Vandenhirtz wiederum glänzte im Halbfinale über 50m Schmetterling mit neuem Jahrgangsrekord von 26,56 Sekunden. Als Vierte zog sie ebenso wie Yara Fay Riefstahl (SC Chemnitz/26,86) ins morgige Finale ein.

 

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„Ich habe nicht erwartet, es gleich bei meiner ersten JEM ins Finale zu schaffen“, meinte Evelyn Wegrotzki. „Es hat unheimlich Spaß gemacht. Vor allem, weil das ganze Team hinter mir steht. Ich habe die ganze Zeit gehört, wie angefeuert wurde, und ich bin sehr dankbar dafür. Dieses Erlebnis wird eine große Motivation sein, im nächsten Jahr hart zu arbeiten und weiter anzugreifen.“ Gold über 200m Schmetterling holte Vivien Jackl (HUN) in 2:09,42.

Auch Lara Vandenhirtz strahlte nach dem Rekord in der bestens gefüllten Olympia-Schwimmhalle und ihrer bereits zweiten persönlichen Bestzeit an diesem Tag. „Ich bin unfassbar happy. Mit dem Finaleinzug geht ein kleiner Traum für mich in Erfüllung. Und Jahrgangsrekord bin ich auch schon seit zwei Jahren nicht mehr geschwommen. Ich habe schon jetzt alles geschafft, was ich dieses Jahr erreichen wollte“, jubelte sie. Die alte Bestmarke von 26,56 unterbot sie in München um mehr als eine Zehntelsekunde. Und machte damit die Worte ihrer Essener Vereinskolleg*innen wahr, die auf der Tribüne ein Plakat in die Höhe hielten, auf dem stand: „Besser als die Fußballer – ab ins Finale!“

 

DSV-Staffel im Rekordrennen auf Platz vier 

 

Schnellste im Halbfinale über 50m Schmetterling war Andreanne Bourseul aus Frankreich mit neuem Meisterschaftsrekord von 26,03 Sekunden. Sogar einen Junioren-Europarekord gab es über 4x200m Freistil bei den Männern zu sehen. Dort schwammen die Neutralen Athleten mit Bogdan Toropkin, Mikhail Shcherbakov, Savelii Vishniakov und Grigorii Vekovishchev mit 7:09,16 Minuten zum Titel vor Italien (7:16,14) und Ungarn (7:17,30). Das DSV-Quartett mit Rudolf Bordas (SC Magdeburg), Jonas Lieschke (Hamburger SC), Simon Brugger (SG Stadtwerke München) und Nils Nolte (Berliner TSC) wurde mit 7:20,21 Vierter.

„Wir haben alle unsere Bestes gegeben, sind hinten aber ein wenig festgegangen“, sagte Bordas. Schlussschwimmer Nolte gab noch einmal alles, konnte im Endspurt aber nicht mehr entscheidend zulegen. „Ich habe den Ungarn gesehen und wusste, dass ich da irgendwie herankommen muss, wenn es eine Medaille werden soll. Am Ende ist es nicht vielleicht die beste Renneinteilung gewesen“, so der Berliner.

 

Linda Roth setzt auf die 400m Freistil

 

Dass bei einem derart hohen Niveau bei einer JEM nicht alle Medaillenträume in Erfüllung gehen können, ist logisch. Diese Erfahrung musste auch Langstreckler Moritz Erkmann (SC Chemnitz) machen, der am Samstag über 800m Freistil in 8:05,45 Minuten Achter wurde – es siegte auch hier Grigorii Vekovishchev (NA/7:52,31). Trotzdem braucht sich Erkmann nach zwei Finalplatzierungen auf den Langstrecken nicht grämen. Bereits in zwei Wochen steht er bei der JEM im Freiwasser in Ungarn (23. – 26. Juli) vor seiner nächsten internationalen Aufgabe.

Linda Roth hat in München über 200m Freistil bereits ihr Goldstück gemacht. Über die halb so lange Distanz wurde die Magdeburgerin beim Sieg von Alessandra Mao (ITA/54,61) Fünfte in 54,74 Sekunden – nur 13 Hundertstel fehlten ihr zum Podium.

„Das war okay dafür, dass ich gar nicht so richtig weiß, mein wievieltes Rennen das bei dieser JEM schon war“, sagte sie. Die 18-Jährige wird nach der JEM auch noch bei den Europameisterschaften der offenen Klasse in Paris (FRA/31. Juli – 16. August) an den Start gehen, in der Vorbereitung musste sie deshalb einen Spagat meistern und es fehlte gerade auf den kürzeren Strecken ein wenig die Spritzigkeit. „Ich nehme das auch Lerneffekt mit und schaue jetzt auf die 400 Meter Kraul morgen. Man merkt ein bisschen, dass das Energielevel geringer wird. Aber ich weiß, dass ich dort ganz gut dabei bin und hoffe deswegen auch aufs Treppchen“, so Roth.

 

Louis Hoffmann untermauert seine Medaillenambitionen

 

Die Titelkämpfe in der ikonischen Olympia-Schwimmhalle von 1972 gehen noch bis Sonntag. Und auch am Schlusstag hat Deutschland noch einmal Medaillenchancen. Nicht nur durch Linda Roth, sondern vor allem auch durch Louis Hoffmann. Der 18-Jährige von der SG Neukölln Berlin bestritt am Samstag in München zwar schon sein zehntes Rennen, hatte über 100m Brust aber noch genug Kraft im Endspurt, um mit 1:00,64 Minuten zu einer neuen Bestzeit zu schwimmen.

 

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Hoffmann wirkt nach außen oft reserviert, nach diesem Auftritt ballte er aber sichtbar die Faust. „Es wird immer härter. Jetzt heißt es, sich durchzukämpfen. Wir haben es im Training oft genug geübt, Sachen lange durchzuziehen. Deswegen hoffe ich, dass ich die Sache hier zu Ende bringen kann. Ich möchte morgen um die Medaillen mitkämpfen, wenn es geht. Ansonsten bin ich mit einer persönlichen Bestzeit auch zufrieden.“ In der Silberstaffel am Vorabend war er 59,66 Sekunden mit fliegendem Start geschwommen. „Das hat Selbstbewusstsein gegeben, auch wenn Staffeln immer besonders hyped sind. Ich hoffe, dass ich nun meinen letzten Hunderter auch noch mal so gut hinbekomme.“

 

Larus Thiel, Laura Sophie Kohlmann und Mira Helget ebenfalls im Finale

 

Im Finale steht auch Larus Thiel (SG Bayer) über 50m Freistil. Mit 23,86 Sekunden blieb er nur eine Hundertstel unter dem von ihm selbst gehaltenen Jahrgangsrekord für 17-Jährige und erreichte damit Platz sieben. „Beim 50-Meter-Sprint geht es immer um Kleinigkeiten. Heute nur winzige fünf Hundertstel langsamer und es reicht nicht fürs Finale. Aber wenn ich morgen fünf Hundertstel schneller bin, kann das dann womöglich zu einer Medaille reichen. Das macht den Reiz der kurzen Rennen aus. Und deswegen bin ich erst einmal sehr froh, dass ich wieder im Finale stehe“, sagte Thiel.

 

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Sogar zwei Deutsche stehen über 200m Lagen im Endlauf. Sowohl Laura Sophie Kohlmann (SG Essen) als Fünfte in 2:16,25 Minuten als auch Mira Helget (AMTV-WTB Hamburg) als Achte in 2:17,48 lösten das Ticket fürs Finale.

Für Hannah Schneider (Hofheimer SC) war über 100m Brust als Elfte dagegen im Halbfinale Endstation, mit 1:10,23 Minuten konnte sie sich gegenüber dem Vorlauf aber noch einmal verbessern. „Ich habe noch einmal rausgeholt, was gerade in meinem Körper steckt“, meinte die Hessin, die noch mit den Nachwirkungen ihrer Krankheit von Anfang der Woche kämpft. „Ich weiß, woran es liegt, dass es nicht schneller geht. Jetzt hoffe ich, dass ich in meiner ersten Saison in der offenen Klasse ohne gesundheitliche Probleme durchkomme. Von meiner letzten JEM nehme ich trotzdem viel Positives mit, vor allem das positive Feeling mit der Gruppe.“ Nils Nolte belegte über 100m Freistil mit 49,89 Sekunden ebenso Rang zwölf wie über 100m Rücken Mitja Bauer (SSG Leipzig) mit einer Zeit von 55,82.

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