JEM in München: Die Jugend schwimmt heute schneller als alle Olympiastars von 1972

©Jo Kleindl
- 05.07.2026
Mit den Junior*innen-Europameisterschaften (07. – 12. Juli) finden nach langer Zeit endlich mal wieder internationale Titelkämpfe in Münchens ikonischer Olympia-Schwimmhalle statt. 600 Aktive aus 46 Ländern im Alter von 15 bis 18 Jahren sind dabei am Start, das liegt sehr nahe an der Olympia-Dimension von damals (532 Aktive aus 52 Ländern). Eines aber wird ganz anders werden, nämlich viel schneller sein: die Geschwindigkeit im Becken.
Als siebenmaliger Goldmedaillengewinner verschaffte Mark Spitz (USA) dem Schwimmsport weltweit eine völlig neue Relevanz, eine Ausrüsterfirma wie Arena beispielsweise wurde erst in Folge des Olympiarummels in München gegründet (Marktführer Speedo gibt es beispielsweise schon seit 1928). Auch Shane Gould (AUS) und Roland Matthes (DDR) stiegen mit ihren Seriensiegen und neuen Weltrekorden zu Superstars auf. Doch der olympische Kernsport Schwimmen hat sich seither so rasant weiterentwickelt, dass die Olympiastars von 1972 mit den Zeiten von damals heute keine Chance gegen die Teenager dieser JEM hätten.
Nicht nur neue Regeln machen die Zeiten schneller
Die Gründe sind vielschichtig. Die gewachsenen Erkenntnisse in der Sportwissenschaft sorgten für Fortschritte in Training und Wettkampf, aber auch bei Themen wie Ernährung und Regeneration Auch machten seither neue Regeln das Schwimmen schneller. So ist beispielsweise beim Rückenschwimmen die Rollwende ohne Handberührung der Wand erlaubt, zudem gibt es eine Starthilfe.
Auch Technikrevolutionen tragen zum höheren Renntempo bei. So haben das gleitfähigere Anzug- und Badekappenmaterial Anteil an der Entwicklung. Auch bei der Hallentechnik tat sich einiges. So gibt es inzwischen viel effektivere Wellenkiller-Bahnbegrenzungen, durch moderne Lüftungssysteme schwebt auch mehr Sauerstoff an der Wasseroberfläche als früher. „Der Schwimmsport von damals ist nicht mit dem heutigen zu vergleichen. Schon allein deswegen, weil er heute in einer ganz anderen Breite und Professionalität betrieben wird. Aber das ist in fast allen Sportarten so“, sagt Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes. „Außerdem muss man sagen, dass das Niveau bei dieser JEM sehr hoch ist. Denn hier sind Aktive am Start, die einen Monat später bei den Europameisterschaften in Paris oder auch bei den Olympischen Spielen 2028 ganz vorn mitmischen werden.“
Vergleich aller Strecken: So viel schneller wird heute geschwommen
| Strecke | Olympiasiegerin 1972 | Schnellste Meldung JEM 2026 | Unterschied |
| 100m Freistil | Sandra Neilson (USA) 58,59 | Kira Manokhina (AIN) 54,18 | -4,31 Sekunden |
| 200m Freistil | Shane Gould (AUS) 2:03,56 | Alessandra Mao (ITA) 1:57,00 | -6,56 Sekunden |
| 400m Freistil | Shane Gould (AUS) 4:19,04 | Linda Roth (GER) 4:06,50 | -12,54 Sekunden |
| 800m Freistil | Keena Rothhammer (USA) 8:53,68 | Sofia Diakova (AIN) 8:24,93 | -28,75 Sekunden |
| 100m Rücken | Melissa Belote (USA) 1:05,78 | Daria-Mariuca Silisteanu (ROU) 1:00,02 | -5,76 Sekunden- |
| 200m Rücken | Melissa Belote (USA) 2:19,19 | Jeanne Lechevalier (FRA) 2:10,01 | -9,18 Sekunden |
| 100m Brust | Cathy Carr (USA) 1:13,58 | Gabrielle Beavers (GBR) 1:07,69 | -5,89 Sekunden |
| 200m Brust | Beverly Whitfield (AUS) 2:41,71 | Kay-Lyn Löhr (SUI) 2:26,21 | -15,5 Sekunden |
| 100m Schmetterling | Mayumi Aoki (JPN) 1:03,34 | Yara Fay Riefstahl (GER) 58,23 | -5,11 Sekunden |
| 200m Schmetterling | Karen Moe (USA) 2:15,57 | Vivien Jackl (HUN) 2:10,36 | -5,21 Sekunden |
| 200m Lagen | Shane Gould (AUS) 2:23,07 | Alexandra Ablovatskaia (MAD) 2:09,08 | -13,99 Sekunden |
| 400m Lagen | Gali Neall (AUS) 5:02,97 | Vivien Jackl (HUN) 4:34,96 | -28,01 Sekunden |
| Strecke | Olympiasieger 1972 | Schnellste Meldung JEM 2026 | Unterschied |
| 100m Freistil | Mark Spitz (USA) 51,22 | Luca Hoek (ESP) 47,72 | -3,5 Sekunden |
| 200m Freistil | Mark Spitz (USA) 1:52,78 | Christian Giefing (AUT) 1:44,88 | -7,9 Sekunden |
| 400m Freistil | Brad Cooper (AUS) 4:00,27 | Grigorii Vekovishev (AIN) 3:46,16 | -14,11 Sekunden |
| 1500m Freistil | Michael Burton (USA) 15:52,58 | Mikolaj Litoborski (POL) 15:14,36 | -38,22 Sekunden |
| 100m Rücken | Roland Matthes (DDR) 56,58 | Nathan Muratory (FRA) 53,45 | -3,13 Sekunden |
| 200m Rücken | Roland Matthes (DDR) 2:02,82 | Nathan Muratory (FRA) 1:57,31 | -5,51 Sekunden |
| 100m Brust | Nobutaka Taguchi (JPN) 1:04,94 | Max Morgan (GBR) 59,56 | -5,38 Sekunden |
| 200m Brust | John Hencken (USA) 2:21,55 | Dorut Yogurtcouglu (TUR) 2:09,64 | -11,91 Sekunden |
| 100m Schmetterling | Mark Spitz (USA) 54,27 | Tajus Juska (LTU) 51,83 | -2,44 Sekunden |
| 200m Schmetterling | Mark Spitz (USA) 2:00,70 | David Antal (HUN) 1:56,45 | -4,25 Sekunden |
| 200m Lagen | Gunnar Larsson (SWE) 2:07,17 | Mikhail Shcherbakov (AIN) 1:57,12 | -10,05 Sekunden |
| 400m Lagen | Gunnar Larsson (SWE) 4:31,98 | Simon Laviolette (BEL) 4:19,60 | -12,38 Sekunden |
Anmerkung: Mittlerweile gehören zusätzlich alle 50m-Strecken und auch die 800m Freistil (Männer) und 1500m Freistil (Frauen) zum Programm internationaler Titelkämpfe. Dort ist aber kein Vergleich möglich.


















