JEM in München: Die Jugend schwimmt heute schneller als alle Olympiastars von 1972

©Jo Kleindl

Mit den Junior*innen-Europameisterschaften (07. – 12. Juli) finden nach langer Zeit endlich mal wieder internationale Titelkämpfe in Münchens ikonischer Olympia-Schwimmhalle statt. 600 Aktive aus 46 Ländern im Alter von 15 bis 18 Jahren sind dabei am Start, das liegt sehr nahe an der Olympia-Dimension von damals (532 Aktive aus 52 Ländern). Eines aber wird ganz anders werden, nämlich viel schneller sein: die Geschwindigkeit im Becken.

 

Als siebenmaliger Goldmedaillengewinner verschaffte Mark Spitz (USA) dem Schwimmsport weltweit eine völlig neue Relevanz, eine Ausrüsterfirma wie Arena beispielsweise wurde erst in Folge des Olympiarummels in München gegründet (Marktführer Speedo gibt es beispielsweise schon seit 1928). Auch Shane Gould (AUS) und Roland Matthes (DDR) stiegen mit ihren Seriensiegen und neuen Weltrekorden zu Superstars auf. Doch der olympische Kernsport Schwimmen hat sich seither so rasant weiterentwickelt, dass die Olympiastars von 1972 mit den Zeiten von damals heute keine Chance gegen die Teenager dieser JEM hätten.

 

Nicht nur neue Regeln machen die Zeiten schneller

 

Die Gründe sind vielschichtig. Die gewachsenen Erkenntnisse in der Sportwissenschaft sorgten für Fortschritte in Training und Wettkampf, aber auch bei Themen wie Ernährung und Regeneration Auch machten seither neue Regeln das Schwimmen schneller. So ist beispielsweise beim Rückenschwimmen die Rollwende ohne Handberührung der Wand erlaubt, zudem gibt es eine Starthilfe.

 

Auch Technikrevolutionen tragen zum höheren Renntempo bei. So haben das gleitfähigere Anzug- und Badekappenmaterial Anteil an der Entwicklung. Auch bei der Hallentechnik tat sich einiges. So gibt es inzwischen viel effektivere Wellenkiller-Bahnbegrenzungen, durch moderne Lüftungssysteme schwebt auch mehr Sauerstoff an der Wasseroberfläche als früher. „Der Schwimmsport von damals ist nicht mit dem heutigen zu vergleichen. Schon allein deswegen, weil er heute in einer ganz anderen Breite und Professionalität betrieben wird. Aber das ist in fast allen Sportarten so“, sagt Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes. „Außerdem muss man sagen, dass das Niveau bei dieser JEM sehr hoch ist. Denn hier sind Aktive am Start, die einen Monat später bei den Europameisterschaften in Paris oder auch bei den Olympischen Spielen 2028 ganz vorn mitmischen werden.“

 

Vergleich aller Strecken: So viel schneller wird heute geschwommen

 

 

Strecke

Olympiasiegerin 1972

Schnellste Meldung JEM 2026

Unterschied

100m Freistil

Sandra Neilson (USA) 58,59

Kira Manokhina (AIN) 54,18

-4,31 Sekunden

200m Freistil

Shane Gould (AUS) 2:03,56

Alessandra Mao (ITA) 1:57,00

-6,56 Sekunden

400m Freistil

Shane Gould (AUS) 4:19,04

Linda Roth (GER) 4:06,50

-12,54 Sekunden

800m Freistil

Keena Rothhammer (USA) 8:53,68

Sofia Diakova (AIN) 8:24,93

-28,75 Sekunden

100m Rücken

Melissa Belote (USA) 1:05,78

Daria-Mariuca Silisteanu (ROU) 1:00,02

-5,76 Sekunden-

200m Rücken

Melissa Belote (USA) 2:19,19

Jeanne Lechevalier (FRA) 2:10,01

-9,18 Sekunden

100m Brust

Cathy Carr (USA) 1:13,58

Gabrielle Beavers (GBR) 1:07,69

-5,89 Sekunden

200m Brust

Beverly Whitfield (AUS) 2:41,71

Kay-Lyn Löhr (SUI) 2:26,21

-15,5 Sekunden

100m Schmetterling

Mayumi Aoki (JPN) 1:03,34

Yara Fay Riefstahl (GER) 58,23

-5,11 Sekunden

200m Schmetterling

Karen Moe (USA) 2:15,57

Vivien Jackl (HUN) 2:10,36

-5,21 Sekunden

200m Lagen

Shane Gould (AUS) 2:23,07

Alexandra Ablovatskaia (MAD) 2:09,08

-13,99 Sekunden

400m Lagen

Gali Neall (AUS) 5:02,97

Vivien Jackl (HUN) 4:34,96

-28,01 Sekunden

 

 

Strecke

Olympiasieger 1972

Schnellste Meldung JEM 2026

Unterschied

100m Freistil

Mark Spitz (USA) 51,22

Luca Hoek (ESP) 47,72

-3,5 Sekunden

200m Freistil

Mark Spitz (USA) 1:52,78

Christian Giefing (AUT) 1:44,88

-7,9 Sekunden

400m Freistil

Brad Cooper (AUS) 4:00,27

Grigorii Vekovishev (AIN) 3:46,16

-14,11 Sekunden

1500m Freistil

Michael Burton (USA) 15:52,58

Mikolaj Litoborski (POL) 15:14,36

-38,22 Sekunden

100m Rücken

Roland Matthes (DDR) 56,58

Nathan Muratory (FRA) 53,45

-3,13 Sekunden

200m Rücken

Roland Matthes (DDR) 2:02,82

Nathan Muratory (FRA) 1:57,31

-5,51 Sekunden

100m Brust

Nobutaka Taguchi (JPN) 1:04,94

Max Morgan (GBR) 59,56

-5,38 Sekunden

200m Brust

John Hencken (USA) 2:21,55

Dorut Yogurtcouglu (TUR) 2:09,64

-11,91 Sekunden

100m Schmetterling

Mark Spitz (USA) 54,27

Tajus Juska (LTU) 51,83

-2,44 Sekunden

200m Schmetterling

Mark Spitz (USA) 2:00,70

David Antal (HUN) 1:56,45

-4,25 Sekunden

200m Lagen

Gunnar Larsson (SWE) 2:07,17

Mikhail Shcherbakov (AIN) 1:57,12

-10,05 Sekunden

400m Lagen

Gunnar Larsson (SWE) 4:31,98

Simon Laviolette (BEL) 4:19,60

-12,38 Sekunden

 

Anmerkung: Mittlerweile gehören zusätzlich alle 50m-Strecken und auch die 800m Freistil (Männer) und 1500m Freistil (Frauen) zum Programm internationaler Titelkämpfe. Dort ist aber kein Vergleich möglich.

 

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