Maike Halbisch springt mit dem schwersten Sprung der Welt zu EM-Bronze

So cool muss man erstmal sein! Im letzten Durchgang des EM-Finales im High Diving wollte Maike Halbisch gerade zum Handstand ansetzen – vor ihr lag der 3,5-fache Salto rückwärts aus dem Handstand, der schwierigste Sprung beim High Diving, den bei den Frauen aktuell in der Welt nur sie springt. Doch dann ratterte eine U-Bahn nur wenige Meter am Sprungturm vorbei. Und Halbisch? Setzte ab, winkte dem Zugfahrer und den Passagier*innen fröhlich zu, setzte neu an – und brachte den Sprung ins Wasser, so als wäre nichts gewesen.

 

Mit diesem blitzsauberen Versuch ging für Halbisch in Paris (FRA) ein Traum in Erfüllung. Nach Platz sieben nach dem ersten Tag verbesserte sie sich damit noch bis auf Platz drei und sicherte sich mit 292,15 Punkten sensationell die Bronzemedaille. „Ich bin unfassbar froh und kann es gar nicht in Worte fassen. Es ist meine allererste Medaille überhaupt in dem Sport bei einem offiziellen internationalen Event. Und ich hätte vor allem nach gestern damit nicht mehr gerechnet“, jubelte die 20-Jährige vom VfL Waiblingen.

 

Die schweren Sprünge liegen ihr als Turnerin besonders

 

Zu der kuriosen Situation mit der Metro meinte sie: „Der Fahrer hat mir zugewinkt, von daher habe ich zurückgewinkt, weil ich ein netter Mensch bin. Ich hatte Puls 180. Aber dann kommen die und ich hätte mich unfreundlich gefühlt, wenn ich sie angeguckt und nicht zurückgewinkt hätte. Und das macht es ja alles auch ein bisschen lockerer, das macht ja auch Spaß. Die freuen sich, du freust dich – und danach ist dann wieder Fokus. Aber vielleicht hat es auch noch mal kurz aufgelockert.“

 

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Mit dieser Unbekümmertheit hat Maike Halbisch Erfolg. Erst Anfang 2024 bestritt sie ihren ersten Wettkampf im High Diving. Bald wagte sie sich an die schwierigsten Sprünge – den schon erwähnten 3,5-fachen Handstandsalto rückwärts mit einem Schwierigkeitsgrad von 5,0 oder auch den vierfachen Rückwärtssalto (Schwierigkeitsgrad 4,9), der ihr tags zuvor noch nicht ganz gelungen war. „Als ich damals angefangen habe, habe ich zusammen mit meinem Trainer überlegt, was mir liegt. Ich komme ja aus dem Turnen – und dieser Handstand, der liegt mir einfach. Das mache ich seit klein auf, das fällt mir deutlich einfacher als Absprünge, wo jeder Absprung irgendwie anders ist“, erklärte Halbisch.

 

„Der hohe Schwierigkeitswert ist super viel wert – vor allem wenn die Sprünge gut laufen. Das kann aber auch komplett in die andere Richtung gehen, wie gestern zum Beispiel. Es ist brutal schwer und man muss das Risiko eingehen. Gestern hat es nicht geklappt, heute hat es geklappt – und ich bin froh darüber.“

 

Aufnahme in Sportfördergruppe eröffnet neue Möglichkeiten

 

Das war aber nicht die einzige gute Nachricht für Maike Halbisch, die als angehende Polizeioberkommissarin ihren Sport nur nebenberuflich ausübt. „Ich wurde gestern in die Spitzensportfördergruppe der Polizei aufgenommen. Dadurch wird auf jeden Fall einfacher, dass ich zu den Weltcups gehen kann, dass ich freigestellt werde, vielleicht sogar mal ein Trainingslager machbar ist. Das sind alles Sachen, die ich bislang mit meinem Urlaub gemacht habe. Für die EM habe ich Urlaub bekommen. Es ist auch ein bisschen schwierig, zumal ich noch im Studium bin. Mir ist aber wichtig, dass ich immer ein zweites Standbein habe.

Mir macht mein Job unfassbar viel Spaß. Jetzt bin ich glücklich, dass das alles geklappt hat und ich das miteinander verbinden kann.“

 

Für eine nicht-olympische Sportart wie High Diving ist solch eine Förderung bemerkenswert. „Der DSV hat sich da auch ganz viel Input reingesteckt, viel mit meinem Arbeitgeber kommuniziert, dass das überhaupt alles machbar ist. Dafür bin ich total dankbar“, so Halbisch.

 

Tolle Stimmung beim High Diving zu Fuße des Eiffelturms

 

Gold ging vor der grandiosen Kulisse des Eiffelturms an Nelli Chukanivska (UKR/324,70), Silber nur knapp vor Halbisch an Elisa Cosetti (ITA/297,20). Titelverteidigerin Iris Schmidbauer (Dresdner SC 1898) wurde mit 271,05 Punkten Fünfte. „Ich bin natürlich super happy für Maike, dass der letzte Sprung so toll geworden ist und dass sie jetzt auf dem Podium ist – das ist einfach Wahnsinn! Mein eigener Wettkampf war durchwachsen. Abgesehen vom ersten bin ich mit keinem Sprung wirklich glücklich. Ich weiß, dass ich die alle besser kann.“ Als alleinerziehende Mutter einer knapp zwei Jahre alten Tochter nötigt jeder ihrer Auftritte dennoch höchsten Respekt ab.

 

Auch Maike Halbischs Bruder Manuel in den Top Ten

 

Bei den Männern belegte Maike Halbischs Bruder Manuel Halbisch mit 259,55 Punkten Rang acht. Besser platziert war er bei internationalen Titelkämpfen noch nie. Den Titel sicherte sich Catalin Petru Preda (ROU/411,60) vor Andrea Barnaba (ITA/386,00) und Gary Hunt (GBR/382,50).

 

„Ich bin sehr zufrieden, ich bin quasi Zweiter unter den Nicht-Profis geworden. Die Top sechs macht diesen Sport hauptberuflich. Da dann mitzuhalten, ist ganz schön schwierig. Vor allem wenn Arbeit und Training so schwer unter einen Hut zu bekommen ist wie bei mir zuletzt“, sagte Manuel Halbisch. So viel wie seine Schwester konnte er nicht trainieren, trotzdem freut er sich natürlich riesig über deren Erfolg. Und gestand: „Wenn Maike springt, bin ich aufgeregter als bei meinen eigenen Wettkämpfen.“

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