Website-Suche
Ihre Suchergebnisse:
Timo Barthel und Jaden Eikermann werden WM-Fünfte im Turm-Synchronspringen
Wenig Aufwand, viel Ertrag - so könnte man etwas überspitzt den Auftritt von Timo Barthel (SV Halle) und Jaden Eikermann (SV Neptun Aachen) im Turm-Synchronspringen zusammenfassen. Im Vorfeld der Weltmeisterschaften in Budapest (HUN) hatte das Paar notgedrungen nur sehr wenig miteinander trainiert, “vielleicht sechs Mal”, wie der Hallenser nach dem Vorkampf berichtete. Trotzdem erreichten sie bei der WM ein starkes Ergebnis: Im Finale am Dienstagabend sprang das DSV-Duo mit 377,37 Punkten auf Platz fünf.
“Ich bin eigentlich sehr zufrieden”, lobte Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow, vor allem angesichts der nicht ganz einfachen Umstände in der Vorbereitung. “Sie sind das erste Mal international zusammen gesprungen, haben im Jahresverlauf nicht sehr viel zusammen trainieren können aus unterschiedlichen Gründen - Jaden Eikermann aufgrund der Schule, Timo Barthel wegen seiner Handverletzung”, erklärte Buschkow. Die WM-Teilnahme sei daher durchaus ein Experiment gewesen, “wir haben es riskieren wollen, dass es einen Start gibt mit dem Ziel, dass die Deutschen in jeder Disziplin ins Finale kommen. Das haben sie sehr gut gemeistert und sich im Vergleich zum Vorkampf noch steigern können, das war sehr gut. Sicherlich haben wir noch ein paar Defizite im Schwierigkeitsgrad zur Weltspitze, aber das ist ein Team, was mir Hoffnungen macht in Richtung 2024.”
Gold holten die Chinesen Lian Junjie und Yang Hao mit 467,79 Punkten, Silber ging nach Großbritannien (427,71), Bronze an Kanada (417,12). Bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Tokio (JPN) hatte China im Turm-Synchronspringen erstmals seit 2000 nur Platz zwei belegt - es war übrigens die einzige Disziplin, in der sie sich geschlagen geben mussten. Dieses Mal waren die Springer aus dem Reich der Mitte wieder zurück an der Spitze.
“Es war auf jeden Fall eine sehr gute Leistung von uns”, fand anschließend auch Timo Barthel. “Ich bin auch auf jeden Fall froh, dass wir im Finale waren und das jetzt hinter uns haben und uns auch für die Weltserie (gemeint ist die FINA Diving World Series, Anm. d. Red.) qualifiziert haben - das war mein großes Ziel mit Jaden. Ich bin sehr stolz auf ihn, denn er ist ja noch ein sehr junger Sportler. Dass er das so heute gemeistert hat, war Weltklasse.” Für Eikermann - mit 17 Jahren der jüngste im gesamten DSV-Team - war es die erste WM bei den Erwachsenen. “Für mich war es ein Traum, mit Timo Synchron springen zu dürfen. Ich habe auch als Hintergrundbild noch ein Bild, das ist bestimmt schon sechs, sieben Jahre alt, wo ich noch halb so groß war wie Timo. Timo war und ist immer ein großes Vorbild”, erzählte der Aachener.
Gegenüber dem Vorkampf konnten sich die Deutschen noch einmal deutlich steigern. “Da habe ich schon gesagt, es hätten 30, 40 Punkte besser sein können, und das war es jetzt auch”, sagte Barthel. “Aber ich hatte immer noch zwei grobe Fehler drin. Das heißt, es ist immer noch Luft nach oben. Wir werden weiter an uns arbeiten und Synchron trainieren, und ich bin mir sicher, das wird in Rom auch schon ganz anders aussehen”, versprach er mit Blick auf die EM im August.
26 DSV-Talente für die JEM nominiert, 16 Schwimmer*innen zum EOYF
Jeweils 13 weibliche und männliche Schwimmer*innen aus den Jahrgängen 2004 bis 2007 gehören zur Mannschaft des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) bei den Europameisterschaften der Junior*innen in Otopeni vor den Toren der rumänischen Hauptstadt Bukarest (05. – 10. Juli). Nachdem 19 Aktive sich das JEM-Ticket bereits im ersten Nominierungszeitraum bis Mitte April gesichert hatten, schafften bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) Ende Mai noch sieben weitere den Sprung ins Team. Nach dem Vorbereitungslager in Heidelberg ist nun am Samstag Abflug. „Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin haben Nina Sandrine Jazy, Ira Helene Hünnebck oder Lisa-Marie Finger mit ihren guten Platzierungen zuletzt noch einmal viel Selbstvertrauen holen können, das war prima“, lobte Nachwuchs-Bundestrainer Carsten Gooßes. „Wir haben sicher einige Medaillenchancen und wollen diese auch nutzen.“
Für die jüngeren Talente bildet das European Youth Olympic Festival (EYOF) mit rund 3.600 Teilnehmer*innen in Banska Bystrica (SVK/ 24. – 30. Juli) den Saisonhöhepunkt. In Abstimmung mit den jeweiligen Fachverbänden hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nun 189 Aktive aus zehn Sportarten nominiert, darunter auch 16 fürs Schwimmen.
Patrizia Wittich, Chefin de Mission des Jugend Team D, sagte: „Für unsere Nachwuchsathlet*innen stellt das Europäische Olympische Jugendfestival eine einmalige Chance dar, erstes olympisches Feeling bei einem Multisport-Event zu spüren. Bei dem Festival steht die verbindende und völkerverständigende Kraft des Sports noch mehr als bei den Olympischen Spielen im Vordergrund. Alle jungen Sportler*innen werden ihre bestmöglichen Leistungen zeigen wollen. Der Medaillenspiegel wird für uns jedoch keine vordergründige Rolle einnehmen. Insbesondere das Sammeln von wertvollen Erfahrungen auf der großen internationalen Bühne sowie das Knüpfen von Freundschaften mit Sportler*innen aus anderen Nationen stehen im Fokus.“
Wittich betonte, dass die Sportler*innen des Jugend Team D Begeisterung aus dem Festival für ihren weiteren Weg im Sport mitnehmen sollten: „Wenn das Event Nachwuchsathlet*innen für eine längerfristige Karriere im Leistungssport motiviert und wir womöglich einige von ihnen später im Team D willkommen heißen können, dann ist das als klarer Erfolg zu werten.“
Das Team für die JEM Schwimmen
Weiblich: Julia Barth (TB 1888 Erlangen), Saskia Blasius (TSV Neustadt 1906), Julianna Dora Bocska (SG Essen), Anna Maria Börstler (SC Magdeburg), Laura Feldvoss (SC Magdeburg), Lisa-Marie Finger (SG Neukölln Berlin), Ira Helene Hünnebeck (Potsdamer SV), Nina Sandrine Jazy (SG Essen), Jette Koch (SC Magdeburg), Jette Lenz (SV Nikar Heidelberg), Marian Plöger (VfL Sindelfingen), Celina Springer (SG Dortmund), Maya Werner (SV Nikar Heidelberg)
Männlich: Jarno Bäschnitt (SG Ruhr), Oskar Dementiev (Berliner TSC), Maximilian Hagl (SC Delphin Ingolstadt), Lukas Klos (SG EWR Rheinhessen), Eric Mühlenbeck (Bitterfelder SV 1990), Philipp Peschke (SG Essen), Levin Peschlow (Waspo 98 Hannover), Oskar Schildknecht (Erfurter SSC), Mathis Schönung (SG EWR Rheinhessen), Louis Schubert (SSG Leipzig), Tobias van Aggelen (SG Neuss), Viktor Weizel (Berliner TSC), Martins Zabothens (PSV Cottbus 90)
Das Team für das EYOF
Weiblich: Danja Thelemann (SG Wago 1950), Zara Selimovic (SG Dortmund), Yara Fay Riefstahl (SC Chemnitz), Fee Lukosch (SG Essen), Lena Ludwig (SSKC Poseidon Aschaffenburg), Noelle Benkler (SC Regensburg), Klara Sophie Beierling (SG Berliner Wasserratten), Julia Ackermann (SC Chemnitz 1892)
Männlich: Arne Schubert (SC Magdeburg), Simon Reinke (SG Essen), Michael Raie (SSG Saar Max Ritter), Vincent Gregor Passek (Berliner TSC), Sascha Macht (SSG Leipzig), Emilian Hollank (TSV Riedlingen), Finn Hammer (SG Dortmund), Subäjr Biltaev (SV Cannstatt)
Christina Wassen belegt im WM-Finale Rang zwölf
Das vom Chef-Bundestrainer an jedem Morgen ans DSV-Team ausgegebene Tagesmotto lautete für diesen Montag “Erfolg hat drei Buchstaben: Tun.” Wasserspringerin Christina Wassen (Berliner TSC) hat es in der Duna Aréna dann wunderbar umgesetzt und ist bei den Weltmeisterschaften in Budapest (HUN) trotz einiger verletzungsbedingter Ausfälle im Saisonverlauf erstmals im Finale des Wettbewerbs vom Turm gesprungen - das war seit neun Jahren keiner Deutschen mehr gelungen. Mit 253,80 Punkten belegte die Deutsche Meisterin am Abend dort dann Rang zwölf.
”Vor ein paar Wochen habe ich nicht mal gedacht, dass ich an der Qualifikation teilnehmen kann. Ich musste da dann ohne Training an den Start gehen, aber es hat ja dann ganz gut geklappt. Ich habe natürlich probiert, diesen Rückstand jetzt in den letzten Wochen aufzuholen und das hat auch ganz gut geklappt, ich bin immerhin ins Finale gekommen”, sagte Wassen. “Schade, dass die Sprünge im Finale selbst dann nicht mehr so gelungen sind, vor allem da sie im Training vorher auch sehr viel besser gewesen sind. Aber es war mein erstes Einzelfinale und deswegen bin ich damit auch erst einmal zufrieden.”
Fünf schöne Sprünge wollte die 23-Jährige dem Publikum zeigen, doch es lief einfach nicht mehr so rund wie im Halbfinale, das Wassen noch als Achte beendet hatte. Nach dem dritten Durchgang wollte sie sogar eine Wiederholung ihres Sprungs beantragen, doch das Kampfgericht lehnte den Protest ab. “Wenn man auf dem Zehn-Meter-Turm steht, läuft unten immer so ein Video mit, was auch die Zuschauer*innen im TV sehen, wo man sich auch nach dem Sprung nochmal die Zeitlupe ansehen kann und dieser Bildschirm ist sehr groß und sehr hell und ich habe das Video mitlaufen sehen bzw. dass sich da etwas bewegt im Augenwinkel. Das ist mir bei den anderen Sprüngen nicht so aufgefallen, weil ich da weiter rechts springe und den Bildschirm nicht sehen konnte. Der Bildschirm wurde anschließend zwar ausgeschaltet, aber nochmal springen konnte ich leider nicht.” Allein bei diesem 2,5-fachen Salto rückwärts waren gegenüber dem Halbfinale so aber 20 Punkte verloren gegangen.
Dennoch gab es am Ende auch ein Lob von Chefbundestrainer Lutz Buschkow: “Christina ist frech an diese Aufgabe herangegangen, in den Endphasen ist ihr leider ihre Tauchleistung nicht so gelungen wie zuvor”, sagte er. “Aber nichtsdestotrotz ist ein zwölfter Platz ein Finalplatz. Und es war auch ihr erster Finalplatz im Weltranking, daher können wir zufrieden sein.”Gold ging an die erst 16-Jährige Chen Yuxi aus China (417,25), die damit ihren Titel von 2019 verteidigte. Sie lag knapp vor ihrer sogar noch ein Jahr jüngeren Landsfrau und Tokio-Olympiasiegerin Quan Hongchan (416,95). Beide erhielten vom Kampfgericht einige Male die höchste Punktzahl 10,0 für ihre Perfektion. Bronze sicherte sich Pandelela Pamg aus Malaysia (338,85).
Deutschlands Wasserballer spielen bei der WM um Platz 13
In der Schlussminute machte der Gegner noch einmal mächtig Druck. Die Brasilianer belagerten das Tor der deutschen Wasserballer, sie holten sogar ihren Torwart nach vorne, um so eine Überzahlsituation zu erzeugen. Doch sämtliche Schussversuche gingen entweder an den Pfosten, wurden geblockt oder von Moritz Schenkel im deutschen Kasten pariert. So durfte am Ende das DSV-Team jubeln: Mit dem 10:9 im ersten Platzierungsspiel gegen Brasilien fuhr die Mannschaft von Bundestrainer Petar Porobic den ersten Sieg bei der WM in Ungarn ein und trifft nun am Mittwoch (15:30 Uhr) im Spiel um Platz 13 auf Kasachstan. Die Kasachen waren kampflos weitergekommen, nachdem ihr designierter Gegner Kanada sein Team nach mehreren Coronafällen aus dem Turnier genommen hatte.
“Am Ende zählt nur der Sieg, der war super wichtig, um mal ein Erfolgserlebnis zu haben im Team. Wir hatten jetzt ein steigendes Niveau seit dem Freundschaftsspiel gegen die USA, und deswegen war es auch mal wichtig, einen Sieg feiern zu können”, sagte Lukas Küppers - mit drei Treffern bester Torschütze beim DSV-Team. “Am Ende gewinnen wir mit einem Tor und sind glaube ich auch die bessere Mannschaft. Wir schaffen es aber nicht, unsere Linie strikt und kontrolliert durchzuziehen und machen immer wieder Fehler, die dann zu Toren führen, was nicht sein muss. Umso wichtiger ist es, dass wir es auch mit der jungen Mannschaft schaffen, im vierten Viertel die Führung zu holen und dann auch nach Hause zu bringen in den den letzten 30 kritischen Sekunden.”
Mann des Tages war dabei am Montagabend Denis Strelezkij, dem ebenfalls drei Tore gelangen, darunter auch der entscheidende Treffer zum 10:9. Die weiteren Tore für Deutschland erzielten Ferdinand Korbel (zwei), Maurice Jüngling und Philipp Dolff (je eins). Für Brasilien, den einzigen Vertreter Südamerikas bei dieser WM, war Gustavo Coutinho dreimal erfolgreich.
Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel (2:2) hatten die Brasilianer in der Partie in Szeged ganz im Süden Ungarns zur Halbzeit noch mit 5:4 geführt, auch nach dem dritten Abschnitt lagen sie mit 8:7 noch knapp vorne. Im Schlussviertel konnte die DSV-Auswahl die Partie dann aber zu ihren Gunsten entscheiden. “Vor dem letzten Viertel haben wir uns nochmal alle eingeschworen, dass wir nun unser wahres Gesicht zeigen sollen, und das haben wir dann am Ende mit ganz viel Kampf über die Bühne gebracht und den Sieg nach Hause gefahren”, sagte Philipp Dolff. “Im letzten Spiel wollen wir nochmal alles geben, um den 13. Platz klar zu machen.”
Als Fünfter ins WM-Finale: WM-Debütant Moritz Wesemann bekommt den Bonus
Viel Zeit blieb Moritz Wesemann (SV Halle) nach dem Vorkampf vom 3m-Brett nicht. Die Zeit reichte nicht einmal, um fürs Mittagessen zurück ins Hotel zu fahren, stattdessen gab es einen Snack in der Halle und direkt danach ging es schon wieder zum Einspringen fürs Halbfinale. “Neben der physischen ist das auch eine hohe mentale Belastung, die die Jungs hier haben”, sagte Bundestrainer Lutz Buschkow, erst Recht für jemanden wie Wesemann, der in Budapest (HUN) ja seine ersten Weltmeisterschaften bei den Erwachsenen erlebt.
Doch der 20-Jährige meisterte diese Herausforderung hervorragend. Mit 408,15 Punkten löste der Hallenser als Fünfter das Ticket für das Finale am Dienstag (16:00 Uhr). Dabei gelangen ihm gleich fünf von sechs Sprüngen besser als im Vorkampf. Zur Halbzeit des Wettkampfes lag Wesemann auf Platz vier, ehe im vierten Durchgang als einziger Sprung der 3,5-fache Salto rückwärts nicht so gelang wie erhofft. Schon im Vorkampf hatte Wesemann mit diesem Sprung ein paar Probleme, doch er gab danach die perfekte Antwort und zeigte mit dem 4,5-fachen Salto vorwärts seinen besten Sprung des Tages. “Mein Ziel war es, ins Halbfinale zu kommen, alles andere ist Bonus. Es ist mein erster internationaler Wettkampf bei den Erwachsenen und dann direkt eine Weltmeisterschaft, also ich bin mehr als zufrieden”, freute er sich.
Über seinen Wackler im vierten Versuch sagte er: “Der Sprung, der leider bei mir noch nicht geklappt hat, ist, würde ich behaupten, mit der schwerste Sprung von allen Drei-Meter-Sprüngen. Dass der mal in die Hose geht, das passiert. Das ist natürlich nicht gewollt, aber das einzige, was einem dann noch übrig bleibt, ist zu kämpfen und zu schauen, dass man das noch ausgleicht. Die letzten beiden Sprünge sind auch zwei schwierige Sprünge, vor allem vom Schwierigkeitsgrad. Aber dadurch, dass ich eine hohe Ständigkeit habe, kann ich die eigentlich gut, und das ist dann ein Motivationsschub. Durch den hohen Schwierigkeitsgrad kann man ordentlich Punkte nochmal raus holen.”
Am Ende war er damit sogar zweitbester Europäer hinter dem drittplatzierten Briten Jack Laugher (469,65), ganz vorne landeten wie erwartet die beiden Favoriten aus China mit dem Olympiazweiten Wang Zongyuan (547,95) und dem Vizeweltmeister von 2019 in Gwangju (KOR) Cao Yuan (482,50). Im Finale wolle er nun “einfach mitspringen und dann schauen, was rauskommt. Top Sechs wäre ein Ziel”, sagte Wesemann.
Timo Barthel und Lars Rüdiger sorgen für Traumstart beim Wasserspringen
Bei den vergangenen Weltmeisterschaften 2019 in Gwangju (KOR) mussten die deutschen Wasserspringer*innen auf eine Medaille bis zum letzten Wettkampftag warten. In Budapest (HUN) gab es dieses Mal gleich in der ersten Entscheidung Edelmetall - im 3m-Synchronspringen gewannen Timo Barthel (SV Halle) und Lars Rüdiger (Berliner TSC) mit 406,44 Punkten Bronze. Gold ging nach China mit Olympiasieger Wang Zongyuan und Weltmeister Cao Yuan (459,18) vor den Briten Anthony Harding und Jack Laugher (451,71).
“Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen”, sagte Barthel. “Lars hat ja letztes Jahr bei Olympia schon Bronze gewonnen, und ich glaube, ich kann seit zwei Wochen nicht mehr schlafen, weil ich nur von dieser Medaille träume. Und jetzt neben Lars das geschafft zu haben, ist für mich einfach unfassbar.” Deutsche Springer waren in dieser Disziplin bislang immer unter den Top Sechs, doch eine Medaille hatte es seit 2007 in Melbourne (AUS) nicht mehr gegeben - damals gewannen Tobias Schellenberg und Andreas Wels ebenfalls Bronze.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio (JPN) stand Lars Rüdiger im vergangenen Jahr als Dritter ebenfalls schon auf dem Treppchen, damals noch an der Seite von Patrick Hausding. Nach dessen Rücktritt wurde das deutsche Paar neu zusammengestellt, an Rüdigers Seite springt seit Anfang des Jahres nun Timo Barthel, mit dem er von Größe und Statur gut zusammenpasst. “Ich habe mich gefreut, dass das junge Paar ihren ersten internationalen Wettkampf hier gleich mit einer Bronzemedaille kürt und die Fußstapfen von Patrick mindestens ein bisschen gefüllt sind”, sagte Bundestrainer Lutz Buschkow.
Dass es direkt so gut läuft, war nicht unbedingt abzusehen. “Wir haben dieses Jahr angefangen, zusammen zu trainieren, ich glaube im Dezember oder im Januar, also vor jetzt knapp sechs Monaten. Wir hatten nicht so viel Training, weil wir ein paar Probleme hatten mit dem Körper und der Gesundheit. Wir haben uns jetzt zwei Wochen vor der WM erst so richtig mal zusammengefunden und intensiv trainiert”, erzählte Rüdiger. Umso größer war auch bei ihm der Jubel: “Jetzt mit der Medaille hier zu stehen, ist echt mein Lebenstraum. Diese WM-Medaille hat mir persönlich gefehlt, und das ist einfach unglaublich.” Seine Eltern waren in Budapest vor Ort, “ich werde mich mit denen vielleicht im FINA-Park mal kurz hinsetzen und das eine oder andere Getränk zu mir nehmen”, beschrieb der Berliner seine Pläne für den weiteren Abend.
Während es für ihn sein einziger WM-Start war, hat Timo Barthel in den kommenden Tagen noch ein straffes Programm vor sich. “Für mich kommen noch ein paar Disziplinen. Lars hat es natürlich wieder top gemacht - ein Wettkampf und direkt eine Medaille und er hat jetzt frei. Bei mir kommt noch Turm-Synchronspringen, das Team-Event, der Wettbewerb vom 1m-Brett und zum Schluss noch Turm-Einzel. Ich habe noch eine wilde Fahrt vor mir.” Nach dem glänzenden Auftakt darf er die kommenden Aufgaben selbstbewusst angehen.
“Nochmal alles rausgeledert”: Lagen-Staffel als Sechste nah dran an einer Medaille
Auch das letzte WM-Finale der Männer bei den Beckenwettbewerben - die 4x100m Lagen - ging am Samstagabend noch einmal mit deutscher Beteiligung über die Bühne. Mit insgesamt 15 Finalteilnahmen war das Beckenteam des Deutschen Schwimm-Verbands e.V. (DSV) damit erfolgreicher als noch 2019 in Gwangju (KOR), wo es 13 Finalteilnahmen gewesen waren, und das mit einem deutlich kleineren Team als noch in Südkorea. “Wenn unsere Sportler*innen es schaffen, an ihre Bestleistungen heranzukommen, dann hat man gute Chancen, bis ins Finale vorzustoßen. Wir nutzen diese Möglichkeiten, und der Spirit geht so durch, das ist toll und macht Spaß. Keiner hat Ängste oder Sorgen, alle haben Bock, zu performen, und darum geht’s”, erklärte Bundestrainer Bernd Berkhahn dieser Tage.
Richtig Bock auf dieses Finale hatten auch die deutschen Lagen-Männer. Zum Abschluss belegte die Staffel mit Ole Braunschweig (SG Neukölln Berlin), Lucas Matzerath (SG Frankfurt), Eric Friese (Potsdamer SV) und Rafael Miroslaw (SG HT16 Hamburg) in einer Zeit von 3:32,63 Minuten Platz sechs in der Welt und konnte sich damit gegenüber dem Vorlauf noch einmal um mehr als eine Sekunde verbessern. Es war zudem die beste deutsche Platzierung im Weltvergleich seit dem fünften Platz bei der WM 2015 in Kazan (RUS). “Wir haben nochmal alles rausgeledert, was wir hatten”, sagte Braunschweig. Gold ging nach Italien, das mit 3:27,51 den Europarekord der Briten von den Olympischen Spielen in Tokio (JPN) einstellte, Silber an die USA (3:27,79), Bronze an Großbritannien (3:31,31).
Auch das DSV-Quartett durfte zwischenzeitlich sogar von einer Medaille träumen. Noch beim letzten Wechsel lag man lediglich vier Zehntel hinter den Briten, nachdem Ole Braunschweig (Rücken/53,94), Lucas Matzerath (Brust/59,32) und ganz besonders Eric Friese (Schmetterling/51,03) auf den ersten drei Lagen ein hervorragendes Rennen hinlegten. “Ich hab gesehen, James Guy (GBR, Anm. d. Red.) ist recht kurz vor mir reingesprungen. Ich habe meinen Coach vorher schon gefragt: ,Was meinst du, wenn James vor mir reinspringt, sollte ich mitziehen?’ Er meinte dann: ,Ja, zieh mit, nimm die Welle.’ Die habe ich dann recht gut geholt, glaube ich, die Welle. Da war ich, soweit ich weiß, die ganzen 100 Meter über drin”, sagte Friese.
Dass es dann trotz einer ebenfalls schnellen letzten Lage von Rafael Miroslaw (48,34) am Ende nicht ganz für das Podium reichte, konnten die vier gut verschmerzen. “Wir haben uns echt gut geschlagen”, meinte Matzerath. Es war ein sehr enges Feld und wir konnten gut zeigen, dass wir da mitmischen können.” Mit diesem Gefühl gehen die Deutschen optimistisch in die kommenden Wettkämpfe. Ole Braunschweig meinte bereits: “Nächstes Jahr greifen wir dann mal die Medaillen an.”
Knapper Verlust trotz starker Aufholjagd des verjüngten DSV-Teams
Zweieinhalb Minuten vor Ende des dritten Viertels des WM-Auftakts der deutschen Wasserballer gegen Japan sah sich Bundestrainer Petar Porobic gezwungen, eine Auszeit zu nehmen. Und der Montenegriner fand ganz offensichtlich die passenden Worte, um seine Mannschaft noch einmal voranzutreiben. Auf einmal fielen die Treffer, zwei noch in diesem Viertel, ganze fünf dann im vierten.
Das Problem war nur, dass das DSV-Team zum Zeitpunkt der Auszeit bereits mit 4:11 zurückgelegen hatte. Zwar startete man danach eine grandiose Aufholjagd und kam so noch bis auf ein Tor heran, doch zum Sieg reichte es nicht mehr. Mit 11:12 ging die Partie gegen den Zehnten der letztjährigen Olympischen Spiele in Tokio (JPN) verloren. In den weiteren Gruppenspielen trifft Deutschland am Donnerstag (23. Juni) auf Kroatien und am Samstag (25. Juni) auf den Olympiazweiten Griechenland.
Das deutsche Team bestreitet die Vorrunde in Debrecen ganz im Osten Ungarns. Die Mannschaft präsentiert sich bei diesen Weltmeisterschaften stark verjüngt, für viele Spieler ist es das erste große Turnier. Aus dem Kader der vergangenen WM 2019 in Gwangju (KOR) sind lediglich noch vier Spieler mit dabei. Kapitän Moritz Schenkel ist einer von ihnen, er sieht in der fehlenden Routine von großen Teilen des Kaders auf diesem Level auch den Hauptgrund für die Niederlage zum Auftakt. “Man hat gesehen, dass wir gar keine Spielerfahrung auf diesem Niveau haben, gerade mit dieser jungen Mannschaft. Wir haben zwar ein Länderspiel gegen die USA gemacht, aber das ist auch schon wieder eine Woche her. Uns haben jetzt am Ende auch einfach Spielpartner gefehlt, wir hatten also keine Chance, das alles mal zu üben. Das hat man auch die ersten drei Viertel gesehen”, sagte er.
Beste Torschützen auf deutscher Seite waren Fynn Schütze mit drei und Niclas Schipper mit zwei Treffern, beide von Double-Gewinner Waspo 98 Hannover, daneben trafen sechs weitere Spieler je einmal. Für die Japaner, die mit ihren ungewöhnlichen Spielweise auch schon für andere Teams ein unangenehmer Gegner waren, war Yusuke Inaba fünfmal erfolgreich. “Positiv aus dem Spiel kann man sicherlich mitnehmen, dass die Spieler ihre erste Erfahrung auf so einem großen Turnier gemacht haben, und dass, wenn sie das spielen, was der Trainer vorgibt, es dann auch durchaus zum Erfolg führen kann. Und jetzt müssen wir weiter daran arbeiten, dass wir als Team zusammenwachsen und hier noch achtbare Ergebnisse gegen die Gruppenfavoriten Kroatien und Griechenland rausholen”, so Schenkel.
Lukas Märtens in Rekordrennen wieder in Topform
Auf den 400m Freistil war Elijah Winnington (AUS) vor zwei Tagen noch schneller gewesen als Lukas Märtens, der am Samstag auf dieser Distanz die Silbermedaille gewonnen hatte. Im Finale über die 200m Freistil drehte der Magdeburger diesmal den Spieß um und schlug vor dem Australier an. In 1:45,73 kam Märtens am Montagabend bei den Weltmeisterschaften in Budapest (HUN) auf Platz sieben an und blieb dabei nur knapp drei Zehntel über seiner eigenen Bestzeit (1:45,44). Auch ganz vorne ging die Post ab, mit 1:43,21 konnte der Rumäne David Popovici seinen Junioren-Weltrekord aus dem Halbfinale ein weiteres Mal verbessern und schwamm mit großem Vorsprung zur Goldmedaille. Silber ging an Sunwoo Hwang (Südkorea/1:44,47), Bronze an Tokio-Olympiasieger Tom Dean (GBR/1:44,98).
Lukas Märtens war der erster Deutsche in einem 200m-Finale seit sieben Jahren. 2015 bei der Weltmeisterschaft in Kazan (RUS) hatte Paul Biedermann über diese Distanz die Bronzemedaille gewonnen. “Ich bin super zufrieden. Ich hatte im vorhinein schon gedacht, dass ich so schnell sein könnte. Aber es hat sich auch einfach gut angefühlt, im ganzen Rennen. Dass ich den Australier dann noch bekommen habe, ist dann noch ein schöneres Gefühl”, sagte Märtens. Ich denke, so kann ich jetzt erstmal zufrieden in die drei Tage Pause starten, denn die brauche ich jetzt definitiv.”
Am Vormittag war der 20-Jährige auch schon im Vorlauf über 800m Freistil angetreten, hatte dort jedoch das Finale verfehlt. Mit seinem Ergebnis am Abend betrieb er jedoch umgehend Wiedergutmachung. Während andere Schwimmer wie Winnington oder Felix Auböck (AUT) auf die 800 Meter verzichteten, um sich für das 200m-Finale zu schonen, hatte sich Märtens gemeinsam mit Bundestrainer Bernd Berkhahn bewusst für dieses anspruchsvolle Programm entschieden, um für künftige Wettkämpfe wie die Olympischen Spiele 2024 in Paris (FRA) die richtigen Taktiken und Automatismen zu entwickeln. “Es ist hart, aber ich habe mir das so ausgesucht und genau so soll es sein”, meinte Märtens. In Paris werde er wahrscheinlich nicht über fünf Strecken an den Start gehen, “da ist es besser, das Rennen jetzt mitzunehmen. In so einem WM-Finale steht man ja auch nicht jeden Tag.”
Bernd Berkhahn erklärte dazu: “Wir ziehen nicht zurück. Die Perspektive ist, dass Lukas das irgendwann schafft, diesen Stiefel durchzuziehen. Daher pokern wir hier nicht. Bis zu den 1500 Metern sind es nun ein paar Tage, auch weil die Staffel weggefallen ist (weil Josha Salchow mit einer Coronavirus-Infektion ausfällt, Anm. d. Red.), da wird er sich wieder erholen und um die Medaillen mitkämpfen können.” Der Vorlauf über die 1500m Freistil ist am Freitag, das Finale am kommenden Samstag. Dann will sich Lukas Märtens in der Duna-Arena erneut in Topform präsentieren.
Lukas Märtens schwimmt souverän ins Finale über 400m Freistil
Schon bei den Olympischen Spielen waren die 400m Freistil so etwas wie der „Türöffner“ für das deutsche Schwimmteam. Damals war es Henning Mühlleitner, der gleich am ersten Wettkampftag mit Bestzeit und Top-Platzierung glänzen konnte und damit das gesamte Team in eine positive Grundstimmung versetzte. Bei den Weltmeisterschaften in Budapest (HUN) könnte Lukas Märtens (SC Magdeburg) nun diese Rolle erfüllen. Der 20-Jährige schwamm am Samstagvormittag in 3:45,04 Minuten sicher ins Finale am Abend. Märtens ist der erste Deutsche in einem 400m-Finale seit 2015, als Clemens Rapp in Kazan (RUS) Achter wurde.
“Ich bin froh, dass ich das erste Finale erreicht habe. Das war das Ziel von Anfang an, jetzt kann ich da ganz locker ran gehen. Wenn mehr als der vierte Platz drin ist, dann wär das natürlich toll, aber ich bin erstmal super happy”, bewerte Märtens seinen ersten von insgesamt vier Auftritten bei dieser WM.
Im Frühjahr war er in Stockholm (SWE) sogar 3:41,60 geschwommen. Weltweit war seit fünf Jahren niemand schneller auf dieser Strecke als der Magdeburger, der damit nun unweigerlich die Rolle des Mitfavoriten trägt. Doch der Schützling von Bundestrainer Bernd Berkhahn meisterte den Druck hervorragend: Zunächst Zweiter in seinem Vorlauf hinter dem Italiener Lorenzo Galossi, hatte er das Rennen stets unter Kontrolle. Kurz vor der 300-Meter-Marke setzte er sich dann erstmals in Führung, die er bis zum Schluss nicht mehr abgab. “Ich bin das Rennen ein bisschen ruhiger angegangen, das wollte ich aber auch. Letztes Jahr hatte ich das Problem, ich war viel zu schnell am Anfang und bin dann hinten geplatzt. Ich denke, jetzt hat man schon gesehen, dass da ein deutlicher Fortschritt ist.”
Im selben Vorlauf direkt neben Lukas Märtens war auch Henning Mühlleitner angetreten. Der Neckarsulmer begann sein Rennen eher verhalten und hielt sich strikt an seine eigene Taktik, schob sich dann aber mit zunehmender Rennlänge immer weiter nach vorne. Am Ende schlug er nach 3:47,17 als Fünfter an, als Gesamtelfter reichte das um sieben Zehntel knapp nicht für das Finale. “Eine WM im Becken habe ich nie erlebt. Es war dann das Rennen so, wie ich es trainiert hatte. Das Ergebnis hat dann knapp nicht gereicht, aber ich glaube, ich hätte es nicht anders machen können heute früh”, resumierte Mühlleitner. Schnellster Schwimmer am Vormittag war der Österreicher Felix Auböck in 3:43,83.
