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Jette Müller springt zum Heimsieg, Moritz Wesemann zur Titelverteidigung
Das Kunstspringen vom 1m-Brett ist zwar keine olympische Disziplin, aber das heißt nicht, dass die Wettbewerbe dort deswegen weniger interessant wären. Die Sprünge vom niedrigsten Brett haben ihre eigenen Tücken. Auf die technischen Details kommt es an; oft sind es Kleinigkeiten, die am Ende den Ausschlag geben.
Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften (DHM) in Rostock kamen Jette Müller (WSC Rostock) und Moritz Wesemann (SV Halle) am besten mit dem 1m-Brett zurecht. Müller setzte sich am Donnerstag auf ihrer Heimanlage mit 254,30 Punkten durch. Nach ihrem Weltmeistertitel bei den Juniorinnen in dieser Disziplin im vergangenen November ließ die 18-Jährige nun auch noch den Deutschen Meistertitel folgen, übrigens ihr erster bei den Erwachsenen. Ihre Serie war zwar nicht ganz so schwierig wie die von Titelverteidigerin Saskia Oettinghaus (Dresdner SC 1898/264,50), auch weil sie im Vorfeld krank gewesen war. Ihre Sprünge führte sie dafür aber umso sauberer aus. „Sie ist sehr stabil durchgesprungen und hier verdient Deutsche Meisterin geworden“, bewertete Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow den Auftritt. Für Oettinghaus, die im Vorkampf (264,50) noch die Beste gewesen war, blieb Silber, Bronze ging dahinter ebenfalls nach Rostock an Thalea Paschel (248,75).
Während bei den Frauen also die Titelverteidigerin entthront wurde, setzte sich bei den Männern mit Moritz Wesemann erneut der gleiche Springer durch, der auch schon bei den vergangenen Deutschen Meisterschaften im Juni 2021 in Berlin ganz oben auf dem Treppchen stand. Damals startete der 19-Jährige noch für den SV Neptun Aachen, inzwischen tritt er für Halle an. Wesemann zeigte von allen Teilnehmern das schwierigste Programm und sprang mit 394,20 Punkten souverän zum Sieg. „Das hat er sehr gut gemacht“, lobte Lutz Buschkow. Auch seine 3,5-fache Auerbachschraube habe er sehr gut hinbekommen – dieser Sprung wird vom 1m-Brett nur selten gezeigt, weil er so schwierig ist. Als Zweiter und Dritter vervollständigten Lars Rüdiger (Berliner TSC/336,15) und Lokalmatador Espen Prenzyna (WSC Rostock/329,00) das Podium. Wesemann übertraf mit seiner Leistung ebenso wie Jette Müller auch die Normen für die WM vom 18. Juni – 03. Juli in Budapest (HUN) und für die Europameisterschaften Ende August in Rom (ITA). Allerdings war die DHM kein offizieller Qualifikationswettkampf, sondern dient mit Blick auf die internationalen Höhepunkte lediglich als wichtige Standortbestimmung.
Den Titel im Mixed-Turm-Synchronspringen holten Lou Massenberg und Elena Wassen (beide Berliner TSC) mit 301,44 Punkten mit großem Abstand vor Christel Honeck und Jakob Batzer (beide Mainzer SV/190,98). In dieser Disziplin waren lediglich zwei Paare am Start. Für Massenberg war es bereits der zweite Erfolg bei diesen Meisterschaften, nachdem er am Vortag auch schon Gold im Turm-Synchronspringen an der Seite von Tom Waldsteiner (Berliner TSC) holte. Mit Elena Wassen sprang er in Rostock zum ersten Mal, trotzdem lag das Berliner Paar ebenfalls über den internationalen Normen. „Für ihr Debüt war das eine sehr stabile Leistung, die die beiden gezeigt haben“, freute sich der Bundestrainer.
Fabian Schwingenschlögl zieht sicher ins WM-Finale ein
Am ersten Tag der Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Abu Dhabi (VAE) hat sich Fabian Schwingenschlögl ins Finale über 100m Brust geschwommen, in welches er dann am Freitag (16:02 Uhr MEZ, Livestream bei aquatics.eurovisionsports.tv) durchaus mit Medaillenchancen startet. In 56,80 Sekunden belegte der Neckarsulmer im Halbfinale den vierten Platz, Schnellster war der Niederländer Arno Kamminga (56,41). Der Frankfurter Lucas Matzerath, in der Vorbereitung von einem schweren Autounfall beeinträchtigt, belegte in 57,57 Sekunden Rang elf. Nur gut zwei Zehntel fehlten ihm damit zum Endlauf.
Im Halbfinale ausgeschieden ist Rückenschwimmer Christian Diener. 50,30 Sekunden bedeuteten Rang zehn über die 100 Meter für den 28-jährigen Potsdamer, der den deutschen Rekord im vorigen Monat auf 49,65 verbessert hatte. Der Berliner Ole Braunschweig war am Vormittag in 51,87 Sekunden auf Platz 20 geschwommen.
Den Sprung in die nächste Runde verpassten über 200m Freistil leider auch Isabel Gose (1:56,36/Rang zwölf) und Annika Bruhn (1:57,74/Rang 19), gemeinsam mit Marie Pietruschka und Leonie Kullmann landeten beide über 4x100m Freistil zudem auf Rang neun (3:39,22). Der WM-Titel ging am Abend dann mit Weltrekordzeit (1:50,31) an Siobhan Haughey – es war das erste Gold überhaupt für Hongkong bei einer Schwimm-WM.
Etwas schneller hätte sich Bundestrainer Bernd Berkhahn Goses Zeit dabei gewünscht, allerdings weiß er auch um die Gründe für dieses Abschneiden seines Schützlings. „Wir haben zuletzt einiges aufgebrochen und Isabels Technik stark verändert, da hat sich in der kurzen Zeit längst noch nicht alles automatisiert. Manchmal muss man eben auch mal einen Schritt zurückgehen, um dann zwei vorwärtszukommen“, erklärte Berkhahn. Und das Hauptrennen der Olympiasechsten, die 400m Freistil, steht ja ohnehin erst am Sonntag an.
Mit einer persönlichen Bestzeit über 400m Freistil konnte der 19-jährige Lukas Märtens glänzen (3:43,64), auch wenn es damit nur für Rang 22 reichte. Der Olympiavierte Henning Mühlleitner (3:46,05) musste sich mit Platz 31 zufriedengeben, für den Finaleinzug war diesmal eine Zeit unter 3:40 Minuten nötig. Dass dies auch Tunesiens Olympiasieger Ahmed Hafnaoui (3:40,30) nicht gelang, nutzte am Abend der Österreicher Felix Auböck (3:37,91) zum Titelgewinn. „Insgesamt hatte ich mir etwas mehr erwartet“, lautete letztlich das Fazit von Bundestrainer Berkhahn nach dem ersten WM-Tag. Ramon Klenz landete über 200m Schmetterling in 1:53,61 Minuten auf dem 16. Platz, Laura Riedemann kam über 100m Rücken in 59,64 Sekunden auf Rang 23.
Florian Wellbrock führt DSV-Teams bei EM und WM auf der Kurzbahn an
Im Schwimmen stehen gleich zwei internationale Meisterschaften in diesem Herbst an: die Kurzbahn-EM in Kazan (02. – 07. November) und die Kurzbahn-WM in Abu Dhabi (16. – 21. Dezember). Für beide Events hat der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) nun seine Teams nominiert. An der Spitze beider Aufgebote steht dabei jeweils Florian Wellbrock. Der Freiwasser-Olympiasieger hatte seine großen Titel im Becken bei der WM und EM bislang zwar allesamt auf der 50m-Bahn gewonnen, die nacholympische Saison aber mit seinen ersten Siegen beim Kurzbahn-Weltcup begonnen. In Berlin und in Budapest konnte der Magdeburger jeweils die 1500m Freistil für sich entscheiden. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt zu sagen, ich schwimme bei Kurzbahn-EM und -WM Rekorde“, sagte Wellbrock. Die Zielstellung für diesen Herbst ist dennoch ziemlich anspruchsvoll: „Ich möchte versuchen, mich auch auf der Kurzbahn in der Weltspitze zu etablieren, das ist mir bislang noch nicht gelungen.“ Auch die Olympiasechste Isabel Gose gehört nach zwei Weltcupsiegen über 400m Freistil zu den Medaillenfavoritinnen.
Rückeschwimmer Christian Diener, beim Weltcup in Berlin sogar dreimal erfolgreich, konzentriert sich wie die Olympiadritte Sarah Köhler auf die WM im Dezember, bei der EM sind stattdessen auch einige jüngere Talente dabei. „Neben Teilnehmer*innen der Olympischen Spiele und der EM haben wir auch erfolgreiche Nachwuchsathlet*innen berufen, um ihnen in Russland die Gelegenheit zu geben, Erfahrungen auf internationalem Topniveau zu sammeln. Das gehört zu unserem Konzept und war in unseren Nominierungsrichtlinien langfristig so festgeschrieben“, erklärte Bundestrainer Hannes Vitense mit Blick auf Hoffnungsträger*innen wie Nele Schulze(17), Sven Schwarz und Oliver Klemet (beide 19). „Tokio hat uns gezeigt, dass einigen Aktiven nach dem Coronajahr die Praxis teilweise etwas fehlte“, hatte Bundestrainer-Kollege Bernd Berkhahn festgestellt. „Ziel ist bei diesen Titelkämpfen daher auch, Geschwindigkeit zu entwickeln und sich Sicherheit für die Höhepunkte im Sommer zu erarbeiten.“
Das DSV-Team für die Kurzbahn-EM in Kazan (02. – 07. November):
Frauen: Jessica Felsner (SC Aqua Köln), Giulia Goerigk (SG Region Karlsruhe), Isabel Gose (SC Magdeburg), Angelina Köhler (Hannover 96), Hannah Küchler (AMTV-FTV Hamburg), Leonie Kullmann (SG Neukölln), Jenny Mensing (SC Wiesbaden), Sonnele Öztürk (Wasserfreunde Spandau), Nele Schulze (TSB Flensburg), Zoe Vogelmann (SV Nikar Heidelberg)
Männer: Ole Braunschweig (SG Neukölln), Oliver Klemet (SG Frankfurt), Marco Koch (SG Frankfurt), Lukas Märtens (SC Magdeburg), Lucas Matzerath (SG Frankfurt), Sven Schwarz (Waspo Hannover), Florian Wellbrock (SC Magdeburg)
Das DSV-Team Kurzbahn-WM in Abu Dhabi (16. – 21. Dezember):
Frauen: Annika Bruhn (Neckarsulmer Sport-Union), Isabel Gose (SC Magdeburg), Leonie Kullmann (SG Neukölln), Sarah Köhler (SG Frankfurt), Marie Pietruschka (SSG Leipzig), Laura Riedemann (SV Halle)
Männer: Ole Braunschweig (SG Neukölln), Christian Diener (Potsdamer SV), Ramon Klenz (Neckarsulmer Sport-Union), Marco Koch (SG Frankfurt), Lukas Märtens (SC Magdeburg), Lucas Matzerath (SG Frankfurt), Henning Mühlleitner (Neckarsulmer Sport-Union), Fabian Schwingenschlögl (Neckarsulmer Sport-Union), David Thomasberger (SSG Leipzig), Florian Wellbrock (SC Magdeburg)
Christian Hansmann wird ab Januar neuer DSV-Sportdirektor
Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) hat eine neue Führungskraft für seinen Leistungssportbereich verpflichtet: Christian Hansmann (44) wird zum 01. Januar 2022 den Posten des Leistungssportdirektors übernehmen. Der gebürtige Erfurter war als Aktiver einst selbst für den DSV erfolgreich und gewann als mehrmaliger deutscher Meister im Freiwasserschwimmen (1997 und 2002) mit der DSV-Mannschaft unter anderem EM-Gold (2002 und 2004) und WM-Silber (2003). Anschließend war der diplomierte Medienwissenschaftler und Inhaber der Trainer-A-Lizenz für den DSV auch schon einmal als Funktionär tätig: Zwischen 2006 und 2010 arbeitete Hansmann als Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Geschäftsstelle in Kassel. Im Jahr 2011 war er dann nach Luxemburg umgezogen und seither als Technischer Direktor des dortigen Nationalverbandes tätig. Hier betreute er zuletzt auch die Teilnehmer*innen bei den Olympischen Spielen in Tokio und unterstützte das Nationale Olympische Komitee sportartenübergreifend bei der Organisation sämtlicher Maßnahmen in Japan.
„Christian Hansmann bringt alles mit, was man für diese zentrale Position in unserem Verband braucht: sportfachliche und kommunikative Expertise, jahrelange Erfahrung im In- und Ausland und natürlich den nötigen Stallgeruch“, betont DSV-Präsident Marco Troll: „Wir freuen uns sehr, dass er sich nun für die Heimkehr entschieden hat.“ Die kommissarische Führung des Leistungssports in Doppelfunktion durch Lutz Buschkow (Chef-Bundestrainer Wasserspringen) endet damit zum Jahresende. Der Übergang sollte dabei leichtfallen: Buschkow und viele andere handelnde Personen wie beispielsweise Bernd Berkhahn (Bundestrainer Schwimmen) oder Tjark Schroeder (Leiter der Abteilung Wettkampfsport Schwimmen) kennen Hansmann schon aus früheren Zeiten.
„Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben im DSV. Der Verband hat im Leistungssport in den letzten Jahren sichtlich Fortschritte gemacht. Diesen positiven Trend gilt es jetzt fortzusetzen und für alle Bereiche weiter auszubauen. Als Leistungssportdirektor möchte ich aber auch dafür sorgen, dass ein neuer Teamgeist entsteht und die Identifikation mit einem Verband gestärkt wird, der sich aktiv um die Belange seiner Aktiven und Trainer*innen kümmert und in dem ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis besteht. Ich kenne den Verband als Sportler und auch als Funktionär und weiß, dass wir einen positiven Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Verband nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung erzielen können“, sagte Hansmann. Die sportlichen Entwicklungen im DSV-Team habe er in den vergangenen Jahren stets verfolgt und sich zuletzt auch „von Herzen“ über die Olympiaerfolge in Tokio gefreut. „Ich glaube fest daran, dass für den DSV mit den richtigen Rahmenbedingungen in den kommenden Olympiazyklen noch mehr möglich ist. Dafür werde ich mich nun mit aller Energie einsetzen“, betonte Hansmann.
Wasserspringer Patrick Hausding trägt die deutsche Fahne
Ein Wasserspringer trägt bei der Eröffnungsfeier die deutsche Flagge! Patrick Hausding hat sich bei der Wahl zum Fahnenträger durchgesetzt und wird das deutsche Team am Freitag (13:00 MESZ) gemeinsam mit Beachvolleyballerin Laura Ludwig ins Olympiastadion von Tokio führen. „Ich bin sehr stolz“, sagte der Berliner. „Es gibt bei Olympischen Spielen weitaus weniger Flaggenträger*innen als Medaillengewinner*innen. Das sind Dinge, die über den Sport hinausgehen. Ich kann Medaillen gewinnen, so viel ich kann, aber Fahnenträger kann man in seinem Leben nur einmal werden. An diesem Abend repräsentiert man die gesamte Nation. Wenn man sich die Persönlichkeiten anschaut, die in den vergangenen Jahren die Fahne getragen haben, sind das alles Leute, die in Sportkreisen auch international sehr bekannt sind. Wenn man sich da einreiht, ist man im sportlichen Adel angekommen.“
Auch Lutz Buschkow, Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) und Chef-Bundestrainer der deutschen Wasserspringer*innen, sprach von einem „Ritterschlag“. „Das ist für Patrick Hausding als Person, für das Wasserspringen und auch insgesamt für den DSV eine besondere Sache“, sagte er. In der langen Geschichte Olympischer Spiele hatte bislang erst einmal ein*e Schwimmsportler*in die Fahne getragen: Ingrid Krämer-Engel bei den Olympischen Spielen 1964, damals übrigens ebenfalls in Tokio. Die Wasserspringerin war damals auch die erste deutsche Frau, der diese Ehre zuteilwurde.
In diesem Jahr werden die teilnehmenden Nationen bei der Eröffnungsfeier erstmals von einer Frau und einem Mann gemeinsam angeführt. Für das Team Deutschland hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) jeweils fünf Frauen und Männer zur Wahl gestellt, für die Entscheidung wurden die Stimmen der Athlet*innen und die der Fans mit jeweils 50 Prozent gewertet. Patrick Hausding setzte sich bei den Männern gegen Turner Andreas Toba, Tischtennisspieler Dimitri Ovtcharov, Ruderer Richard Schmidt und Hockeyspieler Tobias Hauke durch.
Der 32-Jährige erlebt in Tokio bereits seine vierten Olympische Spiele. 2008 in Peking (CHN) holte Hausding zusammen mit Sascha Klein Silber im Turm-Synchronspringen, 2016 in Rio de Janeiro (BRA) zuletzt Bronze vom 3m-Brett. Er war 2013 Weltmeister im Turm-Synchronspringen, gewann zudem zweimal Silber und einmal Bronze bei Weltmeisterschaften und ist mit unglaublichen 17 Titeln auch Rekord-Europameister. „Er springt schon über einen sehr langen Zeitraum in der absoluten Weltspitze mit und hat das Wasserspringen seit über einem Jahrzehnt mitgeprägt“, sagte Chef-Bundestrainer Lutz Buschkow.
Mit seiner Ernennung zum Fahnenträger reiht sich Patrick Hausding nun ein in so große Namen wie Kanutin Birgit Fischer (2000), Basketballer Dirk Nowitzki (2008), Hockeyspielerin Natascha Keller (2012) oder Tischtennis-Ass Timo Boll (2016). „Das ist eine Riesenehre für mich und gibt ganz sicher schöne Erinnerungen. Ich denke, das macht sich ganz gut in der Vita“, sagte er.
Florian Wellbrock sichert dem DSV-Team EM-Silber mit starkem Zielsprint
Bei den Europameisterschaften in Budapest haben die Freiwasserschwimmer*innen des Deutschen Schwimm-Verbandes e.V. (DSV) beim Teamevent über 4x1,25km mit Lea Boy, Leonie Beck, Rob Muffels und Florian Wellbrock die Silbermedaille hinter Italien gewonnen. Im Lupa-See zeigte Doppel-Weltmeister Wellbrock dabei als Schlussschwimmer seine besondere Klasse. Erst halbierte der Magdeburger den Rückstand zum Sieger noch auf rund neun Sekunden und ließ dann in einem spannenden Zielsprint Gastgeber Ungarn und Frankreich hinter sich. „Ich konnte mir den Franzosen relativ schnell holen, am Ende wurde es dann aber nochmal richtig knapp. Ich bin froh, dass ich es auf den zweiten Platz retten konnte“, sagte Wellbrock. „Gegen Italien zu verlieren ist keine Schande und deswegen sind wir happy mit dem Ergebnis.“
Als Startschwimmerin war Lea Boy die erste Runde schnell und mutig angegangen, als Dritte übergab sie an ihre Würzburger Kollegin Leonie Beck. Diese verteidigte ihren Rang genauso überzeugend wie nach ihr Rob Muffels. Der Magdeburger konnte dabei wie alle anderen nur dem zweifachen Sieger der bisherigen Einzelrennen, Gregorio Paltrinieri, nicht ganz folgen. Der Olympiasieger über 1500m Freistil von 2016 riss das Feld im dritten Rennabschnitt völlig auseinander und verschaffte dem Siegerteam damit auch den vorentscheidenden Vorsprung. „Unsere Frauen haben ihren Job sehr, sehr gut gemacht und den Anschluss gehalten. Rob sollte dann versuchen, an Paltrinieri dranzubleiben und ist es dadurch wohl etwas zu schnell angegangen. Nach dem harten Start musste er dann etwas reißen lassen, hat sich aber ganz stark wieder zurückgekämpft“, analysierte Bundestrainer Bernd Berkhahn.
Im letzten Abschnitt konnte Wellbrock dann bald zu Marc-Antoine Olivier (FRA) aufschließen und sich auch im Schlussprint gegen den Weltcupführenden und auch gegen den herangeschwommenen Lokalmatador Kristof Rasovszky (HUN) behaupten. „Das war spannend und auch sehr fair. Es ging letztlich nur noch darum, wer das beste Timing hat. Und Florian hat von der Schulter zur Unterkante des Anschlagbretts dann wirklich die Optimallinie gefunden“, freute sich Berkhahn nach diesem Fotofinish.
Wellbrock zog vor der Heimreise am Sonntag dann ein positives Fazit für die EM, von der er auch eine Bronzemedaille im Einzel über die olympischen 10km mitbringt. „Wir haben uns auf dieser Durchgangsstation gut verkauft und freuen uns nun alle auf Sonne und das warme Wasser in Tokio. Da wird dann ohne Neopren geschwommen. Und da läuft es hoffentlich für das DSV-Team noch etwas besser.“ Sein Kollege Rob Muffels äußerte sich genauso: „Wir werden jetzt weiter hart arbeiten und dann läuft es sicher noch besser in Tokio.“
Bundestrainer Berkhahn sind in Budapest allerdings auch einige taktische Feinheiten aufgefallen, die es in Hinblick auf den Saisonhöhepunkt zu verbessern gilt. „Es war gut, bei dieser EM geschwommen zu sein. Es wurden hier einige Dinge aufgedeckt, an denen wir arbeiten müssen und in denen uns einfach auch die Routine fehlt nach der langen Pause“, so Berkhahn. „Wir werden jetzt versuchen, noch ein weiteres Freiwasserrennen in Spanien zu schwimmen, bei dem wir noch mal was probieren können.“
Wellbrock & Muffels: Eiskalte EM-Duelle mit den Toprivalen
Rund 1.500 Aktive werden in Budapest erwartet, wenn unter aufwändigen Hygienevorkehrungen vom 10. - 23. Mai die Europameisterschaften mit Entscheidungen im Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Wasserspringen und Synchronschwimmen stattfinden. Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) schickt dabei ein schlagkräftiges Team mit insgesamt 45 Aktiven an den Start.
„Wir gehen diese EM mit großem Ernst an, auch wenn es in einem Olympiajahr noch einen wichtigeren Höhepunkt gibt“, sagte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. „Dieses internationale Kräftemessen ist eine wichtige Standortbestimmung für unsere Athlet*innen und Trainer*innen, so viele hochkarätige Wettkampfalternativen gibt es ja derzeit nicht.“
Das gilt auch und besonders für Schwimmer Florian Wellbrock. Nach zwei Jahresweltbestzeiten im 50m-Becken im April tritt der Doppelweltmeister gemeinsam mit seinem Magdeburger Trainingskollegen und WM-Dritten Rob Muffels im kristallklaren Lupa-See erstmals in dieser Olympiasaison in zwei Freiwasserrennen an, womöglich bleiben es für Wellbrock sogar die einzigen Open-Water-Tests vor dem Saisonhöhepunkt in Japan (23. Juli - 08. August). Bundestrainer Bernd Berkhahn erwartet bei deutlich kühleren Bedingungen (nahe der Mindestwassertemperatur von 16 Grad) als später in Tokio aufschlussreiche Duelle über 5 und 10km mit dem WM-Zweiten und Weltcup-Führenden Marc-Antoine Olivier aus Frankreich und dem Italiener Gregorio Paltrinieri. „Ich bin sehr gespannt auf die Form bei Florian nach den starken Beckenwettbewerben“, sagte Berkhahn. „Und auch für Rob ist es wichtig, dass er nach vielen Monaten mal wieder im Wettkampfpulk schwimmen kann.“
EM-Rennen ohne Wunram und Köhler
Bei den Frauen tragen Leonie Beck und Lea Boy im Freiwasser ebenfalls Medaillenhoffnungen, mit Finnia Wunrammusste die zweite deutsche Olympiastarterin neben Beck ihre EM-Teilnahme wegen Krankheit dagegen kurzfristig absagen. Auch Sarah Köhler wird entgegen ursprünglicher Planungen nicht nach Ungarn reisen. Um dort neben dem Teamevent wie gewünscht auch ein Einzelrennen bei der EM bestreiten zu können, wäre aus Gründen der Gleichbehandlung und Fairness innerhalb des DSV-Kaders ein internes Ausschwimmen nötig geworden - Köhler entschied sich mit ihrem Trainer gegen diesen zusätzlichen Aufwand und konzentriert sich nun lieber voll auf das Beckenschwimmen bei Olympia.Beim Beckenschwimmen in der zweiten EM-Woche sind mit Marco Koch und Lucas Matzerath zwei qualifizierte Olympiastarter in Budapest dabei, alle anderen konzentrieren sich nach der nationalen Qualifikation im April erst einmal wieder auf das Training zur Olympiavorbereitung. „Ein so erfolgreicher Athlet wie Marco Koch tritt bei einer EM natürlich immer mit Ambitionen an, aber auch andere in unserem Team sollen in den Finals durchaus eine Rolle spielen“, sagte Bundestrainer Hannes Vitense. Er meint damit nicht nur erfahrenere Kräfte wie Jessica Steiger, Ramon Klenz oder Marek Ulrich, sondern auch Talente wie Angelina Köhler, Kim Herkle und Zoe Vogelmann. „Es ist wichtig, dass unsere jungen Leute mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris diese internationale Erfahrung sammeln.“
Silber und Bronze beim Weltcup bringen zwei weitere Olympiaplätze
Bei den Olympischen Spielen (23. Juli - 08. August) wird Deutschland im Wasserspringen in zwei weiteren Disziplinen mit dabei sein. Patrick Hausding und Lars Rüdiger im Synchronspringen vom 3m-Brett sowie Christina Wassen (alle Berliner TSC) und Tina Punzel (Dresdner SC 1898) im Turm-Synchronspringen sicherten am zweiten Tag des Weltcups in Tokio (JPN) die nächsten Quotenplätze für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV). „Wir sind heute überglücklich. Unsere Athlet*innen haben in beiden Disziplinen hochkarätige Leistungen gezeigt“, lobte Bundestrainer Lutz Buschkow.
Damit wird der DSV bei Olympia wie schon 2016 in Rio de Janeiro (BRA) in drei der vier Synchronwettbewerbe vertreten sein. Am Samstag hatte Punzel zusammen mit Lena Hentschel (Berliner TSC) bereits den Startplatz im 3m-Synchronspringen geholt. Wer die Quotenplätze besetzt und für Deutschland beim Saisonhöhepunkt an den Start geht, entscheidet sich bei den Deutschen Meisterschaften im Rahmen der „FINALS 2021“ vom 01. - 06. Juni in Berlin. Erst dort werden die personengebundenen Olympiatickets vergeben.
Ausrufezeichen in Richtung Olympia
Patrick Hausding und Lars Rüdiger wurden am Sonntag mit persönlicher Bestleistung von 433,92 Punkten Zweite beim Weltcup hinter den bereits für Olympia qualifizierten Vizeweltmeistern aus Großbritannien (440,94). Bereits im Vorfeld zählten sie als WM-Vierte von 2019 zum Favoritenkreis für einen der vier noch zu vergebenen Startplätze für die Sommerspiele und hatten diese Erwartung mit Platz zwei im Vorkampf noch untermauert.
Auch im Finale mischten die beiden DSV-Springer von Anfang an vorne mit. Einen leichten Wackler im dritten Versuch machten sie in der nächsten Runde mit einer blitzsauberen Ausführung beim 3,5-fachen Salto rückwärts gehockt direkt wieder wett und brachten den Wettkampf danach souverän nach Hause. „Wir sind sehr stolz auf uns“, sagte Hausding, „wir haben hier einen super Wettkampf hingelegt und nach so langer Pause sogar eine Bestleistung erzielt.“ Dabei ließen die Deutschen sowohl Vizeweltmeister Malaysia als auch den amtierenden Europameister Russland hinter sich. „Das ist ein Ausrufezeichen in Richtung Olympia“, so der Bundestrainer.
Treppchenplatz als Bonus
Auch Tina Punzel und Christina Wassen sprangen als Dritte hinter den Paaren aus Kanada (305,94) und Großbritannien (302,88) aufs Treppchen. Mit 292,86 Punkten erzielte auch dieses Duo eine neue persönliche Bestleistung. „Es ist traumhaft. Wir wollten unbedingt den Quotenplatz holen – dass es jetzt sogar eine Medaille geworden ist, ist ein schöner Bonus“, jubelte Punzel. „Ich bin sehr stolz auf uns, dass wir das geschafft haben“, meinte auch Wassen. In Rio de Janeiro war Deutschland im 3m-Synchronspringen zuletzt nicht bei Olympia vertreten gewesen.
Nach den ersten drei Sprüngen lag Deutschland zwischenzeitig sogar auf Platz zwei. Im vierten Versuch leisteten sich Punzel und Wassen dann zwar einen kleinen Fehler. Doch mit einer starken Leistung beim abschließenden 2,5-fachen Salto rückwärts mit 1,5 Schrauben machten sie den Podiumsplatz perfekt.
Schlagkräftiges Team für den Kampf um die Olympia-Quotenplätze
Das große Ziel lautet Tokio, doch für die Wasserspringer*innen bedeutet die japanische Hauptstadt zugleich auch den Anfang ihrer Olympiakampagne. Beim Weltcup vom 18. - 23. April werden dort zunächst die Quotenplätze für die Sommerspiele vergeben. Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) wird mit einem schlagkräftigen Team nach Tokio reisen und hat in sämtlichen Disziplinen gute Chancen, einen oder sogar zwei Quotenplätze zu sichern.
Bundestrainer Lutz Buschkow hat dafür insgesamt 15 Springer*innen nominiert. Bei den Frauen wird das Aufgebot angeführt von Tina Punzel (Dresdner SC 1898), die mit ihrem zehnten Platz bei der WM 2019 bereits einen Quotenplatz vom 3m-Brett geholt hat. Außer ihr sind auch noch Lena Hentschel, Christina Wassen, Elena Wassen, Pauline Pfeif, Jana Lisa Rother (alle Berliner TSC) und Saskia Oettinghaus (Dresdner SC 1898) in Tokio mit dabei. Bei den Männern ist Patrick Hausding (Berliner TSC) das Aushängeschild, der ebenso wie Punzel bei der WM bereits einen Olympia-Startplatz für den DSV sichern konnte. Verstärkung bekommt er beim Weltcup durch seine Vereinskollegen Lars Rüdiger und Lou Massenberg sowie durch Timo Barthel (SV Halle), Martin Wolfram (Dresdner SC 1898) und das Aachener Trio aus Alexander Lube, Moritz Wesemann und Jaden Eikermann.
Wer letztlich in welcher Disziplin an den Start geht und in welcher Besetzung die Paare in den Synchronwettbewerben antreten, wird der Bundestrainer auch mit Blick auf die aktuelle Pandemielage mit all ihren Unwägbarkeiten erst kurzfristig vor Ort entscheiden.
Das Ziel beim Weltcup ist mindestens das Halbfinale
Bereits die Nominierung wurde durch die Pandemie nicht leichter, nachdem der geplante zweite Qualifikationswettkampf im Februar in Rostock wegen des Coronavirus ausgefallen war. Stattdessen zog Buschkow nun die Eindrücke aus diversen Trainingswettkämpfen für die Auswahl heran. „Wir haben eine starke Mannschaft beisammen. Es ist eine gute Mischung aus arrivierten Athlet*innen und jungen, aber sehr talentierten Sportler*innen“, sagt er. Während Hausding beispielsweise schon dreimal bei Olympia dabei war und im internationalen Vergleich bereits zahlreiche Medaillen verbuchen konnte, wären die Spiele für den erst 16-Jährigen Eikermann eine Premiere. Bei den Deutschen Meisterschaften 2020 in Rostock sowie beim ersten Qualifikationswettkampf kurz vor Weihnachten wusste der Youngster bereits mit starken Leistungen zu überzeugen.
Um den Quotenplatz zu sichern, müssen die Deutschen beim Weltcup im Einzel mindestens das Halbfinale der besten 18 Springer*innen erreichen. Landen schon qualifizierte Springer*innen unter den Top 18 – die besten Zwölf der WM 2019 haben dort schon einen Quotenplatz für ihr Land geholt –, rücken die dahinter Platzierten entsprechend auf. In den Synchrondisziplinen erhalten die besten Vier einen Quotenplatz, den die Medaillengewinner der WM sowie Japan als Gastgeber bereits sicher haben. Auch hier wird je nach Ausgang des Weltcups eventuell noch aufgefüllt.
Wer die Quotenplätze aus deutscher Sicht letztlich wahrnehmen darf, wird allerdings erst bei den Deutschen Meisterschaften vom 01. - 06. Juni in Berlin ermittelt. Das große Finale der nationalen Olympiaqualifikation wird erstmals im Rahmen der „FINALS 2021“ ausgetragen.
So läuft die Olympiaqualifikation im April in Berlin
Der Deutsche Schwimm-Verband e.V. (DSV) hat die Ausschreibung für die „DSV Olympiaqualifikation Beckenschwimmen“ in Berlin (16. - 18. April) veröffentlicht, die nach weiteren Qualifikationsmöglichkeiten im April den finalen Höhepunkt im Kampf um die Startplätze bei den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli - 08. August) im diesjährigen Qualifikationszeitfenster bildet. Gemäß den vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verabschiedeten nationalen Nominierungskriterien müssen spätestens hier die geforderten Olympianormzeiten erbracht werden. >> Ausschreibung DSV Olympiaqualifikation
Aufgrund der Coronavirus-Pandemie handelt es sich hierbei diesmal um einen Einladungswettkampf für die auf der sogenannten Longlist stehenden Kader-Athlet*innen, bei dem zum Schutz aller Beteiligten ein strenges Hygienekonzept samt umfangreicher Testungen und eine Bubble-Konstellation zur Anwendung kommen wird. Alle Teilnehmer*innen haben sich dabei nach Anreise einem Corona-Test zu unterziehen. Zudem werden in der Schwimm-und Sprunghalle am Europasportpark (SSE) im April keine Zuschauer*innen zugelassen. Natürlich können Athlet*innen, die bislang keine Kaderzugehörigkeit zum Olympia-, Perspektiv- oder Ergänzungskader besitzen (aber auf der Longlist stehen und im natioanlen Testpool gemeldet sind), bei entsprechender Leistungsentwicklung auch noch kurzfristig auf den Olympiazug aufspringen. Sie müssen im Qualifikationszeitraum vom 01. Januar 2019 bis einschließlich 11. April 2021 dann allerdings mindestens schon eine der folgenden Pflichtzeiten erfüllt haben, um in Berlin starten zu dürfen. Pflichtmeldezeiten für die Olympiaqualifikation in Berlin
Pflichtzeiten | Frauen | Männer |
50m Freistil | 00:25,25 | 00:22,40 |
100m Freistil | 00:56,00 | 00:50,50 |
200m Freistil | 02:01,10 | 01:50,70 |
400m Freistil | 04:12,45 | 03:51,15 |
800m Freistil | 08:40,20 | 07:59,75 |
1500m Freistil | 16:35,55 | 15:17,00 |
100m Brust | 01:08,35 | 01:01,00 |
200m Brust | 02:27,80 | 02:12,50 |
100m Rücken | 01:01,20 | 00:54,80 |
200m Rücken | 02:12,10 | 01:59,35 |
100m Schmetterling | 00:59,10 | 00:52,85 |
200m Schmetterling | 02:10,80 | 01:58,65 |
200m Lagen | 02:14,55 | 02:01,80 |
400m Lagen | 04:43,95 | 04:20,10 |
