Moritz Wesemann wird mit KI-Hilfe wieder Europameister

©Jo Kleindl
- 02.08.2026
„Geiler geht’s nicht“, so hatte Wasserspringer Moritz Wesemann im vergangenen Jahr seinen EM-Sieg vom 1m-Brett bejubelt. Was er da noch nicht wusste: Geht es sehr wohl! Denn bei den Europameisterschaften in Paris (FRA) konnte der 24-Jährige vom SV Halle sein Kunststück nun wiederholen und seinen Titel damit erfolgreich verteidigen. Der letzte Springer, dem das gelang, war Patrick Hausding 2021.
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Nach einer starken Serie mit Höchstschwierigkeiten lag Wesemann am späten Samstagabend mit 431,45 Punkten vor den beiden Briten Jack Laugher (418,25) und Jordan Houlden (410,30). Es war die erste Goldmedaille für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) bei den Pariser Europameisterschaften. Überhaupt sammelten die DSV-Wasserspringer*innen an diesem Tag kräftig Edelmetall: Zuvor hatten auch schon Pauline Pfeif und Elena Wassen(beide Berliner TSC) Silber im Turm-Synchronspringen gewonnen.
Der letzte Sprung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad bringt den EM-Titel
Anders als beim Teamevent am Tag zuvor gelang Wesemann diesmal ein guter Start. Nach seinem Delfinsalto lag er gleich auf Rang zwei und nach einem Schraubensalto mit toller Sprunghöhe dann sogar erstmals vorn. Aber auch seine Rivalen zeigten tolle Sprünge und zogen wieder am Deutschen vorbei, der blieb aber voll im Attacke-Modus. Von der Passivität, die ihn noch im Vorkampf am Mittag gehemmt hatte, war überhaupt nichts mehr zu spüren.
Vor der Schlussrunde war Wesemann Zweiter hinter Laugher, zog dann aber seinen Joker. Der eineinhalbfache Auerbachsalto mit dreieinhalb Schrauben hatte mit 3,6 den höchsten Schwierigkeitsgrad des Abends, und Wesemann zauberte ihn direkt ins Wasser. Das brachte ihn noch nach vorn.
Bundestrainer Christoph Bohm lobt seinen Springer nach der Nervenschlacht
„Was für eine Nervenschlacht, der Junge hat Mumm bewiesen“, jubelte Chef-Bundestrainer Christoph Bohm, bei dem Wesemann neuerdings trainiert. „Moritz hat stabil den Wettkampf durchgezogen, den Druck dabei auch immer oben gehalten. Er hat so auch die Kampfrichter ein bisschen auf seine Seite gezogen, weil er einfach mit seiner Höhe, aber auch mit seiner Eleganz beeindruckt hat. Das war einfach eine tolle Leistung.“
Wesemann selbst meinte: „Ich bin extrem happy. Vor allem, dass ich einfach den Mut, den ich gestern scheinbar nicht auf dem Brett hatte, heute umwandeln konnte.“ Dass diesmal alles perfekt lief und die Konzentration nie nachließ, war kein Zufall. Wesemann hatte die Erlebnisse des Vortages genau analysiert und seine Schlüsse gezogen. „Ich habe gestern tatsächlich mal auf meine Herzfrequenz geguckt und ich hatte während dem Team-Event 169er Puls, also fast 170, was ein bisschen zu hoch war. Jetzt habe ich heute Morgen mal im Vorkampf geguckt, das waren 160. Ich denke, im Finale waren es wahrscheinlich nur 140 oder 150. Und ich glaube, so ein bisschen das gewusst zu haben, wie man das dann reguliert, hat mir einfach geholfen und dann konnte ich einfach genießen und Spaß haben.“
Bei Chat GPT holt sich Moritz Wesemann Tipps zur Pulsregulierung
Atemübungen haben geholfen. Und auch das Zwiegespräch mit sich selbst. „Ich habe ein bisschen mit Chat GPT noch gestern diskutiert, was ich machen kann, ein paar Tipps geholt“, verriet Wesemann nach der Siegerehrung kurz vor Mitternacht. In diesem Jahr hatte er auch seinen Master-Studiengang in Computer-Wissenschaften angeschlossen.
Der Puls geht bei so einem Wettkampf schnell mal hoch, sackt aber genauso schnell auch mal ab. „Ich habe nach der vierten Runde einen Müdigkeitsanfall gekriegt. Also gemerkt, jetzt wird es nochmal haarig. Aber ich habe mich dann einfach warm gemacht. Und mit dem Adrenalin auf dem Brett ist die dann wieder verschwunden. Und jetzt habe ich noch so viel Adrenalin, dass ich wahrscheinlich erstmal nicht pennen kann.“
Jonathan Schauer verpasst das Finale nur knapp
Versuchen wollte Wesemann es trotzdem, denn in dieser Form hat er auch vom 3m-Brett wieder Medaillenchancen. „Ich habe eigentlich nur vor, Spaß zu haben und zu gucken, was ich trainiert habe, um das nochmal vorzuzeigen. Und dann geht das realistisch gesehen Richtung Medaillenchance“, sagte er selbst.
Nur knapp das Finale verpasst hatte am frühen Nachmittag Jonathan Schauer. Der 21-Jährige vom SV Halle belegte im Vorkampf Platz 13 mit 321,55 Punkten. „Ich wollte ins Finale, aber heute sollte es nicht sein. Aber das motiviert mich für die kommenden Aufgaben umso mehr“, meinte der frühere Juniorenweltmeister und JEM-Zweite.















